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Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.

26.11.2003

Iä! Iä! Cthulhu Fhtagn
(Lovecraftesquer Webcomic)

Unspeakable Vault (of Doom). Bloß weil er hier süß, lustig und niedlich ist heißt das nicht, dass er uns nicht trotzdem alle vernichten wird.

Allen die mit den Witzen nun wirklich gar nichts anfangen können empfehle ich das Ganze mal auszucthuuglen. Oder sich direkt die Primärwerke zulegen. Wenn der Herr Lovecraft nicht gerade endlos Adverbien aneinanderreiht sind dessen Geschichten wirklich ausgezeichnet. Anschließend dann "Shoggoth's Old Peculiar" aus Neil Gaimans "Smoke and Mirrors" lesen und gar nicht mehr rauskommen aus dem Schmunzeln.

Und solange in seltsamen Äonen der Tod noch nicht gestorben ist kann man nächstes Jahr auch die "Anyone but Bush"-Fraktion in den USA unterstützen und sich einmal mehr für seine Kandidatur zum US-Präsidenten einsetzen.

Immerhin: Why settle for the lesser evil?

posted by Björn um 22:20 | Permalink


16.11.2003

Comic-Action 2003 - Erlebnis mit Folgen
(Comic)

Teil 4 (Start am 07.11.2003)

Und dann die Comic-Action. Ehrlich gesagt hatte ich keine grosse Lust nach Essen zu fahren. Umzug, "Monsters of Comic"-Tour, der privat sehr nervenaufreibende Sommer, die Buchmesse - ich hatte für dieses Jahr schon genug Programm gehabt. Essen war 1999 die erste grosse Comicmesse für mich, ausserdem wurde 2000 in Essen die erste geschichte meiner Comicfigur veröffentlicht. Leider hat die Messe trotz allem seit '99 ständig an Attraktivität verloren. Gestartet mit allen Verlagen die Deutschland so zu bieten hat, waren für dieses Jahr gerade noch Panini, Speed, Salleck, IPP, Zwerchfell und wenn man so will der halbe Verlag MG Publishing angekündigt. Schon auf dem Papier ein Armutszeugnis.

Die Argumentation die mich überzeugte zu kommen war einfach - desto weniger Konkurrenz, desto mehr Chancen für Zwerchfell an Publikum ran zu kommen. Da konnte ich auch nicht mehr Nein sagen, auch wenn mein Comic, gelinde gesagt, schon etwas älter ist.

Positiv war, dass sich die Verlage die sich das leisten konnten wirklich ins Zeug gelegt haben, um ausländische Comicstars nach Essen zu holen. Insofern konnte sich niemand beschweren. Von der Lage verbesserte sich nicht wirklich etwas. Man war von der absoluten Scheisshalle etwas meht nach vorne gerückt, aber immer noch eher am kaum wahrnehmbaren Rand der Messe positioniert. Eine wirkliche Abgrenzung der Action von der Spiel gibt es weiterhin nicht und so tappte auch dieses mal der geneigte Spieleinteressierte eher zufällig in die Comic-Ecke, mehr war's ja nicht wenn man ehrlich ist.

Man hat es sicher schon gehört, die Wirtschaft liegt brach, die Menschen halten ihre Geld fest und der grösste Comicvertrieb Modern Graphics reagiert darauf. Die Kisten aus denen die Comics für die Auslage entnommen wurden, waren mit Schildern versehen auf denen stand "Essen-Ramsch". Einige Händler dürften darauf eher verschnupft reagiert haben, denn die Comics die hier verramscht wurden, hatten sie kurz zuvor noch zum üblichen Händlerpreis bestellt, der zum Teil höher war als der nun angegebene Endkundenpreis, sagte man mir.

Die grosse Neuerung für mich und die Zwerchfell-Crew war, dass wir dieses mal eine Ferienwohnung unweit des Messegeländes zur Verfügung hatten. Natürlich stellte sich erst am letzten Messetag heraus das die Comicforum-Crew direkt über uns gemietet hatte. Murphys Law. Als Bernd Glasstetter Sonntags etwas kleinlaut fragte ob uns der Lärm in der Nacht gestört hätte, konnte ich verneinen, wir waren selbst so laut, da war niemand zu hören.

