An dieser Stelle berichten wir von Comic-Events wie dem Comic-Salon Erlangen, der Frankfurter Buchmesse oder dem Münchner Comicfest. Persönliche Eindrücke, Fotos, Nachrichtenhäppchen und einiges mehr.

27.5.08

Scheck, Please.
(Einem feinen Geist zum Lobe)

Es wurde viel geschrieben über den 13. Comic-Salon in Erlangen, es wurde viel geredet, viel zusammen gelacht und auch ein bißchen geweint. Aber am Ende bleibt trotzdem die bittere Erkenntnis, dass es da jemanden gibt, der zu kurz gekommen ist, der leider nur wenig, viel zu wenig Beachtung in all den Artikeln, den Gesprächen und Lobreden, den schlechten Witzen und Kalauern fand, die das Bild eines Messealltags prägen - jemanden, der einfach mehr verdient hat.

Die Rede ist hier von einem, der nun bereits wiederholt ohne Rücksicht auf Verluste seine ganze Street-Credibility für den Comic in die Waagschale geworfen hat. Mancher wird es sicher bereits erraten haben: Es ist der Literaturkritiker Denis Scheck, bekannt durch die Sendung Druckfrisch aus dem Nachtprogramm der ARD.

Wie bereits im Jahre 2006 moderierte Herr Schenk - unter anderem! - auch dieses Jahr wieder die Verleihung des Max-und-Moritz-Preises. Mit drögen Standard-Ansagen gab er sich dabei, wie erwartet, nicht zufrieden. Vielmehr zitierte er frei von der Leber weg Luca Toni ("Gewinne isse immer gut.") und Billy Wilder ("Auszeichnungen und Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch."), bevor die Gala überhaupt erst richtig begonnen hatte. Es lag in der Luft: Es würde ein besonderer, ja vielleicht ein kurzweiliger Abend werden.

Herrn Stracks investigativer Ansatz im Umgang mit den Preisträgern wurde von diesen dann leider nicht immer hundertprozentig honoriert. "Dafür bin ich jetzt zu nervös," sagte Reinhard Kleist. "Das ist eine sehr interessante Frage," sagte Alfred (in Vertretung für Olivier Ka). "Was?," sagte Anke Feuchtenberger. Sogar die Mannheimer Gruppe The Wright Thing, die für die musikalische Begleitung verantwortlich zeichnete, zeigte sich widerborstig: Nein, man sei nicht Xavier Naidoos Band, so Vorsteher Jason Wright.

Herr Schtonk blieb standhaft. Von Lebenswerk-Preisträger Alan Moore, den man zur Krönung des Abends per sensationeller Live-Schalte praktisch übers Telefon direktamente aus England im nunmehr mucksmäuschenstill gewordenen Saale erlebbar machte, wollte er wissen, "Why do you hate the comics industry, and why do you love the comics medium?" Herr Moore gab daraufhin an, die Frage jetzt leider akustisch nur ganz schlecht verstanden zu haben, weshalb er lieber sein vorbereitetes Statement aufsagte, noch kurz den begeisterten Applaus abwartete und dann zufrieden auflegte.

Beim folgenden Umtrunk wurde der so geschmähte Herr Strunk Augenzeugenberichten zufolge von einem Comic-Journalisten aus Marburg (Name der Redaktion bekannt) getröstet und für sein wackeres Durchhaltevermögen ob der störrischen Gesprächsverweigerer gelobt. "Sowas muß man abkönnen," so der lapidare Kommentar des Vollprofis.

Doch die Aufmunterung blieb nicht ohne Wirkung, denn bald darauf verwickelte Herr Strunz, ganz Gala-Routinier, den diensthabenden Zapfwart geschickt und aus sicherer Distanz in ein Gespräch. Jener war davon so angetan, dass der begehrte Gerstensaft - vor den Augen der Durstigen, aber auch sonst völlig ungeniert - längere Zeit munter aus dem Fass ins Glas hinein und sofort wieder heraus aus demselben floß, über den Tisch und schließlich auf den Boden plätscherte, um dort still und leise zu versickern. Freudiges Resultat im bereits erwähnten Krug: Das erste ordentlich gezapfte Pils des Abends!

Auch, aber nicht nur darum möchten wir an dieser Stelle einmal ganz deutlich und voller Anerkennung sagen: Vielen Dank für Ihren Einsatz, Herr Sienkiewicz!

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posted by Marc-Oliver um 20:45 | Permalink


Anstelle einer Fotostrecke

Das Comicgate-Video zum Comic Salon. Wir hatten eine Menge Spaß... Enjoy!

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posted by Mister Woo um 12:41 | Permalink


25.5.08

Wozu noch Verlage? Comics online

Mit: Lydia B. Schöneberger (Die Biblyothek), Thomas Kögel (comicgate.de), Thomas Gronle (Moga Mobo), Kai-Steffen Schwarz (Carlsen), Stefan Dinter (Zwerchfell), Henning Kockerbeck (splashpages.de), Burkhard Ihme (ICOM), Kai Pfeiffer (electrocomics.com)
Moderation: Harald Havas


Die Welt des WorldWideWeb verändert das traditionelle Verlagswesen. Zu der althergebrachten, gedruckten Veröffentlichung kommt seit mehreren Jahren die Möglichkeit, Comics im Internet zu publizieren. Ein Fluch? Ein Segen? Ist der Webcomic eine Alternative zum gedruckten Comic? Ist er eine Konkurrenz? Eine Ergänzung? Darüber sprachen die Teilnehmer der Diskussion "Wozu noch Verlage? Online-Comics" heute, High Noon.

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(Kögel, Gronle, Havas)

Wie die Heiligen Drei Könige kamen die Gesprächspartner aus den unterschiedlichsten Richtungen, um über die neuen Möglichkeiten im Netz zu sprechen. Bei Comicgate und Splashcomics sind die Strips und Stories eher eine Ergänzung zum Textmaterial. Die Biblyothek und Electrocomics sind vollblütige Kinder des Internets. Im Gegensatz dazu Carlsen und Zwerchfell, die aus dem traditionellen Print-Geschäft stammen und sich nun mit dem Internet arrangieren müssen - ob sie nun wollen oder nicht. "Der Buchmarkt hat uns den Arm auf den Rücken gedreht." (Stefan Dinter)

Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion darüber, dass Online-Comics auch in Zukunft eine Rolle spielen werden, vielleicht sogar mit wachsender Bedeutung. Außerdem war man sich einig, dass sich mit Online-Comics kein Geld verdienen lässt. Bares kommt über Merchandise-Artikel herein oder wenn sich eine große Fan-Basis gebildet hat, die auch bei der Printversion zugreift. Nichtlustig und Der Tod und das Mädchen sind solche Erfolgsgeschichten, die einst im Web begannen.

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(Schöneberger, Kögel, Gronle, Havas, Schwarz, Dinter)

Die Möglichkeiten und Chancen, die das Internet eröffnet, traten in der Diskussion eher zurück. Stattdessen wurden Probleme gewälzt. Problematisiert wurde zum Beispiel die Situation, dass Verlage ein breiteres Angebot als früher entwickeln müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. "Verlage müssen mehr als bisher Dienstleister sein." (Henning Kockerbeck) Die Erkenntnis tut vielleicht so manchem weh, aber zu einem modernen Verlag gehört ein zeitgemäßes Angebot im Internet. Blogs, Foren, Previews oder Bonusmaterial - die Möglichkeiten sind vielfältig. Das Grundproblem dabei: Solch ein Service kostet Mühe, bringt aber kein Geld. Hinzu kommt die illegale Verbreitung im Internet, ein weites und undurchschaubares Feld.

Sicherlich hat Kai-Steffen Schwarz recht, wenn er sagt, dass man die illegale Verbreitung von Comics im Internet nicht 1:1 gleichsetzen kann mit der von Musik und Filmen. "Das sinnliche Empfinden zwischen Webcomics und Gedrucktem unterschiedet sich sehr. Mehr als bei Musik oder Filmen", so Schwarz. Stefan Dinter stößt in das selbe Horn: "Wenn ich in meiner Lesehaltung bin, würde mir der Laptop ins Gesicht fallen."

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(Gronle, Havas, Schwarz, Dinter, Kockerbeck)

Es ist wohl abzusehen, dass Online-Comics die traditionellen Print-Produkte nicht vollständig verdrängen werden. Wahrscheinlich ist eher eine Koexistenz beider Comic-Formen. Dennoch kommen durch die Möglichkeiten, die sich für Comics im Internet bieten, viele neue Aufgaben auf die Verlage zu. Über die Finanzierung und die Restriktion illegaler Angebote muss nachgedacht werden. Eine universelle Lösung steht noch aus.

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posted by Mister Woo um 13:40 | Permalink


24.5.08

Blaukraut bleibt Blaukraut
(Podiumsdiskussion "Graphic Novels ? Neues Genre oder Marketing-Trick?")

"Deine Absicht erst gibt deinem Werke seinen Namen," soll schon Ambrosius von Mailand vor nicht ganz 2000 Jahren gesagt haben. Ralf Keiser (Verleger, Carlsen), Reinhard Kleist (Cartoonist, Cash), Dirk Rehm (Verleger, Reprodukt) und Denis Scheck (Literaturkritiker, Druckfrisch), unter Leitung von Klaus Schikowski, schlossen sich dieser These gleich zu Beginn der Diskussion an. "Graphic Novels - Neues Genre oder Marketing-Trick?" Die lapidare, einhellige Antwort: Eindeutig letzteres.

Auf dieser Grundlage konnte sich eine klare, informierte Diskussion entwickeln. Die Verleger Keiser und Rehm waren sich einig, dass ihre "Graphic Novels" sich als Comics von einer gewissen Dicke und mit einem gewissen qualitativen Anspruch definieren. In Herrn Keisers Haus sei die Sparte für "Alltagsgeschichten" reserviert, während Herr Rehm für Reprodukt sogenannte Genre-Werke nicht ausschliessen mochte - aber das war's auch schon, was Kontroversen anging.

Aus Sicht von Herrn Scheck seien Begriffe wie "Graphic Novel," "Novelle" oder auch "Hörbuch" schlicht Käse und letztlich auch irrelevant - man gehe ja schliesslich auch nicht ins Kino, um sich "Sehbücher" anzuschauen. Aber Scheck zeigte auch Verständnis für das Dilemma der Verkaufspraktiker Keiser und Rehm, die sich mit diversen Vorurteilen gegen das Medium Comic auseinandersetzen müssen und daher auf griffige, attraktive Bezeichnungen angewiesen seien. Keiser brachte den Manga als Beispiel und vermutete, dass der Boom darum wahrscheinlich keiner geworden wäre, hätte man den Leuten einfach "japanische Comics" andrehen wollen. Denn "Comics" waren ein alter Hut fürs Publikum, "Manga" aber war neu - oder klang zumindest so.

