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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

04.03.2010

Cross Cult bietet Praktikum an!
(tolle Gelegenheit)

Ein Traumpraktikum für Comicfans aus den Bereichen Thriller, Noir, Horror und Science-Fiction: Zum ersten Mal bietet der Verlag Cross Cult eine Praktikumsstelle an.

Hier die Ausschreibung:
Praktikum in der Comic-Redaktion/Presse-Abteilung des Cross-Cult-Verlags

Der Roman- und Comicverlag Cross Cult sucht zum nächstmöglichen Termin eine Praktikantin oder einen Praktikanten für die Abteilung Redaktion/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten.

Cross Cult verlegt seit 2001 Comicreihen und Graphic Novels aus den Grenzbereichen zwischen Comic-Unterhaltung und kunstvollem Underground, darunter so bekannte Titel wie SIN CITY und HELLBOY. Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist die thematische Nähe zu audiovisuellen Medien, zahlreiche unserer Comic-Titel haben erfolgreiche Kino- und TV-Adaptionen erfahren. Intensive redaktionelle Betreuung und aufwändige Produktion zeichnen die Publikationen des Cross-Cult-Verlags aus. Seit 2008 erscheinen auch vermehrt Romane unter dem Label Cross Cult, allen voran aus dem immens populären Star-Trek-Franchise, das bei Cross Cult eine neue verlegerische Heimat gefunden hat.

Das Verlags-Praktikum bei Cross Cult bietet Einblicke und Mitarbeit in einem erfolgreichen, jungen Verlagshaus, enge Einbindung in den redaktionellen Alltag, umfassende Betreuung und eigenverantwortliches Arbeiten an Buchprojekten und PR-Maßnahmen. Das Praktikum umfasst folgende Aufgabenbereiche:

- Redaktionelles Arbeiten: Lektorat, Erstellen von Texten für Homepage/Newsletter, Betreuung von redaktionellen Zusatzseiten, Entwicklung und Betreuung der Online-Präsenz

- Presse-Arbeit: Erstellen von Presseinformationen, Konzeption und Durchführung von PR-Strategien, Pflege und Betreuung von Presse-Kontakten, Versand und Bemusterung von Medien-Partnern

- Unterstützung bei Messe- und anderen Öffentlichkeitsauftritten

- und viel Raum für eigene Ideen!


BewerberInnen sollten ein gesteigertes Interesse am Verlagswesen, Textarbeit, Literatur im Allgemeinen und Comics im Speziellen mitbringen. Kommunikationsfähigkeit, ein offenes Wesen, organisatorische Fähigkeiten, lebendige Schreibe und ein strukturierter Arbeitsstil sind ein Muss, Erfahrungen in redaktionellem Arbeiten und Verlagstätigkeiten wären hilfreich.

Bei Interesse bitte Lebenslauf, Bewerbungsmappe und aussagekräftige Arbeitsproben an:

Cross Cult, Filip Kolek, Teinacher Str. 72, 71634 Ludwigsburg oder
presse(at)cross-cult.de.

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posted by Frauke um 18:05 | Permalink


01.03.2010

Spatzen auf den Dächern 9
(Best of Comicgate-Tweets KW 04-08)

Aufhebenswerte Tweets der letzten Wochen aus dem Gezwitscher der Comicgate-Redaktion, wo wir das Neueste aus der Welt der Comics und darüberhinaus sammeln.

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver, DW = Daniel, FP = Frauke


KW 04
KW 05
KW 06
KW 07
KW 08
  • Schöne Tipps: Panels that always work. FP RT @BJLG For all my friends making comics?download this genius: http://bit.ly/9wVpFL

  • Sinnlos, aber lustig: Batman & Robin Comic Generator http://bit.ly/9vxa0Y TK

  • US-Tipp der Woche: CAPTAIN SWING AND THE ELECTRICAL PIRATES OF CINDERY ISLAND #1 von Warren Ellis & Raúlo Cacéres: http://bit.ly/b8xPtq mof

  • Die Trennung zw. westl. Comics und Manga zeigt sich auch beim Comic-Salon: Tokyopop wird nicht mehr dabei sein. http://bit.ly/cW9wxr FP

  • Batman schlägt Superman. Zumindest was die Comicauktionen angeht, da liegt der Dunkle Ritter seit heute vorne. DW http://tinyurl.com/yj4hqrf

