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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

28.05.2005

Erste (österreichische) Herbstvorboten
(Neues von der Comic Edition Prequel)

Es gibt wieder einige Neuigkeiten von Jörg Vogeltanz und seinem österreichischen Comicverlag Prequel. Zum einen wurde die Website www.prequel.at relauncht. Sie erscheint nun noch übersichtliche und stilsicherer als bisher. Die bisher verlegten Comics finden sich in einzelnen Kategorien wieder, die wie einzelne Kapitel eines Buches aufzuschlagen sind.

Und, ich freu mich jetzt schon tierisch drauf, im kommenden Herbst erwarten uns gleich zwei neue Comic-Bände:

-Anger Diaries 3: Inmates (Thomas Ballhausen und Jörg Vogeltanz), das dritte Kapitel der Erinnerungen des Sheng-Troubleshooters J.F.Sebastian.

-Double Eagle (Ballhausen/Huemer/Schwarzl/Sver/Vogeltanz u.a.), ein engagiertes Projekt, das 100 Jahre Parallel-Donaumonarchie und Ständestaat von 1838 bis 1938 in historisch-literarischem remix präsentiert.


Mehr Infos zu den beiden kommenden Attraktionen, sowie zu sonstigen Publikationen, Künstlern oder Presseerwähnungen finden sich auch unter www.prequel.at

posted by the Ben um 11:04 | Permalink


26.05.2005

Webcomics bei ORF.at stehen vor dem Aus
(Ende nach fünf Jahren und 1800 Strips?)

Vor kurzem führten wir noch ein Interview mit Harald Havas und Reinhard Kiesel über ihren Comic "Total Fred" (wurde im Februar bei Zwerchfell veröffentlicht). Dieser erscheint, wie so viele andere Webcomics auch, seit Jahren regelmäßig auf dem Comicportal der Internetseiten des ORFs.
Nun gab gestern die Zeichnerin Nina Ruzicka ("Der Tod und das Mädchen") auf Ihrer Website bekannt: "Ziemlich überraschend erreichte uns Zeichner (UND die Angestellten von ORF On) die Mitteilung, daß ORF On den Comickanal einstellen wird. Übergangsfrist ist 6-7 Wochen, dann ist es aus."

Im Comicforum schreibt Harald Havas dazu:
"Weil die Geschäftsführung die Kosten nicht mehr übernehmen möchte, soll eine der buntesten, kreativsten und witzigsten Seiten - in ihrer Art einzigartig nicht nur im deutschen Sprachraum - eingestellt werden.
Die meisten dieser über 1800 Comic-Seiten und -Strips sind auch über eine Archivseite abrufbar.
Damit ist comics.ORF.at die umfangreichste, und relevanteste Sammlung, österreichischer Comics überhaupt - unentbehrlich für ein international anerkanntes Medium, das in Österreich sowieso unter ständiger Ignoranz und keinerlei Förderung zu leiden hat. Es ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten für österreichische Comic-Zeichner und -innen ihre Arbeit - bezahlt! - zu publizieren.
Diese Webseite hat nicht nur eine hohe Akzeptanz unter den Leseren (man hört von bis zu 10.000 page impressions pro Tag und Einzelpeaks von bis zu 100.000) sondern auch in der ganzen deutschen Comic-Szene und wurde ua. sogar für den renommierten "Max und Moritz"-Preis des "Comic Salon Erlagen" nominiert."

Wer seinen Protest äußern oder das Projekt unterstützen möchte, der erfährt von Harald Havas in dem zitierten Thread Adressen und Ideen.

posted by Frauke um 16:54 | Permalink


24.05.2005

Wie Juden die Comicentwicklung beeinfluss(t)en
(Ausstellung in Berlin)

gestern habe ich folgende Pressemitteilung, zugegebenweiser mit einem etwas unwohlem Gefühl, gelesen. Warum und wieso erläutere ich weiter unten, nachdem ihr den Text selbst lesen konntet:


Mit Supermann fing alles an - Jüdische Künstler prägen den Comic
Vom 16.6. bis zum 17.7.2005 wird in der Galerie Neurotitan, im Haus Schwarzenberg, Rosenthaler Str. 39, 10178 Berlin, die Comic-Ausstellung "Mit Supermann fing alles an - Jüdische Künstler prägen den Comic" zu sehen sein. Ergänzt wird die Ausstellung vom 17.6. bis zum 19.6. durch ein Programm aus Lichtbildvorträgen, Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden. Unter anderem werden der US-amerikanische Zeichner Ben Katchor und der israelische Schriftsteller Etgar Keret anwesend sein.
"Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay" von Michael Chabon haben jüngst einen lange vernachlässigten Fakt der Comic-Geschichte ins öffentliche Bewusstsein gerückt: die Erfinder des omnipotenten Superhelden waren jüdischer Herkunft. Als Jerry Siegel und Joe Shuster 1938 ihre erste "Superman"-Geschichte herausbrachten, hatten sie damit ein neues Genre ins Leben gerufen, das während des Zweiten Weltkriegs vor allem in den USA boomte. Mehr noch, sie etablierten eine neue Erscheinungsform des Comics: das Comic-Heft mit originären Serien.
Wie Chabon gezeigt hat, ist es leicht möglich, etwa Superman als Reaktion auf den deutschen Nationalsozialismus und weniger als pure Allmachtsphantasie pubertierender Jungs zu lesen. Die Ausstellung wird zeigen, wie seitdem immer wieder jüdische Künstler mit explizit jüdischen Erfahrungen und Themen der Comic-Geschichte neue Impulse gaben und geben, wie jüdische Zeichner und Szenaristen auf die ästhetische, formale und inhaltliche Entwicklung des Comics Einfluss genommen haben.
Gerade in der thematischen und ästhetischen Verschiedenheit der Arbeiten zeigt sich, dass sich die Zeichner ganz unterschiedlichen Traditionen verpflichtet fühlen, die auch gar nicht comicimmanent sein müssen. Ziel der Ausstellung ist es daher, einen Eindruck von der Vielfältigkeit des Schaffens zu vermitteln und gleichzeitig das Besondere herauszustellen. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm werden durch den Hauptstadtkulturfonds ermöglicht, mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Israelischen Botschaft ermöglicht.

Die Ausstellung zeigt u.a.:
Will Eisner: SPIRIT, A contract with God;
Asaf Hanuka und Etgar Keret: Pizzeria Kamikaze;
Ben Katchor: The Jew of New York;
Bernard Krigstein: Master Race u.a.;
Joann Sfar: Die Katze des Rabbiners;
Art Spiegelman: MAUS;
Elke Steiner und Etgar Keret: Ich und Ludwig töteten Hitler ohne Grund (Berliner Frühling)

Programm:
16. Juni 20.00 Vernissage
17.Juni 20.00 "The Deep Tub and other stories."
Lichtbildvortrag von Ben Katchor über Architektur und urbanes Design mit Comicstrips aus Metropolis.
18. Juni 16.00 Podiumsdiskussion mit dem israelischen Schriftsteller Etgar Keret, der deutschen Zeichnerin Elke Steiner und Asaf Hanuka, Zeichner und Mitherausgeber des Comicmagazins bipolar
19. Juni 16.00 "Vom Golden Age zum Teflon Age - Jüdische Künstler beeinflussen die Comic-Industrie" - Vortrag von Lutz Göllner