Der feingeistige Literaturkritiker Scheck wurde angenehm geerdet durch Herrn Kleist, der in seiner Art als vergleichsweise unprätentiös auffiel und zuweil gar erstaunte Grimassen schnitt, als Scheck in Sachen Eloquenz mal wieder in die Vollen ging. Seine äußerst erfolgreiche Johnny-Cash-Biographie (laut Herrn Schikowski bereits über 10.000 verkaufte Exemplare) habe Kleist nicht mit der Zielsetzung in Angriff genommen, eine "Graphic Novel" zu schaffen, sondern er habe erstmal ausgiebig recherchiert und dann erst beim Schaffensprozess festgestellt, dass es wohl auf einen dickeren Einzelband hinauslaufe.

Ein besonderes Augenmerk der Diskussion lag auf der Frage, wie denn der Buchhandel mit Comics - bzw. "Graphic Novels" - umgehe und in Zukunft umzugehen habe. Die beiden Verleger wünschten sich feste "Graphic-Novel"-Abteilungen in allen Buchläden, während Scheck forderte, nicht das Medium in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Thema. Ein begeisterter Cash-Leser etwa würde sich wahrscheinlich eher für weitere Biographien - gerne auch als Comic - interessieren als für Comics mit anderem Themen.

Comics, so Scheck, seien derzeit auf dem Weg vom kulturellen Nichtschwimmerbecken ins tiefe Wasser, und daher habe man nun die paradiesische Gelegenheit, sie nicht in Ghetto-artige Spezialecken zu verbannen, sondern sie, ganz selbstverständlich und nach Themen sortiert, dem ungleich breiteren Publikum der Prosa-Texte zugänglich und schmackhaft zu machen. Keiser und Rehm begrüßten zwar prinzipiell die steigende Anerkennung des Comics als "ernsthaftes" Medium, wie beispielsweise in den Feuilletons der FAZ und der Süddeutschen Zeitung, gaben aber beide zu, dass sich davon bisher leider wenig bis gar nichts in ihren Auflagenzahlen niederschlage.

Kurz vor Ende wurde, durch eine Zuschauerfrage angeregt, noch vor einer drohenden Überschwemmung des Marktes durch Comics gewarnt, die zwar als "Graphic Novels" verkauft würden, aber nicht den von Keiser und Rehm genannten Standards entsprächen, was wiederum zu Lasten der öffentlichen Wahrnehmung des Mediums gehen könne. Aus Zeitgründen konnte auf diesen durchaus interessanten Aspekt leider nicht mehr näher eingegangen werden.

Die Diskussion als solche darf dennoch ohne weiteres als gelungen betrachtet werden. Wir haben wieder etwas nachdenken und was dazulernen dürfen, und das ist - wie wir wissen - beileibe nicht selbstverständlich.

Anmerkung: Ein Tippfehler wurde korrigiert. Herr Scheck beschwerte sich natürlich über "Sehbücher," nicht über "Seebücher." Ob er etwas gegen Seebücher hat, ist der Redaktion nicht bekannt. Danke für den Hinweis in den Kommentaren! - mof

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posted by Marc-Oliver um 17:30 | Permalink


Fotostrecke: Cosplayer im Sonnenschein

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posted by Mister Woo um 16:26 | Permalink


Fotostrecke: Das Comicgate-Team vor Ort

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Andreas, Thomas, Björn und Frauke

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Marc-Oliver und Daniel

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Björn

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Christopher

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posted by Mister Woo um 16:15 | Permalink


Fotostrecke: Zum Stand von Comicgate

Es heißt, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Toller Spruch. Ob er wahr ist, könnt Ihr selber beurteilen. Hier kommt unsere erste Fotostrecke: Unser Messestand auf dem diesjährigen Salon. Vom Aufbau am Mittwochabend bis zum Besuchersturm am Samstagnachmittag.

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posted by Mister Woo um 15:27 | Permalink


Comics kulturell entschlüsselt?
(Podiumsdiskussion"Comics global")

Wie bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2007 (Gastland: Katalonien) finden auch auf dem diesjährigen Comic Salon wieder Versuche statt, uns fremde Kulturen mittels Comics näherzubringen. In diesem Jahr hat man sich dazu entschieden, China als Gastland zum Salon einzuladen.

In der aufwändig gestalteten Ausstellung "Manhua- Comic im China von heute", organisiert durch den Kurator Paul Derouet, wird dem Gastland die Möglichkeit gegeben, sich ansprechend zu präsentieren. Die jungen chinesischen Künstler wie Yao Fei La, nutzen diese Chance, um sich entsprechend in Szene zu setzen und werden sicherlich durch den Standort der Ausstellung im Kongresszentrum eine Vielzahl von Zuschauer anziehen. Zwischen Bambusträuchern und angelegten Holzwegen, vorbei an Feuchtgebieten, ziehen sich die Originale der Comicschaffenden, die uns vor die Aufgabe stellen, das ureigene Chinesische zu entdecken.

Eigentlich scheint es vollkommen ausreichend, die panels für sich und ihre Kultur sprechen zu lassen, doch kommt man manchmal einfach nicht umhin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der einzelnen Nationen genauer herauszuarbeiten. So ähneln die ausgestellten Bilder doch immer wieder den Comics ihrer Nachbarn, den japanischen mangas. Um dem Zuschauer einen solchen Unterschied zu erklären, haben sich einige schlaue Leute das Konzept der Podiumsdiskussion ausgedacht: Dort treffen Künstler und Wissenschaftler, Verleger und Händler aufeinander, um über die verschiedensten Themen aufzuklären und den Zuschauer nach ca. einer Stunde später wissender zu entlassen.

Leider gelingt dieses Unterfangen im Bezug auf China nicht ganz so gut. Bei der Podiumsdiskussion "Comics Global", das moderiert wird durch den Berliner Journalisten Jens Balzer, treffen mit Sascha Hommer (deutscher Künstler), Guy Delisle (franko-kanadischer Künstler), Yao Fei La (chinesischer Künstler), Paul Gravett (britischer Comicwissenschaflter und Verleger) und Jaqueline Berndt (Manga-Forscherin) aufeinander, um den Comic als globales Medium zu diskutieren. Da so die verschiedensten Nationen vertreten sind, scheint die Ausgangssituation perfekt sein, um alle auch nur erdenklichen Fragen zu beantworten. Doch leider ist gerade diese Internationalität das Problem.

Comics globalYao Lei Fe, beginnt zunächst mit einer nicht enden wollenden Power-Point-Präsentation, die seine Comics (80°C) zeigt. Auf Anfragen aus dem Publikum seine Comics betreffend, kommt es zu den ersten Komplikationen: Sein Übersetzter arbeitet zwar sehr pflichtgemäß, aber dennoch scheint etwas nach mehrmaligem Hin und Her verlorengegangen zu sein: "Lost in Translation" wie Balzer treffend bemerkt. So erfährt das Publikum leider nicht, warum der Künstler 80°C als etwas Eigenständiges, etwas ganz Chinesisches bezeichnet. Aufschlußreicher dagegen ist der Beitrag von Guy Delisle, mit dem Balzer nach etwas 25 Minuten auf Englisch fortsetzt. Wir erfahren etwas über Delisles graphisch umgesetzte Aufenthalte in Nordkorea (Pjöngjang) und China (Shenzen). Er berichtet aus einer Region, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Während in Nordkorea fast keine Comic-Industrie zu existieren scheint, so hört man doch von kleinen Künstlergruppen in China. Wir dürfen uns 2009 über sein neuestes Werk über Birma freuen.

Erst Jacqueline Berndt stellt die Frage, die wir eigentlich lösen wollten: Wie können wir Kulturen durch ihre Comics lesen, verstehen, ohne die komplette Kultur des Landes zu erforschen? Am Ende sind es gerade die produzierenden Kräfte, Paul Gravett und Sascha Hommer, die diese Frage beantworten: In ganz praktischer Manier organisieren sie Ausstellungen und produzieren internationale Anthologien (Orang), um den globalen Comic-Künstlern eine Plattform zu schaffen auf der man diese nicht diskutiert, sondern einfach liest. Und tatsächlich geht man aus dem Vortrag schlauer hervor. Die Lösung kann nur darin liegen, noch einmal den Weg durch die unwegsamen Pfade der "Manhua"-Ausstellung zu begehen und diesmal vielleicht ein bisschen genauer hinzuschauen.

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posted by Daniel um 14:14 | Permalink


Scheck, rattle and roll
(Max und Moritz-Preis)

Willkommen zum Live-on-tape-blogging aus dem Markgrafentheater in Erlangen. Wir hatten gestern abend auf der Max-und-Moritz-Gala einen Laptop dabei und haben ein bisschen mitnotiert. (Normal gesetzter Text: Thomas, kursiver Text: Björn).

21:10
Wir sitzen im wirklich hübschen Zuckerguss-Saal des Markgrafentheaters und warten auf den Beginn der Preisverleihung. Offiziell heißt der Preis "Max und Moritz-Preis". Aus Faulheit werde ich im folgenden die Abkürzung MuM verwenden, wenn ihr erlaubt.

21:17
Die Wahl der begleitenden Band war beim MuM nicht immer die glücklichste. Mit der neunköpfigen Band The Wright Thing scheint man aber einen ganz guten Griff gemacht zu haben. Starker Anfang.

21:20
Moderator Denis Scheck, den man aus der ARD-Sendung "Druckfrisch" kennen könnte, leitet ein und beantwortet die Frage, warum man unbedingt einen Comicpreis brauche, mit einem Zitat von Luca Toni: "Wenn gewinne, isse immer gut."

21:26
Der Bürgermeister schickt seinen Stellvertreter. Wenn das Rummenigge wüsste ...
Denis Scheck hatte ihn mit einem Namensversprecher angesagt - der revanchiert sich prompt und bedankt sich herzlich bei "Herrn Denis Schenk".


21:31
Der Bürgermeistervertreter erwähnt einmal jeden, der für die Stadt arbeitet, mal den Salon von außen gesehen hat und dann dreimal so lange jeden Sponsor ... und wie toll die Vergangenheit war ... und die Maxundmoritzbrote ... noch mehr Werbung für den Salon, wir warten gespannt ob es vor zehn Uhr noch einen Preis geben wird. Der ICOM-Preis war schneller vergeben als die Rede des Bürgermeisters dauerte.