  • FP RT @laybag: RT @spreeblick: Im neuen "Selbstauslöser" geht's mit Mawil in die Comic-Bibliothek: http://bit.ly/8Xfc7E

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posted by Frauke um 23:12 | Permalink


12.02.2010

Frisch aus der Druckerei, 2/10
(Comic-Neuheiten im Januar)

HIGHLIGHT DES MONATS: Der Name Posy Simmonds war zumindest mir bislang völlig unbekannt, dabei wurden vor Jahren immerhin schon zwei Kindercomics aus ihrer Feder auf Deutsch veröffentlicht. Mit Tamara Drewe erscheint bei Reprodukt aber nun ein dezidiert erwachsener Stoff, der Comic-Sequenzen mit Prosatext mischt und zunächst als Fortsetzungsgeschichte im Guardian erschien. Das Buch spielt auf einer ländlichen Residenz, die für viele Schriftsteller als Rückzugsort zum Schreiben dient. Das spießige Idyll wird aufgebrochen, als die attraktive junge Titelheldin aus London ins Dorf kommt, weil sie dort ein Haus geerbt hat. Der Stoff wird gerade von Stephen Frears (High Fidelity, The Queen) verfilmt. Bei Reprodukt gibt es eine Leseprobe, und bei guardian.co.uk steht sogar der komplette Comic online - allerdings in schwer lesbarer, ziemlich kleiner Auflösung.

Der auf der Frankfurter Buchmesse mit großem Täterä angekündigte Relaunch von Fix & Foxi fand im Januar statt. Nun gibt es also wieder eine Heftserie am Kiosk, bestehend aus neuen Comics, kindgerechten Wissensstrecken und dem obligatorischen Gimmick. Wirklich neu und interessant amneuen Fix & Foxi ist die Publikationsweise, denn neben der Printversion gibt es die Hefte auch in verschiedenen digitalen Varianten, für die der Verlag New Ground Publishing GmbH die Software seiner Plattform comicstars.de nutzt. Dort sind auch alte Fix-und-Foxi-Comics der letzten 50 Jahre zu finden. Ob allerdings die beiden Zielgruppen (Kinder und angejahrte Nostalgiker) sich auf E-Book-Experimente einlassen werden, kann bezweifelt werden. Siehe dazu auch den Beitrag von Björn, den er direkt nach der Präsentation in Frankfurt für unser Blog geschrieben hat.

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Extrem viel neuen Stoff gabs im Januar bei Panini Comics. Im weitesten Sinne zur Familie von Conan und Red Sonja gehört Solomon Kane, denn all diese Figuren wurden von Pulp-Meister Robert E. Howard erschaffen. Kane ist ein Puritaner, der im 16. Jahrhundert das Böse bekämpft. Seinen ersten Auftritt hatte er 1928 in Weird Tales, die erste Comicvariante gab es in den Siebzigern bei Marvel. Inzwischen gibt es einen Kinofilm und da war ein neuer Comic wohl unvermeidlich. Geschrieben wurde Solomon Kane: Schloss des Teufels von Dark-Horse-Redakteur Scott Allie und gezeichnet von Mario Guevara. Eine US-Leseprobe gibt es hier.

Weitere neue Lizenzcomics zu mehr oder weniger erfolgreichen Franchises: Neu im Panini-Programm sind Comics zur Fernsehserie Supernatural und zum Videospiel Mirror's Edge, die beide in den USA bei Wildstorm erschienen sind. Hier gibt es jeweils das komplette erste Kapitel bei mycomics.de zu lesen. Supernatural funktioniert als Prequel zur Mystery-TV-Reihe und bei Mirror's Edge steht eine Parkour-Läuferin in einer dystopischen Zukunft im Mittelpunkt.

In der DC-Ecke bringt Panini eine Serie nach Deutschland, die zwar unter dem DC-Label erscheint, die aber nicht direkt im Superheldenuniversum des Verlags spielt. Denn Jonah Hex ist ein astreiner Western. Erstmals 1972 erschienen, gab es immer wieder mal längere und kürzere Serien mit dem Revolverhelden. Die aktuelle gibt es seit 2005, wird vom Autorenteam Justin Gray und Jimmy Palmiotti mit verschiedenen Zeichnern gestaltet und hat es bereits auf über 50 Hefte gebracht. Die ersten sechs gibt's nun auf Deutsch in Jonah Hex 1: Zeit zu sterben, was sicher auch damit zu tun hat, dass eine Verfilmung des Stoffs in den Startlöchern steht (Leseprobe).