Nächste Woche geht's weiter mit den echten Messererlebnissen

posted by Sascha um 21:23 | Permalink


14.11.2003

Respekt
(noch mehr Epic)

Man kommt kaum noch hinterher, so schnell dreht sich das Verlege-Karussell bei EPIC. Nach dem man die vierteilige Anthologie angekündigt hat meldet Journalista jetzt, dass Mike Sangiacomo von Marvel die Erlaubnis erhalten hat sein Projekt "Phantom Jack" zu nehmen und bei Image zu veröffentlichen, weil die (sehr optimistisches Plural) Quarterlies keine Art wären den Comic gebührend zu veröffentlichen.
Zugegeben, das ist es was Creator Ownership bedeuten sollte und alles in allem erscheint mir das wie ein sehr fairer Zug, der einen Teil meiner Kritik aus dem unten stehenden WAD-Eintrag relativiert. Ausnahmsweise auch keine nachgesetzten Verschwörungstheorien warum das Evil Empire sich hierzu entschlossen hat...

Ich bin mal gespannt wie sich das auf die Stories der anderen drei Leute auswirken wird, die in dem Quarterly veröffentlicht werden sollen. Vielleicht hat man bei Marvel ja wirklich mal was aus seinem Verhalten gelernt. Wäre schön wenn dem so wäre und Marvel den Kurs jetzt auch beibehielte...

posted by Björn um 19:44 | Permalink


11.11.2003

Ding, Dong... die Hex' ist tot
(Epic, mal wieder)

Im schlimmsten Falle klinge ich jetzt rechthaberisch. Das will ich aber nicht. Ich will mich jetzt nicht mit einem ich hab's ja gesagt aufspielen. Auch andere (wie Dirk Deppey oder Micah Wright) haben's kommen sehen. Und ich bin mir sicher, sie wären ebenso gerne widerlegt worden wie ich. Es wäre schön gewesen wenn die EPIC-Kritiker sich geirrt hätten und aus dem Chaos wirklich etwas Gutes erwächst, wie das nicht wenige geglaubt haben.

Diese Seifenblase ist jetzt wohl endgültig geplatzt.
Wie man bei Newsarama lesen kann wird das EPIC-Konzept umgebaut. Wieder mal. Jetzt im Zuge der großen "Tearing down the house"-Aktionswochen, die dem unehrenhaften Abtritt Bill Jemas folgen. Statt den von Jemas erträumten 60 Heften werden jetzt vier (vier!) Stories in ein Quarterly gepresst und falls sich das gut verkauft kommt höchstwahrscheinlich ein zweites Quarterly raus. Vielleicht, zumindest. Eventuell. Wenn es sich nicht verhindern lässt. Wobei... wohl doch eher nicht.

Das ist er also, der große Erfolg von EPIC... neues Talent in die Branche holen, neue Leser anlocken, nie geahnte kreative Freiheiten und eine im Comicgeschäft bis dato unbekannte Fairness den Kreativen gegenüber. Vielleicht hätte man "Weltfrieden" auch noch in die Liste aufnehmen sollen, aber ich will ja nicht lästern. Resultat des Experiments: ein Iron-Man-Spinoff, ein Comic von dem bis dato gänzlich unbekannten Branchenneuling Mark Millar, und "Gun Theory". Drei Hefte. Wieder mal trifft es in erster Linie die Leute die es am wenigsten verdient haben, die die wirklich Hoffnung in das Projekt gesetzt haben und viel Zeit und Mühen investierten. Denen, deren Stories in dem Quaterly veröffentlicht werden, wurde gesagt, sie sollten erstmal nicht an einer zweiten Ausgabe arbeiten... obwohl es eigentlich bei den Epic-Richtlinien ausdrücklich gewünscht wurde, dass man wenn man sich schon bewirbt ein Konzept hat, eine ganze Ausgabe mitschickt und schonmal Auszüge für eine zweite Ausgabe vorlegen kann. Nur wird man wohl nicht bloss an diesen paar Auszügen gearbeitet haben. Robert Worley, dessen "Young Ancient One #1" sich in dem Quaterly finden lassen wird dazu:

The news came as a shock and disappointment. A shock, because I had been assured just weeks earlier that the three-issue series would be published as promised. A disappointment, because the chances of the anthology succeeding seem miniscule.