21:40
Der Preis für den Besten Comic-Strip geht an Nicolas Mahler für Flaschko - Der Mann in der Heizdecke. Großer Jubel im Publikum. Mahler macht einen sehr charmanten Eindruck. Auf die Frage, ob er sich ausdrücklich als österreichischer Künstler verstehe, druckst er ein wenig herum und sagt dann: "ich würde sagen nein. aber es stimmt nicht."

Was auf Dauer anstregend werden kann: Wenn man den ganzen Abend die Hochkulturwelle mitnehmen möchte, und alles und jeden mit Becket, Melville etc. vergleicht ...

21:47
Eine neu eingeführte Kategorie: Als Beste studentische Publikation wird Plus Plus Comics ausgezeichnet.

21:52
Die Idee, dass Denis Scheck nach jedem Preis ein kurzes Gespräch mit dem Preisträger führt, funktioniert ganz gut. So werden jedenfalls peinliche Dankesreden a la Oscar vermieden. Wenn Scheck noch etwas besser vorbereitet wäre, wärs noch schöner.

21:58
Bester Comic für Kinder: Der 35 Mai. Als Comic, die Kästner-Adaption von Isabel Kreitz, die dieses Jahr gleich dreimal nominiert ist.

Und das sympathische ist, wie verschüchtert und gerührt sie immer noch wirkt, wenn sie in der Laudatio gelobt wird ... und Bonusprops an die Brothalterin!

22:02
Die Verleihung geht bisher angenehm straff über die Bühne. Bitte weiter so!
Bester deutschsprachiger Künstler wird Anke Feuchtenberger. Die Band spielt dazu tatsächlich das Thema aus Werner - Beinhart. Ein großer Moment.

22:05
Der Preis für den Besten deutschsprachigen Comic geht an Reinhard Kleist für Cash - I see a Darkness.

Das Publikum ist zufrieden: großer Applaus, schon als die Nominierung bekannt gegeben wurde.

22:10
Kleist, Kreitz und Feuchtenberger waren ja alle drei als Bester deutschsprachiger Künstler nominiert. Die Jury hat es recht geschickt verstanden, die anderen Preise so zu vergeben, dass jetzt alle drei einen MuM bekommen haben. Jetzt gibt es eine kleine Talkrunde mit den dreien. Denis Scheck möchte über Geld und Sex reden, was aber nicht so richtig gut klappt. Seine Fragen zum Thema Geschlechterrollen stoßen bei den Befragten allgemein auf Unverständnis und Ablehnung.

Das Interview fällt nicht nur auseinander, es explodiert und Nonnen brennen. Scheck läuft nur gegen die Wand, bei allen dreien.

22:24
Jetzt gibt's die internationalen Preise. Bester Szenarist: Olivier Ka für Warum ich Pater Pierre getötet habe. Die Band spielt dazu passend die Titelmelodie der Nackten Kanone. Ka selbst ist nicht anwesend, den Preis nimmt der Zeichner des Bandes, Henri Meunier, engegen: "I speak French, because my English is very bad and my German ... is no German".

Die arme Übersetzerin, die die nicht unkomplizierten Fragen von Denis Scheck übersetzen muss ... Aber der Zeichner nimmt das alles charmant mit viel Humor.

22:40
Die Band spielt "Always look at the bright side of life" und fordert das Publikum zum Mitsingen und Aufstehen auf. Klappt super: alle bleiben sitzen. Bis auf Ruthe und Flix.

22:43
Als Bester Manga, oder, wie Denis Scheck es ausdrückt "Bester Mango" wird - wenig überraschend - Vertraute Fremde von Jiro Taniguchi ausgezeichnet. Kai-Steffen Schwarz vom Carlsen Verlag erzählt, dass man Taniguchi eingeladen hatte, er aber aus Termingründen absagen musste. Taniguchi hat immerhin eine kurze Grußbotschaft geschrieben, die von Schwarz vorgetragen wird.

22:47
Bester internationaler Comic: Die heilige Krankheit von David B. Der Künstler ist selbst anwesend, bestreitet das Interview auf Englisch und überrascht mit recht humorvollen Antworten. "Can a comic book become a remedy, a medicine for a disease, metaphorically spoken?" - "For my brother? No. For me, for coping with the situation? Yes."

22:58
Nun die bereits vorab bekannten Preise. Mit einem Sonderpreis werden Hannes Hegen, Erfinder der Digedags, und Hansrudi Wäscher "für ihre Pionierleistung im deutschen Comic in Ost und West" geehrt- der 80jährige Wäscher gewinnt die Herzen mit charmanten, witzigen und ehrlichen Antworten: "Comics lese ich keine mehr. Ich habe schon so viele Comics gelesen und irgendwann ist mal Schluss."
Hannes Hegen ist aus gesundheitlichen Gründen nicht vor ort. Die Vertreterinnen von Mosaik fordern die westlichen Leser auf, auch mal die Ost-Comics kennenzulernen.

23:05
Zum Abschluss der Preis fürs Lebenswerk, der an Alan Moore geht. Moore besucht bekanntlich keine Comic-Veranstaltungen und verlässt England nicht, und seine Frau Melinda Gebbie musste leider kurzfristig absagen. Deshalb gibt es eine Live-Telefonschalte nach Northhampton und auf der Leinwand eine extra eingeschickte Dankes-Zeichnung, in der sich Alan Moore mit Bierkrug und Lederhose auf deutsch bedankt. Das Telefongespräch bleibt ziemlich kurz, Moore nimmt sehr großen Applaus entgegen, bedankt sich ausgesprochen höflich für die Auszeichnung und geht kurz darauf ein, wie wichtig für ihn die Rolle von Wilhelm Busch sei, so dass der nach ihm benannte Preis eine große Ehre für ihn sei.

23:10
Feierabend. Bier, Würstchen und Musik im Garten.

(Fotos? Haben wir auch gemacht. Werden wir nachreichen.)

posted by Thomas um 13:47 | Permalink


23.5.08

Hängen sollst du in Erlangen
(Das Finale des Comic-Duells)

Es drohte ein sehr trockener Abend zu werden: pünktlich um 19 Uhr zu Beginn der ICOM-Preisverleihung schlossen sämtliche Getränkeversorgungsstellen des Salons ihre Pforten und ließen sich potentielle Traumumsätze entgehen: gut hundert durstige Indie-Comic-Typen in einem Raum, das hätte ein nettes Geschäft werden können. So freute sich nur der Dönermann von gegenüber, bei dem unser ambulanter Rettungsdienst wenigstens eine Notversorgung von ein paar Fläschchen ergattern konnte.

Nach Abschluss der Preisverleihung folgte der Endspurt unseres kleinen sympathischen Wettbewerbs, des Comic-Duells. In mehreren Ausscheidungsrunden hatten sich sechs Teilnehmer qualifiziert. Ihre neuen Beiträge wurden der Jury (Ans de Bruin, Eckart Breitschuh, Stefan Dinter) präsentiert -- die Juroren hatten diese Beiträge vorher noch nicht gesehen. Im Eilverfahren flogen erstmal die beiden schwächsten Beiträge raus, bevor aus den vier übriggebliebenen zwei Duelle ermittelt wurden, deren Sieger dann wiederum das finale Duell austrugen. Das ist gar nicht mal so verwirrend wie es klingt ...

Zum Schluss jedenfalls focht der Beitrag von Bastian "Lapinot" Baier mit dem Comic von David Füleki um die Gunst der Jury. Füleki erlaubte sich den Trick, die Jury als handelnde Personen in seinen Beitrag einzubauen, wobei Eckart Breitschuh einen Auftritt als grimmiger Hund hat, was jenem Breitschuh nur so halb gefiel. Trotzdem fiel die Wahl der Jury zum Schluss auf Davids Beitrag. Leider war der Sieger nicht anwesend und konnte seinen Preis, ein Gemeinschaftsbild der Juroren, noch nicht in Empfang nehmen.

Die Beiträge selbst schlummern im Moment auf einer mir nicht zugänglichen Festplatte. Daher muss ich euch leider noch etwas vertrösten. Bis dahin gibt es ein schönes Foto der Juroren und das von selbigen zusammengejammte Siegerbild, das demnächst neben dem aufgemalten Fenster an David Fülekis Wand hängen wird.


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posted by Thomas um 18:10 | Permalink


Die Hochkultur zwischen den Kästchen
(Podiumsdiskussion "Comic und Literatur")

Eine fünfzigminütige Podiumsdiskussion zum Thema "Comic und Literatur"? Das kann ganz schnell mal in die Hose gehen. Dank Cartoonistin Isabel Kreitz (Der 35. Mai), Medienwissenschaftler Herbert Heinzelmann, Schriftsteller Thomas von Steinaecker, Literaturwissenschaftler Clemens Heydenreich und Moderator Christian Gasser darf man das waghalsige Experiment aber als rundum geglückt bezeichnen.

Das liegt zum einen daran, dass man sich frühzeitig entschied, eher in die Tiefe als in die Breite zu gehen, und zum anderen, dass man (fast) immer wusste, wovon man sprach. Wenn also Herr von Steinaecker beispielsweise zu bedenken gab, dass die Erzählweise des Comics wegen des Spielraumes zwischen den Kästchen ja eher bruchhaft sei, dann wollte man natürlich direkt ins Plenum rufen: "Ja, aber der McCloud!" War aber gar nicht nötig, denn Herr Heinzelmann war sofort zur Stelle, um an Scott McClouds Theorie zu erinnern. Die besagt schliesslich, dass sich die eigentliche, "unsichtbare Kunst" des Mediums eben dort, nämlich zwischen den Kästchen abspielt. Und das führt - bei einem guten Comic zumindest - mitnichten zu Bruchhaftigkeit.

Es wurde natürlich über das Zusammenwirken von Wort und Bild gesprochen, aber auch über den Ansatz, dass "Literatur" nicht zwangsläufig als Prosatext stattfinden muß. E und U wurden auseinanderdividiert und wieder zusammenmultipliziert, Lessing und Wilhelm Busch trugen ihr Scherflein zur Diskussion bei, und als Gedankenexperiment überlegte man sich, wie denn zum Beispiel Buddenbrooks als Comic umgesetzt werden könnte - lässt sich Manns charakteristischer Schreibstil in Bilder übersetzen, etwa durch Farbgebung? Was die Begrifflichkeit angeht, wurde die "Graphic Novel" zu recht in Frage gestellt, aber leider auch unzulässigerweise die "novel" mit der Novelle gleichgesetzt.

