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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

31.01.2010

Comicklassiker jetzt mit Bildungsrabatt
(Spiegelmans Maus wird im großen Stil unters Volk gebracht)

Das Innenministerium von NRW bedient sich bereits seit einer Weile des Mediums Comic, um mit den kostenlos erhältlichen Andi-Heften Schüler über Extremismus zu informieren. (Spiegel Online-Artikel zur zweiten Ausgabe über Islamismus, taz-Artikel zur etwas umstrittenen dritten Ausgabe über Linksextremismus).

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat mit Hanisauland eine Comicreihe im Angebot, in der politische und gesellschaftliche Themen für Schüler der Klassen 3-5 unterhaltsam und verständlich aufbereitet werden.

Aktuell hat die bpb jedoch auch einen waschechten modernen Comicklassiker in ihr Programm aufgenommen: Art Spiegelmans Maus in der vollständigen Fassung wird aufgefahren, um an die Themen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust heranzuführen.

Gegen eine "Bereitstellungsgebühr" von 4 Euro pro Exemplar und die Übernahme der Portokosten von 4,60 Euro für jeweils bis zu 20 kg Bücher lohnt sich vor allem die Anschaffung größerer Mengen für Schulklassen und andere pädagogische Einrichtungen. Aber selbst eine Einzelbestellung ist mit 8,60 Euro immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zum aktuellen Verlagspreis.

Schöne Idee der bpb, hoffentlich finden auf diesem Weg noch mehr großartige Comics den Weg in den Bildungssektor. Wir von Comicgate beraten gern bei der Auswahl ...

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posted by Andi um 19:04 | Permalink


25.01.2010

Spatzen auf den Dächern 8
(Best of Comicgate-Tweets KW 50-03)

Aufhebenswerte Tweets der letzten Wochen aus dem Gezwitscher der Comicgate-Redaktion. Da es so viel aufzuholen gibt, beschränke ich mich noch mehr ;) als sonst.

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver, FP = Frauke


KW 50
KW 51
KW 52
KW 53
  • Da Diamond heute nicht ausliefert, ergreifen die US-Indie-Verleger die Chance: Es ist die "Indy Comic Book Week". http://bit.ly/kgppl FP

  • Oha! "Scott Pilgrim" von @radiomaru erscheint 2010 auf Deutsch bei Panini. (sagt der Hummelcomic-Newsletter) TK
KW 01
KW 02
KW 03

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posted by Frauke um 23:34 | Permalink


23.01.2010

Surrogates: Das schreiben die anderen
(Eine kleine Presseschau)

Seit Donnerstag im Kino: Die erste Comicverfilmung des laufenden Jahres, Surrogates - Mein zweites Ich, basierend auf dem Comic The Surrogates von Robert Venditti und Brett Weldele. Die Hauptrolle in dem dystopischen SF-Krimi spielt Bruce Willis, Regie führte Jonathan Mostow (Terminator 3). Bei Comicgate wurde zwar die Vorlage besprochen und die beiden Macher interviewt, wir hatten aber noch keine Gelegenheit den Film zu sehen. Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Überblick darüber, was anderswo über die Verfilmung geschrieben steht.

Christian Meyer (film-dienst) zeigt sich begeistert von der Comicvorlage, aber enttäuscht vom Film: "Der Film ist ?comichafter? als der Comic", schreibt er und zieht sehr interessante Vergleiche:
"Der Film arbeitet vor allem mit Vereinfachungen und Klischees, was sowohl die Figurenzeichnung und die Handlung als auch die ästhetische Oberfläche und die ideologische Ausrichtung betrifft. Der Comic entfaltet einen spannenden Diskurs über die Vor- und Nachteile der Surrogaten."
Außerdem analysiert Meyer den vielleicht wichtigsten Unterschied zwischen Comic und Film: der Comic erschien beim Independent-Verlag Top Shelf, der für Autorencomics steht, die Verfilmung stammt hingegen von der Disney-Tochter Touchstone Pictures und unterliegt damit den Gesetzen des Mainstream-Markts.

Auch Spiegel-Online-Autor Jörg Böckem verweist auf die fehlende Werktreue, was allerdings auch seine guten Seiten habe:
"Mostow benutzt die Vorlage eher als Quelle für Ideen und Charaktere, als dass er sie stringent verfilmt. Das ist grundsätzlich in Ordnung: Zu sklavische Originaltreue, das hat zuletzt Zack Snyders Watchmen bewiesen, gereicht einer Comicverfilmung nicht immer zum Vorteil. Und auch Robert Rodriguez wusste bei Sin City - trotz großartiger Bilder und Darsteller - Frank Millers wunderbaren Werk letztendlich nichts hinzuzufügen."

