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Hendrik Dorgathen ist ein Künstler, der mit seinem
einzigartigen Stil die Comicwelt begeistert und auch darüber hinaus für hohe Aufmerksamkeit sorgt. Dem Max-und-Moritz-Preisträger und Hochschullehrer
wurde zum diesjährigen Comic Salon in Erlangen nicht nur eine Ausstellung
gewidmet, auch sein neues Buch Slow erschien rechtzeitig. Dorgathen ist ein
Wanderer zwischen den Medien, pendelt zwischen Illustration, Animation und
schließlich dem Comic. Er bedient sich stilistischer Mittel aus diversen
künstlerischen Subkategorien und bietet sie dem Betrachter in ungewohnter, genrefremder
Konstellation feil.
Als Ausdruck dieses übergreifenden Grenzganges lässt sich auch die Publikation Slow
bezeichnen. Dorgathen lädt ein zum unweigerlichen Verharren bei einzelnen
Bildern, denn diese sind mehr als eine stringent zu verstehende Zusammensetzung
für eine Erzählung, sie sind vielmehr kleine Kunstwerke für sich. Das
Verweilen, das der Leser hier gerne auf sich nimmt, wird schließlich auch in
Deborah Eisenbergs gelungenem Nachwort aufgegriffen, das überhaupt als
anrührende Hommage an den Künstler verstanden werden kann. Eine sehr intensive
Betrachtungsweise, wie ich es gerne bei einem herausragenden Buch wie diesem
lese.
Die Seiten in diesem Album bersten über vor eindrucksvollen
Zeichnungen, denen mit noch eindrucksvolleren Farben ein sehr starker Ausdruck
verliehen wurde. Dorgathens meist grobe Striche sind gerade dann wirkungsvoll,
je größer und monumentaler die Bilder angelegt wurden.
Auf fast 100 Seiten versammelt das Buch große und kleine
Geschichten, die sich als tiefgründige Selbsterkundungstrips,
Kindheitserinnerungen oder Abschweifungen in Traumwelten entpuppen. Entsprechend
trägt Dorgathen dem Inhalt auch auf grafischer Ebene mit einer recht hohen Verspieltheit Rechnung. Metaphern, Symboliken und eine eindringliche
Bildsprache prägen sein Werk. Zusätzlich
steuert der spanische Künstler Max (Bardin) eine Comicerzählung bei, was nur folgerichtig zu sein scheint, da beide Künstler in ihrer Umsetzung nicht allzu
weit voneinander entfernt liegen und einige der in Slow abgedruckten Comics
bereits in Max' Magazin „Nosotros Somos Los Muertos“ veröffentlicht wurden.
Letztendlich zeugt Slow von der variantenreichen Palette,
die Hendrik Dorgathen gekonnt zu nutzen weiß.
Es wird aber auch deutlich, dass er bei aller grafischer Versiertheit
auch ein äußerst guter Erzähler ist, von dem man in den letzten Jahren leider
viel zu wenig solcher Comicalben zu sehen bekam.
SLOW
Edition Moderne, Mai 2008
Text/Zeichnungen: Hendrik Dorgathen
96 Seiten, farbig, Halbleinen, 22,5 x 30,5 cm; 29,80 Euro / 48,- sFr.
ISBN 978-3-03731-032-8
Abbildungen Slow © Edition Moderne, Hendrik Dorgathen
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