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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

31.01.2010

Comicklassiker jetzt mit Bildungsrabatt
(Spiegelmans Maus wird im großen Stil unters Volk gebracht)

Das Innenministerium von NRW bedient sich bereits seit einer Weile des Mediums Comic, um mit den kostenlos erhältlichen Andi-Heften Schüler über Extremismus zu informieren. (Spiegel Online-Artikel zur zweiten Ausgabe über Islamismus, taz-Artikel zur etwas umstrittenen dritten Ausgabe über Linksextremismus).

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat mit Hanisauland eine Comicreihe im Angebot, in der politische und gesellschaftliche Themen für Schüler der Klassen 3-5 unterhaltsam und verständlich aufbereitet werden.

Aktuell hat die bpb jedoch auch einen waschechten modernen Comicklassiker in ihr Programm aufgenommen: Art Spiegelmans Maus in der vollständigen Fassung wird aufgefahren, um an die Themen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust heranzuführen.

Gegen eine "Bereitstellungsgebühr" von 4 Euro pro Exemplar und die Übernahme der Portokosten von 4,60 Euro für jeweils bis zu 20 kg Bücher lohnt sich vor allem die Anschaffung größerer Mengen für Schulklassen und andere pädagogische Einrichtungen. Aber selbst eine Einzelbestellung ist mit 8,60 Euro immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zum aktuellen Verlagspreis.

Schöne Idee der bpb, hoffentlich finden auf diesem Weg noch mehr großartige Comics den Weg in den Bildungssektor. Wir von Comicgate beraten gern bei der Auswahl ...

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posted by Andi um 19:04 | Permalink


25.01.2010

Spatzen auf den Dächern 8
(Best of Comicgate-Tweets KW 50-03)

Aufhebenswerte Tweets der letzten Wochen aus dem Gezwitscher der Comicgate-Redaktion. Da es so viel aufzuholen gibt, beschränke ich mich noch mehr ;) als sonst.

Zeichenerklärung:
RT = retweet = Zitieren eines anderen Tweets von Nutzer @xyz
Verfasser: TK = Thomas, mof = Marc-Oliver, FP = Frauke


KW 50
KW 51
KW 52
KW 53
  • Da Diamond heute nicht ausliefert, ergreifen die US-Indie-Verleger die Chance: Es ist die "Indy Comic Book Week". http://bit.ly/kgppl FP

  • Oha! "Scott Pilgrim" von @radiomaru erscheint 2010 auf Deutsch bei Panini. (sagt der Hummelcomic-Newsletter) TK
KW 01
KW 02
KW 03

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posted by Frauke um 23:34 | Permalink


23.01.2010

Surrogates: Das schreiben die anderen
(Eine kleine Presseschau)

Seit Donnerstag im Kino: Die erste Comicverfilmung des laufenden Jahres, Surrogates - Mein zweites Ich, basierend auf dem Comic The Surrogates von Robert Venditti und Brett Weldele. Die Hauptrolle in dem dystopischen SF-Krimi spielt Bruce Willis, Regie führte Jonathan Mostow (Terminator 3). Bei Comicgate wurde zwar die Vorlage besprochen und die beiden Macher interviewt, wir hatten aber noch keine Gelegenheit den Film zu sehen. Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Überblick darüber, was anderswo über die Verfilmung geschrieben steht.

Christian Meyer (film-dienst) zeigt sich begeistert von der Comicvorlage, aber enttäuscht vom Film: "Der Film ist ?comichafter? als der Comic", schreibt er und zieht sehr interessante Vergleiche:
"Der Film arbeitet vor allem mit Vereinfachungen und Klischees, was sowohl die Figurenzeichnung und die Handlung als auch die ästhetische Oberfläche und die ideologische Ausrichtung betrifft. Der Comic entfaltet einen spannenden Diskurs über die Vor- und Nachteile der Surrogaten."
Außerdem analysiert Meyer den vielleicht wichtigsten Unterschied zwischen Comic und Film: der Comic erschien beim Independent-Verlag Top Shelf, der für Autorencomics steht, die Verfilmung stammt hingegen von der Disney-Tochter Touchstone Pictures und unterliegt damit den Gesetzen des Mainstream-Markts.

Auch Spiegel-Online-Autor Jörg Böckem verweist auf die fehlende Werktreue, was allerdings auch seine guten Seiten habe:
"Mostow benutzt die Vorlage eher als Quelle für Ideen und Charaktere, als dass er sie stringent verfilmt. Das ist grundsätzlich in Ordnung: Zu sklavische Originaltreue, das hat zuletzt Zack Snyders Watchmen bewiesen, gereicht einer Comicverfilmung nicht immer zum Vorteil. Und auch Robert Rodriguez wusste bei Sin City - trotz großartiger Bilder und Darsteller - Frank Millers wunderbaren Werk letztendlich nichts hinzuzufügen."