Moritz Honert und Lars von Törne stellen im Tagesspiegel ebenfalls gravierende Unterschiede fest, ziehen aber ein positives Fazit:
"Film und Buch funktionieren jeweils für sich ? und jeweils hervorragend. Das von Klassikern wie Blade Runner inspirierte Buch besticht durch raue, oft schemenhafte Zeichnungen und durch eine beeindruckende Dichte und erzählerische Wucht. Weldeles kunstvolle Bilder, die neben oft nur angedeuteten Linien viel mit Farben, Strukturen und abstrakten Elementen arbeiten, lassen eine Verfilmung mit wackliger Handkamera erwarten.
Doch weit gefehlt: Der Film, den Regisseur Mostow auf der Grundlage von Surrogates gedreht hat, ist durchgestylt, visuell wie dramaturgisch bestechend, aber lässt trotz seiner glatten Oberfläche viel Raum für die Entwicklung von interessanten Charakteren und für eine komplexe Handlung."

Bei Telepolis verzichtet Stefan Höltgen auf Bezüge zur Comicvorlage und konzentriert sich in seinem elaborierten Text auf das Zukunftsszenario, das der Film präsentiert:
"Mit Programmen wie 'Second Live' und neuerdings multifunktionalen Sex-Robotern und Versuchen perfekter äußerlicher Roboter-Imitate [...] ist Surrogat-Technologie zu einem sozialen Phänomen geworden, dessen Möglichkeiten und Schädlichkeiten die Meinungen teilt. Wie sensibel Surrogates auf diese Spaltung reagiert und kontemporäre Phänomene in die nahe Zukunft prolongiert, ist gleichermaßen unheimlich wie genial."

US-Kritikerpapst Roger Ebert attestiert Surrogates ein gutes Knozept und viele interessante Ideen, die jedoch allzu schnell verschenkt werden, weil der Film sehr bald dazu übergeht, ein Action-Spektakel sein zu wollen:
"Unfortunately, Surrogates, while more ambitious than it has to be, descends into action scenes too quickly. Why must so many screenplays reduce their ideas to chases and shoot-outs? The concept here, based on a graphic novel by Robert Venditti and Brett Weldele, would lead naturally to intriguing considerations."

Rochus Wolff (critic.de) findet dagegen nicht, dass allzu viel Action vorherrscht:
"[Action-Szenen] bleiben eher die Ausnahme; die Handlung konzentriert sich auf das Whodunnit. Für dessen Auflösung kann der Film allerdings leider nur wenig Interesse wecken, dafür bleiben die einzelnen Figuren zu stereotyp und die Brisanz der Ermittlungen bis kurz vor Schluss zu vage."

Auch für Julian Unkel von Filmstarts.de bleibt die Verfilmung unter ihren Möglichkeiten.
"Surrogates beginnt mit einer stimmungsvollen [...] Introsequenz, die kurz und bündig erläutert, wie sich die Gesellschaft durch Surrogates verändert hat. Auch werden hier bereits einige Fragen über die Implikationen einer durch Stellvertreter erlebten Realität aufgeworfen. Wie wirkt sich dies etwa auf Sex und Fortpflanzung, auf Kinder und Erziehung aus? Auf Antworten wartet man jedoch vergebens, da die Autoren [...] die Grundidee kaum weiterentwickeln und lediglich für oberflächliche Kritik an der fortschreitenden Realitätsflucht und Technologieabhängigkeit nutzen."

Charlie Jane Anders vom Science-Fiction-Blog io9 stört sich vor allem daran, dass der Film seine Botschaft, die Kritik an übergroßer Abhängigkeit des Menschen von der Technik, so überdeutlich vor sich her trägt:
"The movie definitely wants you to know that excessive reliance on technology is bad and wrong ? it's one of the preachiest films I've seen in ages, and it's by no means subtle. Willis' character starts out being opposed to the use of robotic "surrogates," and his conviction rapidly hardens. Meanwhile, we are lectured constantly about the evil of using robot bodies to interact instead of communing in the flesh."

Man scheint also, so sind sich die Kritiker ziemlich einig, nicht viel zu verpassen, wenn man auf den Kinobesuch verzichtet. Die Comicvorlage ist hier wohl die eindeutig bessere Alternative.

