Deutliche
Western-Anklänge hat man uns versprochen! Gefühle! Einen Schuss
perfide Romantik und ein spannendes Psycho-Duell zum Finale hat diverse Kritiker
teilweise zur ekstatischen Verzückung gebracht. Mit soviel Glorie
im Nacken bekommt man schnell das Image des notorisch nörgelnden
Prinzip-Motzers, aber warum soll man's unnötig verklären oder
schönreden: ich fand KB II reichlich enttäuschend.
Der Film beginnt noch ganz interessant mit einer "Braut", die
sich tatsächlich nicht mehr hasserfüllt durch die Gegend schlachtet,
sondern menschlicher und wärmer charakterisiert wird - das eigentliche
Opening beginnt allerdings erst mit David Carradines Auftritt, und sein
außergewöhnliches Schauspiel trägt den gesamten Film.
Wann immer Bill in Erscheinung tritt, wird alles andere nebensächlich...leider
auch Uma Thurman, die gegen ein solches Schwergewicht nicht viel entgegenzusetzen
vermag.
In KB II werden also die restlichen Überlebenden von Bills Killer-Brigade
zur Strecke gebracht - wesentlich unspektakulärer als noch in Volume
I. Die allseits präsente Reduktion ist allerdings Programm in diesem
Film und durchaus legitim. Taratino ist um mehr Realismus und Emotionen
bemüht, was einen interessanten Gegenpol zum Vorläufer bildet,
aus dem Kontext gerissen allerdings einen zwiespältigen Eindruck
hinterlässt.
Es gibt einige Szenen von großer Intensität zu bewundern: wenn
die Braut lebendig begraben wird, man den heruntergekommen Budd fast schon
bemitleidet oder den mitreissenden Catfight bestaunt - das ist schon gutes
Kino! Trotzdem ist KB II als eigenständiger Film - und so wird er
uns schließlich verkauft - reichlich schwach auf der Brust. Die
Western-Anleihen erschöpfen sich in ein paar Panorama-Aufnahmen und
Budds Cowboy-Hut, ein paar Augen-CloseUps will ich nicht dazuzählen,
dafür sind sie doch recht beliebig. Das Training der Braut mit dem
Altmeister Pai Mei hat recht amüsante Referenzen und Anspielungen
auf das Asia-Kino zu bieten, schrammt aber auch mal gerne knapp am "Nackte
Kanone"-Humor vorbei. Was mir am meisten aufstösst, war das
ungemein geschwätzige Finale, in dem ausufernd und metaphernreich
die Beweggründe der beiden Hauptdarsteller erörtert werden.
Nichts Neues bei einem Tarantino-Werk, allerdings ist die Redseligkeit
zuweilen ermüdend - bei Vol. 1 musste ich zu keinem Zeitpunkt gähnen.
Der ganze Film gipfelt darauf in ein meiner Meinung nach eher unbefriedigendes
Finale, welches mit keinerlei Überraschungen, Wendungen o.ä.
aufwarten kann, da schon im Cliffhanger von KB I zuviel verraten wird.
Es wird also nichts für den Nachhauseweg geboten.
Wenn KB I + II als
kompletter Film herausgekommen wäre und die beiden Filme nicht vollkommen
ausgegliedert worden wären, hätte es dem Film vermutlich um
einiges besser getan, weil der unmittelbare Zusammenhang zwischen den
beiden Filmen geblieben wäre und einheitlich bewertet werden könnte.
Natürlich ist KBII ein *guter* Film, aber der schale Nachgeschmack
überwiegt leider, denn in Erinnerung bleiben eher ein unwürdig
kurzer Auftritt von Michael Madson und die bittere Erkenntnis, dass Daryl
Hannah eine wohl weitaus bessere Braut abgegeben hätte - die Frau
hat eine unglaubliche Präsenz und ist für mich das Highlight
des gesamten Films. Wenn die California Mountain Snake Eis zerkaut, hat
das mehr Sex-Appeal als zig Profil-Aufnahmen von der Braut im hautengen
Top.
Wenn kurz vor der Schwertkampf-Szene zwischen den Damen der "Glamour"
und die Physis zwischen den beiden Frauen ausgespielt wird, offenbart
sich auf fast schon unangenehme Weise das Wesen der beiden Filme: während
die Braut als verbittertes, verdrecktes Mütterlein mit seinem Realismus
Volume II huldigt, denen es beiden an einem gewissen Esprit fehlt, schwelgt
die Kamera dagegen über Ellens diabolisch lachendes und faszinierend
makeloses Antlitz, das in seiner oberflächlichen und übertriebenen
Perfektion sehr an Volume I erinnert und von dessem Schauwert man sich
nur schmerzlich zu trennen vermag. Es liegt am Zuschauer, in wen man sich
verliebt...mir wurde es ziemlich leicht gemacht.