Soviel zum Respekt gegenüber jungen Talenten, der sich laut Heidi McDonald auf "The Pulse" auch darin äußert, dass man den Einsendern denen man Absagen erteilte Briefe schickte die vorgedruckt waren (was ja noch verständlich ist) und mit "Lieber Marvel-Fan" begannen... das Ganze ist aber alles mehr oder minder inoffiziell, da ja eines der schönsten Formalia in Bezug auf Epic-Verträge der §7 war, der verbietet Details über EPIC, den Umgang von Marvel und so weiter zu verbreiten. Ist vielleicht auch besser so.

Grundlegend fällt EPIC also unter Aktenzeichen WOMBAT. Waste of money, brains and time. Das alles wäre nur halb so schlimm wenn Hoffnung bestünde, dass irgendjemand irgendetwas daraus gelernt hat, aber ich sehe schon die nächste Generation von Comicfans fröhlich in die Faust laufen und sich eine blutige Nase holen, denn insgesamt überwiegt im Fandom momentan die postitive Reaktion darauf, dass der evil, galactic emperor Darth Jemas seinen Schreibtisch hat räumen müssen (so dass Luke Quesada nun Marvel endlich retten kann) und das Mark Waid, auch wenn's schon wieder lange her ist, bei den Fantastic Four wieder eingestellt wurde.

Letzteres wurde als Sieg des Fandoms gegen eine indifferente Firma gesehen, die sich von den Werten verabschiedet hat, die sie unter Stan, the Man eigentlich auch nie hatte. Der Fakt ist einfach, dass Marvel ein Unternehmen ist. Kein Vorwurf. DC ist eines. Image. CrossGen. Und als Unternehmen gilt es Geld zu verdienen, da wird Marktwirtschaftlichkeit zwangsläufig über kreative Interessen gestellt. Das muss man sehen und das muss man verstehen. Eine der Stärken von DC und Marvel (und im geringeren Maße auch von Image) ist es, dass die Fans sich ihrem Unternehmen gegenüber oft verhalten, wie ihrem Lieblingsbundesligaverein gegenüber.
Ja, es ist nicht alles gut. Aber zumindest ist es nicht DC...
Kritik am eigenen Verein gilt stellenweise fast schon als Sakrileg.

Davon muss man weg, da muss man pragmatischer an die Sache herangehen. Wenn man die Marvelsachen mag, dann ist das fein, aber es sollte einen nicht davon abhalten das Unternehmen für Griffe ins Klo zu kritisieren. Nochmal zu Waid... da wurde gejammert, dass ein Autor einfach aus seiner Serie gerissen wurde, dass das unfair sei, nicht ginge, WFH vielleicht doch nicht optimal sei und was man tun könne um Waid zu helfen. Das Resultat ist, dass Waid wieder bei Marvel schreibt. Glückwunsch, aber warum da aufhören?

Waid hat das Glück ein prominenter Autor zu sein, dasselbe passiert aber mit schöner Regelmässigkeit auch anderen Autoren, für die solche Schritte finanziell ganz schlecht enden können. Bloss weil Waid wieder FF schreibt ist das grundlegende Problem wie man seine Angestellten behandelt und die Frage nach der Fairness von WFH-Verträgen nicht geklärt.

Für Waid war man bereit zu kämpfen, warum nicht diesen Kampfgeist weiter benutzen? Wenn das Unternehmen nicht zuhören will, dann sollte man es zwingen. Wenn man mit etwas Unzufrieden ist, dann sollte man-- auch als deutscher Fan-- dem Unternehmen einen höflichen, aber bestimmten Brief (Elektro - oder Schneckenpost) schicken und seine Meinung kundtun. Man sollte Künstler oder Gruppen die sich für mehr Fairness im Business einsetzen unterstützen.Man sollte das Internet nutzen und sich organisieren. Man könnte etwa Marvel klar machen, dass man das Vorgehen im Falle von "EPIC" oder generell die WFH-Situation nicht fair findet und dann einen Boykott starten. Gilt auch für die anderen Verlage.