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posted by Thomas um 17:32 | Permalink


10.01.2010

Frisch aus der Druckerei, 1/10
(Comic-Neuheiten im Dezember)

HIGHLIGHT DES MONATS: Der Avant-Verlag brachte kurz vor Weihnachten jenen Comic auf den deutschen Markt, der vor knapp einem Jahr beim Festival in Angoulême als "Bestes Album" ausgezeichnet wurde: Pinocchio vom Künstler Winshluss (der unter seinem richtigen Namen Vincent Paronnaud als Co-Regisseur für die Verfilmung von Marjane Satrapis Persepolis verantwortlich war) ist eine sehr freie, gar nicht jugendfreie Adaption des berühmten Romans von Carlo Collodi, die weitgehend auf Worte verzichtet und stilistisch äußerst variantenreich ist. Christian Gasser lobt im Strapazin: "Virtuos verzerrt, missbraucht, pervertiert und reflektiert er die Codes und Klischees der populären Kultur und schreckt, ganz im Geiste des Punk, auch nicht vor pubertären Scherzen und Provokationen zurück. Erzählerisch verknüpft er in Schwindel erregender Manier verschiedene Plots, und auch zeichnerisch schöpft er aus dem Vollen - von skizzenhaftem Schwarzweiss bis zu barock verkitschten Farborgien." 22 Seiten Leseprobe als PDF stehen hier.

Mit dem Stuttgarter Kommissar Eisele besetzte Martin Frei bei Gringo Comics das Feld "Regionalkrimi" im Comicbereich. Dieses Feld wird nun ausgebaut: Eisele wird in Kürze fortgesetzt werden, außerdem wird ein zweiter Ermittler ins Rennen geschickt: Kommissar Fröhlich stammt aus der Feder des Hamburger Viel- und Schnellzeichners Stephan Hagenow (u.a. Rattenmeute, Mac Trap, Perry) und bestreitet seine Verbrecherjagd im hohen Norden. Hagenow scheint an der Arbeit mit Krimicomics sehr viel Spaß zu haben, denn ein zweiter Band soll schon in wenigen Wochen folgen, während der Zeichner bereits an den Bänden 3 bis 5 arbeitet. Bei mycomics kann man reinlesen.

Nicht direkt ein Comic ist das Buch Es war, als würde ich nur kurz zum See fahren, das beim Verlag Die Biblyothek erschienen ist. Dieser bezeichnet den Band als "illustriertes Reisetagebuch". Es stammt vom Berliner Illustrator Gregor Hinz, der auf seinem Motorrad eine mehrmonatige Europareise unternommen und dabei regelmäßig sein Skizzenbuch gefüllt hatte. Ein paar Kostproben daraus gibt aus auf Hinz' Website. Und wenn dieses Foto wirklich den Autor zeigt und kein Fake ist, dann verdient Gregor nachträglich noch den Coolness Award 2009: Die ISBN auf der Brust tätowiert!

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Dass Jeff Smiths Fantasy-Epos Bone zu einer der besten Comicserien der letzten 20 Jahre gehört, sollte inzwischen allgemein bekannt sein. Die ursprünglich in Schwarz-Weiß gehaltene Serie erschien in den letzten Jahren bei Tokyopop sowohl in einer neuen Farbfassung als auch in Form von preiswerten s/w-Taschenbüchern. Als Krönung gibt es zum Abschluss nun auch noch die Bone Complete Edition: Die komplette Geschichte auf 1.344 Seiten in einem fetten Band (Softcover, s/w). Für knapp 30 Euro ein absolutes Schnäppchen. Wer Bone noch nicht hat, hat nun keine Ausrede mehr.

Der rührige Verein Finix Comics ist vor gut zwei Jahren angetreten, um die zahlreichen frankobelgischen Serien, die von deutschen Verlagen ohne Abschluss eingestellt wurden, zu einem Ende zu bringen. Dieses Projekt läuft erfolgreich mit einem Output von mittlerweile einem Album pro Monat. Nun erweitert Finix sein Spektrum und eröffnet die "Collection Solitaire". Wie der Name bereits andeutet, geht es hier nicht um Serien, sondern um abgeschlossene Einzelbände. Die Lizenzen für diese Stoffe kommen ebenfalls aus Frankreich. Den Auftakt macht Mit fremder Feder, von Fabrice Lebeault, den wir bereits besprochen haben. Eine Leseprobe gibt es hier.