Karsten
Schreurs
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Kill Bill
2 ist ein richtiger Film. Die Figuren beginnen zu leben, und Uma Thurman,
die Braut, will manchmal einfach nur überleben. Sicher ist jedenfalls:
Tarantino ist explodiert, er hat sich in sich selbst verloren. Ich finde
den Link leider nicht mehr, aber zum ersten Teil gab es eine treffende
Analyse, die feststellt, dass Kill Bill einfach eine Abrechnung mit Tarantinos
Eltern sei. Seinen Vater kenne er nicht, seine Mutter hätte ihn nie unterstützt
bei seinem Filmspleen, und er hätte, soweit man weiß, kein gutes Verhältnis
zu ihr. Ob diese Vermutungen stimmen steht auf einem anderen Blatt. Der
nicht auffindbare Text jedenfalls hat das ziemlich intelligent dargelegt;
ähnlich, wie damals Roger Avary so treffend "Top Gun" als
Schwulenfilm identifizierte. "Kill Bill 2" bestätigt jedenfalls
meiner Ansicht nach die Eltern-Theorie. Tarantino hat sich in seine Fantasiewelt
verabschiedet und zeigt uns seine Eltern - wie er sie gerne hätte.
Uma Thurman, die tödliche Killerin und Spezialistin am Samuraischwert
ist seine Mutter. Sein Vater ist der tödliche, gemeine Killer Bill
- was für ein Elternpaar, und was für eine Mutter! Wer aufgepasst
hat, merkt, dass sie nicht loszieht, um sich selbst zu rächen, nein,
sondern ihre Tochter. Sie liebt ihr Kind über alles, obwohl sie es
nicht mal kennt.
Wie gesagt,
Teil 2 ist ein richtiger Film, das heißt, die Figuren fangen an zu leben,
sie reden mehr als diesen Machobullshit, wobei davon immer noch genug
mit drin ist. Die Handlung reißt einen dieses Mal tatsächlich emotional
mit. Jepp, am Ende hat man wirklich zwei Filme, die hervorragend
zueinander passen und wirklich einen Sinn ergeben. Saubere Arbeit.
Ich
allerdings halte es für falsch, sich dahin zu vergaloppieren, dass Tarantino
der beste Regisseur der Gegenwart sei. Das ist dann doch doch etwas zu
westlich gedacht (*winke, winke* Spiegel Online). Das Problem ist einfach,
dass die derzeitigen US-Filme, selbst wenn sie gut sind, mittlerweile
so blutleer und furztrocken sind, dass man Kill Bill als heftige Erfrischungsdusche
wahrnimmt, auch wenn's nur für eine Katzenwäsche reicht. Guter
Film auf jeden Fall, aber kein Grund auszuflippen. Tarantino selbst war
schon besser, und gerade in Asien brodelt es gewaltig an hervorragenden
Filmemachern. Ähnlich wie bei Comics begreift man das in Deutschland leider
nicht so richtig.
Von Tarantinos
Fantasieexplosion profitiert, meiner Meinung nach, am meisten David Carradine.
Letztens kam auf Kabel 1 oder so eine Folge der Neuauflage von Kung Fu,
und das ist wahrlich unwürdiger TV-Schund (okay, große Worte, wenn
man einen Film bespricht, der TV-Schund würdigt ohne Ende). Tarantino
gestattet David Carradine hiermit, würdig zu sterben. Und das möglicherweise
im doppelten Sinn. Es gibt nun wenigstens einen Film, in dem er wirklich
brillieren konnte. Seine Vorstellung ist jedenfalls unglaublich überzeugend,
was Uma Thurman NOCH blasser aussehen lässt, trotz Solariumsbräune.
Thurman ist leider der langweiligste Charakter, und das garantiert unabsichtlich,
aber Superman ist auch der langweiligste Superheld (siehe später).
Am besten von den Frauen hat mir Daryl Hannah gefallen, die einzige wirkliche
Schlampe und Schlange in diesem Film, aber leider ist Uma Quentins Mädchen,
und darum wird Daryl am Ende in diesem Film nicht glücklich. Schade
drum. Und wer mich schlichtweg nebenrollenmässig umhaut ist Michael
Parks (sieh "From Dusk Till Dawn"), der tatsächlich in
beiden Teilen mitspielt und hervorragende Arbeit abliefert, man traut
seinen Augen kaum. Applaus! Oh, fast hätte ich es vergessen, Michael
Madsen... ach ihr wisst schon. Supercool und im Endeffekt der bester Viper
Assassin, wenn man sich das nach dem Film mal überlegt. Und wer dann
gerade mal am Nachdenken ist, kann ja überlegen warum das Team eigentlich
nach Schlangennamen benannt ist. Es gibt da so 'ne Parabel mit 'nem Fluss
und 'ner Schlange, und wenn mich nicht alles täuscht, ist "Kill
Bill" eine Geschicht über Leute, die sind, was sie sind (übrigens
hervorragend anhand von Superman (!) erklärt). Das gelungene Kunststück
hierbei ist, einen vom Genresetting her simplen Rachefilm mit Tiefe zu
versehen.
"Kill
Bill" ist insgesamt echt gut geworden aus Normalpublikumssicht. Für
Popkulturjunkies hingegen ist es eine wahre Orgie...
Sascha
Thau
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