Man muss ja nicht gleich sagen: "Nie wieder Marvel.", aber man kann sich im Internet organisieren (indem man etwa Journalista, newsarama und Lying in the Gutters einbindet) und dann klar stellen: "Wir sind gegen WFH/das generelle Verhalten/Peter Parkers Unterwäsche und aus diesem Grund kaufen wir diese Woche das neue "Fantastic Four"-Heft nicht (da würd's thematisch zum WFH passen)." Im Gegenzug kann man sich mal das Indie-Heft kaufen mit dem man schon lange liebäugelte, wo man sich aber bisher noch nicht so recht traute zu zu greifen.
Zuletzt sind die Verlage nämlich, Filme und Merch hin, immer noch auf die Leser angewiesen und wenn die mal nicht zugreifen, dann tut das weh. Das hat nichts damit zu tun, dass man sein Unternehmen schädigt, sondern dass man sich dafür einsetzt, dass es besser wird.

Zumindest einen Sieger gibt es... Mark Alessi, denn solange man Siege gegen Jemas feiert und Marvel viel weißes Rauschen produziert fällt es kaum auf, welche Schweinereien CrossGen momentan mit seinen Kreativen abzieht. Aber das ist ein anderes Thema...

Aber auch bei CrossGen sollte einen das Fansein, das Image der Firma als "anders, jung und offen" nicht davon abhalten klar zu stellen, dass das was da abläuft nicht im Namen der Fans ist. Es ist ja nicht so, dass man viel zu verlieren hat... aber wer die Zähne nicht auseinanderkriegt, der darf sich auch nicht wundern, wenn die Dinge nicht so laufen wie er sich das wünscht.

In der Kurzform: wer im Bordell schläft, der darf sich auch nicht beschweren wenn er ordentlich gef**kt wird.

posted by Björn um 19:29 | Permalink


Berlin, Berlin, Berlin
(Comic)

Teil 3 (Start am 07.11.2003)

Entschuldigung für die Verspätung. Sonntag ist eine Festplatte endgültig abgeraucht (meine Erste in 6 Jahren), da war Montag erstmal installieren, installieren, installieren angesagt.

Ich überblicke es nicht so ganz, aber scheinbar hatte eine Castingagentur Rainer F. Engel (Inkplosion) gefragt ob er nicht Komparsen aus der Comicszene für die TV-Serie "Berlin, Berlin" auftreiben könne (es geht um das junge Mädchen Lolle, das nach Berlin zieht um Comiczeichnerin zu werden). So machte die Nachricht die Runde und da wir gerade nichts besseres zu tun hatten, sind meine Freundin und ich (Sie war früher mal Webmaster bei Inkferno und dann eine zeitlang bei Inkplosion) dahin gelatscht. Zei Tage später kam der Anruf, das wir mitmachen dürfen.

Nun ist das so ne Sache. Kollege Christopher "Piwi" Tauber (Jackpot Baby, Popcomics - Comicinterviews) schreibt gerade einen Artikel darüber: Comiczeichner in Film und Fernsehen sind eine beliebte Sache. Wobei man sich dabei nicht wirklich mit der Szene oder gar dem Medium auseinandersetzen will. Nein, Comickünstler treten in solchen Filmen eher als Mittel zum Zweck auf. Einerseits ist es ein "total abgefahrener" Beruf in den Augen der meisten, andererseits bietet der Comic, das zeichnerische, das bildhafte daran, genug Ansätze um ihn in eine Filmstory einweben zu können. So sind in Disneys "Condorman" (mein Favorit) alle Abenteuer wahr, die gezeichnet werden und in einem anderen Film hat ein Zeichner Alpträume und wirft diese aufs Papier, wobei es natürlich mehr um die Alpträume geht etc. pp.

