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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

28.02.2009

Provokation gelungen, Patient tot?
(Die! oder wir nicht am Kiosk und kaum im Comicladen)

10.000 Exemplare Druckauflage! Mit Stolz verkündete Karl Nagel letzte Woche in seinem Blog, dass die erste Ausgabe seines "Schundmagazins" Die! oder wir (wir berichteten), soeben aus der Druckerei gekommen sei. Für nur 99 Cent sollte die im Tabloidformat gedruckte Comiczeitung bundesweit an Bahnhofskiosken aufliegen. Doch daraus wird nichts. Einer der Pressegrossisten, die die Verteilung an die Kioske besorgt, hat vorsichtshalber einen Anwalt befragt, ob das Heft unbedenklich ist. Dieser riet jedoch zur Vorsicht: "Aufgrund der dargestellten Gewaltexzesse und sich hieraus ergebenden schweren Jugendbeeinträchtigung ist das Objekt nach unserer Auffassung nicht für einen freien Vertrieb geeignet." (so zitiert Nagel aus dem Anwaltsschreiben) Und deshalb entschieden sich die allermeisten Verkaufsstellen, das Heft nicht auszulegen.

Für die angenommene "Jugendbeeinträchtigung" (was für ein Wort!) hat wohl in erster Linie das Cover von Die! oder wir #1 gesorgt, das nicht gerade diplomatisch daherkommt. Der Leser blickt in den Lauf einer Pistole, die jedoch nicht auf ihn gerichtet ist, sondern auf einen Lehrer, wie man in der verspiegelten Sonnenbrille des Schützen sehen kann. Dort steht ein Lehrer mit erhobenen Händen vor einer Tafel mit der Aufschrift "Ich bin ein Scheiß-Lehrer". Dass er diesen Satz offenbar in Spiegelschrift geschrieben hat, versuchen wir mal zu ignorieren. In der Geschichte, die zur Coverabbildung gehört, sind gröbere Gewaltdarstellungen vorsorglich mit ironischen Zensurbalken überdeckt, trotzdem geht es recht blutig zu. Die Story dreht sich um einen Amoklauf an einer Schule, dem etliche Lehrer zum Opfer fallen. Schon möglich, dass sensible Jugendschützer so etwas anstößig finden.

Wohlgemerkt: Die! oder wir ist weder verboten noch indiziert, es kann im Prinzip völlig legal verkauft werden. Der zitierte Anwaltsbrief ist lediglich eine Einschätzung, die besagt, dass es durchaus zu Indizierungen der BPjM oder gar zu einer Beschlagnahme nach §131 des Strafgesetzbuchs kommen könnte, wenn eine entsprechende Instanz sich zu einem Eingriff veranlasst sieht. Diesen möglichen Ärger wollen die meisten Verkaufsstellen vorsorglich vermeiden und verkaufen das Heft nicht. Andere wiederum haben diese Bedenken nicht: Der Hannoveraner Comicladen "Phantastische Zeiten" legt das Heft nicht nur aus, sondern betreibt auch offensive Schaufensterwerbung.

An Bahnhofskiosken wird Die! oder wir nun also fast nirgends zu finden sein, außerdem bekam auch der Comicvertrieb PPM kalte Füße und will das Heft nicht an Comicläden vertreiben. Und wie geht's jetzt weiter, was passiert mit den 10.000 Exemplaren? Die meisten davon werden wohl vernichtet werden. Die hohe Auflage, die flächendeckende Verbreitung und damit der niedrige Preis sind für künftige Ausgaben erstmal gestorben. An einer Vertriebslösung für Comicläden wird noch gebastelt, außerdem setzt Nagel verstärkt auf den Einzelverkauf durch "subkulturelle Kanäle", z.B. auf Punkkonzerten. Eine Bestellmöglichkeit beim Verlag gibt es nicht - oder doch? Seit gestern ist das Heft auch im Online-Shop bestellbar. Als Rettungspaket für 5 Milliarden Euro. Wer grade nicht soviel hat, darf (nach dem Vorbild von Radiohead und anderen Bands) selber einen Preisvorschlag machen.

