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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

02.09.2008

Understanding Google Chrome
(Scott McCloud erklärt den neuen Browser)

Heute nachmittag las ich bei sueddeutsche.de von Googles neuester Überraschung - dem Webbowser Chrome, der heute Nacht veröffentlicht wird. Dort war die Rede von einem "Comic, in dem auf knapp 40 Seiten in anschaulicher Form die Vorzüge von Chrome dargestellt werden sollen". Ich ahnte schlimmes - schließlich sind didaktische Comics, die etwas erklären wollen, meistens eher Unglücksfälle. Doch nach dem Klick auf den Link hob ich meine Augenbraue: Nanu, der Stil kommt einem doch bekannt vor? Ist das Scott McCloud? Kein Zweifel, alle Merkmale McClouds, die er in seinen berühmten "Comics über Comics" verwendet, sind präsent - bis auf das stilisierte Alter Ego von McCloud selbst. Und tatsächlich, wenn man sich auf Seite 40 durchgeklickt hat, wird Scott McCloud als Zeichner des Comics genannt.

McCloud hat gute Chancen, dass dieses Auftragswerk binnen kürzester Zeit zum meistgelesenen Comic seiner Karriere wird. Schließlich wird momentan weltweit auf unzähligen Nachrichtenseiten und Blogs über das spannende neue Google-Projekt berichtet, nicht ohne den Comic zu verlinken. Dieser ist nämlich im Moment so ziemlich die einzige offizielle Quelle, in der man erfahren kann, was der neue Browser leisten und wie er aussehen wird. Eine interessante Note in McClouds Laufbahn, schließlich war er es, der vor Jahren in Reinventing Comics große Hoffnungen in eine Comicrevolution aus dem Internet setzte und viel Kritik und Spott einstecken musste, als sich diese Visionen nicht so erfüllten, wie McCloud prophezeit hatte.

Nun darf er immerhin der Welt einen neuen Browser erklären, bezahlt vom großen Internet-Giganten. Übrigens: Das Licht der Welt erblickte der Google-Chrome-Comic ganz klassisch auf Papier - Google verschickte gedruckte Ausgaben an einige ausgewählte Journalisten und Blogger, offenbar aus Versehen früher als geplant. Natürlich waren blitzschnell Scans des Comics im Netz zu finden, ehe Google Stunden später den Comic auf eigenen Servern verfügbar machte. Und auf der Website von McCloud gibt es bereits eine kleine FAQ-Rubrik zu dem Thema.

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posted by Thomas um 19:02 | Permalink


17.04.2008

Kurzinterview zu "Der abscheuliche Charles Christopher"
(neuer Webcomic)

Die Biblyothek, bis jetzt bekannt als Herausgeber der drei Bände von Nina Ruzickas Der Tod und das Mädchen, hat ein gutes Näschen für Spitzencomics bewiesen. Vor kurzem startete sie die kostenlose deutsche Version des von Karl Kerschl wunderschön gezeichneten Webcomics The Abominable Charles Christopher, genannt Der abscheuliche Charles Christopher, und schon ist er für den diesjährigen Eisner-Award (Kategorie "Best Digital Comic") sowie den Shuster-Award ("Outstanding Canadian Webcomic") nominiert.

Wir befragten Verlagschefin Lydia B. Schönberger zu ihrem neuen Projekt, das momentan jeden Mittwoch und Sonntag aktualisiert wird, bis es die Originalfassung eingeholt hat und dann auf ein wöchentliches Update umstellt.

Comicgate: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, den Webcomic auf Deutsch zu bringen, und wie kam der Kontakt zustande?

Lydia B. Schönberger: Wir (Nina und ich) lesen diesen Comic schon einige Zeit, und vor ein paar Wochen kamen zwei Brasilianer auf die Idee, den Comic zu übersetzen. Danach folgte noch ein Däne. Und Karl meinte in seinem Blog, es wäre so toll, wenn es jemanden gäbe, der den Comic ins Deutsche und Französische übersetzen würde. Da schrieb mir dann Nina (sie hat das vor mir gelesen), ich soll das machen und sie übersetzt es. Ich war erst etwas erschlagen von der Idee, da ich mitten im Marketing für Pomme d'amour stecke und kaum Zeit für irgendetwas anderes habe. Aber ich habe dann trotzdem bei Karl angefragt und er war sofort Feuer und Flamme und hat uns dabei noch voll unterstützt.

CG: Eure Website gleicht der originalen ja bis auf's Haar. Wie kommt's?

LS: Seine Website zu kopieren war meine Idee. Ich habe das einfach getan, ohne Karl zu fragen und es war auch ein bisschen riskant, denn es hätte genauso gut sein können, dass ihm das missfällt. Wir arbeiten schon lange mit WordPress und wir kennen auch das WordPress Theme "Comicpress" von Tyler Martin. (Das verwenden viele Comiczeichner, wir hatten es bislang nur testweise installiert und hier bot sich die Gelegenheit, es mal produktiv zu erproben.)
Am einfachsten und schnellsten war es dann natürlich, Karls Style zu kopieren. Da muss man nicht kreativ sein. ;o)
Karl war dann sehr erstaunt - erschrocken, aber begeistert. Er meinte nur, Wahnsinn, ich dachte ihr macht so ein einfaches Blog wie die Brasilianer oder Dänen. Der französische Übersetzer, den es mittlerweile auch gibt, hat es dann ebenso wie wir gemacht (wobei sein Style etwas abweicht, unseres eigentlich auch, aber das ist kaum zu bemerken).

CG: Habt Ihr mit Der Abscheuliche Charles Christopher noch etwas vor, oder ist das erstmal nur als kostenloser Webcomic geplant?

LS: Derzeit ist es ein kostenloser Webcomic und es soll auch so bleiben. Karl ist einer jener Idealisten, die nicht einmal Werbung auf der Website schalten wollen. Zumindest zur Zeit noch nicht. Er will es ohne Werbung schaffen. Er ist ja davon nicht abhängig, denn er hat noch seinen
Zeichnerjob, mit dem er offenbar genug Geld verdient. Ob wir DACC eines Tages auch drucken werden ist noch vollkommen offen. Grundsätzlich denken wir weit im Hinterkopf darüber nach, das hängt aber von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt davon, wie gut der Webcomic hierzulande angenommen wird und auch, wie uns letztendlich die Story gefällt. Denn auch wir wissen derzeit noch nicht, wo der Handlungsbogen hinführen wird.

CG: Danke für die schnelle Beantwortung der Fragen!

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posted by Frauke um 23:16 | Permalink