Ebenfalls aus Frankreich stammt der Mystery-Thriller Die Welt von Lucie. Die Geschichte, die sich sehr stark um paranormale Phänomene dreht und in ihren besten Momenten an Akte X erinnert, veröffentlicht der Splitter Verlag in zwei Bänden in seiner "Books"-Reihe. Den ersten Band habe ich hier besprochen, eine Leseprobe gibt es auf splitter-verlag.de.

Wer ein Geschenk für jemanden sucht, der mit Juristerei zu tun hat, könnte mit dem Album Diese Juri$ten (BSE Verlag) fündig werden. Pierre La Foret nähert sich hier Anwälten und anderen Rechtsverdrehern mit humoristischen One-Pagern, die die einen als klassisch, die anderen als altbacken bezeichnen werden. Auf der Seite des französischen Originalverlags kann man mal reinschauen.

Zum Abschluss noch zwei Manga-Neustarts bei Carlsen, die sich an ein älteres Publikum wenden:
Furious Love stammt vom 1986 verstorbenen Mangaka Kazuo Kamimura, von dem bei Carlsen bereits Lady Snowblood und Shinanogawa vorliegen. Bei dieser dreiteiligen Reihe fungiert er nicht nur als Zeichner, sondern auch als Autor und erzählt ein erotisches Drama vor dem historischen Hintergrund der Edo-Zeit.

The Royal Doll Orchestra von Kaori Yuki (Angel Sanctuary) ist ein düsteres Horror-Märchen, das in einem Königreich spielt, in dem ein Virus die Menschen in blutdurstige Puppen verwandelt. Ein Orchester kann diese Puppen jedoch mit seiner Musik bekämpfen.

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posted by Thomas um 16:34 | Permalink


09.12.2009

Frisch aus der Druckerei, 12/09
(Comic-Neuheiten im November)

HIGHLIGHT DES MONATS: Der Brite Andi Watson (hier ein CG-Interview mit ihm aus dem Jahr 2006) gehört zu jenen Comickünstlern, die stets am Rande des Mainstreams entlanghangeln und damit zu Unrecht von vielen nicht wahrgenommen werden. Jenen, die Massenware bevorzugen, mag sein individueller Stil zu speziell sein, und für die Kunstfraktion sind seine Geschichten womöglich zu sehr "leichte Unterhaltung". Dabei lohnt sich bei Watson stets ein genauerer Blick, denn er schafft es spielend, Unterhaltung und Tiefgang auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die letzte längere Serie, an der er arbeitete, war Love Fights, die in 12 Einzelheften bei Oni Press erschien. Modern Tales bringt nun die gesamte Reihe in einem 320 Seiten starken Hardcoverband unter dem Titel Liebe + Helden. Die Geschichte spielt in einer Welt, in der es Superhelden gibt, ist aber kein Superheldencomic. Die Männer in Strumpfhosen bilden sozusagen das Hintergrundrauschen, vor dem die eigentliche Story stattfindet: eine romatische Komödie, eine Liebesgeschichte um einen Comiczeichner und eine Reporterin, die über prominente Superhelden schreibt. Bei mycomics kann man reinlesen.

Erste Exemplare waren schon im Sommer zu haben, doch offiziell ist Kleiner Vogel Rot im Zwerchfell Verlag erst jetzt erschienen. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft: Mari lebt in einer menschenfeindlichen Diktatur mit Anklängen an Orwells 1984. Die Regierung hat alles im Griff, freie Meinungsäußerung gibt es nicht. Mari hält dagegen, und zwar nicht mit großer rebellischer Geste, sondern eher im Kleinen. Sie möchte, dass in der grauen Welt auch Platz für Fantasie und Poesie ist. Die Zeichnungen stammen von Veronika Mischitz, die mancher aus Jazam! oder aus dem Comicgate-Magazin 2 kennen dürfte. Autor des Comics ist Christopher Bünte, der auch Mitglied der Comicgate-Redaktion ist. Aus diesem Grund wird es bei uns auch keine Rezension des Bandes geben. Ans Herz gelegt sei er euch hiermit trotzdem. Bei mycomics gibt's die Leseprobe.

Bei Tokyopop meldet sich ein alter Bekannter der deutschen Mangaszene zurück: Robert Labs, einer der ersten hiesigen Zeichner, die als Mangaka bekannt wurden. Seit er sich 2005 mit The Black Beach eher in Richtung des westlichen Comics bewegte (hier ein Comicgate-Interview von damals), ist dies seine erste größere Veröffentlichung. Offensichtlich fand er zum Manga-Stil zurück: Domicile heißt seine neue Serie, eine actionreicher Mystery-Manga, in dessen Mittelpunkt der Kölner Dom steht. Eine Kostprobe gibt es bei Tokyopop im Manga-Player.