Ein paar interessante Gäste, ein wenig Podiumdiskutieren und Vortragerei kompetenter Menschen, neben der eigentlich hauptsächlichen Ausstellung ohne Zweifel großartiger Künstler. Bis hierhin bereitet mir an der Sache nichts größere Kopfschmerzen als ich sie nicht eh hin und wieder hätte. Ärgerlich finde ich hingegen welches Konzept dem Ganzen zu Grunde liegt.
Welchen Unterschied macht es eigentlich, ob die Schöpfer des Superhelden-Großvaters Superman Juden waren oder nicht? Und warum will man uns hier suggerieren, der gute Kal-El wäre möglicherweise nicht einfach eine fiktionale Figur mit Superkräften von einem fremden Planeten, sondern eine Antwort auf den Nationalsozialismus. Da ist doch die Frage, wieviele Amerikaner 1938 überhaupt nach Deutschland schauten, sich darüber kritische Gedanken machten und sogar darauf künstlerisch reagierten, schließlich waren die USA zu der Zeit noch nicht mal in den Krieg involviert gewesen. Ist es nicht vielmehr so, dass Superman, hart wie Kruppstahl, eher in das Bild des nationalsozialistischen Arier passt?
Damit will ich sagen, dass jedes Gestochere in dieser Richtung, also eine Verbindung in dieser Hinsicht zu suchen, einfach nicht funktionieren kann.
Ich verstehe auch nicht, warum man extra erwähnen muss, dass Menschen mit jüdischem Hintergrund etwas in bestimmten Maße beeinflussen. Eisner, Sfar, Spiegelman usw. sind den Meisten ein Begriff und wir alle lieben und schätzen ihre Arbeiten. Wenn aber, ob Veranstalter oder Künstler selbst, man Juden ob nun negativ (wie damals in Deutschland leider passiert) oder wie hier positiv seperiert, ist dass doch eher, für meine Begriffe, unglücklich.

Nichts desto trotz sollten alle in Berlin lebenden ruhig mal reinschauen.

posted by the Ben um 16:26 | Permalink


23.05.2005

Frisch aus der Druckerei, 14/05
(Comic-Neuheiten der Woche)

Der Mai scheint ein richtig guter Comic-Monat zu sein. Eine Menge interessanter Stoff rollt da zur Zeit in die Läden. In den letzten Tagen u.a. das hier:

HIGHLIGHT DER WOCHE: Dass man das Thema Holocaust im Comic behandeln kann, ist seit Art Spiegelmans Meilenstein "Maus" allgemein bekannt. In der Ehapa Comic Collection erscheinen jetzt zwei neue Bände, die sich dem Thema widmen. Beides sind Erzählungen, die zwar auf Tatsachen beruhen, aber nicht rein dokumentarisch sind, sondern von fiktiven Schicksalen erzählen. Auschwitz vom Franzosen Pascal Croci handelt von einer jüdischen Familie, die in das Vernichtungslager kommt, während Yossel von US-Comicveteran Joe Kubert eine Geschichte aus dem Warschauer Ghetto aus der Sicht eines 15jährigen erzählt.

Bleiben wir noch ein bisschen bei Ehapa. Dort wird man zwar künftig erheblich kürzer treten, was die Frankobelgier angeht, andererseits zeigen die Mai-Novitäten, wie erfreulich breit und vielfältig das Ehapa-Angebot derzeit ist. Neben den bereits erwähnten Bänden ist da z.B. die Eigenproduktion Schiller!, eine sog. "Comic-Novelle", geschrieben und gezeichnet von Horus. Auch beim anderen Nationaldichter, Herrn Goethe, gab es im Jubiläumsjahr 1999 einen Bio-Comic, da kommt "Schiller!" nicht allzu überraschend.

Ein Neuzugang bei Ehapa sind auch Bringmann und Kopetzki mit ihrem Raver Hotze. Dessen wilde Erlebnisse in der Technoszene erscheinen seit Jahren in der Zeitschrift "Groove" und werden nun zum zweiten Mal in einem Sammelband veröffentlicht. Gleichzeitig erscheint auch ein Soundtrack dazu.

Mit Kylion versuchte Ehapa im letzten Jahr, eine Science-Fiction-Serie aus der italienischen Disney-Schmiede an die Kioske zu bringen, gab den Versuch aber nach wenigen Ausgaben auf - nicht genügend Käufer. Nun folgt ein zweiter Ansatz im Comic- und Buchhandel. Beim Format folgt man hier der erfolgreichen Reihe "W.I.T.C.H."

Eines der Urgesteine in der ECC ist natürlich der gute alte Lucky Luke. Einige ältere Kurzgeschichten von Goscinny und Morris, die bislang noch nicht in der regulären Albumreihe erschienen waren, gibt es nun in Lucky Luke #78: Die Reisschlacht zu kaufen.

Ein wichtiges Standbein für den Indie-Kleinverlag Schwarzer Turm sind die eigenproduzierten Erotiktitel wie "Arsinoe" oder "Horst". Nun expandiert man in diesem Bereich, allerdings auf eine relativ seriöse Weise: in Zusammenarbeit mit dem Verein Hydra entstand das erste Heft der neuen Reihe Hurengeschichten. Basierend auf Interviews mit Prostituierten sollen hier realistische Geschichten aus dem Alltag im Rotlichtmilieu erzählt werden. Die Stories, geschrieben von Robi, werden von verschiedenen Zeichnern umgesetzt.

Aus der Schweiz kommt ein interessant aussehender Band namens Zwischenfall. Der Comic von Melk Thalmann, der im (Eigen?) Verlag Agromix Comix erscheint, spielt im Jahr 1969, als die Schweiz sich Gedanken um eine atomare Bewaffnung machte. Was als typischer Krimi mit einem Mordfall beginnt, wird bald zu einem Thriller im politisch-militärischen Bereich. Infos und Previews gibt's hier.

In den Panini-Reihen "100% Marvel" bzw. "DC Premium" erscheinen in der Regel Miniserien in abgeschlossenen Sammelbänden. Hier sind immer wieder interessante und originelle Sachen dabei, die ein wenig vom Superhelden-Mainstream-Einerlei abweichen. So auch in den aktuellen Ausgaben. DC Premium #37: Man nannte sie... Justice League enthält die Miniserie "Formerly known as the Justice League", eine Art Comedy-Variante der JLA. Die US-Ausgabe wurde kürzlich im Kri-Ticker besprochen.
Ernsthafter geht es in 100% Marvel #14: Wolverine/Spider-Man - Powerless zu. Ein etwas irritierender deutscher Titel, denn es geht darin eben grade um die Tatsache, dass es Wolverine und Spider-Man nicht gibt. "Powerless" stellt die Frage, was aus Logan, Peter Parker und anderen Menschen des Marvel-Universums geworden wäre, wenn sie keine Superkräfte bekommen hätten. Der Band bietet für deutsche Leser eine der seltenen Gelegenheiten, die Zeichnungen von Michael Gaydos ("Alias") zu bewundern.

Das "Star Wars"-Franchise toppt in Sachen "Nebenprodukte zum Film" immer noch und immer wieder alles andere (obwohl, sind da die Filme wirklich noch das Hauptprodukt, rein umsatzmäßig gerechnet?). Neulich im Supermarkt gesehen: Küchentücher und Papiertaschentücher mit C3PO und R2D2 drauf. Natürlich gibt es auch seit Jahren reichlich Comics aus dem "Star Wars"-Universum. Von Film-Adaptionen über ganz eigene Reihen bis hin zum Comic zur Zeichentrickserie ist alles dabei, auch eine Manga-Adaption der Ur-Trilogie gab's vor ein paar Jahren mal. Was hat noch gefehlt? Genau, der Cine-Manga. Diese Bezeichnung ist eine Wortschöpfung (und ein eingetragenes Warenzeichen) von Tokyopop und steht für Comics, die nicht gezeichnet, sondern aus Filmstandbildern zusammengebastelt werden. Das funktionierte schon ganz gut bei Zeichentrickserien wie Spongebob, jetzt ist also der "Krieg der Sterne" dran: Star Wars Cine-Manga Episoden 4-6, also auch hier die Original-Trilogie. Verzichten ich darauf kann.

posted by Thomas um 17:35 | Permalink


13.05.2005

Frisch aus der Druckerei, 13/05
(Comic-Neuheiten der Woche)

HIGHLIGHT DER WOCHE: Beim Stichwort Sepuku denke ich eigentlich an rituelle Samurai-Selbstentleibungen und nicht an niedliche Comicstrips, aber ich habe mich getäuscht: Lieber kleiner Sepuku! Ein Buch für die Liebe (Achterbahn Verlag) heißt das Bändchen von Ken Cursoe, in dem typische Kummerkasten-Briefe auf charmante Art in Comicform beantwortet werden. Die Leseprobe, die ein klein wenig an Lewis Trondheim erinnert, hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Muss wohl am Frühling liegen...

