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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

26.07.2009

Frisch aus der Druckerei, 7/09
(Comic-Neuheiten im Juni)

HIGHLIGHT DES MONATS: In der erst kürzlich begonnen Buch-Schiene des primär auf Alben fokussierten Splitter-Verlags erschien im Juni ein Comic, der in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich für Splitter ist. Bisher gab es dort ausschließlich vierfarbige Comics, vorwiegend aus den Bereichen Fantasy und Science Fiction. Ein realistisches, zeitgenössisches Generationenporträt von Menschen um die Dreißig, erzählt auf knapp 300 Seiten in skizzenhaften Schwarz-Weiß-Zeichnungen, hätte man eher bei einem anderen Verlag erwartet. Doch der Autor von Sonnenfinsternis, der sich hier Jim nennt, hat unter seinem anderen Pseudonym Téhy etliche Genrestoffe wie Yiu, Fee oder Der Engel und der Drache geschrieben und so erklärt sich auch, warum der Comic bei diesem Verlag gelandet ist. Stichwort Autorenpflege. Die Leseprobe macht jedenfalls Appetit!

Bei den deutschen Comic-Eigenproduktionen im Juni findet man auch ein Buch aus dem Eichborn Verlag, und zwar eine satirische Biographie von Angela Merkel: Miss Tschörmänie von Miriam Hollstein und dem Karikaturisten Heiko Sakurai. Unser Rezensent Daniel Wüllner hat's gelesen und bemängelt vor allem das mangelnde Zusammenspiel von Wort und Bild.

Die Anthologiereihe Orang, die von Herausgeber Sascha Hommer zusammengestellt wird und inzwischen bei Reprodukt erscheint, geht bereits in die achte Runde: Die neue Ausgabe steht unter dem Motto ?Unendliche Geschichten" und enthält wieder zahlreiche sehr ambitionierte Beiträge junger Künstler wie Ancco, Line Hoven, Moki oder Anouk Ricard (alle Comics sind auch mit englischen Untertiteln versehen). Orang erhielt übrigens kürzlich beim ICOM Independent Comic Preis den "Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation". Kostproben der neuen Ausgabe gibt es auf flickr.

Im Bereich der eher avantgardistischen Comics, zu dem man wohl auch Orang zählen kann, ist Hendrik Dorgathen einer der bekanntesten Vertreter. Sein Erstlingswerk, der wortlose Comic Space Dog von 1993, gibt es jetzt bei der Edition Moderne in einer Neuauflage, die parallel auch in Belgien, Polen, Schweden, Spanien und den USA erscheint. Eine Vorschau gibt es auf dorgathen.org.

Bei Comicwerk erscheint die auf fünf Teile angelegte Heftserie Der Engel vom Berliner Zeichner Tomppa, der den Versuch unternimmt, eine deutsche Superheldengeschichte in düsterem Artwork zu erzählen. Im Online-Comicmagazin LOA kann man die ersten sieben Seiten aus Der Engel lesen.

Der Chemnitzer Verlag TheNextArt präsentiert unter seinem Erotik-Label SBK83 (mit dem hübschen und eindeutigen Logo) einen Comic, der den gleichen Namen trägt wie das Label: SBK83 enthält eine Kurzgeschichte von Marian Kretschmer und diverse Pinups. Verpixelte Kostproben davon gibt es hier.

Wieder zurück nach Frankreich - von dort kamen im Juni besonders viele interessante Comics. Rein optisch sticht besonders Das Ende der Welt von Pierre Wazem und Tom Tirabosco heraus, eine mystische Erzählung zwischen Traum und Realität, in der es sehr viel regnet. Die Probeseiten (PDF) sollte man sich unbedingt ansehen.

Schreiber & Leser startet eine Albenreihe, die sich mit dem "Dritten Reich" auseinandersetzt. Unter dem Hakenkreuz von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle beginnt 1932 und spielt sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Im Herkunftsland heißt die Serie (die insgesamt 10 Alben umfassen soll) Amours Fragiles, und entsprechend steht im Mittelpunkt die Liebesgeschichte zwischen einem Soldaten und einer jüdischen Frau. Eine Leseprobe gibt es auf der Verlags-Website.