Nun zu den Superhelden, bei denen der Überblick derzeit immer schwerer fällt, weil fast alle mehr oder weniger schwer in diverse Crossover-Events verstrickt sind. Neben den ganz großen Events, die sich durchs komplette Verlags-Universum ziehen, gibt es noch kleinere Crossover, die sich innerhalb der einzelnen "Helden-Familien" abspielen. So drehten sich die verschiedenen Batman-Haupt- und Nebenserien kürzlich um den "Battle for the Cowl", nachdem Bruce Wayne ja (vermeintlich?) tot ist. Auf Deutsch nennt sich das Ding Kampf um die Maske und erscheint sowohl in der regulären Batman-Heftserie als auch in der Batman Monster Edition 4.

Auch die Superman-Familie hat ihr Mini-Crossover: Dort heißt es New Krypton und erscheint bei uns in den Superman Sonderbänden 35 und 36. Auf der Erde gibt es eine neue Stadt am Nordpol, in der 100.000 Kryptonier leben, also lauter Leute, die die gleichen enormen Kräfte haben wie Superman. Auf mycomics.de steht das komplette erste Kapitel.

Auch Marvel kennt das Phänomen der "kleineren Events". Ein solches ist War of Kings, das sich vor allem im Bereich von Marvels "cosmic heroes" abspielt, also den Superhelden, die mit Weltraum und fernen Planeten und so zu tun haben. Tut mir leid, aber ich habe nicht den geringsten Durchblick, wovon ich hier gerade schreibe. Auf der Panini-Homepage liest sich das so: "Was passiert, wenn die Imperien der Shi'ar und der Inhumans/Kree ihren Konflikt endgültig lösen wollen? Die Sterne der Galaxie werden erbeben, und mitten im Getümmel kämpfen die Wächter der Galaxie und Nova!" Alles klar. Jedenfalls ist der erste von drei Sammelbänden erschienen. Eine Kostprobe auf Englisch ist hier zu finden.

Was passiert, wenn man einen Marvel-Helden nimmt, in die 30er Jahre versetzt und eine Story im Stil der Série Noir zu erzählen versucht? Dann entsteht die Miniserie Marvel Noir: Spider-Man, die nun auch als deutscher Sammelband vorliegt. Und weil das Konzept gar nicht so schlecht angekommen ist, wird es von Marvel natürlich endlos weitergemolken. In den USA gibt es bereits Noir-Varianten von Daredevil, Wolverine, Punisher, Luke Cage und noch ein paar mehr. Das erste Kapitel von David Hines Spider-Man Noir gibt's bei mycomics.

Garth Ennis, der den Punisher über viele Jahre recht erfolgreich geschrieben hatte, hat seinen langen Run beendet, aber der Mann mit dem Totenkopf-T-Shirt darf natürlich nicht in Rente gehen. Wechselnde Autoren übernehmen Punisher Max, den Anfang machte eine Storyline von Gregg Hurwitz, dessen erster Storybogen nun in Max Comics 32: The Punisher: Mädchen in weißen Kleidern auf Deutsch vorliegt. Eine US-Preview kann man hier sehen.

Intellektuellen Anspruch und Tiefgang erwartet man bei den Superhelden aus dem Hause Image eher nicht, erst recht nicht, wenn sie sich in einem Crossover treffen. Noch nicht mal dann, wenn der Autor Alan Moore (von Beruf Comic-Gott) heißt. Im Jahr 1996 entstand die Miniserie Spawn/WildC.A.T.S, die manchen Leuten als der schlechteste Comic von Alan Moore gilt. Nun auch auf Deutsch bei Panini zu haben.

Ähnliche Geschmacksrichtung, nur ohne Comic-Gott: Broken Trinity, das aktuellste Crossover aus dem Hause TopCow, in dem sich die Witchblade mit Angelus und Darkness verbrüdern oder verprügeln oder beides darf. (Leseprobe bei mycomics)

Zurück nach Europa, nach Frankreich. Die Ehapa Comic Collection hat sich inzwischen angewöhnt, kürzere frankobelgische Albenserien gleich in einem dicken Band zu veröffentlichen und mit dem Sticker "All in One" zu versehen. Im Januar erschienen gleich zwei davon: Codex Angélique - Kompendium der Engel von Thierry Gloris und Mikaël Bourgouin spielt um die Jahrhundertwende und ist voll mit Mystizismus und Übersinnlichem, was unserem Rezensenten Benjamin Vogt nicht so gut gefallen hat. Eine Leseprobe gibt es nur auf Französisch.