Stichwort Trondheim: schön, dass nun langsam auch immer mehr seiner Kollegen aus der Gruppe "L'Association" den Weg nach Deutschland finden. Einer davon ist Christophe Blain ("Der Hop-Frog-Aufstand"), der mit Isaak, der Pirat dem klassischen Abenteuercomic neue Frische einhaucht. Titelheld Isaak ist eigentlich gar kein Pirat, sondern ein Maler, der sich auf die hohe See wagt, um das dortige Geschehen zu dokumentieren. Bei Reprodukt ist der erste Band "Amerika" erschienen, die Nummern 2 und 3 werden schon kurz darauf folgen.

Zu den (auch im Ausland) bekanntesten und wichtigsten deutschsprachigen Comickünstlern gehört der Schweizer Thomas Ott, dessen neuer Band Cinema Panopticum bei Edition Moderne erschienen ist. Auch hier setzt er wieder seine unverkennbaren Schwarz-Weiß-Schraffuren ein, um apokalyptische Geschichten zu erzählen.

Ähnlich ungewöhnlich und eigenwillig, aber trotzdem ganz anders sind die Comics von Jule K., die in einem sehr kindlich-naiven Stil zeichnet und textet. Ein bisschen strange, ein bisschen kitschig, aber auf jeden Fall originell. Ihr aktueller Comic Cherry Blossom Girl (Edition 52) zitiert ein schönes Lied von Air und "handelt von einem süßen Mädchen, das durch eine Überdosis Kirschen Superkräfte erlangt. Sie verwandelt sich ins Cherry Blossom Girl und rettet Mädchenherzen. Außerdem erlebt sie viele aufregende Abenteuer mit Matrosen, auf Comicfestivals, mit dem Cherry Blossom Boy und ihren Freundinnen." (O-Ton Jule K.)

Und noch ein neuer Mangaverlag! Mit drei Reihen steigt der Heyne-Verlag, der zur Verlagsgruppe Random House und damit zum Mediengiganten Bertelsmann gehört, in den Mangamarkt ein. Da Heyne für Leser und Buchhändler eine wohlbekannte Marke ist, dürfte den Titeln der Einstieg v.a. im traditionellen Buchhandel nicht allzu schwer fallen. Gestartet wird mit dem Samurai-Action-Manga Basilisk - Chronik der Koga-Ninja und den beiden Shojo-Reihen Eden no Hana - The Flower of Eden und Pichi Pichi Pitch - Mermaid Melody. Da ich mit Jim Knopf lesen gelernt habe, muss ich bei diesem Titel immer an die Meerjungfrau Sursulapitschi denken (die Tochter des Meerkönigs Lormoral).

Mangas gibt's auch bei EMA wieder in rauhen Mengen, darunter auch eine neue Serie bei EMAs "Adult"-Label: Redrum 327 #1 hat ein richtig cooles Cover und wird vom Verlag als Psycho-Horrorgeschichte beschrieben.

In den USA war "Avengers Disassembled" das Marvel-Blockbuster-Event des letzten Jahres. Brian Bendis räumte mit den Rächern auf und war dabei nicht zimperlich, so dass er kurz darauf mit einem ganz neuen Heldenteam die "New Avengers" starten konnte. Ähnlich wie bei der Konkurrenz-Reihe "Identity Crisis" gab es viel Aufregung um getötete Charaktere und ziemlich schlechte Kritiken. Auf deutsch gibt es das ganze jetzt komprimiert in ein paar Sammelbänden unter dem etwas sperrigen Titel Die Fantastischen Vier und Die Rächer präsentieren: Heldenfall.

Ganz hübsch finde ich Paninis Idee, alte Ausgaben des "Ultimativen Spider-Man" (ebenfalls von Bendis) nachzudrucken, und zwar im kompakten Taschenbuchformat zu einem moderaten Preis. In jeder Hinsicht ideal für alle Neueinsteiger, höchstens vielleicht ein bisschen spät auf dem Markt. Zum Start des letzten Spider-Man-Films hätte Marvel Mini #1 noch viel besser gepasst.

posted by Thomas um 14:18 | Permalink


10.05.2005

Raus aus der Nische
(Comics in Max, Bild und F.A.Z.)

Das Medium Comic führt in der Wahrnehmung der breiten Masse in Deutschland ein ziemliches Schattendasein. Auch die große Zahl der unterschiedlich erfolgreichen Comicverfilmungen konnte bislang wenig daran ändern, dass Comics von vielen Menschen nach wie vor vor allem mit dem Trio Micky Maus, Asterix und Donald Duck assoziiert werden und den meisten - ähnlich wie der Zeichentrickfilm - als ein Medium für Kinder gelten.

Möglicherweise könnte sich dies nun ändern. Denn jetzt haben gleich drei Mainstream-Medien gleichzeitig beschlossen, Comics ins Rampenlicht zu rücken. Da sind zum einen die geplanten Comic-Editionen von Bild und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ab Sommer im Buch- und Zeitschriftenhandel zu günstigen Preisen erhältlich sein werden. In beiden Fällen handelt es sich um Buchreihen, bei denen wöchentlich ein neuer Band erscheint, und die in der jeweiligen Zeitung redaktionell begleitet werden. Kooperationspartner sind bei Bild der Egmont Ehapa Verlag und bei der F.A.Z. der Panini Verlag. Erste Ankündigungen gibt es auf den Websites der beiden Zeitungen zu sehen. Mit Kommentaren halte ich mich erst mal zurück, bis die einzelnen Titel bekannt sind, die dort veröffentlicht werden. Dennoch sind diese Aktionen in jedem Fall zu begrüßen, denn sie werden sicher dafür sorgen, dass auch Leute, die Comics aus dem Blickfeld verloren haben, diese wieder wahrnehmen werden. Und die Tatsache, dass sowohl das Massenboulevardblatt Bild als auch die anspruchsvolle F.A.Z. als Anbieter auftreten, deren Zielgruppen sich ja kaum überschneiden, wird dafür sorgen, dass wirklich eine große Menge von Lesern angesprochen wird.

Ein weiterer Print-Titel, der Comics in den Blickpunkt rückt, ist das monatliche Lifestyle-Magazin Max. Das Mai-Heft erscheint mit Barbarella auf dem Cover und nennt sich stolz "Die Comic-Ausgabe". Während man sich über so einen Anblick am Kiosk als Comicfan grundsätzlich erstmal freut, schleichen sich kurz darauf Befürchtungen in den Kopf, ob "sowas" dem Image der Comics nicht eher schaden als nutzen könnte. Schauen wir also mal rein:

Den Mittelpunkt des Hefts bildet eine 25-seitige Bilderstrecke unter dem Motto "Comics sind cool", die es tatsächlich schafft, auch dem unbedarften Leser einen Eindruck über die immens breite Palette des Mediums zu bieten. Auf doppelseitigen Abbildungen werden dabei u.a. vorgestellt: "Der Schlaf des Monsters" von Enki Bilal, Kevin Smiths "Chasing Dogma", "Michel Vaillant", "Hellblazer", "Johnny the Homicidal Maniac", "Sky Doll", "Tank Girl", oder die JLA (gezeichnet von Alex Ross). In dieser Auswahl zeigt sich in Wort und Bild, dass Comics mehr sind als ein Medium für Kinder und vor allem, dass es ein irrsinnig großes Spektrum von Stilen und Themen gibt. Großes Lob für dieses Feature! Dass in den dazugehörigen Texten nicht alle Fakten hundertprozentig stimmen - geschenkt. Das merkt ohnehin nur der Nerd Fachmann, und an den ist das Heft ja nicht gerichtet.