Karl Nagel, der sich mit Provokationen sehr gut auskennt, nimmt's also recht gelassen. Trotzdem schade, dass das Experiment "Comics für 99 Cent" schon gescheitert ist, bevor's überhaupt richtig los geht. Zumal das Heft ziemlich gelungen ist. Vor allem die erste Geschichte "Imperium Arche" rockt, nicht zuletzt wegen den Zeichnungen von Vincent Burmeister. Aber die Vertriebsstellen sitzen am längeren Hebel. Die Antwort auf die Frage "Die oder wir?" muss wohl vorläufig lauten: die.

Viele Infos zum Thema gibt es auch in diesem Comicforum-Thread (ab Beitrag #86).

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posted by Thomas um 16:50 | Permalink


23.02.2009

Carlsen Comics zurück im Comicforum
(alte neue Heimat)

Zum 01. März wird das Forum von Carlsen Comics unter dem Dach des Comicforums zu finden sein. Nachdem der Carlsen-Verlag vor etlichen Jahren aus dem CF in das Forensystem von Comics in Leipzig (der Leipziger Buchmesse zugehörig) ausgewandert war und dort gemäß des Verlagsprogramms die drei Foren Carlsen Comics, Carlsen Manga und Carlsen Daisuki unterhielt, wird dieser Comic-Teil nun also zurückkehren. Die beiden anderen Foren verbleiben im CiL.
Obwohl man nun generell streiten darf, inwiefern die strikte Trennung Comics - Manga logisch ist (warum sollten Manga keine Comics sein?), so gibt es doch unbestritten eine sich kaum überschneidende Leserschaft zwischen den Comics der westlichen Welt und denen der östlichen (zumindest der Überzahl, die für Kinder und Jugendliche konzipiert ist). Insofern ist eine Trennung der Foren in Anbetracht des Zielpublikums durchaus sinnvoll.

Dieser Unterscheidung muss man sich bewusst sein, wenn Carlsens Comic-Redaktionsleiter Ralf Keiser in der Umzugs-Ankündigung von "Comics" spricht, sonst wird's verwirrend:
"Das Carlsen Comics Forum zieht dahin zurück, wo ausführlich über Comics diskutiert wird: ins Comicforum. Wir sehen uns dort mit unserem Programm gut aufgehoben, und für die Nutzer entfällt der Zwang, sich in zwei verschiedenen Foren anmelden zu müssen, wenn sie über Comics von Carlsen diskutieren möchten."
Logistische Einzelheiten (z.B. "Was passiert mit meinen Posts?") werden ebenfalls in der o.a. Ankündigung besprochen.

Damit sind - bis auf Panini, das ein eigenes Forum betreibt - alle großen Verlage für Comics (...) wieder an einem Ort versammelt. Da, wo auch wir sind. ;)

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posted by Frauke um 18:57 | Permalink


19.02.2009

Karnevalsreport mit Kamelle
(Der Tagesspiegel berichtet von der New York Comic Con)

Grundsätzlich sind Comic-Sparten wie die des Tagesspiegels ja begrüßenswert, und man sollte der Fairness halber erwähnen, daß die Leute dort insgesamt einen ganz ordentlichen Job machen.

Auf schludrige und weitgehend ahnungslose Artikel wie diesen hier, in dem die Autorin von der New York Comic Con vor zwei Wochen berichtet, kann man aber wohl getrost verzichten.

Okay, daß angeblich "von einer Rezession nicht viel zu spüren" war: geschenkt.

Wenn man bedenkt, daß selbst bei Stützpfeilern des US-Marktes wie Diamond hinten und vorne der Putz am bröckeln ist und ausgerechnet der Branchengigant Marvel sich als erster zu der außerordentlichen Verzweiflungstat gezwungen sieht, mitten in der Finanzkrise seine Heftpreise um ein Drittel anzuheben, dann transportiert diese gewagte These zwar eine gehörige Portion ungewollten Zynismus, aber wer weiß, vielleicht hat all das auf der Messe ja wirklich keinen interessiert. (Calvin Reids und Heidi MacDonalds Bericht für Publishers Weekly beschreibt allerdings eine andere Stimmung: "However even with the show's surprising success, overlying economic uncertainties loomed over many conversations as the future of the industry was pondered," usw.)