Reprodukt zeigt mit Alben von Cyril Pedrosa und Guy Delisle, dass diese vom Feuilleton für ihre ernsthaften Graphic Novels gefeierten Künstler auch das leichtere Fach beherrschen. Pedrosas Auto-Bio ist eine satirische Auseinandersetzung mit dem Bemühen, ein ökologisch korrektes Leben zu führen (Leseprobe). Und Louis am Strand von Guy Delisle ist die kongeniale Fortsetzung des 2007 erschienenen Louis fährt Ski - eine äußerst charmante, wortlose Geschichte vom abenteuerlichen Ausflug eines kleinen Jungen mit seinem Papa an einen Badestrand. Hier geht's zur Leseprobe.

Der Schweizer Zeichner Frederik Peeters, der mit seinem autobiographischen Werk Blaue Pillen einen starken Eindruck hinterließ, kehrt zurück, diesmal als Zeichner einer Geschichte über den Kampf gegen den Terrorimus. Der Autor des Comics nennt sich Pierre Dragon und ist hauptberuflich beim französischen Nachrichtendienst beschäftigt. Teil 1 der zweibändigen Story RG - Verdeckter Einsatz in Paris ist bei Carlsen erschienen. Französische Vorschauseiten gibt es beim Originalverlag Gallimard.

Ebenfalls bei Carlsen: Ein Sammelband mit allen vier Alben der Serie Sambre von Yslaire, die in den 80ern und 90ern schon einmal einzeln erschienen. Das "Intégrale" (hier eine Leseprobe) bereitet auf die Fortsetzung der Reihe vor, denn demnächst beginnt ein zweiter Zyklus der Historienserie, die zur Zeit der Französischen Revolution spielt. Dieser fünfte Band ist bei Carlsen für Ende August 2009 angekündigt.

Auch der Steinchen für Steinchen Verlag veröffentlicht in seiner ZACK Edition wieder Albenstoffe aus Frankreich. Im Juni erschienen zwei Doppelbände, die jeweils zwei Originalalben enthalten. Für ein wenig Unmut unter der Leserschaft sorgte dabei der Umstand, dass das jeweilige erste Album schon als Fortsetzungsgeschichte im ZACK-Magazin abgedruckt war. Wer nun wissen möchte, wie es weitergeht, muss zwangsläufig das erste Album nochmal mitkaufen, obwohl er es vielleicht schon in ZACK vorliegen hat. Konkret geht es um die Abenteuerserien El Niño von Christian Perrissin und Boro Pavlovic sowie Empire USA von Desberg, Griffo und Alain Mounier (Vorschauseiten hier).

Beim Splitter Verlag startete im Juni die fünfteilige Fantasy-Serie Thorinth, in der es um einen riesigen, labyrinthischen Turm geht, der als Verließ für Ausgestoßene und Verrückte dient. Nicolas Fructus' Artwork erinnert ein bisschen an den großen Moebius. Hier geht's zur Leseprobe.

Einen besonderen Weg der Veröffentlichung geht Splitter mit der Serie Die Legende von Malemort von Eric Stalner. Der Sechsteiler um die Liebe zwischen einem Vampir und einer jungen Frau im 13. Jahrhundert liegt im Original bereits komplett vor, und damit hiesige Leser schnellstmöglich Nachschub bekommen, wird es jeden Monat einen neuen Band geben. Die Serie wird also nach nur einem halben Jahr bereits komplett vorliegen. Zur Leseprobe hier entlang.

Comicplus+ hat wieder Stoff für Freunde von gezeichneten Flugzeugen. Teil 1 des während des 2. Weltkriegs in Asien spielenden Fliegercomics The Flying Tigers ist erschienen, eine Leseprobe kann man hier sehen.