Unterm Strich bleibt, nichtsdestotrotz, eine durchweg gelungene Veranstaltung. Das liegt nicht nur am Sachverstand der Teilnehmer, sondern auch daran, dass diese nicht den Anspruch hatten, Fragen zu beantworten. Man war zufrieden damit, sie zu stellen. Nun gut: Wegen der Kürze der Zeit wurden nicht viele Fragen gestellt. Aber es waren die richtigen. Der geneigte Zuhörer bekam einen steilen aber nachvollziehbaren Einstieg in die Materie und wurde mit anregenden Denkanstößen in den Nachmittag entlassen.

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posted by Marc-Oliver um 17:59 | Permalink


Mundgemalte Mangas
(ICOM Independent Comicpreis 2008)

Das schöne am ICOM Independent Comicpreis ist der Charme des Unperfekten. Da dürfen Powerpoint-Präsentationen auch mal unvollständig projziert werden, da darf die Jury mal eben eine Preiskategorie streichen und dies auch etwas seltsam begründen (es gibt kein "Bestes Szenario", weil die eingereichten Szenarien alle so gut waren). Und es darf ein Überraschungspreis vergeben werden, von dem außer der Jury niemand etwas wusste. Zuvor als Preis für den "ersten mundgemalten Manga" angekündigt, entpuppte er sich als ein Sonderpreis für Burkhard Ihme himself, Mitbegründer, Vorsitzender, Generalsekretär, Ehrenspielführer, Intendant und Erzbischof des ICOM. Man darf diesen Preis als großes Dankeschön der Comicszene an jemanden sehen, der seit Jahren jede Menge Einsatz und Energie für ebendiese Szene aufbringt. Da schließen wir uns gerne an.

Hochverdient und lange überfällig: der Sonderpreis für eine herausragende Comicpublikation für die komplette Didi-und-Stulle-Serie von Fil, der aber - wie viele andere Preisträger auch - leider nicht persönlich anwesend war.

Alle Preisträger im Überblick gibt es hier.


Von links nach rechts: Harald Kuhn, Reinhard Kleist, Tobi Dahmen, Burkhard Ihme, Dirk Schwieger, Klaus Schikowski (Jury), Mawil (Jury), Spong, Zwerchfell-Verleger Christian Heesch, Line Hoven, Nicole Klementz (Jury), Rochus Hahn (Jury).

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posted by Thomas um 17:36 | Permalink


22.5.08

Erste Impressionen
(Ein paar Bilder von Tag 1)

Der erste Messetag ist fast vorbei, unser Stand steht, die ersten Magazine sind verkauft. Sehr erfreulich: Vor Öffnung der Messehallen um 12 Uhr mittags zog sich eine sehr beachtliche Warteschlange über den Hof der Heinrich-Lades-Halle. Entsprechend gut waren die Besucherzahlen des ersten Tages.

Als auffälligster Trend dieses Tages darf das Jagd- und Sammelfieber bezeichnet werden, der vom offiziellen Panini-Salon-Sammelalbum ausgelöst wurde. Über 150 Sticker gibt es zu sammeln, die an den verschiedenen Messeständen, Ausstellungsorten und anderen Locations verteilt sind. Das Album vollzubekommen ist keine leichte Aufgabe, aber versuchen wollen es verdammt viele. Außerdem eignet sich das Album und die Stickerjagd auch super für junge Eltern, die dadruch endlich mal eine schön zeitraubende Beschäftigung ihre quengelnden Kleinen finden können.

In diesem Moment soll übrigens der "Schlumpf-Zeppelin" über die Erlanger Innenstadt fliegen. Man möge uns nachsehen, wenn dieses denkwürdige Ereignis von der Comicgate-Redaktion schnöde übergangen wird. Wir müssen jetzt nämlich zur Verleihung des ICOM Independent Comicpreises und anschließend zur Finalrunde unseres Comic-Duells.

Hier noch ein paar Bild-Eindrücke aus den Messehallen und vom Comicgate-Stand:

Der Eingang Haupthalle von oben Haupthalle von oben Einer der schönsten Stände: Moga Mobo Eingangsbereich Comicgate-Stand Bastian Baier signiert am CG-Stand

posted by Thomas um 18:36 | Permalink


20.5.08

Ein kleiner Vorgeschmack
(23. deutsch-französisches Comic-Zeichner-Seminar)

Während ganz Comic-Deutschland bereits in den Startlöchern steht und nur sehnlichst darauf wartet endlich nach Erlangen fahren zu können, bleibt die Avantgarde ihrem Namen wieder einmal treu. Denn seit letztem Freitag befindet sich eine kleine Vorhut von Zeichnern bereits in Erlangen. Sie gastieren vom 17.-21. Mai in Erlangens Museumswinkel, wo zur Zeit das 23. deutsch-französische Comic-Zeichner-Seminar stattfindet.

Bereits seit 1986 existiert diese Institution schon, deren Ziel es ist, jungen Künstlern mit Erfahrung ? eine Bewerbung war zuvor erforderlich ? ein Forum zu verschaffen, bei dem sie sich austauschen und unter der Anleitung von Dozenten Comics kreieren können. Wie beim Comic-Salon 2006 sind auch diesmal wieder die Agentur Contours des Wahlhamburgers Paul Derouet und das Kultur- und Freizeitamt der Stadt Erlangen für die Planung des Seminars verantwortlich. Auf den Namen Paul Derouet wird man in Erlangen dies Jahr wahrscheinlich häufiger treffen, da er in Erlangen auch noch die Rolle des Kurators für die Ausstellung ?Manhua? des Gastlandes China übernommen hat.

Während im Jahr 2006 Isabel Kreitz und Pierre Lauvad alias Mazan die künstlerische Leitung übernahmen, handelt es sich bei dem diesjährigen Gespann um eine deutsch-katalanische Kooperation: Das Seminar wird begleitet von Markus Huber und seinem spanischen Kollegen Francesc Capdevila alias Max.

Die entstehenden Werke, die dieses Jahr unter dem Thema "Der Besuch" stehen, und die des vergangenen Jahres mit dem Motto "Oh, pardon" werden vom 22. bis 25. Mai im Museumswinkel zu besichtigen sein. Ein paar Eindrücke konnte Comicgate, dank der freundlichen Unterstützung von Malte Knaack, ganz exklusiv ergattern:






Die genauen Öffnungszeiten und eine gesamte Liste der teilnehmenden Künstler ist auf der Homepage des Salons unter der Rubrik Ausstellungen einzusehen.

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posted by Daniel um 08:54 | Permalink


24.10.07

Nachwehen

Splashcomics, die ja in diesem Jahr zum ersten Mal der offizielle Berichterstatter der Faszination Comic sind (die ersten sechs Jahre war es comic.de), mussten auf Bitte von Scott McCloud ihren Video- und Tonmitschnitt seines Vortrages "Comics: An Art Form in Transition" offline nehmen. Wie man hörte, war das Video aufgrund der schwierigen Lichtverhältnisse aber qualitativ sowieso nicht einfach anzuschauen. Da Splashcomics seine Berichterstattung fast vollständig durch Filme und MP3s abdeckte, fehlt dieser Programmpunkt nun leider komplett.

Und das allerletzte: Mehr Fotos von der Faszination Comic 2007 als die kargen fünf in der MaD könnt Ihr Euch hier in unserer Galerie anschauen.

Wir lesen uns an dieser Stelle spätestens zu Erlangen (Comic-Salon, 22.-25. Mai 2008) wieder!
Bis dann.

posted by Frauke um 20:59 | Permalink


15.10.07

Laut lesen macht Laune
(Lesung "Erlesene Comics")

Im letzten Jahr war es noch eine eher improvisierte Veranstaltung im ganz kleinen Rahmen, diesmal fand die Sache ganz offiziell im Frankfurter Museum für Kommunikation statt, wo noch bis 18.11. die Ausstellung Cataloonia zu sehen ist (die weit besser ist als die handvoll Blätter, die auf der Buchmesse ausgestellt waren).

Zum Rahmenprogramm dieser Ausstellung gehörte die Lesung Erlesene Comics, zu der Organisator Christopher "Piwi" Tauber eine Reihe von Comiczeichnern (plus zwei weitere Gäste) einlud. Der Dreh an dieser Art Lesung ist der, dass die Zuschauer, anders als bei anderen Formen der Comiclesung, die Bilder nicht sehen. Und deshalb müssen die Vortragenden selbst beschreiben, was man in den Bildern sieht.

Klingt eher anstrengend, funktioniert aber super, wenn man die richtigen Comics zum Vorlesen aussucht. Von unveröffentlichten Indies über große Klassiker bis zu unfreiwillig komischen Trashcomics bekam man eine wirklich feine Mischung geboten.

Während es Stefan Dinter zum Auftakt mit einer Szene aus dem druckfrischen Krigstein noch etwas schwer hatte, brach spätestens beim zweiten Beitrag das Eis: Tobi Dahmen präsentierte eine Story aus den Gespenster-Geschichten, die so blöde war, dass sie großen Spaß machte. In eine ähnliche Kerbe schlug die kitschige Romanze um einen Stuntman aus Young Love, vorgetragen von Naomi Fearn (der einzigen Frau auf der Bühne und, wie Moderator Kai ... feststellte, die einzige ohne Brille). Und Piwi präsentierte einen angenehm angestaubten Sponti-Klamauk aus einem U-Comix-Heft der 80er.



Auch Unveröffentlichtes gab es zu hören: Reprodukt-Redakteur Christian Maiwald gab eine Szene aus dem autobiographischen Peepshow von Joe Matt zum Besten (demnächst auf deutsch bei Edition 52) und Mawil brachte Comics seines Freundes Oli Ferreira mit, die laut Mawil wahrscheinlich nie bei einem Verlag unterkommen werden, "weil sie dafür zu gut sind". Comicgate-Mitarbeiter Björn Wederhake musste selbst zum Übersetzer werden, denn die von ihm ausgewählte Karl-Marx-Geschichte aus Action Philosophers gibt es nur auf englisch.

Den Abschluss machte Jan Dinter mit einer hörspielreifen Performance einer Spirit-Story, die von seinem Bruder Stefan mit nicht ganz so hörspielreifen Soundeffekten unterstützt wurde. Alles in allem ein höchst unterhaltsamer Abend, der zudem auch recht gut besucht war. Sowohl bei den Akteuren als auch beim Publikum blickte man hinterher durchweg in zufriedene Gesichter.