So auch "Berlin, Berlin". Comics sind hier der MacGuffin, wie Hitchcock es sagen würde. Vordergründig geht es um Comic, eigentlich ist es aber nur ein Ding welches man für die eigentliche Story braucht. Lolles grösster Wunsch könnte es auch sein Kanalisationsarbeiterin zu werden, die Serie würde sich nur wenig verändern.

In der Folge in der wir echten Comiczeichner mitspielen sollten, ging es um eine Comic Convention. Comic Convention im Sinne der Drehbuch-Autoren d.h. sie findet in einem Comicshop statt, es gibt einen mit Drogen versetzten Punsch (allerdings um Lolle weiter zu helfen) und es wird getanzt. Comic-Verkäufer, Signierstunden - für den Arsch. Wer braucht das schon auf so 'ner richtigen Comic Convention. Ich sage zu sowas immer: Wie Punks im Tatort. Authenzitität ist nicht gefragt, es muss nur so aussehen als ob. Hinzu kommt das Joe Sixpack den Unterschied eh nicht kennt.

Als getreuer Z-Agent packt man natürlich alles ein was man gebrauchen könnte. T-Shirts, Comics, meine Kosmopolitflagge. Leider war der Raum schon dekoriert, die Ausstatterin erlaubte mir noch einiges Zeug auszulegen, war aber auch irrelevant. Der Drehort war bepflastert mit Comics, Comicpostern und was weiss ich noch alles. Ein paar die kleinen Mutterficker-Hefte konnte ich in Nähe der grün leuchtenden Bowle platzieren. Sowieso wusste ich vorher ja nicht wo genau gedreht werden würde.

Letzte Chance also um das Z ins Bild zu rücken: lebende Litfaßsäule spielen. Ich im Zwerchfell-T-shirt, meine Freundin mit dem Kosmopolit auf dem Stoff. Es kam jetzt auf die Einteilung an. Pures Glück war es das ich keinen Comiczeichener spielen musste, das durte dann Rainer F. Engel machen. Ein undankbarer Job. Die Kamera schaute meist woanders hin und Rainer zeichnete sich die Finger wund. Ich hatte Glück und durfte so ziemlich zwischen Tanzfläche und Stehraum stehen und musste mit einem Comic-Kollegen geräuschlose Unterhaltungen führen. Das ist schwerer als man denkt, denn man fällt sich meist gegenseitig ins nicht vorhandene Wort. Ansonsten ist nicht viel drin, nach 20 Minuten verfielen wir beide in abwechselndes Schulterzucken und Kopfschütteln. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch unsere Identität längst verloren und waren nur noch "die Komparserie".

Wer noch nie bei Dreharbeiten war, dem sei gesagt, das es wirklich eine Teamarbeit is. Eine Szene muss ausgeleuchtet werden, dazwischen laufen Leute und pudern, verteilen Getränke, die Kamera wird aufgestellt etc. das alles beansprucht viel Zeit. In dieser Zeit sitzt man eben rum, oder wenn man bei der "Komparserie" ist, sitzt man draussen in einem alten, beheizten Doppeldeckerbus und wartet auf seinen Einsatz oder nicht. Das geht dann den ganzen Tag so.

Erstaunt hat mich eigentlich nur wie unprofessionell die Schauspieler waren. Also die drei Sätze die der Bowlenmischer stammeln musste, konnt sogar ich irgendwann auswendig.

Es gab wie gesagt zwei Gruppen, die Stehgruppe und die Tanzgruppe, ich war einer von den Zweien die dazwischen steckten und hatte somit recht wenig zu tun. Meine Freundin war widerwillig in die Tanzgruppe gerutscht und bis zum Schluß aktiv, was auch sehr tricky war. Am Anfang musste man ohne Musik tanzen. Bei Discoszenen wird ohne Ton gedreht, wenn die Darsteller Diaolge führen, sonst kommt man mit der Tonmischung später nicht klar. Wenn nur getanzt wird, gibt es endlich Musik. Die Aufgabe war also, zu erraten was später für Musik abgespielt werden würde. Natürlich tippte jeder falsch.