Eine sehr breite Palette von Genres erschloss Cross Cult im vergangenen Monat mit drei neuen Comics. M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist die Comic-Adaption des bekannten Filmklassikers von Fritz Lang aus dem Jahr 1931. Jon J. Muth brachte den Stoff 1998 mit seinen sehr fotorealistischen Zeichnungen als Vierteiler zu Papier, von dem auf Deutsch damals nur die ersten drei bei Feest erschienen sind. Nun gibt es bei Cross Cult eine Gesamtausgabe - einen ersten Eindruck kann man sich bei mycomics.de verschaffen,

In der Graphic Novel The Life Eaters, die jetzt bei Cross Cult auf Deutsch erhältlich ist, verschmolzen David Brin und Scott Hampton die nordische Götterwelt mit dem 2. Weltkrieg und siedeln ihre Story in einer Parallelwelt an, in der die Nazis mit Hilfe von Thor, Odin und Co. gewonnen haben. Klingt nach einer ziemlich kruden Pulp-Geschichte, aber sowas kann ja, wenn es gut gemacht ist, großen Spaß machen. Eine Leseprobe steht bei mycomics.

The Lone Ranger ist die Wiederbelebung eines Western-Klassikers. Die Figur des Lone Ranger entstammt einer Radioserie, die erstmals 1933 ausgestrahlt wurde und auf insgesamt fast 3.000 Episoden kam. Bald tauchte sie auch in Filmserials, einer Fernsehserie, Romanen und natürlich auch in Comics auf, zunächst in einer Zeitungsstrip-Serie, die stolze 33 Jahre lang lief, später auch in einigen Heftserien. Die neueste Wiederbelebung versuchte Dynamite Entertainment im Jahr 2006 und war mit der neuen Lone-Ranger-Serie ziemlich erfolgreich. Ein erster Sammelband liegt jetzt auf Deutsch bei Cross Cult vor (Leseprobe).

Panini erweitert seine "Neil Gaiman Bibliothek" um eine Neuauflage von Black Orchid, Gaimans erster Arbeit für DC Comics aus dem Jahr 1988, also noch vor Sandman, grafisch umgesetzt von Gaimans langjährigem Kreativpartner Dave McKean. Black Orchid ist eine klassische DC-Figur, halb Mensch, halb Pflanze, die hier auf diverse Helden und Schurken aus dem DC-Universum trifft (Leseprobe).

In der Reihe DC Premium erschien der erste von zwei Teilen von Batman: Mitternacht in Gotham. Die Story von Horror-Spezialist Steve Niles (30 Days of Night) und Zeichner Kelley Jones nimmt ihren Ausgang in der Halloween-Nacht, in der der Joker zwei Personen zu einer Party einlädt: Batman und einen Typen namens Midnight. Eine Leseprobe gibt's bei mycomics.

Außerdem gab es im Juni einen Relaunch der Superheldenserie Titans. Seit 2008 läuft diese Serie bei DC Comics parallel zu den Teen Titans. Autor Judd Winick stellte ein Team zusammen, zu dem unter anderem Flash, Nightwing und Donna Troy gehören. Eine umfangreiche Leseprobe gibt es hier.

Daemonium heißt eine neue Manga-Reihe bei Tokyopop, die vom Künstlerinnen-Duo Kôsen kreiert wurde. Die beiden Spanierinnen legen eine Mixtur aus Mystery, Fantasy, Horror und romantischer Boys-Love-Geschichte vor, in denen es von Engeln und Dämonen wimmelt. Die ersten drei Kapitel auf Englisch kann man bei Tokyopop USA lesen.

Wenn es um eigenartige Serientitel geht, sind Manga stets vorne dabei, z.B. mit der Reihe namens Rhesus Positiv Rh+ (EMA). Hier spielt natürlich Blut eine Rolle, und wo Blut ist, sind Vampire nicht weit. In diesem Fall sind es vier hübsche Jungs mit spitzen Zähnen, die in der Nacht dort weitermachen, wo die Polizei am Tag nicht fertig wurde.