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posted by Thomas um 11:46 | Permalink


13.10.07

Mehr Worte als Bilder
(Sondermann-Preisverleihung 2007)


Irgendwie sonderbar, denkt man sich, wenn man am heutigen Samstag, dem ersten Tag an dem außer den Fachbesucher auch "normale" Gäste anwesend sind, auf die Messe kommt. Einmal abgesehen von dem Gedrängel, was die Freude etwas mindert, wird die Messe nun von einer ganze Horde von Cosplayern bevölkert. Fast jeder Zehnte eifert den Protagonisten seines jeweiligen Lieblingsanime in Form von Kostümen nach. Das eigentlich Sonderbare daran ist aber vielmehr die Tatsache, dass der Cosplayer-Preis erst morgen verliehen wird. Heute ist nämlich erst einmal die Sondermann-Preisverleihung 2007 an der Reihe.

Der Preis wurde zu Ehren des 2004 verstorbenen Comic-Zeichners Bernd Pfarr nach dessen Comic-Figur Sondermann benannt. Somit jährt sich diese Preisverleihung 2007 zum vierten Mal. Der Sondermann ist ein ausdrücklicher Publikumspreis: 6.000 Comicbegeisterte haben im Vorfeld 26.000 Stimmen in fünf möglichen Kategorien abgegeben. Für diese Kategorien werden nach Befragung des Handels die jeweils drei verkaufsstärksten Comics vorausgewählt, aus denen die Leserschaft dann wählen kann. Zusätzlich vergab eine sechsköpfige Jury, bestehend aus Gabriele Roth-Pfarr, Achim Frenz (Cariacatura - Museum für Komische Kunst), dem Künstler Rudi Hurzlmeier sowie den Journalisten Constanze Doering, Andreas Platthaus (FAZ) und Dr. Christian Schlüter (Frankfurter Rundschau), den Sondermann-Preis für den besten Newcomer 2007 sowie den Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst 2007.

Nachdem sich diese Veranstaltung im letzten Jahr doch etwas in die Länge zog, wurden in diesem Jahr die Preise und Blumen etwas schneller verteilt: So ging der Preis für den Comic National 2007 an Reinhard Kleist für seine Comicbiographie Cash - I see a darkness (Carlsen). Eine weitere Auszeichung nahm der Chefredakteur des Carlsen-Verlags für Bill Wattersons Comic Strip Calvin & Hobbes als besten Comic International 2007 entgegen.

Lauter wurde das Publikum aber erst beim Preis für Manga International 2007, der an Takeshi Obata und Tsugumi Ohba für ihrem Comic Death Note ging. Die Cosplayergemeinde feiert aber noch lauter Anike Hage, die mit ihrem Gothic Sports den Sondermann für den besten nationalen Manga 2007 in Empfang nehmen durfte. Ein weiterer Gast auf dem Podium war Ralph Ruthe, der bereits gestern dort vertreten war. Diesmal durfte er sich für seinen Shit happens! zum besten Cartoon 2007 gratulieren lassen, statt selber nur zu gratulieren. Damit ist er seit der Einrichtung dieser Kategorie der alleinige Inhaber des Sondermanns, da er auch schon die zwei Vorjahre als Sieger heimgehen konnte.

Wirkliche große Reden wurden erst zum Schluss der Verleihung gehalten. Ausgezeichnet mit dem Newcomer 2007 wurde Dirk Schwieger für seine Zielstrebigkeit und seine Fähigkeiten, sich Situationen anzupassen, ausgezeichnet. In seinem autobiographischen Comic Moresukine überrascht Schwieger immer wieder durch neue Seitenarchitektur, die andere deutsche Publikationen vom experimentellen Ansatz her in den Schatten stellt.

Das Highlight der Verleihung war aber sicherlich der Auftritt der Gewinner des diesjährigen Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst 2007. Mit ihren ureigenen Humor gewannen Rattelschneck, aka Marcus Wiener und Olav Westphalen, den Preis. Während sie sich anschließend etwas wortkarg bedankten, drehte ihr Laudator Maria Oliver Schmitt richtig auf und zeigte dem Publikum, warum der Stand des Satiremagazines Titanic, bei dem Rattelschneck regelmäßig veröffentlichen, ganz zu Recht Teil der "Faszination Comic" ist. Es sei zweifellos ein Skandal, dass der Sonderman-Preis in diesem Jahr an Rattelschneck gehe, betonte der Titanic-Redaktuer. Wenn man schon einmal Titanic gelesen hat, weiß man auch, dass Schmitts Bemerkung, die Auszeichnung sei eine krasse Fehlentscheidung, in diesen Kreisen als höchste Auszeichnung gesehen werden muss. Wir freuen uns mit den Gewinnern und hoffen auf mehr krasse Fehlentscheidungen im nächsten Jahr, wenn diese auch alle so gut werden wie die diesjährigen Gewinner.

EDIT 14.10.07: Todesjahr von Bernd Pfarr von 2005 auf 2004 korrigiert

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posted by Daniel um 14:03 | Permalink


12.10.07

Crash! Boom! Click!
(Scott McClouds Vortrag "Comics: An Art Form in Transition")

Zu einem der Highlights des diesjährigen Programms der "Faszination Comic" gehört zweifelsohne die Präsenz von Scott McCloud, dem Guru der Comics-Erzählkunst. Der Auftakt von McClouds Messeaktivitäten war im Programmheft lapidar als "PowerPoint-Präsentation" angekündigt, machte am Freitag aber eindrucksvoll deutlich, warum Understanding Comics ein Standardwerk ist: Der Mann weiß, wie man Ideen und Konzepte vermittelt.

Die Ankündigung, er werde schnell reden und habe über 500 Bilder mitgebracht, löste beim Publikum ein ehrfürchtiges Raunen aus. In der Tat legte McCloud dann auch ein stattliches Tempo vor, und der knapp einstündige Vortrag verlangte dem Zuschauer die volle Aufmerksamkeit ab. Als Belohnung dafür bekam man allerdings eine rundum professionelle und anregende Lehrstunde geboten, die die Inhalte von McClouds Werken Understanding Comics, Reinventing Comics und Making Comics auf sympathische und gut verständliche Weise vermittelte. McCloud zeigte die Ursprünge des Mediums auf, gab im Rahmen der Erläuterung seiner Theorien Einblick in seinen persönlichen Werdegang und wagte den Ausblick in die Zukunft des Comics. Dabei klickte er sich mit perfektem Timing durch die angekündigte Bilderflut, die - ganz so, wie man es von einem professionellen Comic-Erzähler erwarten darf - das Gesagte knackig und markant auf den Punkt brachte.



Kurz gesagt: McCloud ist voll und ganz in seinem Thema aufgegangen. Seine Vorträge sind keine PowerPoint-Präsentationen, sondern Live-Comics.

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posted by Marc-Oliver um 18:06 | Permalink


Es gibt Preis, Baby!
(CoLa des Jahres und Deutscher Cartoonpreis)

Unerlässlicher Teil aller grösseren Comicveranstaltungen sind Preisverleihungen. Auf der Buchmesse sind es im Comic-Zentrum deren vier: Am Sonntag wird in einem Cosplay-Wettbewerb ein Sieger gekürt, der Samstag gehört dem Sondermann, am Freitag wurden die Sieger des Deutschen Cartoonpreises ausgezeichnet und am gestrigen Donnerstag fand die Kür des CoLa des Jahres statt, ein Preis der von den beiden Verlagen Carlsen und Egmont gesponsert wird.

Der Titel CoLa des Jahres ging dieses Jahr schon wieder nicht an Pepsi, Coke oder Dr. Pepper, sondern an ein Comic-Fachgeschäft. CoLa ist nämlich, wie wir alle wissen, die jedem geläufige und total übliche Abkürzung für "Comicladen". Sieben Läden kamen in die engere Wahl, alle wurden auf die Bühne gebeten und bekamen eine Urkunde. Wie die Abstimmung bei dieser Wahl genau verläuft, ist etwas undurchsichtig - wichtig ist aber in jedem Fall, dass ein Laden seine (Stamm-) Kundschaft zur regen Teilnahme an der Abstimmung mobilisieren muss, um Chancen zu haben. Umso überraschender fällt deshalb der Sieger aus: Comix Time aus Lörrach an der Schweizer Grenze, der noch nichtmal ein Jahr besteht, holte auf Anhieb den Titel. Zur Belohnung gibt es einen Besuch von Christian Moser und Reinhard Kleist, die zu einer Signierstunde nach Lörrach kommen werden.


Heiterkeit bei Comicladenbesitzern

Seit 2006 vergibt der Carlsen Verlag den Deutschen Cartoonpreis, bei dem Nachwuchscartoonisten aufgefordert werden, einen Beitrag zu einem vorgegebenen Thema einzusenden. über 100 Teilnehmer schickten in diesem Jahr Witzbildchen zum Thema Globale Erwärmung und Klimawandel, eine Jury wählte die besten Beiträge, die jeweils einen Geldpreis bekamen. Schon zum zweiten Mal aufs Treppchen schaffte es dabei Bastian Baier alias Lapinot, den Comicgate-Leser durch seine Cartoonreihe Freitag? kennen dürften. Für ihn reichte es (nach einem zweiten Platz im letzten Jahr) leider nur für Platz drei. Man möge uns verzeihen, wenn wir hier nicht ganz unparteiisch sind. Zweiter wurde Christian Depenbusch, der erste Platz ging an Ferdinand Lutz aus Viersen. Alle drei Beiträge gibt's auf der Carlsen-Website zu sehen.

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posted by Thomas um 17:31 | Permalink


Lost in Catalan

Es scheint historisch so festgelegt zu sein, dass jedes Gastland bei der Frankfurter Buchmesse einen schweren Stand hat. In diesem Jahr wurde Katalonien eingeladen, eine autonome Gemeinschaft in Spanien, die nicht nur um eine größere Unabhängigkeit kämpft, sondern die auch mit Katalanisch ihre eigene Amtssprache besitzt. Weiter erschwert wird die Stellung des Gastlandes noch zusätzlich, wenn das Medium der Wahl ebenso eine Aussenseiterrolle einnimmt wie das Land selbst, sprich katalonische Comics.

Nachdem bereits am Mittwoch ein Vortrag über die Geschichte von katalonischen Comics stattfand (dieser Vortrag wurde überschattet von dem Zusammenbruch von dem Moderator Carles Santamaria), entschied man sich heute dafür, einige Künstler und Verleger zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Strategisch geschickt hatte man mit der Planung zusammengearbeitet und die Diskussion zwischen die atemberaubende, sechshundert Bilder umfassende Power-Point-Präsentation von Comicguru Scott McCloud und die Geburtstagsfeier von Carlsen Comics zum Vierzigsten gelegt. Nur wie es leider doch immer der Fall ist, verließen nach McClouds Amen die Massen schlagartig das Feld. Übrig blieb eine Handvoll Interessierte, deren Aufmerksamheit auch sofort auf eine harte Probe gestellt werden sollte.