Moritz Honert und Lars von Törne stellen im Tagesspiegel ebenfalls gravierende Unterschiede fest, ziehen aber ein positives Fazit:
"Film und Buch funktionieren jeweils für sich ? und jeweils hervorragend. Das von Klassikern wie Blade Runner inspirierte Buch besticht durch raue, oft schemenhafte Zeichnungen und durch eine beeindruckende Dichte und erzählerische Wucht. Weldeles kunstvolle Bilder, die neben oft nur angedeuteten Linien viel mit Farben, Strukturen und abstrakten Elementen arbeiten, lassen eine Verfilmung mit wackliger Handkamera erwarten.
Doch weit gefehlt: Der Film, den Regisseur Mostow auf der Grundlage von Surrogates gedreht hat, ist durchgestylt, visuell wie dramaturgisch bestechend, aber lässt trotz seiner glatten Oberfläche viel Raum für die Entwicklung von interessanten Charakteren und für eine komplexe Handlung."

Bei Telepolis verzichtet Stefan Höltgen auf Bezüge zur Comicvorlage und konzentriert sich in seinem elaborierten Text auf das Zukunftsszenario, das der Film präsentiert:
"Mit Programmen wie 'Second Live' und neuerdings multifunktionalen Sex-Robotern und Versuchen perfekter äußerlicher Roboter-Imitate [...] ist Surrogat-Technologie zu einem sozialen Phänomen geworden, dessen Möglichkeiten und Schädlichkeiten die Meinungen teilt. Wie sensibel Surrogates auf diese Spaltung reagiert und kontemporäre Phänomene in die nahe Zukunft prolongiert, ist gleichermaßen unheimlich wie genial."

US-Kritikerpapst Roger Ebert attestiert Surrogates ein gutes Knozept und viele interessante Ideen, die jedoch allzu schnell verschenkt werden, weil der Film sehr bald dazu übergeht, ein Action-Spektakel sein zu wollen:
"Unfortunately, Surrogates, while more ambitious than it has to be, descends into action scenes too quickly. Why must so many screenplays reduce their ideas to chases and shoot-outs? The concept here, based on a graphic novel by Robert Venditti and Brett Weldele, would lead naturally to intriguing considerations."

Rochus Wolff (critic.de) findet dagegen nicht, dass allzu viel Action vorherrscht:
"[Action-Szenen] bleiben eher die Ausnahme; die Handlung konzentriert sich auf das Whodunnit. Für dessen Auflösung kann der Film allerdings leider nur wenig Interesse wecken, dafür bleiben die einzelnen Figuren zu stereotyp und die Brisanz der Ermittlungen bis kurz vor Schluss zu vage."

Auch für Julian Unkel von Filmstarts.de bleibt die Verfilmung unter ihren Möglichkeiten.
"Surrogates beginnt mit einer stimmungsvollen [...] Introsequenz, die kurz und bündig erläutert, wie sich die Gesellschaft durch Surrogates verändert hat. Auch werden hier bereits einige Fragen über die Implikationen einer durch Stellvertreter erlebten Realität aufgeworfen. Wie wirkt sich dies etwa auf Sex und Fortpflanzung, auf Kinder und Erziehung aus? Auf Antworten wartet man jedoch vergebens, da die Autoren [...] die Grundidee kaum weiterentwickeln und lediglich für oberflächliche Kritik an der fortschreitenden Realitätsflucht und Technologieabhängigkeit nutzen."

Charlie Jane Anders vom Science-Fiction-Blog io9 stört sich vor allem daran, dass der Film seine Botschaft, die Kritik an übergroßer Abhängigkeit des Menschen von der Technik, so überdeutlich vor sich her trägt:
"The movie definitely wants you to know that excessive reliance on technology is bad and wrong ? it's one of the preachiest films I've seen in ages, and it's by no means subtle. Willis' character starts out being opposed to the use of robotic "surrogates," and his conviction rapidly hardens. Meanwhile, we are lectured constantly about the evil of using robot bodies to interact instead of communing in the flesh."

Man scheint also, so sind sich die Kritiker ziemlich einig, nicht viel zu verpassen, wenn man auf den Kinobesuch verzichtet. Die Comicvorlage ist hier wohl die eindeutig bessere Alternative.

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posted by Thomas um 17:32 | Permalink


10.01.2010

Frisch aus der Druckerei, 1/10
(Comic-Neuheiten im Dezember)

HIGHLIGHT DES MONATS: Der Avant-Verlag brachte kurz vor Weihnachten jenen Comic auf den deutschen Markt, der vor knapp einem Jahr beim Festival in Angoulême als "Bestes Album" ausgezeichnet wurde: Pinocchio vom Künstler Winshluss (der unter seinem richtigen Namen Vincent Paronnaud als Co-Regisseur für die Verfilmung von Marjane Satrapis Persepolis verantwortlich war) ist eine sehr freie, gar nicht jugendfreie Adaption des berühmten Romans von Carlo Collodi, die weitgehend auf Worte verzichtet und stilistisch äußerst variantenreich ist. Christian Gasser lobt im Strapazin: "Virtuos verzerrt, missbraucht, pervertiert und reflektiert er die Codes und Klischees der populären Kultur und schreckt, ganz im Geiste des Punk, auch nicht vor pubertären Scherzen und Provokationen zurück. Erzählerisch verknüpft er in Schwindel erregender Manier verschiedene Plots, und auch zeichnerisch schöpft er aus dem Vollen - von skizzenhaftem Schwarzweiss bis zu barock verkitschten Farborgien." 22 Seiten Leseprobe als PDF stehen hier.