Zwei umfangreiche Sekundärwerke über Comics, die sich in zahlreichen Aufsätzen mit Comics und Literatur befassen und dabei auch das aktuelle Phänomen "Graphic Novel" beleuchten, sind im Juni erschienen. Die Jubiläumsausgabe der langlebigen Fachzeitschrift Reddition mit einem "Dossier Comics & Literatur" sowie ein Sonderband der Literaturzeitschrift Text + Kritik mit dem Titel "Comics, Mangas, Graphic Novels", der von Andreas C. Knigge betreut wurde. Daniel Wüllner hat beide Publikationen für Comicgate besprochen, die Rezensionen findet man hier und hier.

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posted by Thomas um 14:16 | Permalink


19.07.2009

Eine "Graphic Novel" ...?! Kriegst gleich eine geklebt!
(Begriffsdebatte überraschend beendet)

Mit großem Erstaunen und ein bißchen Heiterkeit kann man zur Kenntnis nehmen, was Kollege Wüllner da am Freitag zwitscherte: Das Verkaufsargument "Graphic Novel" gibt's ab sofort, hochoffiziell und verlagsübergreifend, als Aufkleber.

Die Realität der Verkaufspraktiker hat Comicforscher und Literaturwissenschaftler mal wieder überholt, überrollt - ja, überklebt, möchte man sagen. Rötzedöng: Mein Kommentar einen Monat zuvor, der Begriff werde "auf alles draufgepappt", mutet angesichts dieser überraschenden Entwicklung geradezu prophetisch an.

Wie das vom Reprodukt-Verlag betriebene PR-Blog namens Graphic Novels (was auch sonst?) an eben jenem Freitag also mitteilt, haben sich die Häuser Avant-Verlag, Edition Moderne, Edition 52, Cross Cult, Schreiber & Leser und natürlich Reprodukt auf einen schicken Aufkleber geeinigt, der die von ihnen feilgebotenen "Graphic Novels" künftig als solche kennzeichnen soll. Immerhin: "Der Carlsen Verlag macht es schon eine ganze Weile".

Sammler, dies gleich vorweg, dürfen beruhigt sein, denn aus rein materieller Sicht sind keine bleibenden Schäden zu erwarten. "Der Sticker lässt sich einfach und ohne lästige Kleberückstände von der Buchoberfläche trennen", wird versichert. Puh, Glück gehabt.

Darüberhinaus bleibt wohl abzuwarten, wie sich das mit den lästigen Kleberückständen dann auf dem deutschsprachigen Comicmarkt verhalten wird. Der Kommentar, die Verwendung des Etiketts bedeute ja nicht, "dass der Begriff 'Comic' weniger geschätzt" werde, kommt zum Beispiel schon etwas scheinheilig daher; wenn's sich bei der Etikettierung nicht um eine Qualitätsmarke handelt, die die "Graphic Novel" vom "herkömmlichen" Comic oder Manga abgrenzen soll, worum denn dann bitte sonst?

Die Sorge, dass derartige bewusste oder unbewusste Bestrebungen Erfolg haben könnten, die ja unter anderem auch von den Comicforschern Kronthaler und Sackmann auf dem diesjährigen Comicfestival geäußert wurde, teile ich nach wie vor nicht. Selbst wenn alle Verlage mit vereinten Kräften und sehenden Auges diesbezüglich an einem Strang ziehen würden, wozu es nicht kommen wird: Sie täten's nicht schaffen. Es wird nämlich schon jetzt auf der ganzen Welt viel zu viel Ramsch produziert und als "Graphic Novel" verkauft.

Der Gedanke einer bleibenden Abwertung des guten alten "Comics" scheint in der Realität schon rein deshalb eher abwegig, weil es - natürlich - die beteiligten Verlage selbst sein werden, die, jeweils im Einzelfall und jeder für sich, darüber entscheiden werden, welche Werke sie mit dem Etikett bewerben wollen. Wie sollte es auch anders funktionieren?