Als der Moderator und Comic-Verleger Joan Navarro zügig in die Diskussion einsteigen wollte, blieben die meisten seiner Zuhörer verwundert auf der Strecke. Der gute Mann sprach Katalanisch mit der Geschwindigkeit eines rauschenden Wasserfalls. Obwohl man ihm Zeichen gab, den Vortrag doch bitte auf Englisch fortzusetzen, ließ er sich erst drei Sätze später stoppen. Er spreche zwar Katalanisch, Spanisch, Französisch und Italienisch, aber Englisch möge er nicht so sehr, teilte er in gebrochenem Englisch mit. Zum Glück für das Publikum fand sich ein Übersetzer. Der Retter des Nachmittags war Felix Sabate, Verleger des spanischen Verlags Ediciones Glenat, der die Diskussion mit seinen englischen Übersetzungen erst ermöglichte.

Zu diesen beiden gesellten sich der Comickünstler und Illustrator Miguel Gallardo, die Herausgeberin Laura, der in Amerika arbeitende Pasqual Ferry, Oriol Garcia und der Herausgeber Albert Monteys (El Jueves). So wurde das verbliebende Publikum mit der kompletten Bandbreite katalonischer Comickunst konfrontiert.

Was diese katalonische Comicszene von dem Rest Spaniens unterscheide, wollte Joan Navarro wissen. Man war sich bei dieser Frage einig, dass die Comics aus Barcelona und Valencia, den größten Städten in Katalonien, sich vor allem durch ihren Humor von den Comics aus Madrid, der Hauptstadt Spaniens, unterscheiden. Man führte diese Tatsache vor allem auf die Freiheit zurück, die die Künstler seit dem Tod Francos in ganz Spanien genießen.

Um dem Publikum einen Eindruck über die Motivation der Künstler zu geben, wurde jeder Einzelne danach gefragt. Die beiden wohl bekanntesten in der Runde, Max und Pasqual Ferry, nannten die Lust an einem noch jungen Medium, aber auch die Möglichkeit, den Traum von der Künstlerkarriere auszuleben.

Nach einer Krise der spanischen Comics in den Achtzigern sprach Moderator Navarro als nächstes von dem derzeitigen Comic-Boom, der vor allem durch die Graphic Novel zu erklären sei. Wie die Zukunft für katalonische Comics aussehe, wollte er wissen. Albert Montjes wandte ein, dass die Zukunft immer ungewiss sei, aber dass die derzeitige Entwicklung Hoffnung gebe und gut Möglichkeit für die Arbeit schaffe.

Als Comicgate nachfragte, warum man fast ausschließlich auf Spanisch veröffentliche und nicht in der Landessprache, gab man uns zu verstehen, dass dies ein rein industrielles Problem sei und dass man liebend gerne mehr katalonische Comics produzieren wurde, wenn es sich bezahlen ließe. Nur zwei der Anwesenden veröffentlichen derzeit auf Katalanisch. Während der katalonische Comic-Star Max bisher nur auf Spanisch veröffentlichte, hatte er nun einen Comic in seiner Landessprache produziert. Sein Kollege Oriol Garcia berichtete dagegen, dass er nur Comics auf Katalanisch produziere, was sich natürlich auch in finanzieller Hinsicht niederschlagen würde, sich also im Moment nicht lohnen würde.

Abschliessend kann man sagen, dass es sich sehr gelohnt hat, sitzenzubleiben und den Vertretern des Gastlands zuzuhören, denn so wurde einem eine kleine Welt ausländischer Comics präsentiert, die um ihre regionale Identität kämpft und dabei mindestens genausoviel Spannung und Potential in Sachen Comics beinhaltet wie jede andere Nation.

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posted by Daniel um 17:23 | Permalink


Letzter Aufruf für Passagier ... (der dritte Tag auf Buchmesse)

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in unserer Berichterstattung beginnt heute der dritte Tag auf der Frankfurter Buchmesse. Um einen kleinen Einblick in das Geschehen zu bekommen, muss man verstehen wie so eine Buchmesse aussieht und was dort alles passiert. Am besten stellt man sich die Buchmesse wie einen grossen Flughafen vor.

Alles fängt bereits bei der Anreise an: Wenn man am Bahnhof steht und auf den nächsten Zug wartet, bemerkt man neben sich andere Leute, Gleichgesinnte, die zwar kein Gepäck dabei haben, aber die sich durch Programmhefte, Gratistaschen und hektischen Umherblicken deutlich als Besucher der Buchmesse outen. Wenn man dann trotz des GDL-Streiks dann endlich am Hauptbahnhof angekommen ist und sich auf den zehnminütigen Fussmarsch macht, sieht man wieder in die gleichen verlorenen Gesichter, die plötzlich nehmen einem auftauchen. Wir alle teilen das gleiche Schicksal. Vorbei an Hochhäusern, nähern wir uns dem Messekomplex und bereiten uns aufs Einchecken vor.

Vorbei an mehreren Werbeleuten schlägt man sich zum ersten Schalter durch. Hier angekommen, beginnt eine gewisse Vorauswahl: Es trennen sich die Reisenden ersten Klasse - deutlich erkennbar an Ihren Nadelstreifenanzügen und ihren Palmtops - von den anderen Fachbesuchern und der Presse. Ausweise werden gescannt und Gepäck wird aufgegeben, erst dann geht es über eine Vielzahl von Rollbändern zu dem eigentlichen Geschehen. Wer auf dem Weg trotz gutem Frühstück noch Hunger verspührt, muss diesen teuer bezahlen. Ein Kaffee kostet stolze 2,30 Euro.

Nach scheinbar endlosen Gängen, Rolltreppen und Blicken auf die Karte ist man endlich angekommen: Die Comics befinden sich in Halle 3.0. Dort sammeln sich Reihe neben Reihe die Stände auf engstem Raum. Wenn man im Vergleich dazu an Comic-Messen wie Erlangen oder das Münchener Comicfestival denkt, erwartet man eigentlich eine kleine eingeschworene Gemeinde. Obwohl man genau von dieser Gemeinde begrüsst wird, sieht diese Realität hier doch etwas anders aus, denn auch hier hat man sich in kleine abgetrennte Kammern zurückgezogen. Erst jetzt erkennt man, dass die Herren aus der ersten Klasse einem zur Bereich der Comcis gefolgt sind. Einige unentschlossene Minuten später sieht man wie eben diese Herren in den Nadelstreifen in kleinen Boxen verschwinden. Das muss wohl das Erste-Klasse-Abteil sein. Dort reden sie mit anderen gutgekleideten Herren, nur um dann nach einigen Minuten mit freundlicher Miene wieder herauszukommen.

Ein kurzer Blick ins Programm eröffnet uns die Reiseziele des heutigen Tages: "Der weite Weg zur Comic-Website" mit Bernd Glasstetter (splashpages), Egmonts Präsentation von "Die Wellenläufer", die Verleihung des Deutschen Cartoonpreises 2007, einen Vortrag von Scott McCloud ("Making Comics"), ein Gespräch zu den Comics des diesjährigen Gastlandes Katalonien und einen Empfang von Carlsen zum 40. Geburtstag. Also schnallen wir uns an und geniessen die Reise, bevor morgen der Massentourismus beginnt.

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posted by Daniel um 11:29 | Permalink


11.10.07

Anstoß, Fehlpass, unentschieden
(Diskussion "Comics im Buchhandel - Graphic Novels und Autorencomics als Bestseller")

Obwohl die Buchmesse bisher nur dem Fachpublikum zugänglich ist, herrscht mancherorts schon ein unheiliges Gedränge. Nach kurzem Orientierungsrundgang, Rostbratwurst mit Pommes und überteuertem Kaffee bietet die Podiumsdiskussion "Comics im Buchhandel" daher eine willkommene Abwechslung. Unter Moderation von Stefan Hauck (Börsenblatt) plaudern Elisabeth Schiefer von der Buchhandelskette Thalia und die Verleger David Basler (Edition Moderne) und Steffen Volkmer (Panini) über die aktuelle deutschsprachige Comiclandschaft. Endlich was Ruhiges, Geordnetes, mit Stühlen.

Naja, bedingt geordnet. Genauer eingrenzen möchte man das Thema des Erlebten dann doch nicht. Schon bei der Definition des Begriffs "Graphic Novel" tun sich die Partizipanten schwer, was nicht weiter überrascht - schließlich konnte man sich bislang selbst in ihrem Herkunftsland, den Vereinigten Staaten, noch nicht auf brauchbare Maßstäbe einigen. Stefan Hauck wendet sich zunächst an Frau Schiefer, die sich redlich bemüht, sich der Materie deskriptiv zu nähern. Sie weiß, dass der legendäre US-Autor Will Eisner den Begriff "Graphic Novel" geprägt haben soll, spricht von "anspruchsvollen" Comics mit "einer gewissen Dicke," von "Einzelbänden" und "Autorencomics," und sie will auch Biographien nicht ausschließen. Die Herren Hauck und Volkmer einigen sich danach allerdings darauf, dass es sich auch bei Neil Gaimans Sandman "ganz eindeutig" um eine Graphic Novel handele. Schiefer nickt zustimmend, auch wenn Sandman natürlich weder ein Autorencomic und schon gar kein Einzelband ist.

Dass "Graphic Novel" frei übersetzt etwa so viel bedeutet wie "Comic-Roman," unterschlagen die Herrschaften leider. Auch, dass David Basler zur Klärung nicht viel beizutragen hat, überrascht kaum, denn der verkauft ja eigentlich Alben und braucht sich keine Sorgen darum zu machen, was andere Leute sich unter einer "Graphic Novel" vorstellen. So bleibt der Erkenntnisgewinn leider gering, aber das kann man - schließlich erfand Eisner der Legende nach den Terminus "Graphic Novel" Ende der Siebziger Jahre, um sein Werk A Contract with God einem "ernsthaften" Verlagshaus schmackhaft zu machen, und dabei handelt es sich genaugenommen nicht um einen "Roman in Comicform," sondern, wie der vollständige Titel A Contract with God and Other Tenement Stories andeutet, um eine Sammlung von Comic-Kurzgeschichten. Die Verwirrung hat also Tradition, und daran wird sich in absehbarer Zeit wohl auch nichts ändern.

