Zur Startseite
Die Printmagazine von Comicgate
Partner von Fantastic Zero
Aktuelle Rezensionen


Sandman - Die Traumjäger


Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An 1 & 2


D 1 - Lord Faureston


Le Monde Diplomatique: In 50 Comics um die Welt


Zorro vs. Dracula


Baker Street 2


Der schreckliche Papst 1 - Giuliano della Rovere


Sun Village


Marvel 1602


The Warlord 1 - Skartaris
Anzeige
Advertisement
 
T e i l e n

Vinci Drucken
Geschrieben von Marco Behringer   
Donnerstag, 21. Januar 2010
vinci.jpgDer Autor Didier Convard (Tanatos 1, CG-Rezension) und der Zeichner Gilles Chaillet (Das geheime Dreieck 1) nehmen eine historische Persönlichkeit als Ausgangspunkt für ihre gemeinsame Arbeit. Dabei handelt es sich um niemand geringeren als den berühmten und vielseitig begabten Leonardo da Vinci - aus heutiger Sicht ein Allround-Genie. Der Künstler und Wissenschaftler wird in Vinci zum Anti-Helden-Typ eines Grafen von Monte Cristo stilisiert. Die 2008 zuvor in zwei Bänden ("Der zerbrochene Engel" und "Schatten und Licht") bei Editions Glénat veröffentlichte Geschichte ist nun bei der Ehapa Comic Collection als "All in one"-Hardcovergesamtausgabe mit einer veredelten "Spot-Lack"-Umschlagsgestaltung erschienen. Der historisierende Abenteuercomic ist in zwei Kapitel unterteilt, die sich an den beiden ursprünglichen Ausgaben orientieren und nach diesen betitelt sind.

Inhaltlich beginnt die Geschichte damit, dass im November 1519 König Franz I. das letzte Gemälde Leonardo da Vincis vor den Augen der Öffentlichkeit durch einen Mönch verstecken und aufbewahren lässt. Auch dem Leser bleibt es verborgen. Der Grund für diese drastische Maßnahme ist vordergründig die abstoßende Darstellung: Der Ruhm des Genies soll nach dessen Ableben nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieses Szenario bildet gleichzeitig den narrativen Rahmen der Geschichte. Denn König Franz I. wird im Folgenden den Mönch - und dadurch auch den Leser - in das Geheimnis um das fragwürdige Kunstwerk einweihen.

Die rückblickende Schilderung des Königs beginnt in Mailand am 15. Dezember 1494, als die Leiche des Notars Christoforo di Rodrigo am Ufer des Martesana-Kanals entdeckt wird. Spätestens als festgestellt wird, dass der Leiche das Gesicht abgezogen wurde, steht fest, dass es sich um keinen gewöhnlichen Mord handelt.

Ab diesem Zeitpunkt entführt Autor Didier Convard seine Leser in eine spannende Mordserie, die zugleich ein touristischer Rundgang in Mailand und später in Venedig ist. Dabei erweist sich der Protagonist Leonardo da Vinci als polyphoner Anti-Held. Die moralisch zweifelhaften Taten des Genies sowie seine persönliche Spaltung in zwei Identitäten verweisen eindeutig auf Alexandre Dumas' Roman Der Graf von Monte Cristo. Im Gegensatz zu Dumas' Figur befähigen aber Convards Helden dessen wissenschaftlichen Kenntnisse zum Ausleben einer geheimen Identität. Darüber hinaus erinnert die spannende Geschichte in vielen Punkten auch an Fjodr Dostojewskis philosophischen Kriminalroman Schuld und Sühne. Vor allem in punkto Moral und im Hinblick auf den Fakt, dass der Mörder - dort ist es Rodion Raskolnikoff - bekannt ist, gibt es Übereinstimmungen mit dem russischen Dichter. Der da Vinci Convards erinnert in manchen Punkten an weitere Romanfiguren wie an die Hauptfigur aus Patrick Süskinds Das Parfum. So morden die Protagonisten der beiden Geschichten einzig und allein zu einem speziellen Zweck.

