Advertisement
 
Home arrow Rezensionen arrow ausführlich arrow Der Dunkle Turm
Der Dunkle Turm Drucken E-Mail
Geschrieben von Benjamin Vogt   
Sonntag, 28. September 2008

 Über 30 Jahre lang hat Romanautor Stephen King an seinem Hauptwerk Der Dunkle Turm gearbeitet, das mit dem siebten vorgelegten Buch sein Ende fand. Es ist Kings wohl signifikantestes Werk, das auch für den Autor selbst von großer Bedeutung scheint. Den Schritt in den Bereich der Comics tritt Kings Schöpfung nicht mit einer Adaption der Romanstoffe, sondern mit einer Art Ergänzung zum Dunklen Turm an. Erzählt wird die Jugend des Revolvermannes Roland Deschain, der dem Mann in Schwarz zukünftig durch die Wüste folgen wird.

Früher als geplant muss Roland die Prüfung zum Revolvermann ablegen und sich mit seinen Freunden auf die Reise in die Baronie Majis begeben. Roland begegnet Susan Delgado und verliebt sich schließlich in sie, doch nicht nur diese Verwicklung erweist sich auf seiner Reise als weiterer Prüfstein, denn Gefahren lauern in der Welt des Dunklen Turms an allen Ecken.

 Die durch Superhelden-Comics bekannten Peter David (u.a. Hulk) und Jae Lee (u.a. The Sentry) bilden das Kreativduo für die erste von mehreren geplanten Miniserien um den Dunklen Turm, die bei Marvel erscheinen sollen. Die im ersten Sammelband enthaltene, siebenteilige Reihe „Gunslinger Born“ führt den Leser tief in eine atmosphärisch dichte und eigentümliche Welt, die sich King-Leser bislang nur in ihren Köpfen ausmalen durften. Kurz umrissen lässt sich Der Dunkle Turm, im Gegensatz zu vielen anderen Vorlagen Stephen Kings, als sehr realitätsfremd beschreiben. Es ist eine Realität, die Wildwest mit düsterer Fantasy verbindet, in der Revolvermänner gegen furchteinflößende Monster antreten, in der eben aber auch gruselige Schauer generiert werden, wie man sie von Kings Werken kennt.

Grafisch setzt Jae Lee diese Finsternis sehr stimmig um, ist er ohnehin ja ein Künstler, der stark auf großflächige Schattierungen setzt, dessen gezeichnete Personen oftmals in Dunkelheit zu versinken scheinen. Einzig die Kolorierung von Richard Isanove lässt mir den Spaß an Lees prächtigen Bildern etwas verleiden. Es mag aus meiner subjektiver Wahrnehmung resultieren, aber gerade bei den diffizilen Bleistiftzeichnungen von Jae Lee erzeugt die allzu deutlich erkennbare digitale Nachbearbeitung ein zu glattes und rundes Gesamtbild - im Anhang des Comics kann man übrigens einige von Lees Covern im Rohzustand direkt mit den kolorierten vergleichen.

 Inhaltlich liest sich Der Dunkle Turm als Comic sehr flüssig, weil auch schlicht deutlich wird, dass man zwei renommierte US-Künstler ans Ruder ließ. Dass nicht einfach die vorhandenen Romane adaptiert werden, sondern stattdessen großer Wert auf eine direkte Anknüpfung mit der von King über Jahrzehnte aufgebaute Kontinuität gelegt wird, kommt der Story zusätzlich zugute. Der Zyklus um den Dunklen Turm wird erweitert und, laut begeisterten Fans, klug in die bestehende Welt eingebaut, somit entstand ein eigenständiger Comic auf der einen, ein Schmankerl für Fans auf der anderen Seite.

Die wichtigste Frage resultiert aber sicherlich aus der Tatsache heraus, dass dem Comicband sieben Bücher und rund 30 Jahre Geschichte vorausgehen.  Wie reizvoll ist der Comic also für Leser, die zum ersten Mal mit dem Kosmos des Dunklen Turms konfrontiert werden? Nun, sicherlich kann man den Comic ohne Vorwissen lesen und seinen Spaß daran haben. Aber, und das ist im Fazit mit Sicherheit als größtes Manko zu bewerten, die mitunter komplexe Handlung macht es für Neueinsteiger schwierig, sich zurecht zu finden. Ich selbst kenne keinen der Romane und war sehr schnell sehr frustriert, da man von Beginn an das Gefühl hat, die größeren Zusammenhänge verpasst zu haben. Es ist wie bei vielen nachträglich produzierten Prequels, auch im Filmbereich: Zwar werden die Anfänge erzählt; aber ohne die anderen Teile zu kennen, macht's nur halb so viel Spaß.

Trotzdem besitzt der Comic genug Eigenständigkeit, um auch als gelungener Einzelband verstanden zu werden; am meisten Freude werden aber sicherlich die hartgesottenen King-Leser und Fans des Dunklen Turms haben. Freude macht in jedem Fall das gut ausgestattete deutsche Paperback von Heyne, das ein Poster mitliefert und als Anhang u.a. eine Palette der Cover und zahlreichen Variantcover (immerhin von Künstlern,wie John Romita jr., Billy Tan, J.Scott Campbell u.v.m.) enthält.