Aber auch als harmloser Erlebnisbericht fällt das Stück leider durch. Die Zeichnung, mit der Tagesspiegel den Artikel aufmacht - Bild-Unterschrift: "Frischer Wind. Carlos Pachecos Neuinterpretation der Avengers war eines der Projekte, das in New York vorgestellt wurde." - stammt von einem Projekt, welches Pacheco vor zehn Jahren für Marvel gezeichnet hat. In Verbindung mit der Unterschrift ergibt sich daraus schlicht Unfug.

Mit Tippfehlern ist der Artikel ebenfalls durchsät, was aber alles nicht das Schlimmste ist. Denn auch was das Faktische angeht, hapert's gewaltig. Urgestein Joe Kubert wird schlicht zum "Story-Produzent für Tarzan, Batman und The Flash" degradiert, Autor Mark Millar zum Zeichner und Zeichner David Lafuente zum Autor gemacht. Art Spiegelman heißt "Art Spiegelmann", Wonder Woman "Wonderwoman", Green Lantern "Green Latern" und die "große Schauspielerin" Marina Sirtis "Marina Siris". Und wir dürfen rätseln über den ominösen Verlag "WWII", der da im ersten Absatz aufgeführt wird. Hat DC vielleicht völlig unbemerkt vom Rest der Journaille ein eigenes Label für Garth-Ennis-Weltkriegs-Comics aus der Taufe gehoben? Oder war vielleicht doch eher IDW gemeint?

Ansonsten fällt der Report auf durch schwammige Füllsätze ("Die Rundumerneuerung der Charaktere ist wahrscheinlich die frischeste Interpretation, welche man seit Jahren von ihnen gesehen hat." Wahrscheinlich ist auch, daß halb Kalifornien morgen von einem Erdbeben verschluckt wird. Oder nächste Woche.) und sonstige Phrasendrescherei ("... Muss für Comic Fans ..." [sic, weil Bindestriche zwischen Hauptwörtern uncool sind], etc. Untermauert wird die Aussage von drei massiven Absätzen zu zwei obskuren Projekten des Image-Comics-Partnerunternehmens Top Cow, weil's sonst wohl gar nichts zu berichten gab im Comic-Sektor.) und Google-Übersetzungen (Marvels "Superhelden-Linie").

Liest über den Kram vor Veröffentlichung eigentlich nochmal jemand drüber, oder wird beim Tagesspiegel auch nach der Devise verfahren, daß es ruhig Murks sein darf, wenn's ja bloß im Netz steht?

Nachtrag, 20. Februar: Nachdem in den Kommentaren des Artikels von einem Leser auf die darin enthaltenen Fehler und auf diesen Blogeintrag hingewiesen wurde, hat man beim Tagesspiegel reagiert. Der Artikel wurde allerdings nicht etwa korrigiert, sondern ersatz- und kommentarlos gestrichen.

Daraus läßt sich dann wohl ableiten, was man beim Tagesspiegel vom sauberen journalistischen Arbeiten hält, bzw. davon, seine Leser ordentlich zu informieren.

Nachtrag, 23. Februar: Lars von Törne, der zuständige Redakteur, nimmt in den Kommentaren Stellung und verspricht, den Artikel in korrigierter und kommentierter Form wieder online zu stellen.

Noch ein Nachtrag, 23. Februar: Der Artikel ist nach drei Tagen wieder da (Link s. oben), korrigiert und kommentiert.