Weiteres Thema ist die Auswirkung der Schwemme von Comicverfilmungen, die seit einigen Jahren anhält. Volkmer erklärt, dass in der Regel einen Monat vor Anlaufen des entsprechenden Films ein Anstieg der Comicverkäufe zu beobachten sei, welcher bis kurz nach dem Anlaufen anhalte. Nachhaltige Auswirkungen seien allerdings eher selten. Der Idee gegenüber, Comics in Buchhandlungen nicht in gesonderten Abteilungen anzubieten, sondern bei den verschiedenen Prosa-Genres einzuordnen, zeigt sich Schiefer skeptisch - dies würde das Comic-Angebot "entkernen," denn die geneigte Kundschaft erwarte einen gesonderten Comic-Bereich. Ferner würden Comic-Adaptionen bei Thalia generell nicht zusammen mit ihren Romanvorlagen präsentiert; dies habe in der Vergangenheit nicht funktioniert, und es bliebe daher die Ausnahme.

Ein gutes Titelbild allein wird bei Herrn Haucks Nachfrage nach dem "idealen Cover" von Herrn Volkmer weniger wichtig eingestuft als die Gesamtaufmachung eines Buches, welche einen Ausdruck seiner "Wertigkeit" darstelle. Besonders ansprechend in ihrer Wirkung seien Hardcover-Bände oder Cover, die mit Prägungen oder sonstigen Gimmicks verziert sind. Volkmer hebt die Bedeutung des Buchrückens besonders hervor, der im Regal - ob beim Händler oder zuhause - oft einen ersten Eindruck des Werkes vermittele und von Panini insbesondere dazu eingesetzt werde, Roman-Adaptionen für das Publikum als solche deutlich erkennbar zu machen, etwa durch die Hervorhebung des Autors. David Basler erwähnt, dass kleinere Verlage wie der seine praktisch keine Chance hätten, bei einer Kette wie Thalia unterzukommen - man sei im Buchhandel auf Ansprechpartner angewiesen, die sich nicht nur eine persönliche Comic-Affinität haben, sondern auch in der Lage dazu seien, einzukaufen, was bei Großketten so gut wie unmöglich sei. Aber Basler sagt, er wisse ohnehin, dass sein Publikum "beschränkt" sei. Keiner lacht.

Bei der Frage nach dem Verhältnis zwischen Eigenproduktionen und Lizenzausgaben muß Volkmer passen, denn Eigenproduktionen gibt's im Comicprogramm von Panini ja bekanntlich eher selten. Volkmer rettet sich über die Verlegenheit, indem er Eigenproduktionen im Romanbereich erwähnt. Er gesteht ein, dass Panini, was die Eigenproduktion von Comics angeht, "vielleicht" im Hintertreffen sei im Vergleich mit anderen Verlagen. Er überwindet sein schlechtes Gewissen aber schnell und fügt hinzu, dass man nicht wirklich daran interessiert sei, daran etwas zu ändern, denn man sehe sich in erster Linie als Lizenznehmer. Basler hingegen betont, dass von zwölf Büchern, die jährlich bei der schweizer Edition Moderne erschienen, zehn Eigenproduktionen seien. Er empfiehlt geneigten Autoren allerdings, sich nicht mit bereits fertigen Arbeiten an seinen Verlag zu wenden, sondern zunächst mit einer Synopsis und Reinzeichnungen vorstellig zu werden. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein abgeschlossenes Album akzeptiert werde und unverändert zur Veröffentlichung komme.

Insgesamt verwirrt die Diskussion leider häufig mehr, als dass sie erleuchtet - vor allem deshalb, weil die Teilnehmer unsauber mit grundsätzlichen Begrifflichkeiten umgehen. Dass man nicht genau erklären kann, was eine "Graphic Novel" ist, mag, wie gesagt, verzeihbar sein. Aber ob Comics nun ein "Genre" (Hauck) oder ein "Medium" (Schiefer) sind, und worin der Unterschied besteht, das hätte man schon mal erläutern können. Und warum redet Basler die ganze Zeit über "Graphic Novels," wo Comics, wie sie bei seinem Haus erscheinen, seit jeher als "Alben" bekannt sind? Der Kreis der Mühe mit den Begrifflichkeiten schließt sich, als gegen Ende der Veranstaltung aus dem Publikum die kluge Frage kommt, was "Bestseller" in diesem Zusammenhang denn eigentlich bedeute. "Bestseller" im gebräuchlichen Sinn, wie man das von Romanen und Sachbüchern kennt? Oder einfach bloß bessere Comicverkäufe als früher? Herr Volkmer und Frau Schiefer drücken sich etwas um die Antwort und werfen ein, dass in diesem Zusammenhang auch "Longseller" - Bücher mit auf lange Sicht stetigen Absatzzahlen - wichtig sind und einigen sich im Endeffekt auf ein entschiedenes "Das kommt drauf an." Nichts genaues weiss man nicht.

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posted by Marc-Oliver um 15:59 | Permalink


8.10.06

Erst mal ausruhen

Samstag und Sonntag sind ziemlich anstrengende Messetage, egal ob man als Aussteller, Besucher oder sonstwas unterwegs ist. Die schiere Anzahl an Menschen, die sich an den Publikumstagen auf der Messe drängt, ist monströs. Verstopfte Gänge sind an der Tagesordnung, gerade auch in der Ecke von Halle 3, in der das Comic-Zentrum untergebracht ist. Heute, am Sonntag, dominierten wie üblich die Cosplayer das Bild. Man gewöhnt sich zwar mit der Zeit an kostümierte Kids mit Katzenohren und "Knuddel-mich"-Schildern, aber etwas befremdlich ist es immer wieder. Besonders bizarr fand ich heute den Auftritt von Toru Tanabe: Zahlreiche begeistert kreischende Teenager in bunten Kostümen bejubeln einen Opernsänger, der Songs aus Anime-Serien singt. Hat man auch nicht jeden Tag.

Björn und ich hatten heute Gelegenheit zum Gespräch mit Jeff Smith. Der Schöpfer von Bone sprach mit uns u.a. über die neue Farbausgabe, Self Publishing und die Frage, ob es schwer ist, an einem über Jahre sich hinziehenden Werk zu arbeiten und diesem Werk treu zu bleiben, auch wenn man sich selbst in dieser Zeit verändert (übrigens bloggt Jeff Smith selber und viel; seine Notizen und Fotos - besonders gerne lichtet er sein Essen ab - findet ihr bei boneville.com, dort sind auch schon Teile seiner Deutschlandeindrücke im Rahmen seiner fünfwöchigen Bone-Tour zu finden). Das Interview gibt's demnächst bei Comicgate zu lesen. Ebenso wie das Gespräch mit dem charmanten Briten Andi Watson (Breakfast After Noon), das ich gestern bei Kaffee und Pizza führen durfte.

Das war's erstmal mit dem Geblogge von der Buchmesse. Mehr aus dem Comic-Zentrum gibt's bei comic.de und (extrem multimedial) bei den Splashcomics. Unsere Form der Messe-Berichterstattung ist viel weniger umfangreich als die der Kollegen, dafür auch in der Form etwas anders. In den Kommentaren dürft ihr uns gerne mitteilen, was ihr davon haltet. Wir freuen uns über eure Meinungen.

posted by Thomas um 22:55 | Permalink


7.10.06

2. Tischtennisturnier des Todes

Wie schon im letzten Jahr, so organisierten auch diesmal Flix und Mawil ein Tischtennisturnier, an dem acht Comicverlags-Teams am Freitag teilnahmen.
Die Zwerchfell-Mannschaft, bestehend aus Naomi Fearn und Jan Dinter, glänzte durch besonders gelungene Ballwechsel. Bereits nach dem 7. Anlauf bekamen sie den Ball dazu, weder ins Netz noch direkt über den Tisch hinaus, sondern tatsächlich ins gegnerische Spielfeld zu springen. Dafür gab's von Wolle Strzyz als Ansporn direkt mal vier anstatt einen Punkt angerechnet. Trotz dieses Ansporns schieden sie aber dann doch direkt in der ersten Runde aus.
Weitere Teilnehmer waren Carlsen, Lappan, Reprodukt, Team Strizz, Cartoon-Kaufhaus, Team Buchmesse und die Biblyothek.
Gewonnen hat im Endspiel, bei dem mal endlich mal richtig Tischtennis gespielt wurde, gegen Lappan die Mannschaft vom Cartoon-Kaufhaus. Glückwunsch!


Mawil war nach dem Ausscheiden in der zweiten Runde langweilig und er verzierte die Ergebnisliste noch ein wenig:




Team Zwerchfell (Naomi Fearn und Jan Dinter) gegen Team Reprodukt (Mawil und Leo Leowald):





Die stolzen TTTT2006-Gewinner vom Cartoon-Kaufhaus mit dem von Mawil gebastelten Preis:


posted by Frauke um 22:21 | Permalink


Sondermann 2006

Heute wurde im Comic-Zentrum der Sondermann-Preis verliehen. Als Stargast bei der Verleihung stellte sich Onkel-Dagobert-Zeichner Don Rosa kurz auf die Buehne, der letztes Jahr den Sondermann fuer den besten internationalen Comic gewonnen hatte. Die Preistraeger diesen Jahres waren groesstenteils abwesend. Lediglich Nina Werner (Bester deutscher Manga: Jibun Jinshin) und Ralph Ruthe (Bester Cartoon: Shit Happens) nahmen die Preise persoenlich entgegen. Wenn allerdings die Tradition gewahrt bleibt, dass der Preistraeger des internationalen Comics im kommenden Jahr auf die Buchmesse kommt, dann koennen wir 2007 einen hochkaraetigen Gast erwarten: Frank Miller. Der gewann in der Kategorie Bester internationaler Comic fuer Sin City, und CrossCult Verleger Andreas Mergenthaler sah sehr zufrieden aus, als der den Sondermann aus den Haenden von Bernd Pfarrs Witwe Gabriele Roth-Pfarr entgegen nahm. Ausserdem gewannen Walter Moers (Bester deutscher Comic: Der Bonker) und Arina Tanemura (Bester internationaler Manga: Shinshi Doumei Cross). Neben diesen Kategorien, die aus Buchhandels-Verkaufszahlen und Publikumsabstimmung ermittelt wurden, gab es zwei Jurypreise: beim Sondermann fuer komische Kunst scheint sich eine Art Titanic-Connection zu entwickeln: Nach Rudi Hurzlmeier im letzten Jahr ging der Preis diesmal an Greser & Lenz, wobei es hier sicher nicht die falschen trifft. Der Newcomerpreis ging an Moki.