Außerdem gibt es einen Atelierbesuch bei Flix, eine Reportage über die Marvel-Redaktion in New York, und einen Bericht zur "Sin City"-Verfilmung. Da bei Max Mode sehr wichtig ist, gibt es eine recht originelle Modestrecke, in der Charlie Brown, Lucky Luke, der Silver Surfer und andere in Designerklamotten posieren dürfen. Und Max wäre nicht Max, wenn es nicht auch eine Erotik-Bilderstrecke gäbe. Dazu hat man sich Bilder aus dem Manga "G-Taste" ausgesucht. Immerhin betont der begleitende Text mehrfach, dass diese Bilder eben nicht repräsentativ für Mangas seien und nur ein kleiner Teil der Japan-Comics solche Inhalte zu bieten habe.

In den Artikeln, bei denen es nicht um Comics geht (z.B. ein Interview mit Ben Becker oder ein Porträt von Fettes Brot) wird z.T. auf Fotos verzichtet - stattdessen kommen Illustrationen zum Zuge. Insgesamt ein sehr erfreuliches Heft, das noch bis Ende Mai für 3,50 im Zeitschriftenhandel zu haben ist. Außerdem danke ich der Max-Redaktion für die wichtige Information, dass nach dem metrosexuellen Mann jetzt der cosmosportive Mann ganz schwer im Trend liegt.

posted by Thomas um 10:25 | Permalink


09.05.2005

Logos Ex Machina
(Seifenkiste)

Die Menge tobt, der Laie staunt und der Fachmann wundert sich: DC Comics, bisher für die Comic-Heftchen der bekannten Figuren Superman, Batman und Wonder Woman zuständig, gab heute völlig überraschend bekannt, man wolle sich aus dem Comicgeschäft zurückziehen und sich fortan stattdessen mit Körperhygiene beschäftigen.

Damit einher geht ein Image-Wechsel, der dem bisherigen Comic-Giganten ein neues Logo sowie einen neuen offiziellen Firmennamen beschert: DC Fresh & Clean.

"Wir verstehen natürlich, daß viele unserer Fans von diesem Schritt überrascht sein werden," teilte Paul Levitz, Präsident von DC Fresh & Clean, heute auf einer Pressekonferenz im schwedischen Malmö mit. "Aber andererseits kann man mit Seife und dergleichen einfach mehr verdienen als mit schnöden bunten Heftchen -- auch wenn man, wie wir, letztere dauernd kreuzübereinand gehen lassen tut."

Auf gezielte Anfragen der sichtlich verblüfften Reporter hin versuchte Levitz zu beschwichtigen und betonte, daß der historische Richtungswechsel keine völlige Abkehr vom bisherigen Firmenkonzept des Verlagshauses sei. "Sehen wir's doch mal so: In der Vergangenheit hatten wir mit Sprechblasen zu tun. Nun werden das eben Seifenblasen sein," so Levitz.

"Seifenopern sind für DC ja auch kein wirkliches Neuland, insofern glauben wir auf gar keinen Fall, uns damit auf rutschiges Terrain zu begeben."

Unter Szenekennern ist die Entscheidung derweil heftig umstritten. Viele nehmen die Sensationsmeldung zum Anlaß für Optimismus und hoffen, man könne damit den allgemeinen Vorurteilen über die mangelnde Körperhygiene des Comic-Lesers an und für sich entgegenwirken.

Aber es wurden auch kritische Stimmen laut, die in der Kehrtwende eine Notbremse der Unternehmensleitung vermuten. Man wolle damit lediglich den Ruf des Hauses reinwaschen und sich auf das traditionelle Saubermann-Image besinnen, welches in den vergangenen Monaten unter anderem durch Geschichten über anale Penetration gelitten hatte.

Auf die Spekulationen angesprochen, lies Levitz ein lapidares und für DC nicht ungewöhnliches "Kein Kommentar" verlauten, bevor er die Fragerunde mit einem schelmischen Grinsen und dem Hinweis, die Anwesenden mögen auch in Zukunft "sauber bleiben," beendete.

Comicgate wird die Entwicklungen um DC Fresh & Clean selbstverständlich gespannt weiterverfolgen.

posted by Marc-Oliver Frisch um 17:47 | Permalink


08.05.2005

Alias Publishing - Dead on Arrival
(State of the Industry)

Es gibt in einer "Futurama"-Episode ("Jurassic Bark") eine Szene, in der ein Charakter nach dem anderen in glühende Lava springen will, obwohl Professor Farnsworth sie davor warnt, dass die Hitze sie töten wird. Niemand hört auf ihn, was dazu führt, dass er schließlich total entnervt nur noch: "Professor!!! Lava!!! Hot!!!" von sich gibt. Was das mit Comics zu tun hat? Nun, ich bin kein Professor sondern nur ein Hobbykommentator, aber manchmal möchte ich schreien: "Comicfan!!! Market!!! Oversaturated!!!"

So gerne ich auch Marvel oder DC für irgendwelche dummen Publicitystunts rüge, eines muss man beiden Firmen lassen: Die Stunts zahlen sich aus. Vielleicht nicht im Hinblick auf auf die Kreativität oder auf die Erschließung einer neuen Leserschaft, aber bei den meisten großen Aktionen von Marvel oder DC kann man sicher sein, dass sie sich finanziell lohnen. Sicher, viele (auch ich) haben sich sehr über "Infinite Identiy Crisis Disassembled (of Doom)" geärgert, aber wenn man sich die Verkaufszahlen anguckt, was steht ganz oben? Eben, "Identity Crisis", "Infinite Countdown" und "Avengers: Disassembled". In dieser Hinsicht wissen die Großen also wie man's macht.

Leider scheinen die kleinen Verlage nichts... aber auch gaaar nichts... zu lernen, wie letzte Woche "Alias Enterprises" bewies, die planten den Markt mit zwölf neuen Titeln zu einem jeweiligen Startpreis von 75 Cent im Sturm zu erobern. Das Experiment war so erfolgreich, dass Dark Horse und Image gleich dichtgemacht haben, während lange Bittstellerschlangen vor dem Schreibtisch von Mike Miller, dem Mastermind hinter "Alias Enterprises", stehen und darum betteln, für ihn arbeiten zu dürfen. Als Qualifikation geben sie ihre bisherigen Tätigkeiten als Chefredakteuere bei Marvel oder DC an. Naja, zumindest hätte es so kommen können, wenn Alias es nicht geschafft hätte, nicht einen einzigen Titel pünktlich zu veröffentlichen. Nochmal zum Mitschreiben: Keine einzigen! Null, Nada, Zip, Zero! Und das sind die Erstausgaben! Ohne unprofessionell klingen zu wollen, aber: AAARRRRGGGHHH!

In dem Newsarama-Interview gibt Miller immerhin zu, dass man "ein wenig überambitioniert war". Anschließend gesteht er, dass der 11. September nicht der allerunwichtigste Tag der näheren Vergangenheit war und dass Nordkorea derzeit ein kleines bisschen über die Stränge schlägt. Will sagen: Das ist wahrscheinlich die schönste Untertreibung die ich seit langem gehört habe. Miller schränkt dann aber ein, dass das "überambitioniert" sich nur auf die Veröffentlichungsdaten, nicht die Zahl der veröffentlichten Titel bezieht. Moment, say what? Zwölf Titel in einen Markt schicken, der jetzt schon überfüllt ist und bei dem die Schere zwischen Gewinn ("Identity Crisis", "Avengers: Disassembled", etc.) und Verlust ("Human Target", "Sleeper", "She-Hulk", etc.) immer weiter auseinander geht ist eine gute Idee? Es mag sein, dass Mr. Miller seinen Doktor in BWL an der "University of Bizarroworld" gemacht hat, aber für mich klingt das... und ich will ganz offen sein und betone nochmal, dass ich nur ein Hobbykommentator bin, kein Experte oder Verleger... nach einer richtig beschissenen Idee. Jemand der mehr Ahnung von der Materie hat als ich, Brian Hibbs, sieht das übrigens genau so. Miller belässt allerdings nicht dabei:

"[E]ine neue Firma zu gründen ist eine Lernerfahrung und es braucht seine Zeit um herauszufinden, wie es alles wie am Schnürchen läuft. Ich weiß dass wir anfangs ein paar Fehler machen werden, aber glücklicherweise weiß auch, dass wir so eine Menge Verständnis dafür gewinnen werden, wie wir die Dinge effektiv und effizient machen können..."