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posted by Marc-Oliver Frisch um 00:00 | Permalink


16.02.2009

Comic-Check geht online
(Neues Comic-Portal im Web)


Es gibt ein neues deutschsprachiges Comic-Portal im Web - und den ersten Eindrücken nach macht Comic-Check, so der Name der Website, ziemlich viel richtig. comic-check.ch wurde gegründet von den beiden Luzerner Journalisten Dave Schläpfer und Sasa Rasic und versteht sich als "Comicportal der Zentralschweiz", ist aber auch für Leser außerhalb dieser Region einen Blick wert.

Was als erstes sehr positiv auffällt, ist das nüchterne, klar strukturierte Layout der Seiten. Comic-Check ist sehr übersichtlich und verwirrt nicht. Der User erkennt schnell, was er wo findet. Vorbildlich: Ein alphabetischer Index verzeichnet jeden besprochenen Comic, egal in welcher Rubrik dieser aufgetaucht ist (etwas, was wir auch schon sehr lange machen wollen, aber bisher nie so recht geschafft haben).

Inhaltlich besteht Comic-Check momentan aus zwei Hauptbestandteilen, Den Comic-Rezensionen und den Themenschwerpunkten. Die Rezensionen stammen vor allem aus der Feder von Dave Schläpfer. Die meisten dieser Texte sind ungekürzte Versionen von Kritiken und Hintergundartikeln für verschiedene Magazine und Zeitungen, vor allem für die Neue Luzerner Zeitung, für die Schläpfer tätig ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Website-Neustarts steht dadurch bereits zu Beginn eine stattliche Anzahl an Artikeln online, auf denen das Portal aufbauen kann. Besonders interessant ist hier die Rubrik "Schwerpunkte", die ausführlichere Artikel zu einzelnen Werken, aber auch umfassendere Überblicke über das Schaffen eines Autors, über ein bestimmtes Verlagslabel oder ein Genre bietet. Auch Interviews, u.a. mit Frank Miller und Alan Moore, sind abrufbar.

Während das Angebot an Rezensionen und Artikeln also schon recht umfangreich ist, steckt der zweite Schwerpunkt von comic-check.ch noch in den Kinderschuhen. Die Website möchte sich geografisch verorten und versteht sich, wie oben schon erwähnt als "Comicportal für die Zentralschweiz". Geplant ist, dass Comicschaffende aus dieser Region auf der Website in sogenannten "Showrooms" sich und ihre Arbeiten vorstellen. Zusätzlich wurde der "1. Zentralschweizer Comicpreis" ausgelobt, der einen speziellen regionalen Fokus hat. Außerdem soll Walter Beer vom Luzerner Comicladen Co-Mix Remix ein Blog führen und aus dem Alltag eines Schweizer Comichändlers berichten.

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posted by Thomas um 22:36 | Permalink


15.02.2009

Neuer Honorar-Ratgeber: Umfrage
(Mithilfe erbeten!)

Als angehender Profi-Zeichner weiß man anfangs oft nicht, wie viel Geld man verlangen darf, wie Berechnungen durchgeführt werden, wie die Vertragsbedingungen aussehen können/sollten und was es sonst noch alles an rechtlichen Dingen zu beachten gibt. Der äußerst hilfreiche Honorar-Ratgeber vom ICOM e.V. hat da schon vielen die Marktsituation näher gebracht, und auch der ein oder andere gestandene Künstler schaut gerne mal rein, um zu wissen, wo er steht.

1995 von Christof Ruoss ins Leben gerufen, ist die letzte Aktualisierung von 2002 nun schon einige Jahre her. Anfang 2010 soll eine überarbeitete Version beim ICOM erscheinen. Deshalb bittet der zuständige Projektleiter Frank Pfeifer (nein, weder verwandt noch verschwägert mit mir) um die Mithilfe momentan aktiver Zeichner. Er hat eine anonymisierte Umfrage gestartet, die mit jeweils einem konkreten, erfolgreich abgeschlossenen Auftrag gefüttert wird (bei mehreren Projekten dann die Umfrage erneut aufrufen). Damit soll die aktuelle Marktsituation für Comiczeichner, Cartoonisten und Trickfilmer ermittelt werden, deren Ergebnis dann in den aktualisierten Honorarratgeber fließt.
Sofern es Euch betrifft, helft bitte bei dieser Erhebung mit, um den wichtigen Ratgeber wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