Vinci von Didier Convard und Gilles Chaillet ist ein Historienkrimi, bei dem Leonardo da Vinci in eine Serienkiller-Story verwickelt wird. Der französische Verlag hat eine eigene Website zur Serie spendiert, bei uns wurde der Band bereits besprochen.

Auch beim Splitter Verlag gibt es eine neue Serie, die vor historischem Hintergrund spielt: In Sukkubus von Thomas Mosdi und Laurent Paturaud geht es um Verschwörungen und Intrigen vor dem Hintergrund der französischen Revolution (Leseprobe). Viel wichtiger aber als die Handlung: Der Comic stinkt.

Der Epsilon Verlag probiert es mit einem Mix aus Humor und Erotik. Im ersten Album der Reihe LieblingsSünden von Arthur de Pins gibt es zahlreiche One-Pager, die sich an der schwierigen Kombination von Sex und Witz versuchen. Während die Zeichnungen sehr modern und ansehlich daherkommen, wirkt der Humor doch reichlich altbacken, wie man an der Leseprobe sehen kann. Eis am Stiel lässt grüßen.

Zwei Mangaserien, die beide auf amerikanischen bzw. irischen Romanreihen basieren, starteten im Januar bei Tokyopop: Zum einen Maximum Ride nach der Romanserie von James Patterson - hier geht es um sechs Geschwister, die nach einem Genexperiment Flügel bekommen haben und fliegen können. Zu der Manga-Adaption von NaRae Lee gibt es eine Leseprobe auf der Tokyopop-Website.

Eine eigene Minisite (mitternachtszirkus.de) hat der Verlag für seine Darren Shan-Reihe gestaltet. Die Mitternachtszirkus-Bücher, deren erste Verfilmung vor ein paar Wochen im Kino startete, sind Vampirromane für Jugendliche, die man vielleicht als Alternative für Leser bezeichnen könnte, denen Stephenie Meyers Twilight-Stories zu kitschig sind. Von der Manga-Version sind mindestens 12 Bände geplant, die im 2-Monats-Rhythmus erscheinen.

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posted by Thomas um 14:10 | Permalink


31.01.2010

Comicklassiker jetzt mit Bildungsrabatt
(Spiegelmans Maus wird im großen Stil unters Volk gebracht)

Das Innenministerium von NRW bedient sich bereits seit einer Weile des Mediums Comic, um mit den kostenlos erhältlichen Andi-Heften Schüler über Extremismus zu informieren. (Spiegel Online-Artikel zur zweiten Ausgabe über Islamismus, taz-Artikel zur etwas umstrittenen dritten Ausgabe über Linksextremismus).

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat mit Hanisauland eine Comicreihe im Angebot, in der politische und gesellschaftliche Themen für Schüler der Klassen 3-5 unterhaltsam und verständlich aufbereitet werden.

Aktuell hat die bpb jedoch auch einen waschechten modernen Comicklassiker in ihr Programm aufgenommen: Art Spiegelmans Maus in der vollständigen Fassung wird aufgefahren, um an die Themen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust heranzuführen.

Gegen eine "Bereitstellungsgebühr" von 4 Euro pro Exemplar und die Übernahme der Portokosten von 4,60 Euro für jeweils bis zu 20 kg Bücher lohnt sich vor allem die Anschaffung größerer Mengen für Schulklassen und andere pädagogische Einrichtungen. Aber selbst eine Einzelbestellung ist mit 8,60 Euro immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zum aktuellen Verlagspreis.

Schöne Idee der bpb, hoffentlich finden auf diesem Weg noch mehr großartige Comics den Weg in den Bildungssektor. Wir von Comicgate beraten gern bei der Auswahl ...

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posted by Andi um 19:04 | Permalink


25.01.2010

Spatzen auf den Dächern 8
(Best of Comicgate-Tweets KW 50-03)

Aufhebenswerte Tweets der letzten Wochen aus dem Gezwitscher der Comicgate-Redaktion. Da es so viel aufzuholen gibt, beschränke ich mich noch mehr ;) als sonst.