Das ist ein schönes System, aber wäre es nicht sinnvoller sich die Leichen der anderen Publisher, die am Straßenrand liegen, anzugucken und sich dann zu fragen, was haben die falsch gemacht und was können wir besser machen, statt sich einfach ins kalte Wasser zu stürzen und zu hoffen, dass einem die Haie eine zweite und dritte Chance geben werden? Warum hat es "CrossGen" denn damals trotz eines Topstarts erwischt? Wieso ist DCs "Focus"-Schiene ein totgeborenes Kind gewesen? Wie war das noch mit Marvels "Tsunami"-Comics? Oder wie Marc-Oliver richtig bemerkt: Devil's Dues groß gestarte "Aftermath"-Schiene mit nur vier (vier) Titeln verkauft sich grottenschlecht und wird baldmöglichst geaxtet. Könnte man daraus nicht etwas lernen? Muss man wirklich erst auf die heiße Herdplatte fassen um zu wissen, dass das weh tut?

Und weil man schon weiß, dass man ein paar Fehler machen wird, aber daraus lernt plant man schonmal zwei oder drei weitere Titel zu veröffentlichen. Jeden Monat. Wenn das oben schon wie eine beschissene Idee klang, dann ist das hier die Mutter aller beschissenen Ideen. Marvels "Klon-Saga"? Ein purer Geniestreich dagegen. Diese Hybris wird... und da lege ich mich fest... zum schnellen Untergang von "Alias" führen und Comicläden sollten ihre Finger von diesen Comics lassen, wenn sie nicht mit runtergezogen werden wollen. Könnte es sein, dass Mike Miller das uneheliche Kind von Rob Liefeld und Mark Alessi ist?

Weiter im Text, Miller erwähnt, dass er es seltsam findet, dass man so einen Aufriß darum macht, dass die Titel gerade mal anderthalb Wochen verspätet sind, während andere Verlage auch viele ihrer Apriltitel noch nicht veröffentlicht haben. Auch hier wieder der Versuch mit normaler, menschlicher Logik zu argumentieren: Himmel, das sind eure Erstausgaben! Das sollte glatt über die Bühne gehen um bei den Händlern sowas wie "Vertrauen" aufzubauen, denn mehr als Vertrauen und guten Willen können euch Comicläden heutzutage nicht mehr entgegen bringen. Dafür sind die Profitmargen zu gering. Zudem: DC und Marvel haben sicher einige Titel die sich verspäten... aber sie haben mehr Titel die pünktlich erscheinen. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Dass nun neun Titel an einem Tag erscheinen, findet Miller gar nicht mal so schlecht, weil man so zumindest den Teil der Regale dominieren wird, in dem "Neue Comics" ausliegen. Ja, nur dass man sich den Teil wahrscheinlich mit sieben oder acht X-Titeln, zehn Bat-Titeln, fünf Spider-Man-Titel und einer ganzen Sackladung weiterer Comics wird teilen müssen, die alle bekannter sind und darum eher so positioniert werden, dass sie dem Kunden auffallen. Nochmal: Vertrauen muss man sich erarbeiten. Diese "Tadaa! Da sind wir, wo ist der Filmvertrag?"-Einstellung ist im besten Falle unglücklich. Wobei "dumm und gefährlich" wohl treffender wäre. Auch das Argument "Neun Titel zeigen, dass wir hier sind um einen Eindruck zu hinterlassen, zwei Titel würden bedeuten, dass man sich den Weg in die Comicindustrie erzittert" überzeugt mich nicht.

Ein solider Verlag sollte auf einer soliden Basis stehen. Schauen wir uns mal ein paar erfolgreiche Firmen an: Marvel und DC... haben riesige Universen gestartet, aber eben in den Dreißigern und Vierzigern, beziehungsweise in den Sechzigern. Zu einer Zeit als kein fest dominierter Comicmarkt bestand und Comics noch eine breite Leserschaft hatten. Dark Horse? Baut seine Titelpalette konservativ aus. Steht mit der "Star Wars"-Lizenz auf solidem Boden. Weitere Geldgaranten: Hellboy und die Goth-Titel. Oni Press? Langsames Wachstum, primär Titel die im Buchhandel laufen können. Baut auf Überschneidung mit Manga-Leser. Fundament: Queen and Country. Fantagraphics? Hat über die Erotiktitel die anderen Comics finanziert, steht mit der "Peanuts"-Lizenz für mindestens zehn Jahre auf finanziell festem Boden. AiT/PlanetLar? Setzt auch auf den Buchhandel und darauf, dass alle Titel immer im Druck und damit erhältlich sind. Wenige monatliche Veröffentlichungen, aber starke Kooperation mit der Onlinepresse und den Blogs, damit viel kostenlose Publicity bei einem kleinen, aber für solche Verlage wichtigen, Teil des Comicfandoms. Keiner dieser Verlage ist mit neun Titeln an einem Tag gestartet und alle sind noch da. Nicht mal Image, das immerhin damals aus den Rockstars der Comicszene bestand, ist mit neun Titeln an einem Tag gestartet. Jesses.

Allerdings kümmert sich auch Mike Miller um die Onlinefans. Wie zu erwarten war, wurde dieses Interview in die heiligen Hallen von Fanboy Rampage aufgenommen, wo in den Comments drei der bekannteren Comicexperten ihre Meinungen zu diesem Thema abgeben:

Paul O'Brien:

"Zwölf Hefte in einem Monat und sie wollen jeden Monat mehr hinzufügen? Als neuer Publisher? Die sind verrückt. Es ist egal wie gut die Comics sind - ihre Verlagsstrategie steht quer zur Realität und sie werden ausgelöscht [annihilated] werden."

Okay, das klingt nicht so überzeugend... aber vielleicht ist Brian Hibbs ja positiver, der seine Antwort aus einer Onlinediskussion mit Mike Miller, die auf einem anderen Messageboard stattfand, hier erneut veröffentlichte:

"WIE ZUM TEUFEL KONNTET IHR *NICHT* SEHEN, DASS DAS EIN PROBLEM WERDEN WÜRDE?

Schnüffelt ihr Klebstoff? Habt ihr überhaupt den Hauch einer Ahnung von Comics, vom Verlagswesen und von den Grundlagen des Marketings? Es gibt unzählige Beispiele von Verlagen die diese Art von idiotischer, altkluger, superdummer Alles-auf-einmal-veröffentlichen-Taktik versucht haben und jedes Mal - JEDES MAL - versauen sie sich so ihre eigenen Verkaufszahlen, weil die eigenen Produkte gegeneinander um das Geld kämpfen.

Ich schätze ich hätte das "Oh, wir haben ein paar Wochen Verspätung", akzeptieren können -- Scheiße passiert -- aber das Problem noch dadurch zu festigen, dass ihr alle eure Comics in einer einzelnen Woche veröffentlicht... von welchem Planten stammt ihr eigentlich? Wo sollen die Kunden das Geld her nehmen um diese Comics zu kaufen? Aus ihrem Zauberhut? Aus der Kraft ihrer Gebete? Von Feen?

[...]

Dann, OH GOTTVERDAMMTE SCHEISSE, dann scheint ihr vorzuschlagen, dass ihr wieder in den Plan kommt indem ihr weniger als vier Wochen verstreichen lasst, ehe ihr die nächsten Ausgaben verschickt. Dabei vergesst ihr offenbar, dass das AUF LANGE SICHT NIEMALS *WIRKLICH* FUNKTIONIERT [...]. Ihr schlagt außerdem vor EUERE PROBLEME AUF DEM RÜCKEN DER HÄNDLER ZU LÖSEN, indem ihr uns keinen vollen Monat gebt um euer Material zu verkaufen.