Soweit ich weiss war es eine Folge für die neue Staffel und wird im Frühjahr gesendet. Wenn ihr einen älteren Herren seht, der kurz mal weg geht um rumzufragen ob 1000 Euro ein übliches Honorar (ha ha) sind, dann bin ich einer derjenigen der ihm das sagt.

Die coole Braut die im schwarzen Kosmopolit-T-Shirt im Hintergund tanzt ist übrigens meine Freundin.

So long. Wennich das nächste mal Zeit finde berichte ich über die Comic-Action. Diese Woche passierts noch.

posted by Sascha um 16:44 | Permalink


07.11.2003

2.Teil Venus Berlin/Schwarzer Turm Messebericht
(Comic)

Teil 2 (Start am 07.11.2003)

Samstags ging die Messe von 12 bis 22 Uhr und das ist bei den beschriebenen Verhältnissen ziemlich hart. Am Ende ist man platt wie ein Pfannkuchen und will wirklich keine 1,55 m grossen Frauen mehr sehen, die nach vorne ebenfalls fast 1,55 m messen, sondern nur noch heim und die Ruhe geniessen.

Kommen wir zum Verkauf. Naiv waren wir wohl alle. Räumt der Turm doch ganz gut ab auf den Comicmessen, war man hier unter seinesgleichen und da sind Comics ganz, ganz schnell wieder das, als was sie von vielen Deutschen wahrgenommen werden: wertloser Kinderkram. Die meisten die kurz anhielten haben die Comics nicht mal mit dem Arsch angeguckt. Und wenn, dann dachten sie es wären Umsonst-Prospekte. Porno-Konsumenten muss man das alles mit Comics und Kunst und so glaube ich nochmal erklären. Sie erkennen sicherlich den Wert eines Pinups mit vollgewixtem Arsch (Entschuldigung für die Sprache) - aber Comics? Na ja, jedenfalls ist es tatsächlich ominös mit Kunden auf der Venus zu sprechen, die sich da voll auskennen und mit einem Expertengespräche führen wollen. Zugegeben ich hab eigentlich fast immer die Pornotions im Splatting Image (Zeitschrift für den unterschlagenen Film) gelesen, aber um da mitzuhalten reicht das nicht aus. Eigentlich sind es dieselben Gespräche, wie wenn man Comicfans trifft, aber es geht eben nicht um Neal Adams sondern um Theresa Orlowski zu ihren besten Zeiten.

Kuriose Kommentare gab's ebenfalls. Auf Alraune steht "Nur für Erwachsene". Schwupps kommt eine Gruppe 20jähriger vorbei, sieht den Aufdruck und meint: "Haha "nur für Erwachsene" und dann Comics!". Und da fragte ich mich wieder warum ich mir nicht diese Gewichthebersets bestellt hatte, für die in den Heftromanen früher immer Werbung gemacht wurde. Zwischendurch gab's dann auch Leute die Alraune schon kannten und einfach ihre Sammlung komplettieren wollten. Neukunden kamen nicht wirklich, aber das bin ich von Berlin schon gewohnt. Hier hat niemand wirklich Geld, also überlegt man es sich viermal und sagt dann eher Nein. In der heutigen Zeit auch nicht verwunderlich.

Man sah daher sehr viele Leute mit den Plastiktüten die man am Eingang umsonst bekam und die waren dann irgendwann vollgefüllt mit Prospekten.

Es gab allerdings einen echten Bestseller am Stand. Den Namen werde ich jetzt nicht nennen, denn das Ding ist von einem anderen Verlag. Jedenfalls gibt's da was vom Turm drin in Farbe zu sehen, mitten unter einem Haufen erotischer Pin Ups und (scheinbar in letzer Hilflosigkeit hinzugefügter) Fotos von nackten Damen. Ich habe selten etwas liebloseres gesehen. Diese 15 Euro waren sehr viele, sehr gerne, bereit zu zahlen. Solche Zeichnungen hatten sie noch nie gesehen. Gähn. Irgendwann schaffen sie es vielleicht auch sequentielle Kunst zu verstehen, wer weiss. Band 2 war Sonntag übrigens ausverkauft.