"Die Verlage wollen den Aufkleber auch nur auf die Titel kleben, die als Graphic Novel bezeichnet werden können", antwortet Blog-Redakteur und Reprodukt-Mitarbeiter Christian Maiwald auf einen skeptischen Kommentar. Der Satz ist natürlich ohne Zweifel wahr. Natürlich "wollen" die Verlage das so handhaben, denn es liegt ja vor allem in ihrem Interesse, den Begriff "Graphic Novel" möglichst lange als für das Publikum attraktives Gütesiegel zu bewahren.

Dass die Aufkleber aber tatsächlich garantiert und zu hundert Prozent nur auf Comics landen werden, "die als Graphic Novel bezeichnet werden können", wird mit dieser Willensbekundung allerdings wenig zu tun haben. Vielmehr wird das daran liegen, dass zurzeit jeder Comic irgendwo als Graphic Novel bezeichnet werden kann - und wird, wie sich anhand einer schnellen Internet-Suche leicht nachprüfen lässt. Einigkeit darüber, was eine "Graphic Novel" letztlich ausmacht, gibt es nach wie vor nicht.

Eine "Graphic Novel", das ist momentan ganz einfach genau das, was von Verlagen, Künstlern, Lesern, Händlern, Journalisten, Forschern, Sammlern, usw., als solche bezeichnet wird, und nichts anderes. Dass die Verlage diesen Prozess nun durch eine gemeinsame Initiative stärker beeinflussen wollen, ändert daran zunächst einmal nichts. Es ist eben nicht mehr als ein Aufkleber, und man macht sich Illusionen, wenn man sich diese Tatsache nicht zunächst einmal eingesteht, sozusagen als Basis jeden weiteren Handelns.

Kurzfristig kann das alles den Verlagen natürlich egal sein. Wenn der Begriff als Marketing-Maßnahme funktioniert und eine einheitliche Kennzeichnung den Comic in Otto-Normal-Buchhandlungen voranbringt, was ja durchaus möglich ist, dann liegt das sicher im Sinne des Erfinders, und zurecht.

Aber für einen mittel- und langfristigen Erfolg - auch und vor allem den kommerziellen - wird es wichtig sein, präzisere, besser definierte und mehrheitlich tragfähigere Begriffe und Kategorien zu finden.

Das wird schon deutlich, wenn man sich nur auf die in der Pressemeldung genannten Autoren beschränkt. Sind die Autobiographien und Reportagen von Satrapi, Sacco oder Delisle tatsächlich Comic-"Romane"? Wie sieht es mit den oft zunächst in serieller Form erschienen Arbeiten von Moore oder Miller aus? Oder den gesammelten Strips von Joe Matt? Oder müsste man hier nicht konsequenterweise ein Interesse daran haben, Begriffe wie etwa "Nonfiction Comics" und "Comic-Strip Collections" (oder, ganz altdeutsch, "Sachcomics" und "Sammelbände") zu etablieren?

Aber womöglich haben die beteiligten Verlage all das ja schon berücksichtigt, intensive Gespräche geführt, sich auf eine nachhaltig sinnvolle und differenzierte Anwendung des Klebeteilchens verständigt und eine langfristige und durchdachte Vermarktungsstrategie in petto, deren ersten kleinen Schritt wir soeben miterleben durften.

Den ersten passenden Aufkleber zu all dem hätten wir jetzt jedenfalls schon mal.

(Noch ein Programmhinweis auf weiterführende Beiträge zur Diskussion: Vor kurzem ging das erste Comickabinett online, passenderweise mit dem Thema "Comics und Literatur". Comicgate-Mitarbeiter Daniel Wüllner hat die Sendung gehört und bespricht sie hier.)

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posted by Marc-Oliver um 23:01 | Permalink


07.07.2009

Mut zur Lücke 001: September 2009
(Die monatliche US-Comic-Vorschau)

Der Direktmarkt. Unendliche Weiten.