Ich will ja produktiv sein, wirklich, Gott, das will ich. Also hier ist der beste Vorschlag den ich dir machen kann. Ruf sofort Diamond an und sag ihnen: "Tut mir leid, ich habe nicht die geringste Ahnung was ich hier tue und ich entschuldige mich dafür, dass ich alle Anwesenden Zeit und Energie gekostet habe, aber zieht den Stecker für alle meine angekündigten Produkte, denn wir sind kein lebensfähiger Konzern der lange Bestand haben wird."

Im Ernst, spart euch den Ärger, denn ich versichere euch, mit einem derartigen Start werdet ihr eine der tausend Möchtegernverlegerleichen werden, die sich in der Geschichte des Direktmarkts finden lassen.

Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, dass ich gemein bin oder ein Arsch oder was auch immer -- aber ich sage euch, [...] ihr habt euren Start komplett versaut und die Chancen stehen 999999:1 gegen euch, dass ihr irgend eine Aussicht darauf habt, euer drittes Jahr als Verlag zu erleben. Spart euch das Geld und die Demütigung und beendet die Verlagskiste jetzt.
"

Wow... das war... auch nicht gerade optimistisch. Aber es führt dazu, dass Mike Miller in den Comments auftaucht und sich beschwert, dass Brian Hibbs einen Teil seines [Millers] ursprünglichen Posts mit veröffentlicht hat, was gegen die Regeln des Boards verstößt, auf dem diese Diskussion ursprünglich stattfand. Man muss halt seine Prioritäten kennen und bei "Fanboy Rampage" in einen Onlinestreit über das Lohn-/Lohnnebenkostenverhältnis in Kanada und Südkorea (ernsthaft!) zu geraten scheint für "Alias" dazu zu gehören. Wirkt sehr professionell. Wirklich.

Wobei Miller nicht mal eine gute Figur macht, denn nach Hibbs legt er sich mit Tom Spurgeon an und verliert klar nach Punkten, alleine weil er auf jede noch so kleine Stichelei reagieren muss. Vielleicht sollte mal jemand Mr. Miller die Bedeutung des Wortes "flamebait" erklären.

Falls dieses Post jetzt überwiegend negativ wirkte, dann weil ich einfach keine Lust habe den glücklichen Apologeten für sowas zu spielen. Ja, wir sollten dankbar sein wenn neue Firmen es versuchen, ja wir sollten ihnen erstmal eine Chance geben ihre Comics zu veröffentlichen, ja die Comics mögen gut sein... aber wenn man es schafft eine derartige Ladung Scheiße anzuhäufen, noch ehe ein einziger (ein einziger!) Comic veröffentlicht wurde, dann habe ich da einfach keine Lust drauf. Es gibt genug Verlagskatastrophen aus denen man lernen kann, aber wenn ein neuer Verlag mit einem lustigen Lied auf den Lippen in seinen Untergang wandert, dann habe ich keinen Nerv ihm auch noch aufmunternd auf den Rücken zu klopfen. Stattdessen klopfe ich allen anderen Neuverlegern auf die Schulter, deute auf "Alias" und sage: "Seht ihr das? Verfolgt den Verlag genau und lernt daraus!"

Und falls "Alias" es doch schaffen sollte sich langfristig mit dieser Strategie auf dem Markt zu beweisen, dann werde ich mich hier öffentlich für meine negative Grundhaltung entschuldigen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das passieren wird. Ende des Gegrummels.

posted by Björn um 13:23 | Permalink


06.05.2005

Wie erschaffe ich ein Poppunk-Idol
(extreme offtopicing)

Kurzer artfremder Eintrag (obwohl - hier wie dort geht es um Rezensionen... hm), aber das wollte ich Euch nicht vorenthalten.
Da war ein Redakteur bei laut.de wohl etwas angesäuert und hat kurzerhand bei einer CD-Rezi von "Simple Plan" die Band mit einem Zehnpunkteplan "Wie erschaffe ich ein Poppunk-Idol" in der Luft zerrissen.

Schlusszitat:
"X. Kaufe dich in Musiksender und Radios ein, um die Rotation der Band zu sichern. Schöpfe anschließend mit CD-Verkäufen, überteuerten Konzerten, Nietenarmbändern und Bandshirts ordentlich Kohle ab. Die Band je nach Publikumsresonanz für ein bis zwei weitere Alben verbraten. Dann durch jüngere Band bzw. neuen Trend ersetzen. Wieder bei I. anfangen.

Bei konsequenter Befolgung dieses Handbuchs ist kommerzieller Erfolg vorprogrammiert. Für weitere Genre-Leitfäden siehe die Ausgaben "Aus der Rock-Garage auf die Bühne" und "Straight Outta Ghetto: Dollars, Nutten, Waffen". Viel Erfolg!"

Für so furztrockene Kommentare liebe ich laut.de. Weitermachen!

posted by Frauke um 19:28 | Permalink


03.05.2005

The Knights Who Say Ni
(Link-O-Rama)

Wenig wirklich Berichtenswertes (bis auf Thomas' sehr interessante Marktanalyse hier in diesem Blog), aber es gibt einige "Websites" in diesem neumodischen "Internet", die man sich vielleicht mal angucken möchte... Comicgate empfiehlt dazu die Benutzung eines sogenannten "Browsers":

  • Ein Comicblog neuerer Machart, das es gleich in meine Lesezeichenliste geschafft hat, ist Daves Longbox von David Campbell. David betrachtet da in aller Ruhe einzelne Ausgaben oder ganze Runs alter Serien, die meist etwas obskurer sind. Bisher kann man da unter anderem Kommentare zu "Obnoxio the Clown", "Suicide Squad" oder "Oz Squad" lesen. Sehr schön geschrieben und zudem noch mit Bildern unterlegt. Definitiv lesenswert.

  • Lustig auf eine etwas bösartigere Weise ist auch Superfrankenstein, das Blog von Tom Peyer. Mein persönlicher Favorit sind die Posts, in denen er aktuelle Nachrichten mit passenden, alten Comiccovern versieht (so wie hier, hier und hier.)

    Außerdem war er auch derjenige, der zuerst mit Photos belegt hat, dass das Pentagon jetzt mit Spidey und Captain America zusammenarbeitet. Brrrr... und ich dachte, die Marvel - Karl Zinsmeister Verbindung wäre gruselig. Okay, eigentlich geht es hier um eine PR-Aktion wegen der Comics die Marvel kostenlos an im Irak stationierte G.I.s verteilen wird. Vom Standpunkt des Nation Buildings her: Kinder lieben Comics. Wäre es nicht eine wirklich sinnvolle Aktion ein paar Marvel Comics auf irakisch zu drucken, die die GIs dann an Kinder verteilen können? Von wegen "winning the hearts and the souls of the Iraquis" und so?

  • Shane Baley präsentiert sehr amüsante Supermancover aus einer Zeit, als der große Blaue sich noch nicht mit einem zu kleinen "S", Vergewaltigungen und Kugeln in Superheldenköpfen herumärgern musste, sondern die größte Gefahr von fallenden Safes ausging. Zu sehen hier.

    (Speaking of Safes: Dieses "Captain America"-Cover stellt glaube ich die elaborierteste und bestausgedachte Todesfalle aller Zeiten dar. Großartig.)

  • Fred Hembeck belegt mit diesem Panel aus der Prä-Morrison-JLA, dass der Tod von Blue Beetle in "Countdown to Infinite Crisis" kein Publicitystunt war, sondern dass man das alles schon seit über einer Dekade vorbereitet hatte. DC, ich ziehe meine Kritik an dir zurück. Wenn du deine Geschichten soooo gut vorbereitest, dann ist das natürlich ganz was anderes...