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver, FP = Frauke


KW 50
KW 51
KW 52
KW 53
  • Da Diamond heute nicht ausliefert, ergreifen die US-Indie-Verleger die Chance: Es ist die "Indy Comic Book Week". http://bit.ly/kgppl FP

  • Oha! "Scott Pilgrim" von @radiomaru erscheint 2010 auf Deutsch bei Panini. (sagt der Hummelcomic-Newsletter) TK
KW 01
KW 02
KW 03

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posted by Frauke um 23:34 | Permalink


23.01.2010

Surrogates: Das schreiben die anderen
(Eine kleine Presseschau)

Seit Donnerstag im Kino: Die erste Comicverfilmung des laufenden Jahres, Surrogates - Mein zweites Ich, basierend auf dem Comic The Surrogates von Robert Venditti und Brett Weldele. Die Hauptrolle in dem dystopischen SF-Krimi spielt Bruce Willis, Regie führte Jonathan Mostow (Terminator 3). Bei Comicgate wurde zwar die Vorlage besprochen und die beiden Macher interviewt, wir hatten aber noch keine Gelegenheit den Film zu sehen. Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Überblick darüber, was anderswo über die Verfilmung geschrieben steht.

Christian Meyer (film-dienst) zeigt sich begeistert von der Comicvorlage, aber enttäuscht vom Film: "Der Film ist ?comichafter? als der Comic", schreibt er und zieht sehr interessante Vergleiche:
"Der Film arbeitet vor allem mit Vereinfachungen und Klischees, was sowohl die Figurenzeichnung und die Handlung als auch die ästhetische Oberfläche und die ideologische Ausrichtung betrifft. Der Comic entfaltet einen spannenden Diskurs über die Vor- und Nachteile der Surrogaten."
Außerdem analysiert Meyer den vielleicht wichtigsten Unterschied zwischen Comic und Film: der Comic erschien beim Independent-Verlag Top Shelf, der für Autorencomics steht, die Verfilmung stammt hingegen von der Disney-Tochter Touchstone Pictures und unterliegt damit den Gesetzen des Mainstream-Markts.

Auch Spiegel-Online-Autor Jörg Böckem verweist auf die fehlende Werktreue, was allerdings auch seine guten Seiten habe:
"Mostow benutzt die Vorlage eher als Quelle für Ideen und Charaktere, als dass er sie stringent verfilmt. Das ist grundsätzlich in Ordnung: Zu sklavische Originaltreue, das hat zuletzt Zack Snyders Watchmen bewiesen, gereicht einer Comicverfilmung nicht immer zum Vorteil. Und auch Robert Rodriguez wusste bei Sin City - trotz großartiger Bilder und Darsteller - Frank Millers wunderbaren Werk letztendlich nichts hinzuzufügen."

Moritz Honert und Lars von Törne stellen im Tagesspiegel ebenfalls gravierende Unterschiede fest, ziehen aber ein positives Fazit:
"Film und Buch funktionieren jeweils für sich ? und jeweils hervorragend. Das von Klassikern wie Blade Runner inspirierte Buch besticht durch raue, oft schemenhafte Zeichnungen und durch eine beeindruckende Dichte und erzählerische Wucht. Weldeles kunstvolle Bilder, die neben oft nur angedeuteten Linien viel mit Farben, Strukturen und abstrakten Elementen arbeiten, lassen eine Verfilmung mit wackliger Handkamera erwarten.
Doch weit gefehlt: Der Film, den Regisseur Mostow auf der Grundlage von Surrogates gedreht hat, ist durchgestylt, visuell wie dramaturgisch bestechend, aber lässt trotz seiner glatten Oberfläche viel Raum für die Entwicklung von interessanten Charakteren und für eine komplexe Handlung."

Bei Telepolis verzichtet Stefan Höltgen auf Bezüge zur Comicvorlage und konzentriert sich in seinem elaborierten Text auf das Zukunftsszenario, das der Film präsentiert:
"Mit Programmen wie 'Second Live' und neuerdings multifunktionalen Sex-Robotern und Versuchen perfekter äußerlicher Roboter-Imitate [...] ist Surrogat-Technologie zu einem sozialen Phänomen geworden, dessen Möglichkeiten und Schädlichkeiten die Meinungen teilt. Wie sensibel Surrogates auf diese Spaltung reagiert und kontemporäre Phänomene in die nahe Zukunft prolongiert, ist gleichermaßen unheimlich wie genial."