Drüben über'n Teich rüber gibt's ein System, das stammt noch aus den Siebzigern, wo das sogar mal Sinn machte damals, ist aber heute total kompliziert, und benachteiligt ja auch vor allem die Fachhändler mit seinem Ausschluss jeglicher Rückgabe, doch was kann man schon tun, wenn man sichergehen will, dass man seine US-Comics dann auch wirklich bekommt, aus diesem dicken Wälzer von Katalog jeden Monat, den man anfangs vielleicht sogar noch aufhebt, damit dann am Ende, wenn man im Laden steht, nix aus ist.

Dann muss man sie halt vorbestell'n.

Dies ist die neue Kolumne für Vorbesteller ...


--
BART SIMPSON'S TREEHOUSE OF HORROR #15
Bongo Comics, Heft, $ 4.99

Sammy Harkham, der Redakteur dieser Ausgabe des Simpson'schen Horror-Baumhauses, gibt ansonsten vor allem die Indie-Comic-Reihe Kramers Ergot heraus, weshalb dieses nun im September erscheinende Exponat in Fachkreisen auch liebevoll als "Kramers Ergot 7.5", "Bart Simpson's Ergot" oder "Kramers Treehouse of Horror" bezeichnet wird.

Ihr wollt Kaufargumente?

Hmm ... Sollte jemand wissen, wo's sonst noch einen Comic gibt, der zum Preis von unter fünf Euro mit Sammy Harkham, Kevin Huizenga, Matthew Thurber, C.F., Jordan Crane, Jeffrey Brown, Tim Hensley, Ted May, John Kerschbaum, Will Sweeney, Jon Vermilyea, Dan Zettwoch und Ben Jones aufwarten kann, dann fällt mir sicher noch eins ein.

--
CRIMINAL: THE SINNERS #1
Marvel/Icon, Heft, $ 3.50

Im Hause Brubaker weht dieses Jahr ein anderer Wind. Weder Uncanny X-Men noch Daredevil schreibt der Autor aus Seattle noch für Marvel, und auch Brubakers mehrfach ausgezeichnete Arbeit in Captain America scheint ihrem natürlichen Ende nahe. Umso erfreulicher, dass Ed Brubaker im September zusammen mit Zeichner Sean Phillips wieder den fliegenden Wechsel von Incognito zu Criminal vollzieht.

Die ohne Superkräfte oder ähnlichen Schnickschnack auskommende Reihe, in der das Dream-Team der US-amerikanischen Mainstream-Comics ganz abseits des Marvel-Universums seine Mord-und-Totschlag-Geschichten erzählt, bleibt das mit Abstand beste, was beide Herrschaften seit Sleeper abgeliefert haben: ein packender, handwerklich überragend umgesetzter Comic mit faszinierenden Figuren.

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STRANGE TALES #1 von 3
Marvel/Max, Heft, $ 4.99

Die zweite Indie-Comic-Wundertüte im September stammt von Marvel und ist schon seit Jahren in der Mache. Die Redakteure John Barber und Jody LeHeup haben auf 48 Seiten unter anderem Paul Pope, Molly Crabapple, John Leavitt, Junko Mizuno, Dash Shaw, James Kochalka, Johnny Ryan, Michael Kupperman, Nick Bertozzi, Nicholas Gurewich und Jason versammelt.

Und das beste: Über die drei Ausgaben der Serie verteilt kommt endlich auch "Der Unverbesserliche Hulk" von Peter Bagge zur Veröffentlichung. Die ursprünglich als Einzelheft geplante Geschichte sollte bereits im Jahr 2002 als Nachfolger von Bagges The Megalomaniacal Spider-Man erscheinen, doch dann machte Marvel einen Rückzieher und legte das Material auf Eis.

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SWEET TOOTH #1
DC Comics/Vertigo, Heft, $ 1.00

Wer im Englischen dem Sprichwort nach einen "süßen Zahn" hat, den würde man auf Deutsch etwa als "Naschkatze" bezeichnen - und tatsächlich nascht Gus, der Held der neuen Vertigo-Serie Sweet Tooth, auf dem Titelbild einen Schokoriegel.