  • Rob Liefeld startet seine eigene Website und gibt bekannt, dass er zwei Ausgaben der "Teen Titans" zeichnen wird. Erste Zeichnungen finden sich hier und hier. Das sieht - für Liefeld - gar nicht so fürchterlich aus. Auch wenn er an Starfire nochmal Hand anlegen sollte. Waren bisher die Beine seiner Frauen zu lang, scheint Liefeld jetzt eher auf eine bizarr gestreckte Mittelsektion zu stehen. Hmm. In dem Newsarama-Interview sind einige nette Passagen zu finden, so gibt Liefeld zu, dass sein "Team Youngblood" ein "Teen Titans"-Ripoff war, er erklärt, dass ihm die Fans schon gesagt haben, er müsse die Brustpartie von Wonder Girl verkleinern und dann fällt dieser Satz:

    "Ich habe den Plot Anfang letzter Woche bekommen und habe schon 8 Seiten gezeichnet. "X-Force" hat die Frage geklärt, ob ich pünktlich fertig sein kann oder nicht. Fall geschlossen. Ihr werdet die Ausgaben pünktlich sehen."

    Ich werde jetzt nicht nach den Serien fragen, die Rob noch nicht ausgeliefert hat, bei denen er aber auch schon "den Großteil der Seiten" fertig hat. Ich nehme dieses Zitat einfach mal cum grano salis und warte diesen Sommer ab. Aber es ist schön zu sehen, dass Liefeld immer noch von sich überzeugt ist. Eines muss dem Mann der Neid ja lassen: Selbstbewusst ist er... andere Leute wären vorsichtiger, wenn sie seit über einer Dekade immer wieder den Mund zu weit aufreißen.

  • Habemus Papam: Wenn Jack Kirby der König und Stan Lee der Mann ist, dann möchte ich nach dem Lesen dieses ausführlichen Interviews, dass Kyle Baker Comicpapst wird. In dem Interview spricht Baker über seine neuen Werke, über sein Konzept hinter "Plastic Man", über Frank Miller, Einsteigerfreundlichkeit in den modernen Comics, "Secret War II" und "Identity Crisis" und was er sagt macht durchaus Sinn. Sehr empfehlenswert.

    posted by Björn um 23:56 | Permalink


  • Preis-Rätsel
    (Sind Comics zu teuer?)

    Der kleine "Küchentisch"-Verlag Epsilon Grafix hat am Wochenende seinen Markttest beendet, bei dem ein Viertel Jahr lang alle Alben der Serie "Aria" für 5 statt 10 Euro angeboten wurden. Verleger Mark O. Fischer wollte damit testen, ob und wie sich günstigere Preise auf die Verkaufszahlen auswirken. Auf der Verlagswebsite zieht er nun Bilanz:

    "Die positive Resonanz und die erfreulichen Verkaufszahlen des Markttests haben uns in der Annahme bestätigt, dass durch eine Preissenkung neue Kunden gewonnen werden können. Denn das Interesse an guten Comics ist größer als die Kaufkraft. Leider hat sich die Preissenkung jedoch nur im Comicfachhandel positiv bemerkbar gemacht. Auf die Bestellmengen des Buchhandels hatte sie keine Auswirkung. "

    Dass der Buchhandel davon wenig berührt wurde, ist keine große Überraschung. Nur wenige Buchhändler werden den Verlag Epsilon und seine Produkte kennen und nur wenige werden die Aktion überhaupt mitbekommen haben. Denn es ist nunmal leider so, dass die Comicecken der Buchhandlungen, wenn es sie überhaupt gibt, in der Regel zu 80% aus Manga bestehen, zu 10% aus Albenklassikern ("Lucky Luke", "Asterix", "Tim und Struppi") und zu 10% aus Cartoons und Zeitungsstrips. Trotzdem scheint sich der Markttest grundsätzlich gelohnt zu haben:

    "All jene an guter Fantasy interessierten Comic-Fans, die sich bisher nur von der chaotischen Reihenfolge haben abschrecken lassen, konnten wir durch diese Aktion von der Qualität von ARIA überzeugen. Damit ist die Zukunft dieser Serie nun gesichert. Die 5,- ? haben also als Kennenlernpreis wunderbar funktioniert."

    Kennenlernpreis ist ein gutes Stichwort - mir geht es auch öfter so, dass mir unbekanntes Material oft zu teuer ist, um es auf gut Glück zu versuchen. Wenn man mal einen preisgünstigen Einstieg gemacht hat und Lust auf Mehr bekommen hat, ist man dann vielleicht auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Der beste Einstieg allerdings ist immer noch der kostenlose, und hier frage ich mich: Warum gibt es nicht mehr Leseproben? Meist werden Comics über ihre Cover beworben, aber die sagen selten etwas über ihr Innenleben aus. Wenn ich dagegen ein paar Seiten aus dem Comic lesen kann, habe ich einen Eindruck vom Zeichenstil, einen Eindruck von der Erzählweise und einen Eindruck vom Inhalt. Im besten Fall endet die Leseprobe mit einer spannenden Stelle, die die Lust aufs Weiterlesen steigert. Um mal wieder einen Film-Vergleich zu bemühen: Coverabbildungen sind die Filmplakate, Leseproben sind die Trailer. Dass zu einem Film auch ein Trailer produziert wird, ist heute selbstverständlich, für Leseproben gilt das leider noch nicht.
    Ich merke gerade beim Schreiben, dass das Thema "Leseprobe" genug Stoff für einen eigenen Beitrag bietet. Verschieben wir das Thema noch um ein paar Tage und wenden uns wieder den Preisen zu:

    "Der Markttest zeigt aber auch, dass sich eine Neuerscheinung für 5,- ? noch nicht rechnen würde, da Comic-Shops wegen ihrer meist nicht zentralen Lage zu wenig Laufkundschaft haben, um neue Kunden mit günstigeren Preisen locken zu können."

    Wenn man davon ausgeht, dass der Fachhandel von Leuten besucht wird, die ohnehin regelmäßig Comics kaufen, bekommt man also mit niedrigeren Preisen eher eine Art Umverteilung. Das Comicbudget des Einzelnen wird dadurch eher nicht wachsen, den Betrag, den er für Serie XY zusätzlich ausgibt, spart er woanders wieder ein. Wenn natürlich auf breiter Fläche alles billiger würde, dann wäre wieder Spielraum im Portemonnaie. Auch dazu macht sich Mark O. Fischer Gedanken:

    "Dies ändert jedoch nichts an unserer Überzeugung, dass eine drastische Preissenkung Voraussetzung für die Auslösung eines neuen Comic-Booms ist. [...] Diese richtigen Weichenstellungen erfordern jedoch hohe Investitionen, da eine Halbierung der Preise nicht automatisch die Kundschaft verdoppelt. Wenn Werbung beim derzeit hohen Preisniveau sinnlos ist, ist sie bei einer Preissenkung umso wichtiger, damit Interessenten, die sich Comics bisher nicht leisten können, auch davon erfahren. Man muss also viel Kapital im Rücken haben, um kurzfristige Umsatzverluste auffangen und die Werbemaßnahmen zur Umsatzsteigerung finanzieren zu können. Ohne reichen Investor wird das wohl nicht gehen. Da Investoren erfahrungsgemäß aber eher an kurzfristigen Gewinnen interessiert sind, erscheint das Finden eines Investors, der die Comic-Branche langfristig mit den richtigen Schritten und langem Atem aufbauen will und kann, aussichtslos."

    Investoren, sind das nicht die von Franz Müntefering verabscheuten Heuschreckenschwärme? Tja, die werden an Comics tatsächlich nicht viel Interesse haben.

    "Wenn man allerdings bedenkt, wie viel Kapital in die Produktion nur eines Kinofilmes gesteckt wird, könnte man damit die gesamte Comic-Branche revolutionieren. Dafür mangelt es nicht an Ideen und auch nicht an interessanten Geschichten und faszinierenden Zeichenstilen. Die vielen Jugendlichen in den Büchereien und auch persönliche Erfahrungen zeigen, dass es überhaupt kein Problem ist, junge Leute für Comics zu begeistern. Zu Käufern werden sie aber nur, wenn der Preis stimmt."