Anmerkung: Im Februar 2009 erscheint beim Splitter Verlag eine edle Sammlerausgabe von Der Dunkle Turm im großen Albenformat.

 

Der Dunkle Turm: Graphic Novel
Heyne; Juli 2008
Text: Robin Furth, Peter David
Zeichnungen: Jae Lee, Richard Isanove
240 Seiten; Softcover; farbig; 19,95€
ISBN: 3453265785

guter Comic, der aber ohne Vorwissen zu komplex ist


Jetzt bei Comic Combo anschauen und  bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und  bestellen!


Der Dunkle Turm © Stephen King, Marvel Comics, dt. Ausgabe Heyne

 



Ähnliche Artikel:
Courtney Crumrin und die Gilde der Geheimnisse
Endlich setzt Eidalon diese tolle Serie fort und veröffentlicht den zweiten Band über ein Mädchen, das nicht so recht zu den anderen Kindern passt - aber sie würde es auch gar nicht wollen.
Seit sie mit ihren Eltern zu ihrem geheimnisvollen Großonkel Aloysius gezogen ist, lernt Courtney eine Welt neben der "normalen" kennen; besiedelt von den geheimnisvollen Wesen der Nacht, Hexen, Magiern und sprechenden Katzen.
Dabei gelingt Ted Naifeh die Balance zwischen Horror, Humor, Sozialkritik und Anteilnahme ausgezeichnet - und zeichnen kann der Mann auch noch.
Vampire Boy 1 - Die Auferstehung
Eduardo Risso, bei uns u.a. bekannt als Zeichner von Vertigos Hit-Serie 100 Bullets, hat zusammen mit dem argentischen Author Carlos Trillo den Comic Boy Vampire - für unsere Ohren von Cross Cult eleganter mit Vampire Boy "übersetzt" - erschaffen. Der Titel macht eigentlich schon alles klar: es geht um einen Vampir im Körper eines Jungen.
Die beiden interpretieren dabei einige typischen Mythen neu: man wird nicht durch einen Biss zum Vampir, Sonnenlicht heilt, anstatt zu töten, Vampire essen in einem durchaus erstaunlichen Ausmaß normales Essen, und sie wollen nicht ewig leben - zumindest nicht der eine der zwei vampirischen Erzfeinde, um die sich dieser Comic dreht.
The Goon 1 - Krudes Zeug
 Lange musste man hierzulande auf die Veröffentlichung der US-Kultreihe The Goon warten, nun liegt der erste Sammelband der bereits fünffach mit dem Eisner Award ausgezeichneten Serie auf Deutsch und in gewohnter Cross Cult-Aufmachung im A5-Hardcover vor.

Auch wenn Autor und Zeichner Eric Powell in seinem Vorwort darauf verweist, dass er mit der hier abgedruckten Story, quasi dem Frühstadium seiner Arbeit an The Goon, wenig zufrieden ist, so hält bereits Band 1 eine Menge abgedrehte Ideen und ein durchaus respektables Niveau bereit.


Hellboy 7: Seltsame Orte
Hellboy gehört zu den Comic-Serien, die sich in der Comicgate-Redaktion sehr großer Beliebtheit erfreuen. So ist es kein Wunder, dass der neue Band Seltsame Orte gleich von zwei Redaktionsmitgliedern besprochen wird: von Benjamin Vogt und von unserem Neuzugang Bastian Richelshagen.
Freaks of the Heartland
 Mit dem "Heartland" im Titel ist das American Heartland gemeint, ein schwerer, urtümlicher Landstrich, in de USA abseits der pulsierenden Großstädte. Hier wächst der Junge Trevor auf einer kleinen Farm auf. Sein Leben wird bestimmt von seinem despotischen Vater, der auch seine Mutter mundtot gemacht hat. Die Familie hat allerdings ein Geheimnis: Trevor hat einen jüngeren Bruder, Will, der merkwürdig entstellt ist und über besondere Kräfte verfügt. Seine Mutter hat ihren Sohn seit seiner Geburt vor sechs Jahren nicht mehr angesehen, und er wird wie ein Hund an der Kette im Schuppen nebenan gehalten.

Doppelrezension!
Kommentare (2)add comment
...
geschrieben von Dr.Soltberg , 28. September 2008, 21:45

Jo, ich habs schon lang und kanns nur empfehlen.

Der dunkle Turm ist göttlich!


...
geschrieben von Rainer Zufall , 30. September 2008, 13:12

Schade, da hat Comigate schlecht recherchiert. Die Jugendgeschichte von Roland wird in dem Roman 'Glas' (der 4. Roman der Reihe) in einer langen Rueckblende geschildert. Diese Rueckblende wird beinahe 1:1 im Comic nacherzaehlt, von den ueblichen Zugestaendnissen an ein neues Medium und unvermeidbaren Kuerzungen abgesehen.

Ansonsten ein guter Artikel, macht weiter so.



Kommentar schreiben
password
 

busy
 
Login Form





Passwort vergessen?