US-Kritikerpapst Roger Ebert attestiert Surrogates ein gutes Knozept und viele interessante Ideen, die jedoch allzu schnell verschenkt werden, weil der Film sehr bald dazu übergeht, ein Action-Spektakel sein zu wollen:
"Unfortunately, Surrogates, while more ambitious than it has to be, descends into action scenes too quickly. Why must so many screenplays reduce their ideas to chases and shoot-outs? The concept here, based on a graphic novel by Robert Venditti and Brett Weldele, would lead naturally to intriguing considerations."

Rochus Wolff (critic.de) findet dagegen nicht, dass allzu viel Action vorherrscht:
"[Action-Szenen] bleiben eher die Ausnahme; die Handlung konzentriert sich auf das Whodunnit. Für dessen Auflösung kann der Film allerdings leider nur wenig Interesse wecken, dafür bleiben die einzelnen Figuren zu stereotyp und die Brisanz der Ermittlungen bis kurz vor Schluss zu vage."

Auch für Julian Unkel von Filmstarts.de bleibt die Verfilmung unter ihren Möglichkeiten.
"Surrogates beginnt mit einer stimmungsvollen [...] Introsequenz, die kurz und bündig erläutert, wie sich die Gesellschaft durch Surrogates verändert hat. Auch werden hier bereits einige Fragen über die Implikationen einer durch Stellvertreter erlebten Realität aufgeworfen. Wie wirkt sich dies etwa auf Sex und Fortpflanzung, auf Kinder und Erziehung aus? Auf Antworten wartet man jedoch vergebens, da die Autoren [...] die Grundidee kaum weiterentwickeln und lediglich für oberflächliche Kritik an der fortschreitenden Realitätsflucht und Technologieabhängigkeit nutzen."

Charlie Jane Anders vom Science-Fiction-Blog io9 stört sich vor allem daran, dass der Film seine Botschaft, die Kritik an übergroßer Abhängigkeit des Menschen von der Technik, so überdeutlich vor sich her trägt:
"The movie definitely wants you to know that excessive reliance on technology is bad and wrong ? it's one of the preachiest films I've seen in ages, and it's by no means subtle. Willis' character starts out being opposed to the use of robotic "surrogates," and his conviction rapidly hardens. Meanwhile, we are lectured constantly about the evil of using robot bodies to interact instead of communing in the flesh."

Man scheint also, so sind sich die Kritiker ziemlich einig, nicht viel zu verpassen, wenn man auf den Kinobesuch verzichtet. Die Comicvorlage ist hier wohl die eindeutig bessere Alternative.

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posted by Thomas um 17:32 | Permalink


10.01.2010

Frisch aus der Druckerei, 1/10
(Comic-Neuheiten im Dezember)

HIGHLIGHT DES MONATS: Der Avant-Verlag brachte kurz vor Weihnachten jenen Comic auf den deutschen Markt, der vor knapp einem Jahr beim Festival in Angoulême als "Bestes Album" ausgezeichnet wurde: Pinocchio vom Künstler Winshluss (der unter seinem richtigen Namen Vincent Paronnaud als Co-Regisseur für die Verfilmung von Marjane Satrapis Persepolis verantwortlich war) ist eine sehr freie, gar nicht jugendfreie Adaption des berühmten Romans von Carlo Collodi, die weitgehend auf Worte verzichtet und stilistisch äußerst variantenreich ist. Christian Gasser lobt im Strapazin: "Virtuos verzerrt, missbraucht, pervertiert und reflektiert er die Codes und Klischees der populären Kultur und schreckt, ganz im Geiste des Punk, auch nicht vor pubertären Scherzen und Provokationen zurück. Erzählerisch verknüpft er in Schwindel erregender Manier verschiedene Plots, und auch zeichnerisch schöpft er aus dem Vollen - von skizzenhaftem Schwarzweiss bis zu barock verkitschten Farborgien." 22 Seiten Leseprobe als PDF stehen hier.