    Dass da was dran ist, zeigen die Mangas. Dank hoher Auflagen und der Tatsache, dass sie im kleinen Format und in schwarzweiss gedruckt werden, lassen sich die Preise niedrig halten. Mangas sind taschengeldkompatibel und man bekommt ein "dickes Buch" für wenig Geld. Aber Mangas haben eben auch den Hipness-Faktor, sie sind Teil einer modernen Jugendkultur, eines Trends. Dass der Preis nicht alles ist, haben zwei Misserfolge gezeigt, die eigentlich alle Voraussetzungen erfüllten: sowohl "Monster Allergy" als auch "Kylion", beide in Italien bei der jungen Zielgruppe ziemlich erfolgreich, kamen in hoher Auflage und mit niedrigen Preisen an die Kioske. Nur wurden dort nicht genügend verkauft. Ehapa wird nun zwar beide Serien fortsetzen, diesmal aber in weit geringeren Stückzahlen im Comicfachhandel.

    "Und wenn Comics heutzutage von Erwachsenen gekauft werden, die in ihrer Jugend damit angefangen haben, ist es von großer Bedeutung, Comics auch preislich für Jugendliche wieder attraktiv zu machen, damit der Comic-Markt nicht mangels übrig gebliebener Leser von früher eines nicht allzu fernen Tages zusammenbricht."

    Der Umsatz, der durch jugendliche Käufer erzielt wird, kann den Markt stützen. Eigentlich ist dieser Zustand bereits Realität. Ehapa und Carlsen wären ohne Mangas längst tot, und den Comicläden würde ohne sie auch ein wichtiges Standbein fehlen. Davon profitiert im Endeffekt auch ein Verlag wie Epsilon, auch wenn dessen Comics eher ältere Leser ansprechen. Die Jugendlichen sind vielleicht auch gar nicht das Problem. Tausende davon lesen Comics - nur halt von rechts nach links. Vielleicht steckt viel mehr Potential in der "mittelalten" Schicht - sagen wir mal Leute zwischen 20 und 40 - denen die Klassiker oft schon zu altbacken sind, die aber mit Mangas oder auch mit Superhelden wenig anzufangen wissen. Leute, die erwachsen sind und erwachsene Geschichten lesen wollen. Die aber oft nicht wissen, dass es durchaus Comics für sie gibt, und wo sie sie finden können. Comics wie "Queen & Country", "Donjon", "Wir können auch Freunde bleiben", "Y: The Last Man" oder "100 Bullets" sind im Grunde eigentlich Mainstream, kein abgehobenes Avantgarde-Nischenprodukt für ein paar Spezialisten. Sie müssten halt nur raus aus dem Ghetto. Dazu aber bräuchte es mehr als nur niedrigere Preise, es bräuchte vor allem breite Präsenz. Im Buchladen, im Kaufhaus, in der Presse, im Fernsehen. Aber das ist eine Diskussion, die schon x-mal geführt wurde und bei der es leider keine einfachen Lösungen gibt. Bei Epsilon immerhin bleibt man optimistisch:

    "Deswegen lassen wir nichts unversucht und denken schon über einen Markttest II nach und prüfen dafür die Möglichkeiten eine neue Serie von Beginn an günstiger anbieten zu können, was aber eine höhere Auflage und zusätzliche Vertriebswege erfordert. Vorerst können wir den Comic-Fans nur garantieren, dass wir mit den jetzigen stabilen Preisen weitermachen, alle Serien fortsetzen und auch neue hinzukommen, und das alles so schnell wie möglich. Also je mehr Fans schneller mehr kaufen, desto mehr können wir produzieren und uns fit für größere Schritte machen."

    posted by Thomas um 16:15 | Permalink


    02.05.2005

    Frisch aus der Druckerei, 12/05
    (Comic-Neuheiten der Woche)

    Nachdem vor ca. sieben Wochen bekannt wurde, dass der Vertrieb Modern Graphics Insolvenz anmelden musste, machte man sich auch Sorgen um Infinity, da dieser Verlag einerseits MG recht nahe stand und andererseits seine Comics fast ausschließlich über MG vertrieben hat. Die Antwort von Infinity auf diese Spekulationen fällt sehr selbstbewusst aus: nicht nur führt man (mit leichter Verzögerung) sein Programm wie gehabt weiter, sondern gründet mit Infinity Paperwerk gleich einen eigenen Vertrieb. Außerdem macht das CrossGen-Label (gegründet als Joint-venture von MG und Infinity) weiter und obendrein werden wohl die meisten Serien, die bisher bei mg/publishing gelaufen sind, bei Infinity eine neue Heimat finden.

    In der vergangenen Woche sind nun also erstmals seit der MG-Pleite neue Comics von Infinity, CrossGen Deutschland und auch mg/publishing (Lady Death: Die Legende 10) in den Comicregalen gelandet.

    HIGHLIGHT DER WOCHE: Als Mark Millar ("Die Ultimativen") unter großem Theaterdonner sein Millarworld-Projekt ankündigte, klang das sehr verheißungsvoll: vier neue, innovative und kompromisslose Miniserien bei vier verschiedenen Verlagen, alle mit verschiedenen Zeichnern und alle creator-owned. Das Endergebnis fiel etwas ernüchternder aus: "Run" erschien gar nicht erst, "The Unfunnies" versandete nach zwei von vier Ausgaben. "Chosen" immerhin wurde zügig veröffentlicht und bekam auch gute Kritiken. Das umfangreichste der vier Projekte war Wanted, unbescheiden gehypt als "Watchmen für Superschurken", gezeichnet von J.G. Jones und als Sechsteiler bei Top Cow erschienen. Die Reaktionen in den USA lassen sich so zusammenfassen, dass das erste Heft sehr gelobt wurde, und die Kritiken dann von Heft zu Heft negativer wurden. Etwas peinlich war auch die Aufregung um Eminem, der laut Millar unbedingt eine Hauptrolle in einer "Wanted"-Verfilmung spielen wollte, was sich aber bald als Ente herausstellte.
    Nun erscheint "Wanted" also auf deutsch, und zwar als Sammelband im oben schon genannten Infinity-Verlag. Trotz aller Kritik, von der ich gehört habe, finde ich die Grundidee der Miniserie (Eine Gruppe von fiesen Schurken, die alle Superhelden ausgelöscht hat, zieht als Geheimorganisation die Fäden, und ein unerfahrener Nachwuchsschurke muss damit klarkommen) immer noch interessant und bin immer noch neugierig auf den Inhalt.

    Neben Comics aus dem Hause Top Cow setzt Infinity auch vermehrt auf Titel, die in den USA bei IDW erscheinen. Zum Beispiel CVO: Artefakt. CVO steht für "Covert Vampiric Operations" und erzählt von einer Spezialeinheit des US-Geheimdienstes, die aus Vampiren besteht. Bei Konami wird derzeit ein gleichnamiges Computer- und Konsolenspiel entwickelt, das auf dem Comic basiert.

    Genau andersrum lief es bei "Warcraft": erst kam das Videospiel, dann noch eins, dann nochmal eins, dann die derzeit mega-erfolgreiche Online-Variante "World of Warcraft". Eine Romanserie zum Spiel gibt es schon, und Tokyopop hat jetzt den Comic zum Spiel: Warcraft: The Sunwell Trilogy #1 ist der Auftakt einer actionreichen Fantasytrilogie voller Drachen, Orks und Krieger. Der Autor Richard Knaak ist Amerikaner, der Zeichner Jae-Hwan Kim ist Koreaner. Ob man das Ergebnis deshalb Manhwa, Manga oder Comic nennen mag - mir eigentlich wurscht. In jedem Fall scheint das Teil vom Fleck weg ein Bestseller zu sein.

    Und nochmal Fantasy, diesmal aus Frankobelgien: neben der regulären "Sillage"-Albenreihe gibt es bei Carlsen jetzt auch den Spin-Off Chroniken von Sillage. Dort werden Kurzgeschichten rund um die Sillage-Heldin Nävi von verschiedenen Zeichnern umgesetzt.

    posted by Thomas um 17:28 | Permalink