Moderiert wurde die etwas schleppende Veranstaltung von Matthias Wieland, eine Art Miniatur-Thomas-Gottschalk, der staendig bemueht komisch sein wollte, aber nie wirklich witzig war. Entschaedigt wurde man dafuer mit Wiglaf Droste, der als Laudator gewohnt gallig und wortgewaltig an Bernd Pfarr erinnerte und ein Loblied auf Greser & Lenz sang.



Don Rosa beäugt kritisch seinen Sondermann (also den Preis, ihr wisst schon!)

posted by Thomas um 16:32 | Permalink


Bloggen aus dem Presse-Zentrum

Im Pressezentrum der Buchmesse stehen lobenswert viele PC-Arbeitsplaetze zur Verfuegung. Leider so international ausgerichtet, dass hier US-Tastaturen verwendet werden. So wird dann aus dem Comic-Zentrum schon mal das Comic/Yentrum, wenn man nicht aufpasst. Und die Umlaute muessen auch umstaendlich ausgeschrieben werden. Aber halb so schlimm.

Lustig ist es auch immer, Gespraeche am Nebentisch zu belauschen. So musste gegenueber von mir eine Journalistin ihrem Kollegen(vielleicht war's aber auch nur ein Begleiter) tatsaechlich folgendes erklaeren:
- Amazon? Was'n das?
- So eine Online-Buchhandlung. Gib's einfach mal bei Google ein.
- Wie schreibt man das denn?

Sollte dieser Mann tatsaechlich Journalist sein, der sich auf eine Buchmesse wagt, so habe ich ausdrueckliches Mitleid mit dessen Arbeitgeber.

posted by Thomas um 16:21 | Permalink


Cartoonpreis: Zweiter Platz fuer Lapinot!

Gestern wurde auf der Buchmesse erstmals der neue Cartoonpreis verliehen, der von der Messe gemeinsam mit Carlsen Comics ausgelobt wurde. Aus knapp 400 Einsendungen waehlte eine Jury die besten Nachwuchs-Cartoonisten aus, je ein Cartoon der besten 10 Teilnehmer wird im Comic-Zentrum auf der Messe ausgestellt. Gewonnen hat den mit 1000 Euro dotierten Hauptpreis Tobias Schuelert (sein Beitrag), dessen Cartoons zum Teil schon in der Titanic zu sehen waren. Wir Comicgatler freuen uns besonders ueber den zweiten Platz: Bastian Baier, besser bekannt als Lapinot, hat es auch aufs Treppchen geschafft!

Lapinots Cartoons werden ja seit einiger Zeit in der Reihe Freitag? hier bei uns veroeffentlicht, so dass wir auch ein bisschen Stolz auf seinen zweiten Platz sind. Herzlichen Glueckwunsch! Wenn's klappt, gibt es demnaechst einen oder mehrere seiner eingereichten Beitraege bei uns zu sehen.


Klaus Humann (Carlsen Verlag), Nadine Lindenthal (Platz 3), Bastian Baier, Tobias Schülert, Juror Joscha Sauer. (Bild: ?hr-online.de)

posted by Thomas um 15:52 | Permalink


6.10.06

Comicgate im Gespraech mit Dark Horse!

Eigentlich wollten wir uns nur mal die Staende von Dark Horse und DC in Halle 8 anschauen, hatten dann aber die Idee, einfach mal nachzufragen, ob uns die Leute von Dark Horse ein bisschen Rede und Antwort stehen wuerden. Als drittgroesster US-Comicverlag (nach Marvel und DC) und mit Bestsellern wie Sin City, Hellboy, Conan oder Usagi Yojimbo sowie einem breiten Spektrum von Manga ueber die Horrorschiene bis hin zu den Star-Wars-Comics ausgeruestet wuerde das sicherlich ein interessantes Gespraech ergeben.
Und was sollen wir gross um den heissen Brei herumreden: Dirk Wood und Matt Parkinson haben uns gestern Abend tatsaechlich fuer heute zugesagt! Gerade eben kommen Bjoern, Thomas und ich von dem sehr informativen Gespraech zurueck. Die Leute waren sehr entspannt und nett und wir freuen uns, Euch bald dieses Interview praesentieren zu koennen.

posted by Frauke um 17:21 | Permalink


Comic Clash

Wie wir bereits berichteten, fand gestern abend eine Comiclesung ohne Bilder statt. Christopher "Piwi" Tauber hatte die Idee, Comics vorzulesen und die Panels zu beschreiben, ohne dass das Publikum die Bilder sieht. Und anscheinend war den Vorlesenden (mit hin geschleift wurden Stefan Dinter, Naomi Fearn, Tobi Dahmen und Mawil) am Anfang oftmals auch nicht klar, worum es eigentlich in dem Comic geht ... Ein sehr lustiger, unterhaltsamer Abend war's.
Und warum zeichnen die Leute eigentlich noch Bilder in ihre Comics? Geht doch auch so.


Naomi hatte arge Probleme mit den kümmerlichen Lichtverhältnissen ... (von rechts: Piwi, Naomi, Mawil, Tobi, Stefan):


posted by Frauke um 12:03 | Permalink


CoLa des Jahres 2006

Eine interessante Abstimmung führte das Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse ein: die Wahl zum Comic-Laden des Jahres. Die Kunden waren aufgerufen abzustimmen und zu beurteilen, welcher Comicshop ihrer Meinung nach der beste ist. Kriterien waren u.a. das Sortiment, die Darbietung, Freundlichkeit etc.
Gestern war dann die Preisverleihung, die von Wolle Strzyz und Andrea Fiala de Ayerbe moderiert wurde. Die Kurz-Interviews der Nominierten waren leider nicht besonders aussagekräftig, dafür war der eingeladene Gast Peter (den Nachnamen kenne ich leider nicht), der den ersten Comicladen Deutschlands eröffnet hatte und von der damaligen Situation erzählte, eine interessante Bereicherung des Programms.

Letztes Jahr gewann Ultra Comix aus Nürnberg (was ihnen nun drei Jahre lang einen weiteren Titel verwehrt), dieses Jahr wurden nominiert und gelangten damit in die engere Auswahl: Comix Shop aus Basel, Comix aus Hannover, Hummelcomic aus Hamburg und Neunte Kunst aus Osnabrück (Ultra Comix stand auch mit auf der Bühne).

Die Auszeichnung für Comic-Laden des Jahres 2006 bekamen dann die zwei Mädels von Comix aus Hannover, die bereits letztes Jahr nominiert waren und den Laden zwar erst seit wenigen Jahren, aber offensichtlich mit viel Engagement betreiben. Als Gewinn erhalten sie von den zwei Sponsoren, Carlsen und Ehapa, jeweils eine Signierstunde mit den beliebten Mangazeichnerinnen Alexandra Volker und Christina Plaka.
Herzlichen Glückwunsch!


Alle Nominierten sowie die zwei Preisträgerinnen:


posted by Frauke um 11:37 | Permalink


Herzlichen Glückwunsch, Bernd!

Bernd Glasstetter von Splashcomics, mit dem wir uns hier in Frankfurt ein Dach über dem Kopf teilen, wird heute 33. Alles Gute!

posted by Frauke um 11:36 | Permalink


5.10.06

Dark Horse Comics auf der Bühne

Wer den Leuten von Dark Horse Comics dabei zusehen (und -hören) will, wie sie statt Comics Musik machen, der kann Dirk Wood (Director of Marketing, Gitarre), Matt Parkinson (zustaendig fuer die Website, Bass) und Lance Kreiter (Lizenzbetreuer, Schlagzeug) morgen abend (06.10) auf der Buehne erleben. Zusammen mit der Band Madhouse Flowers werden sie im Spritzehaus (Große Rittergasse 41-43, 60594 Frankfurt/Main Alt-Sachsenhausen) ab 21:30 Uhr Cover (sie drohten bereits mit Van Halens Jump) zum Besten geben.

posted by Frauke um 18:43 | Permalink


Und los geht's


Die Frankfurter Buchmesse, in Fachkreisen liebevoll FraBu genannt, ist in diesen Tagen Dreh- und Angelpunkt der deutschen Comicszene. Die zuerst auf drei Jahre angelegte Laufzeit des "Schwerpunkt Comics" wurde vor einiger Zeit aufgehoben, er wurde also nach einer Probezeit unbefristet übernommen.

Zum ersten Mal ist Comicgate dort offiziell als Presseorgan (wie Björn, der neben mir sitzt, es so schön ausdrückt) vertreten und wir berichten in den nächsten Tagen hier in unserem Messe-Blog von unseren Eindrücken. Das Pressezentrum, in dem wir uns gerade befinden, ist sehr großzügig ausgestattet mit allerlei Presseinfos, einem Konferenzraum, zwei Interviewräumen und etlichen Arbeitsplätzen mit Internetanbindung.

Ich mache mich am Mittwochmittag auf Richtung Frankfurt, das Comicgate-Magazin sowie Postkarten im Gepäck. Stefan Dinter hatte uns angeboten, ein paar Exemplare am Gemeinschaftsstand von Zwerchfell, eidalon und Anime House auszulegen, und diese Gelegenheit wollen wir nicht verpassen.
Das Problem: Irgendwie muss ich die Dinger zum Stand transportiert bekommen. So eine Kiste möchte man - zumindest ich - nicht ewig schleppen; ein Parkplatz so nah wie möglich an der Messe wäre also prima. Im Gegensatz zur Buchmesse Leipzig auf dem "Neuen Messegelände" befindet sich die Messe Frankfurt mitten in der Stadt. Dementsprechend katastrophal ist die Suche nach dem Presseparkplatz. Am Tor Ost werde ich zum Tor West geschickt, wohin ich es mit dem wahrscheinlich größtmöglichen Umweg dank Baustelle und eigener Blödheit endlich nach fünfzehn Minuten schaffe. Dort aber, wer hätte es gedacht, legt man mir das Tor Ost nahe. Gegen eine Kaution von 100,- Euro könne man dort zwei Stunden nah an Halle 3 (dort befindet sich das Comic-Centrum) parken. Wer überzieht, verliert das Geld.

Lange Rede, kurzer Sinn ... völlig genervt, voll gepackt und etwas in Zeitnot kam ich an dem entsprechenden Stand an, konnte zumindest ein kleines Schwätzchen mit Stefan Dinter, Holger Bommer, Sascha Thau und Naomi Fearn halten und mich kurz in der Comicecke umschauen, die recht beschaulich ist, obwohl die wichtigsten Verlage da sind: Carlsen, Ehapa, Tokyopop, Infinity, Mile High Comics (als einer der wichtigsten Onlinehändler) sowie in den Haupthallen die großen US-Verlage (DC, Dark Horse, Jim Balents Broad