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posted by Frauke um 01:14 | Permalink


08.02.2009

Frisch aus der Druckerei, 2/09
(Comic-Neuheiten im Januar)

HIGHLIGHT DES MONATS: In Frankreich gibt es seit 2006 eine Parallel-Reihe zum Serien-Dauerbrenner Spirou et Fantasio. Sie nennt sich Une Aventure de Spirou et Fantasio par... und lässt namhafte Zeichner und Autoren ihre ganz eigene Vision von Spirou umsetzen, abseits von den Zwängen der Hauptserie. Bei Carlsen erscheinen diese Bände (gemischt mit anderen) in der Reihe Spirou & Fantasio Spezial. Als deren achter Band soeben erschienen: Porträt eines Helden als junger Tor von Emile Bravo. Seine Geschichte spielt im Jahr 1939 (also etwa zu der Zeit, als Rob-Vel seinen ersten Spirou-Comic veröffentlichte) und ist eine Art "origin story". Anders als die Original-Alben ist Bravos Geschichte tief verwurzelt in der Zeit, zu der sie spielt: Der politische Hintergrund, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs spielt eine wichtige Rolle. Nebenbei wird auch noch erklärt, wie Spirou zu seiner Pagen-Uniform kam und was es mit dem Eichhörnchen Spip auf sich hat.
Das Album wurde erst letztes Wochenende in Angoulême als einer der fünf "essentiellen" Comics des letzten Jahres ausgezeichnet. Hier gibt's eine hymnische Besprechung von Bart Beaty auf Englisch, und hier eine Leseprobe auf Französisch.

Bleiben wir noch kurz in Frankreich: Die Ehapa Comic Collection veröffentlicht eine weitere frankobelgische Albenreihe gesammelt in ihrem "All-in-One"-Format: In Engel vom Szenaristen Dieter und Zeichner Boiscommun gibt es eine Fantasygeschichte vom Kampf zwischen Engelchen und Teufelchen. Beim französischen Verlag Humanoides gibt es eine Leseprobe, Comicgate hat bereits eine Besprechung.

A propos Engel: Eine neue Albenreihe vom Autor Ange (Die Legende der Drachenritter) startet beim Splitter Verlag: Belladonna, eine Mantel-und-Degen-Geschichte mit weiblicher Heldin, die 1680 in Paris spielt. Zeichner ist Pierre Alary, dessen Strich man neulich schon bei SinBad bewundern durfte (Leseprobe).

Nachdem Splitter bisher ja fast ausschließlich für frankobelgische Kost bekannt war, gibt es seit Januar auch erstmals Stoff aus den USA: Der erfolgreiche Comic zu Stephen Kings Romanzyklus Der dunkle Turm, im Original bei Marvel und letzten Herbst bei uns als Taschenbuch bei Heyne erschienen (CG-Rezension zu jener Ausgabe) kommt bei Splitter als luxuriöse "Collector's Edition" für Sammler und Fans, die für entsprechende Ausstattung gerne mal mehr ausgeben. Für knapp 40 Euro bekommt man die komplette erste Turm-Miniserie im Großformat, mit edlem Hardcover, Kunstdruck und reichlich Zusatzmaterial. Zur Leseprobe hier entlang.

Rechtzeitig zum Start von Frank Millers eher nicht so gelungenen The Spirit-Verfilmung erschien bei Salleck der passende Band für jene, die gerne mal in Will Eisners Spirit-Comics schnuppern wollen, aber nicht gleich zu den teuren Spirit-Archiven greifen wollen. The Spirit - Die besten Geschichten enthält eine Sammlung von 22 ausgewählten Geschichten aus den 40er Jahren und kostet günstige 12,90 Euro.