Beispielseite aus dem frz. Original von GlénatÄsthetisch schlägt Vinci nicht in die gleiche meisterliche Kerbe wie die Erzählung. Gilles Chaillets Strich ist klar und souverän, aber kein künstlerischer Geniestreich. Die Zeichnungen sind detailreich und die Kolorierung besticht durch matte Farben, die gut zur historischen Kulisse passen. Auch bei den zahlreichen Sehenswürdigkeiten - zum Beispiel die Mailänder Kathedrale oder "Das letzte Abendmahl" in der Santa Maria delle Grazie - stellt sich ein Wiedererkennungsgefühl ein.

Convard und Chaillet ist ein extrem spannender historisierender Kriminalcomic gelungen. Vinci kann trotz eines Abzugs in der B-Note gut und gerne als weitere Perle der "All in one"-Reihe betrachtet werden.

 

 


Vinci
Ehapa Comic Collection, Januar 2010
Text: Didier Convard
Zeichnungen: Gilles Chaillet
Hardcover, 112 Seiten, farbig; 29,95 Euro
ISBN 978-3-7704-3337-7


Meisterliche Kriminalerzählung mit souveränen Zeichungen

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!


Abbildungen: Vinci © Glénat, © der dt. Ausgabe Ehapa Comic Collection

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den obenstehenden Code eingeben:


busy
Ähnliche Artikel:
Der kleine Prinz
 Der kleine Prinz, das vor über 60 Jahren enstandene Büchlein des Franzosen Antoine de Saint-Exupéry, darf bis heute als einer der ganz großen Klassiker gelten. Die vom Autor illustrierte Erzählung ist ein modernes Märchen, das bei jung und alt gleichermaßen bis heute für Begeisterung sorgt.
Kein Wunder also, dass der omnipräsente Comickünstler Joann Sfar (Die Katze des Rabbiners, Klezmer, Donjon), einer der renommiertesten europäischen Zeichner der Neuzeit, sich des Stoffes angenommen und die Vorlage in einen Comic verwandelt hat. Der Grundton bleibt bei seiner Adaption erhalten, insbesondere die Handlung an sich wirkt geradezu streng originalgetreu.



Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm

 Nach einer wahren Geschichte erzählen Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx in einer mehrteiligen Saga von der Jungfernfahrt der Batavia, dem im frühen 17. Jahrhundert prächtigsten Schiff der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC). Von Beginn an lassen die beiden Kreativen hier keinen Zweifel darüber aufkommen, dass bei dieser Unternehmung etwas gehörig schiefgelaufen sein muss, doch der Leser bekommt erstmal nur Andeutungen geliefert. Dass die bereits reichen, um einen gebannt weiterblättern zu lassen, liegt an der äußerst bedrohlichen Atmosphäre, die hier nach und nach aufgebaut wird.

Muchacho
 Um es gleich vorweg zu sagen: Eine erstklassige Graphic Novel! Emmanuel Lepage hat nicht nur ein außergewöhnliches Thema aufgegriffen, sondern auch eine fantastische Erzählweise gefunden. Muchacho erzählt die Geschichte des jungen angehenden Priesters Gabriel im revolutionären Nicaragua von 1976, kurz vor dem Umsturz der Diktatur des Familienclans der Somozas und dem Sieg der Sandinisten 1979. Gabriel de la Serna stammt selber aus einer der Familien, die dem Somoza-Regime nahe stehen. In ein Dorf geschickt, um in der dortigen Kirche ein Wandbild zu malen, wird er mit dem prallen Leben der einfachen Menschen konfrontiert: verführerische Frauen, Träume und Hoffnungen der Dorfbewohner, Repression durch die Guardia Somozas und die heimliche Organisation des gewaltsamen Widerstands.
Gift
 Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen, werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder thematisiert - und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet wurde.
Canoe Bay
 Der umfangreiche Einzelband Canoe Bay ist ein typisches Beispiel für einen Comic, bei dem sich der Leser anschließend wohl noch lange an die faszinierenden Bilder, dafür umso weniger an die seichte Story erinnern wird. Das ist umso bedauerlicher, da dieser Band mit einer entsprechend nachhaltigen Erzählung durchaus das Zeug zu einem der Topalben der letzten Jahre gehabt hätte.
 
Anzeige