Mit dem Stuttgarter Kommissar Eisele besetzte Martin Frei bei Gringo Comics das Feld "Regionalkrimi" im Comicbereich. Dieses Feld wird nun ausgebaut: Eisele wird in Kürze fortgesetzt werden, außerdem wird ein zweiter Ermittler ins Rennen geschickt: Kommissar Fröhlich stammt aus der Feder des Hamburger Viel- und Schnellzeichners Stephan Hagenow (u.a. Rattenmeute, Mac Trap, Perry) und bestreitet seine Verbrecherjagd im hohen Norden. Hagenow scheint an der Arbeit mit Krimicomics sehr viel Spaß zu haben, denn ein zweiter Band soll schon in wenigen Wochen folgen, während der Zeichner bereits an den Bänden 3 bis 5 arbeitet. Bei mycomics kann man reinlesen.

Nicht direkt ein Comic ist das Buch Es war, als würde ich nur kurz zum See fahren, das beim Verlag Die Biblyothek erschienen ist. Dieser bezeichnet den Band als "illustriertes Reisetagebuch". Es stammt vom Berliner Illustrator Gregor Hinz, der auf seinem Motorrad eine mehrmonatige Europareise unternommen und dabei regelmäßig sein Skizzenbuch gefüllt hatte. Ein paar Kostproben daraus gibt aus auf Hinz' Website. Und wenn dieses Foto wirklich den Autor zeigt und kein Fake ist, dann verdient Gregor nachträglich noch den Coolness Award 2009: Die ISBN auf der Brust tätowiert!

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Dass Jeff Smiths Fantasy-Epos Bone zu einer der besten Comicserien der letzten 20 Jahre gehört, sollte inzwischen allgemein bekannt sein. Die ursprünglich in Schwarz-Weiß gehaltene Serie erschien in den letzten Jahren bei Tokyopop sowohl in einer neuen Farbfassung als auch in Form von preiswerten s/w-Taschenbüchern. Als Krönung gibt es zum Abschluss nun auch noch die Bone Complete Edition: Die komplette Geschichte auf 1.344 Seiten in einem fetten Band (Softcover, s/w). Für knapp 30 Euro ein absolutes Schnäppchen. Wer Bone noch nicht hat, hat nun keine Ausrede mehr.

Der rührige Verein Finix Comics ist vor gut zwei Jahren angetreten, um die zahlreichen frankobelgischen Serien, die von deutschen Verlagen ohne Abschluss eingestellt wurden, zu einem Ende zu bringen. Dieses Projekt läuft erfolgreich mit einem Output von mittlerweile einem Album pro Monat. Nun erweitert Finix sein Spektrum und eröffnet die "Collection Solitaire". Wie der Name bereits andeutet, geht es hier nicht um Serien, sondern um abgeschlossene Einzelbände. Die Lizenzen für diese Stoffe kommen ebenfalls aus Frankreich. Den Auftakt macht Mit fremder Feder, von Fabrice Lebeault, den wir bereits besprochen haben. Eine Leseprobe gibt es hier.

Ebenfalls aus Frankreich stammt der Mystery-Thriller Die Welt von Lucie. Die Geschichte, die sich sehr stark um paranormale Phänomene dreht und in ihren besten Momenten an Akte X erinnert, veröffentlicht der Splitter Verlag in zwei Bänden in seiner "Books"-Reihe. Den ersten Band habe ich hier besprochen, eine Leseprobe gibt es auf splitter-verlag.de.

Wer ein Geschenk für jemanden sucht, der mit Juristerei zu tun hat, könnte mit dem Album Diese Juri$ten (BSE Verlag) fündig werden. Pierre La Foret nähert sich hier Anwälten und anderen Rechtsverdrehern mit humoristischen One-Pagern, die die einen als klassisch, die anderen als altbacken bezeichnen werden. Auf der Seite des französischen Originalverlags kann man mal reinschauen.

Zum Abschluss noch zwei Manga-Neustarts bei Carlsen, die sich an ein älteres Publikum wenden:
Furious Love stammt vom 1986 verstorbenen Mangaka Kazuo Kamimura, von dem bei Carlsen bereits Lady Snowblood und Shinanogawa vorliegen. Bei dieser dreiteiligen Reihe fungiert er nicht nur als Zeichner, sondern auch als Autor und erzählt ein erotisches Drama vor dem historischen Hintergrund der Edo-Zeit.

The Royal Doll Orchestra von Kaori Yuki (Angel Sanctuary) ist ein düsteres Horror-Märchen, das in einem Königreich spielt, in dem ein Virus die Menschen in blutdurstige Puppen verwandelt. Ein Orchester kann diese Puppen jedoch mit seiner Musik bekämpfen.

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posted by Thomas um 16:34 | Permalink