Der vermutlich größte Überraschungserfolg auf dem US-Comicmarkt der letzten Zeit ist The Umbrella Academy: Im Vorfeld eher belächelt, weil ihr Autor Gerard Way bis dahin nur als Sänger der erfolgreichen Emorockband My Chemical Romance bekannt war, staunte das Comicvolk nicht schlecht, als es sah, was Way gemeinsam mit Zeichner Gabriel Bá geschaffen hatte: Eine extrem unterhaltsame, postmoderne Superhelden-Familiensaga voll mit bizarrem Humor und schrägen Pulp-Ideen. Dafür gab's 2008 einen Eisner Award für die Beste Miniserie. Die gibt es jetzt auf deutsch bei Cross Cult in deren bewährtem DIN-A-5-Hardcoverformat. Hier geht's zur Leseprobe.

Ebenfalls bei Cross Cult: Eine kleine Horrorstory, die wohl hauptsächlich von den bekannten Namen auf dem Cover lebt: Titelheld ist der berühmte Bigfoot, als Autoren fungieren Horror-Regisseur Rob Zombie und Steve Niles (30 Days of Night), gezeichnet hat's der alte Haudegen Richard Corben. Kostprobe auf cross-cult.de.

Corben-Fans wurden im Januar gleich doppelt bedient. Bei Panini erschien pünktlich zum 200. Geburtstag von Edgar Allen Poe der Band Welt des Schreckens: Edgar Allen Poe. Darin gibt es zehn schwarz-weiße Comicadaptionen von Gedichten und Kurzgeschichten Poes, alle gezeichnet von Richard Corben, und die jeweilige Vorlage ist auch gleich mit abgedruckt. Achtung: Die Leseprobe in Paninis Pressebereich ist in italienischer Sprache.

Der in Berlin lebende Zeichner Marko Djurdjevic hat in den letzten Jahren viele dutzende von Covern für Marvel gezeichnet und sich damit zu einer Art Star-Zeichner gemausert. Gerade hat er seinen Marvel-Exklusivvertrag bis 2013 verlängert. Bei Panini Deutschland ist man natürlich besonders stolz auf den heimischen Erfolgskünstler und bezeichnet ihn gleichmal bescheiden als "bekanntesten Botschafter der deutschen Comic-Kunst". Deshalb erscheint nun der Hardcover-Sonderband Thor – The Art of Marko Djurdjevic. Enthalten sind die beiden Ausgaben der Serie Thor, für die Djurdjevic auch die Innenseiten gestaltet hat, in unkolorierter Form, dazu eine umfangreiche Cover-Galerie.

Manchmal passiert bei Panini Eigenartiges mit deutschen Serientiteln. Die Serie The Ultimates, die vom Team der Rächer in Marvels "Ultimate"-Universum erzählt, hieß auf Deutsch lange Zeit Die Ultimativen - beim neuesten Band der Serie benutzt man nun aber den englischen Titel. Dies liegt wohl weniger daran, dass Die Ultimativen ein bisschen beknackt klingt, sondern an einer leicht verwirrenden Veröffentlichungspolitik: In den USA erschien zunächst eine 12teilige Ultimates-Serie, gefolgt von Ultimates 2 (jeweils von Mark Millar und Bryan Hitch). Diese liegen auf Deutsch in den Sammelbänden Die Ultimativen 1 bis 4 vor. Man hätte nun also die neue Miniserie, die in den Staaten Ultimates 3 hieß, Die Ultimativen 5 nennen müssen. Titel hin oder her, inhaltlich kann die 3. Staffel, geschrieben von Jeph Loeb und gezeichnet vom Rückkehrer Joe Madureira (Battle Chasers), den Vorläufern wohl nicht das Wasser reichen (PDF-Leseprobe).

Bald beginnt bei Panini das Crossover-Spektaktel Secret Invasion, in dem es die Marvel-Helden mit einer Invasion der außerirdischen Skrulls zu tun bekommen. Zur Vorbereitung veröffentlicht man nochmal die klassische Avengers-Storyline (1971/72) von Roy Thomas, Sal Buscema und Neal Adams, die die Basis für dieses Event bildet: Die Rächer: Der Kree/Skrull-Krieg.