Eine weitere Manga-Eigenproduktion gibt's bei Carlsen: Chouchin ist eine Sammlung von Boys-Love-Kurzgeschichten, gezeichnet Tina Lindhorst. Warum der Name der Autorin, die in der Ankündigung von 2007 noch genannt war, nun nirgends mehr auftaucht, wurde bisher nicht bekannt. Hier eine Leseprobe.

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Émile ist Rentner, das Leben hat ihm nicht mehr viel zu bieten. Gerade ist sein bester Freund gestorben. Doch als er schon Selbstmordgedanken hegt, lernt er plötzlich völlig neue Lebensentwürfe kennen: freie Liebe! Bäche und Flüsse von Pascal Rabaté thematisiert Sexualität im Alter und ist bei Reprodukt erschienen. In Frankreich kommt die Geschichte im nächsten Jahr auch als Film ins Kino. Hier einige Probeseiten.

Bei Edition 52 erschien ein neuer Comic von Baru. In Elende Helden widmet der Franzose sich erneut den Außenseitern der Gesellschaft, den Verlierern und den fatalen Folgen, die falsche Entscheidungen haben können. Eine Leseprobe (PDF) steht hier, eine Comicgate-Besprechung ist hier zu finden.

Blankets von Craig Thompson könnte man zu den Comics zählen, die mitverantwortlich für den kleinen Boom der "Graphic Novels" in Deutschland waren. Als die voluminöse Comicerzählung (knapp 600 Seiten) 2004 erstmals bei uns erschien (damals bei Speed Comics), war der Begriff "Graphic Novel" noch nicht so gebräuchlich wie heute. Auf die autobiografische Geschichte, in der Thompson sehr bewegend von strenger religiöser Erziehung uns erster großer Liebe erzählt, passt der Begriff aber ziemlich gut. Weshalb es nur konsequent ist, dass die Neuauflage bei Carlsen unter genau diesem Label erscheint (Leseprobe).

Beim Splitter Verlag erschien Ende November ein dickes Album als Einzelband: Canoe Bay von Tiburce Oger (Gorn) und Patrick Prugne ist eine Abenteuergeschichte, die Mitte des 18. Jahrhunderts in der Neuen Welt spielt und in deren Mittelpunkt ein Schiffsjunge steht. Es geht um Meuterei, Sklavenhandel, Schatzsuchen, Piraterie - und ein schönes Mädchen ist auch noch dabei. Vorschauseiten gibt's auf der Verlags-Website.

Zusammen mit Zeichner Sean Philipps bildet Ed Brubaker ein Dreamteam in Sachen düstere Krimicomics. Nach der Wildstorm-Serie Sleeper lancierten sie beim kleinen Marvel-Label Icon ihre eigene, sehr empfehlenswerte Noir-Serie Criminal. Diese ließen sie kürzlich für ein paar Monate pausieren und füllten die Lücke mit einer Superhelden- oder, besser gesagt, Superschurken-Story. Die nennt sich Incognito, kommt im gleichen düster-dreckigen Stil daher wie Criminal und versteht sich als moderne Hommage an alte Pulp-Geschichten wie The Shadow. Die komplette Miniserie gibt's bei Panini als Paperback-Sammelband (Leseprobe).

Panini erweitert seine "Neil Gaiman Bibliothek" mit einem weiteren Band, der keinen "echten" Gaiman-Comic enthält, sondern die Adaption einer Gaiman-Kurzgeschichte, die von Michael Zulli umgesetzt wurde. Worum es genau geht in Die ganze Wahrheit über den Fall der verschwundenen Miss Finch, habe ich nicht so recht herausgefunden, jedenfalls spielt eine seltsame Underground-Zirkusshow eine gewichtige Rolle. Reinlesen kann man bei mycomics.

In der DC-Abteilung gibt es die komplette Storyline Batman R.I.P., in der Autor Grant Morrison den Dunklen Ritter sterben ließ, als Sammelband. Genauer gesagt, gestorben ist Batmans Alter Ego, der Milliardär Bruce Wayne, denn einen Batman wird Gotham City auch weiterhin brauchen. Hier eine US-Preview.