A propos Tüten: Die Firma Private bewies dann auch echt Humor und verteilte Papier-Tüten im DIN A 1 Format. Dieses "Ding" war halb so gross wie so mancher Mensch der sie umhängen hatte, auf jeden Fall konnte man nicht verbergen wo man gerade eingekauft hatte.

Recht witzig war die Ecke schon wo der Schwarze Turm seinen Stand hatte. Gegenüber befand sich ein Dildoladen mit eigener Produktion, wenn ich das richtig gesehen habe. Die zwei Damen die das leiteten waren sehr kontaktfreudig und auch eher durch Zufall da reingerutscht. Ihr neuester Hit waren Dildos im Handtaschenformat. Irgendwann hatten sie sich so gut mit Mille angefreundet, dass er losgeschickt wurde um bei der Konkurrenz das neueste Produkt einzukaufen. Im Dildomarkt wird sich halt nichts geschenkt.

Schräg rechts von uns gab's ein Schwulenpornolabel. Man konnte von uns aus gerade ein Eck sehen. Das Eck mit dem kleinen Fernseher auf dem "echt heisse Streifen" liefen. A ha.

Links von uns dann noch ein Lack-Plateau-Schuhladen. Der Spiegel zum angucken, war perfekt ausgerichtet, so das zumindest ich den Gang runter schauen konnte ohne aufstehen zu müssen. Immerhin.

Anders als die Besucher hatte die Fachkundschaft aber tatsächlich einen scharfen Blick für die ausliegenden Comics. Ich habe nicht mitgezählt, aber es waren wirklich einige business Gespräche die geführt wurden. Am besten gefiel mir ein junger Mann mit Zeitdruck. Sie hätten jetzt einen Internet mailorder aufgezogen (1,5 Millionen hits am Tag), aber wären völlig überrascht von dem Zuspruch und brauchen jetzt ganz schnell Ware zum feilbieten. Der Dialog dauerte 30 Sekunden, schon war die Visitenkarte gezückt und das Versprechen abgegeben alles ganz schnell zu liefern. So mag man das.

Mille meinte zum Ende hin dann das es kein Desaster war, aber man sich eben viel mehr versprochen hatte. Ich denke alleine durch die Geschäftskontakte hat sich der Stand schon rentiert. Wie lange man so etwas aber mitmachen kann, finanziell, das ist die Frage. 2004 muss sich der Schwarze Turm entscheiden: Comic-Action oder Venus.

So oder so, für mich war das Abenteuer erstmal beendet. Sonntag abend hatte der Laden glücklicherweise nur bis 19 Uhr offen. Robi sollte am abend mit dem Flieger kommen und wir hatten lose ausgemacht noch was Essen zu gehen. Meine Kräfte waren allerdings am Ende. Ich verabschiedete mich, holte mir noch was beim Asia-Imbiss und entschlummerte sanft, denn morgen sollte es schon wieder weiter gehen, dieses mal beim Fernsehen.

Teil 3 am Montag

posted by Sascha um 16:13 | Permalink


06.11.2003

Einmal Buchmesse Frankfurt, Venus Berlin, Comic-Action Essen und zurück
(Comic)

Teil 1: Venus Berlin

Mein Gott, was war das für ein Oktober. Mit kleinen Unterbrechungen sass ich mehr auf Messen rum statt an meinem Comic zu arbeiten. Wie kam's? Die Buchmesse war schon ein extra für mich und Essen wollte ich eigentlich ausfallen lassen. Dazu aber später mehr.

Während der Buchmesse in Frankfurt fragte mich Michael "Mille" Möller vom Schwarzen Turm, ob ich ihnen am kommenden Wochenende in Berlin auf der Venus aushelfen könne. Kein Problem damit! Schließlich bin ich ja seit kurzem Neu-Berliner und Comics sind meine Leidenschaft. Zugegeben, sowas wie die Venus hatte ich mir noch nie angesehen. Ich war also etwas gespannt, wie das da wohl ist.