Bereits zum dritten Mal startete Marvel im letzten Jahr die Serie X-Force. Außer dem Titel haben die drei Inkarnationen dieser Reihe wenig gemeinsam. Nach der 90er-Jahre-X-Force von Rob Liefeld und Konsorten und der postmodern-satirischen Serie von Peter Milligan und Mike Allred gibt es nun ein neues Team, in dem auch der allgegenwärtige Wolverine mit von der Partie ist. Die erste Storyline glänzt mit digitalem Artwork von Clayton Crain. Panini bringt die Serie in Form von Paperbacks auf deutsch (US-Leseprobe).

In der Reihe Comics, die die Welt nicht braucht Warhammer präsentiert bringt Panini einen Comic zum Brettspiel Blood Bowl, das eine Mischung aus dem Rollenspiel Warhammer und American Football sein soll. Nun denn. Panini verspricht jedenfalls eine "perfekte Mischung aus Humor und Gewalt". Eine US-Preview gibt es hier.

Schlechte Gags, schick gezeichnet: Beim kleinen Indie-Verlag Edition 52 erscheint eine Sammlung von Cartoons, die Ully Arndt für den deutschen Playboy gezeichnet hat. Und so heißt der Band dann auch: Cartoons aus dem Playboy.

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posted by Thomas um 16:15 | Permalink


02.02.2009

Angoulême: Die Preisträger
(Comic-Preise)

Gestern war es soweit: In Angoulême wurden die "Palmares" vergeben, die vermutlich wichtigste europäische Auszeichnung für Comics. Der Grand Prix, eine Art Lebenswerk-Preis, ging diesmal an den Franzosen Blutch alias Christian Hincker. Andreas Platthaus von der F.A.Z. kommentiert diese Auszeichnung auf seinem Blog sehr treffend:
Mit dem einundvierzigjährigen Blutch ist wieder ein Vertreter der "Nouvelle bande dessinée" ausgezeichnet worden, nach Lewis Trondheim 2006 und eben Dupuy & Berberian 2008 bereits der dritte in vier Jahren. Das ist ein Bekenntnis des Festivals zum anspruchsvollen Comic, allerdings auch wieder ein Bekenntnis einer auf den französischen Sprachraum konzentrierten Wahrnehmung (um es gebührend höflich auszudrücken).
Blutch wird also nach alter Angoulême'scher Tradition im nächsten Jahr als Präsident das Festival leiten. Hier ein kurzes Porträt des Künstlers, auf Englisch oder auf Französisch. Bei uns kennt man ihn bislang noch nicht, noch ist keines seiner Comics auf deutsch erschienen. Das wird sich aber bald ändern: Sowohl beim Avant-Verlag als auch bei Reprodukt, auf deren Qualitäts-Riecher zuverlässig Verlass ist, sind fürs Frühjahr jeweils Blutch-Titel angekündigt.

Bei Avant erscheint Blotch - Der König von Paris (ein Titel, der bereits im Jahr 2000 einen Preis in Angoulême gewann), bei Reprodukt wird es ein von Blutch gezeichnetes Album aus der Reihe Donjon Monster geben sowie Blutchs jüngstes Werk, das autobiographische Der kleine Christian. Mit diesem Titel landete Blutch auch auf der Liste der Essentiels d'Angoulême - zusammen mit vier weiteren Titeln, darunter auch das Spirou Spezial von Emile Bravo, das gerade eben druckfrisch bei Carlsen Comics auf Deutsch erschienen ist.

Die Fauve d'Or für das Beste Album ging an
Pinocchio von Winshluss (ein Pseudonym für Vincent Paronnaud, der mit Marjane Satrapi zusammen ihren Comic Persepolis als Trickfilm umgesetzt hat) - auch dieser Titel wird auf Deutsch erscheinen, der Avant-Verlag hat ihn für 2010 angekündigt. Beim französischen Verlag Les Requins Marteaux gibt es eine PDF-Leseprobe.

Sämtliche Preise im Überblick gibt es auf bdangouleme.com.

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posted by Thomas um 20:09 | Permalink