Außerdem neu bei Panini: Teil 1 der Comicadaption einer Frankenstein-Romantrilogie von Bestsellerautor Dean Koontz. Die Umsetzung stammt von Chuck Dixon, Zeichner ist Brett Booth. Auch hier gibt's eine Vorschau bei mycomics.

Und schließlich noch ein Band aus der Abteilung "Der Comic zum Videospiel": In Resistance: Team Alpha geht's irgendwie um eine Alien-Invasion (US-Preview). Der Comic stammt von Autor Mike Costa und Zeichner Ramón Pérez, der übrigens nicht nur Action kann: Auf kukuburi.de startete Die Biblyothek vor kurzem die deutsche Version von Pèrez' queitschbunter Webcomic-Serie Kukuburi.

Nochmal zurück zu den Manga, wo es im November ziemlich viele Serienneustarts oder Einzelbände gab. Hier eine kleine, unvollständige Auswahl:
Nightschool stammt von der russischstämmigen Kanadierin Svetlana Chmakova (Dramacon) und ist eine Teenie-Horror-Serie über eine Highschool, in der des Nachts Hexen, Werwölfe und Vampire unterrichtet werden (Leseprobe im Manga-Player von Tokyopop).

Die jugendlichen Helden der neuen Fantasy-Reihe +Anima zeichnen sich dadurch aus, dass jeder von ihnen ein tierisches Körperteil besitzt, z.B. Fischflossen oder Krähenflügel. Erscheint ebenfalls bei Tokyopop, reinschauen kann man im Manga-Player.

Bei EMA adult gibt's zwei Serien-Neustarts, die an erwachsene Leser gerichtet sind: Code: Breaker ist ein actionreicher Mystery-Manga, in Cosplay Animal geht's ums Verkleiden und vermutlich auch ums Entkleiden.

Carlsen Manga startete im November eine Neuauflage von Magic Knight Rayearth. Dieser Magical-Girl-Manga war die erste Serie der Zeichnertruppe CLAMP, die in Deutschland auf den Markt kam, was inzwischen 10 Jahre her ist.

Und wer bis hierher gelesen hat und noch wach ist, bekommt zum Schluss noch zwei Tipps in Sachen Sekundärliteratur: Klaus Schikowskis Buch Die großen Künstler des Comics (Edel-Verlag) eignet sich prima als Einstieg für alle, die mehr über Comics wissen wollen und besticht vor allem durch die große Anzahl von Abbildungen. Hier unsere Rezension dazu.

Außerdem erschien ein weiteres Jahrbuch der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor): Deutsche Comicforschung 2010 enthält zahlreiche Aufsätze zur Historie des Comics im deutschsprachigen Raum. Auf comicforschung.de gibt es einen Inhaltsüberblick und ein paar Probeseiten.

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posted by Thomas um 22:28 | Permalink


07.12.2009

Spatzen auf den Dächern 7
(Best of Comicgate-Tweets, KW 49)

Und hier, wie (fast) jeden Montag, eine Zusammenfassung der interessantesten Kurznachrichten der letzten Woche aus unserem Twitter-Account:

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver



1.12.
  • YPS ist wieder da: Nicht als Comic, sondern Gimmicks als iPhone-Apps + Blog, Facebook, Twitter-Account @YPSdigital (via @dwdl) TK

  • Schöner Comic zum 1.12. von Bryan Lee O'Malley alias @radiomaru: http://bit.ly/4YyiTL TK

  • Wer bis April 2010 mal nach New York kommt, sollte unbedingt im MoMA vorbeischauen: Tim-Burton-Ausstellung! http://bit.ly/8udzH1 TK
2.12.
3.12.
7.12.

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posted by Thomas um 21:42 | Permalink


30.11.2009

Spatzen auf den Dächern 6
(Best of Comicgate-Tweets, KW 47 und 48)

Hier wieder eine Zusammenfassung der interessantesten Kurznachrichten der letzten zwei Wochen aus unserem Twitter-Account:

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver, FP = Frauke, bv = Benjamin, DW = Daniel



16.11.
  • Mutiger Schritt im Hause Groth: Beginnend mit Ausgabe 300 gibt es The Comics Journal kostenlos online zu lesen DW http://tinyurl.com/yhb8ww7

17.11.

18.11.

19.11.

20.11.

23.11.

24.11.

25.11.

28.11.
  • Spanische Comiczeichner entwerfen Bilder zur US-Serie "Lost": http://tinyurl.com/pvlhc2 Würde ich auch gerne von deutschen Künstlern sehen bv

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posted by Thomas um 19:52 | Permalink