Was einem zunächst an Gus auffällt, ist aber natürlich sein Geweih. Woher kommt's? Nun, Gus ist wohl einer der ersten Vertreter einer neuen Rasse von Mensch/Tier-Hybriden, die sich nach einer "unerklärlichen Pandemie" als "resistent gegen die Infektion" erwiesen hat. Und darüber hinaus ist er wohl auch so eine Art Kaspar Hauser, denn er ist "in völliger Isolation" aufgewachsen.

Der Werbetext klingt reichlich abgespult und macht neugierig. Autor und Zeichner Jeff Lemire scheint wohl vor allem daran gelegen, was Neues zu machen. Zum freundlichen Einstiegspreis von einem Dollar lasse ich mich dann gerne als Versuchskaninchen abschleppen.

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UNDERGROUND #1 von 4
Image Comics, Heft, $ 3.50

Der Vierteiler von Autor Jeff Parker (der von The Interman und Agents of Atlas) und Zeichner Steve Lieber (der von Whiteout und Gotham Central) verspricht, ein grandioser Action-Thriller der klaustrophobischen Machart zu werden.

Es geht um eine Park-Rangerin in Kentucky, die von ihren Eltern mit dem Vornamen "Wesley" bestraft wurde und vielleicht auch deshalb einen Hang zum Extremsport entwickelt hat: Sie ist nämlich begeisterte Höhlenklettererin. Als gierige Menschen eine Höhle in Wesleys Park zur Touristenattraktion machen wollen, überhitzen sich die Gemüter, es kommt zu einem lauten Knall und die Ereignisse überschlagen sich.

Auf der Website zum Comic gibt's die komplette erste Ausgabe als PDF-Datei in Schwarzweiß zum Probelesen. Die käuflich zu erwerbende Print-Version kommt dann in Farbe. Und treue Leser des Comicgate-Magazins können außerdem in der soeben in München preisgekrönten Nr. 3 nachblättern, denn dort findet sich Steve Liebers siebenseitige Ur-Version der Geschichte. (Wer das Heft noch haben will, muss sich allerdings sputen, denn viele Exemplare sind nicht mehr übrig. Zum Bestellformular geht's hier lang.)

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KURZ & KLEIN

Beasts of Burden #1 von 4: Tierische Gruselkomödie mit Hunden und Katzen, von Evan Dorkin und Jill Thompson. Wird sicher witzig, aber vielleicht lohnt es sich, auf den Sammelband zu warten. Wwwuff. (Dark Horse Comics)

The Brave and the Bold #27: Autor J. Michael Straczynski tritt an, um der absatztechnisch auf verlorenem Posten stehenden Serie neue Impulse zu geben ... mit Batman und ... Wähle H für Held ... tüüüt ... kein Anschluß unter dieser Nummer ... des Grauens!!! MUHAHAHAHA!!! (DC Comics)

High Moon, Vol. 1 (Paperback): Cowboys, Kopfgeldjäger und Werwölfe im Wilden Westen. Der Zuda-Webcomic von David Gallaher und Steve Ellis kommt zu Print-Ehren. Heulen und Zähneknirschen sind garantiert - spätestens wenn man nach der Lektüre dieses Bandes versucht, auf der Zuda-Website zum nächsten Kapitel zu navigieren. (DC Comics/Zuda Comics)

M.O.D.O.K.: Reign Delay (Sonderheft): Der M.O.D.O.K. ist genervt, denn die Umstände zwingen ihn, wieder bei seinen Eltern einziehen. Das Sonderheft von Ryan Dunlavey (Action Philosophers) verspricht ganz großes Kino, da sag' ich jetzt sonst überhaupt nix mehr dazu. (Marvel)