Mit dem Stuttgarter Kommissar Eisele besetzte Martin Frei bei Gringo Comics das Feld "Regionalkrimi" im Comicbereich. Dieses Feld wird nun ausgebaut: Eisele wird in Kürze fortgesetzt werden, außerdem wird ein zweiter Ermittler ins Rennen geschickt: Kommissar Fröhlich stammt aus der Feder des Hamburger Viel- und Schnellzeichners Stephan Hagenow (u.a. Rattenmeute, Mac Trap, Perry) und bestreitet seine Verbrecherjagd im hohen Norden. Hagenow scheint an der Arbeit mit Krimicomics sehr viel Spaß zu haben, denn ein zweiter Band soll schon in wenigen Wochen folgen, während der Zeichner bereits an den Bänden 3 bis 5 arbeitet. Bei mycomics kann man reinlesen.

Nicht direkt ein Comic ist das Buch Es war, als würde ich nur kurz zum See fahren, das beim Verlag Die Biblyothek erschienen ist. Dieser bezeichnet den Band als "illustriertes Reisetagebuch". Es stammt vom Berliner Illustrator Gregor Hinz, der auf seinem Motorrad eine mehrmonatige Europareise unternommen und dabei regelmäßig sein Skizzenbuch gefüllt hatte. Ein paar Kostproben daraus gibt aus auf Hinz' Website. Und wenn dieses Foto wirklich den Autor zeigt und kein Fake ist, dann verdient Gregor nachträglich noch den Coolness Award 2009: Die ISBN auf der Brust tätowiert!

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Dass Jeff Smiths Fantasy-Epos Bone zu einer der besten Comicserien der letzten 20 Jahre gehört, sollte inzwischen allgemein bekannt sein. Die ursprünglich in Schwarz-Weiß gehaltene Serie erschien in den letzten Jahren bei Tokyopop sowohl in einer neuen Farbfassung als auch in Form von preiswerten s/w-Taschenbüchern. Als Krönung gibt es zum Abschluss nun auch noch die Bone Complete Edition: Die komplette Geschichte auf 1.344 Seiten in einem fetten Band (Softcover, s/w). Für knapp 30 Euro ein absolutes Schnäppchen. Wer Bone noch nicht hat, hat nun keine Ausrede mehr.

Der rührige Verein Finix Comics ist vor gut zwei Jahren angetreten, um die zahlreichen frankobelgischen Serien, die von deutschen Verlagen ohne Abschluss eingestellt wurden, zu einem Ende zu bringen. Dieses Projekt läuft erfolgreich mit einem Output von mittlerweile einem Album pro Monat. Nun erweitert Finix sein Spektrum und eröffnet die "Collection Solitaire". Wie der Name bereits andeutet, geht es hier nicht um Serien, sondern um abgeschlossene Einzelbände. Die Lizenzen für diese Stoffe kommen ebenfalls aus Frankreich. Den Auftakt macht Mit fremder Feder, von Fabrice Lebeault, den wir bereits besprochen haben. Eine Leseprobe gibt es hier.

Ebenfalls aus Frankreich stammt der Mystery-Thriller Die Welt von Lucie. Die Geschichte, die sich sehr stark um paranormale Phänomene dreht und in ihren besten Momenten an Akte X erinnert, veröffentlicht der Splitter Verlag in zwei Bänden in seiner "Books"-Reihe. Den ersten Band habe ich hier besprochen, eine Leseprobe gibt es auf splitter-verlag.de.

Wer ein Geschenk für jemanden sucht, der mit Juristerei zu tun hat, könnte mit dem Album Diese Juri$ten (BSE Verlag) fündig werden. Pierre La Foret nähert sich hier Anwälten und anderen Rechtsverdrehern mit humoristischen One-Pagern, die die einen als klassisch, die anderen als altbacken bezeichnen werden. Auf der Seite des französischen Originalverlags kann man mal reinschauen.

Zum Abschluss noch zwei Manga-Neustarts bei Carlsen, die sich an ein älteres Publikum wenden:
Furious Love stammt vom 1986 verstorbenen Mangaka Kazuo Kamimura, von dem bei Carlsen bereits Lady Snowblood und Shinanogawa vorliegen. Bei dieser dreiteiligen Reihe fungiert er nicht nur als Zeichner, sondern auch als Autor und erzählt ein erotisches Drama vor dem historischen Hintergrund der Edo-Zeit.

The Royal Doll Orchestra von Kaori Yuki (Angel Sanctuary) ist ein düsteres Horror-Märchen, das in einem Königreich spielt, in dem ein Virus die Menschen in blutdurstige Puppen verwandelt. Ein Orchester kann diese Puppen jedoch mit seiner Musik bekämpfen.

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posted by Thomas um 16:34 | Permalink