Sowieso - aus meinem Blickwinkel, als Indiezeichner und Indie-Verlagsmitarbeiter, somit fest verankert in der Kleinverlagsszene, konnte mir nur vorstellen das der Schwarze Turm jetzt komplett abräumen würde. Schließlich hat man dort mit Alraune, Horst und mittlerweile auch Arsinoe mehrere gute Argumente, die das Publikum auf der Venus goutieren kann. Ich weiss noch wie ich konkret überlegte ob das der Weg für einen kleinen deutschen Comicverlag ist. Na ja, es kam erstmal anders.

Am Samstag und Sonntag sollte ich Rochus "Robi" Hahn vertreten. Derjenige welcher ist nicht nur Comicautor und -verleger sondern auch Drehbuchschreiber. Hat schon Gags für "Harald und Eddy" geschrieben, außerdem gerade "Das Wunder von Bern". Robi jedenfalls musste nach hause und arbeiten. Übers Wochenende schlüpfte ich also kurz mal in sein Haut.

Auch wenn die Venus angeblich die grösste Erotikmesse in Europa sein soll, Samstags um 10 ist auch dort niemand fit. Leere Gänge und gelangweiltes Standpersonal allerorten. Gegen 10.30 passierte dann das was dort Programm ist: Auf einem roten Ferrari räkelte sich eine nackte Frau, umringt von zahlreichen Männern mit grossen Objektiven.

An ihren Kameras. "Wie die Schmeissfliegen.", war dann auch der Kommentar eines der Umstehenden. Teilweise konnte ich verschiedene "events" nur verfolgen indem ich über Kopf Fotos machte und dann auf dem LCD Bildschirm meiner Digicam grösser zoomte.

Im Endeffekt ist es immer derselbe Ablauf: Jeder Stand, sei er auch noch so klein, hat eine Ecke auf der stündlich oder halbstündlich eine Tänzern rauskommt (oder mehrere) und die - Überraschung - ziehen sich dann aus. Es gab 4 Hallen von denen eine für Fachpersonal reserviert war. In den 3 übrigen Hallen gab es jeweils einen grossen Anbieter mit grossen Aufbauten und ohrenbetäubender Musik. Die Messe ist als solche einigermassen klein.

In "unserer" Hall waren die Größten Magma und Beate Uhse und weil's so schön war bekam man den Lärm von der öffentlichen Bühne nebenan auch gleich noch reingepustet. Das war laut, verdammt laut. Gespräche waren ca. 30 Minuten pro Stunde nur unter erschwerten Bedingungen zu führen. Und das 10 Stunden lang. Ich glaube im Krieg setzt die US Armee manchmal laute Rockmusik zur Demoralisierung des Feindes ein. Die müssen mal auf der Venus gewesen sein.

Aber mal zur Messe selbst:

Eigentlich gar nicht so anders als auf der Comic-Action. Okay, die Kostüme sind freizügiger und es gibt keine Kinder, aber sonst? Anstatt der Kinder gibt es Rentner mit kleinen Handwägelchen. Natürlich auch viele Leute mit riesigen Kameras. Samstags war's ja ganz interessant. Sonntags hätte es mir zuliebe auch leiser sein können. Man konnte zwischendurch ja nichtmal ne Runde drehen, um sich die Beine zu vertreten, weil man A ständig in Menschenaufläufe lief (es liefenauch halbnackte Models durch die Gänge, was für unkalkulierbare Staus sorgte) und B 10.000 Zettel in die Hand gedrückt bekam. Abschliessend zu meinem Review der Örtlichkeiten kann ich nur sagen: irgendwie sehr viel abgeschmackter und gewöhnlicher als ich dachte. Ich hatte eher an eine Buchmesse mit Titten gedacht, etwas eldes. Stattdessen gab es wirkliche Küchentisch-Porno-Produzenten, mit Ministänden. Und an jedem Stand lief ein Fernseher - was ich auch erwartet hatte, es wurde untertroffen.

Morgen weiter mit Teil 2

posted by Sascha um 15:56 | Permalink