Shang-Chi: Master of Kung-Fu (Sonderheft): Eine Werbebotschaft, wie man sie sich selbst nach einer Überdosis abgelaufener Schnapspralinen nicht hätte erträumen können: "Deadpool gegen Shang-Chi, den unangefochtenen Meister des Kung-Fu ... in einem Kung-Fu-Motorradrennen!" Und zwar in Schwarzweiß, Schweinebacke! (Marvel)

Spider-Man: The Clone Saga #1 von 6: Wie wäre die Klon-Saga verlaufen, wenn die damaligen Autoren freie Hand gehabt hätten? Was wäre, wenn Tom DeFalco einen Vertrag auf Lebenszeit mit Marvel hätte, der ihm Aufträge zusicherte? Und was macht eigentlich Howard Mackie so? ... Hallo? ... Hallo? (Marvel)

Spider-Woman #1: Die Serie von Brian Michael Bendis und Alex Maleev wird immer gerne mal wieder angekündigt, um dann von irgendeinem anderen, wichtigeren Projekt verdrängt zu werden. Es ist das Chinese Democracy der Superheldencomics. (Marvel)

Star Trek: Romulans - Schism #1: John Byrne, auch bekannt als Früher-war-der-aber-besser-Byrne, ist doch irgendwie auch so ein Netzpionier. Schon seit Jahren fällt er eher mit peinlichen Kommentaren im Internet auf als mit neuen Comics - aber er macht noch welche, auch wenn's meistens keiner merkt. (IDW Publishing)

Superman: Secret Origin #1 von 6: Ja mei, was draufsteht, halt. Geoff Johns und Gary Frank verpassen der Figur eine neue Eisprungsgeschichte, Verzeihung, Ursprungsgeschichte. Spannend vor allem, ob das jetzt noch "post-Crisis" oder schon wieder "pre-Countdown" stattfindet, und ob der Superboy von "Earth-12" jetzt nach der außergerichtlichen Einigung wieder bei seinem Namen genannt werden darf. Wir empfehlen daher: strikte Geheimhaltung. (DC Comics)

Thor Annual #1: Thor hatte mal 'nen Hammer, den schwang er immer strammer ... äh. Noch so ein Thor-Sonderheft vom irischen Exzentriker Peter Milligan, wollte ich sagen. Keine Ahnung warum und wieso, aber - wie schon Helmut Kohl wusste - 'nem geschenkte Gaul schaut ma' net ins Maul. (Marvel)

Ultimate Comics: Armor Wars #1 von 4: Auch nach dem Neustart der kommerziell gestrandeten Ultimate-Serien hält Marvel an seiner Strategie fest: Wenn wir's auf den Markt schmeißen, wird's schon einer kaufen. Warren Ellis ist nichts vorzuwerfen, der braucht das Geld für Zigaretten und Red Bull. (Marvel)

Die Meinung des Autors spiegelt nicht den Text wider. Alle Rechte sind frei erfunden. Nachdruck nur schriftlich.

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posted by Marc-Oliver um 16:30 | Permalink


02.07.2009

Independent-Comics - woher nehmen?
(Einkaufstipps)

Wer sich für die deutsche Independent-Szene oder Publikationen von Kleinstverlegern interessiert, der hat mitunter arge Probleme, sich überhaupt einen Überblick verschaffen zu können und an diese Comics zu kommen.

Abhilfe schafft da nun der frisch wiedereröffnete ICOM Independent-Comic-Shop, der nach einigen Jahren Sendepause unter neuer Leitung von Comic-Veteran Ilsemann wieder an den Start gegangen ist. Durch die Übernahme des alten Inventars und der Aufnahme aktueller Publikationen bekommt man hier sehr viel, was das Underground-Herz höher schlagen lässt (selbst verlagsvergriffene Comics) - und vielleicht bald noch mehr! Eine Erweiterung des Sortiments ist bereits im Gespräch.

Eine in dem Zusammenhang andere wichtige Adresse ist der Freibeuter-Shop, der schon seit einigen Jahren kontinuierlich kleinere Comic-Produktionen im Sortiment hat.

posted by Frauke um 23:05 | Permalink