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Einfach nicht tot zu kriegen: Zombie-Comics |
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Geschrieben von Christopher
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Samstag, 15. März 2008 |
Was in den USA hip und trendy ist, kommt manchmal auch nach
Deutschland. Zum Beispiel Zombies. Die Begeisterung für die untoten
Menschenfresser hat spätestens in den letzten Jahren auch den deutschen
Sprachraum erreicht. Wasserstandsanzeiger für diesen Trend? Comics zum
Beispiel. Denn Zombies sind nicht nur auf der Kinoleinwand beliebt.
Auch in der Neunten Kunst haben die wandelnden Untoten inzwischen ein
Zuhause gefunden. Dabei gebärdet sich, was oberflächlich eins wirkt,
bei genauerem Hinsehen als vielfältig und variantenreich. Ein kurzer Blick auf neue deutschsprachige Zombie-Comics.
Die
Serie The Walking Dead ist eine Mischung aus Soap-Opera und
Zombie-Horror. Eine Gruppe von Überlebenden hat sich um den Polizisten
Rick Grimes geschart und versucht nun verzweifelt, in einer von
Untoten bevölkerten Welt zu überleben. Die Gruppe hat nach kurzer Suche
ein neues Zuhause in einem alten Gefängnis gefunden. Hohe Zäune und
dicke Mauern schützen vor den wandelnden Untoten. Doch das größte
Problem scheint zu sein, sich bei allem Stress nicht gegenseitig an die
Gurgel zu gehen. The Walking Dead ist die derzeit bestverkaufte Serie
des US-Verlags Image Comics. Hierzulande läuft die Serie seit 2005 und
ist ebenfalls sehr erfolgreich. Der sechste Band "Dieses sorgenvolle
Leben" erscheint im Mai diesen Jahres, pünktlich zum Comic-Salon in
Erlangen (Cross Cult, Mai 2008).
Wer
weiter im Cross Cult-Programm blättert, stößt auf einen Comic-zum-Film,
der ebenfalls Zombies nach Deutschland holt. Im letzten Jahr erschien
28 Days Later: Die Zeit danach (Cross Cult, Juni 2007). In vier
Episoden wird erzählt, was vor und nach dem ersten Kinofilm alles
geschah. Die Geschichten sind ganz gut geschrieben und bieten Cineasten
und Horror-Liebhabern einen bekömmlichen Lesehappen für Zwischendurch.
Aber noch einmal zurück zu The Walking Dead. Autor Robert Kirkman hat
anscheinend einen Narren an Zombie-Geschichten gefressen. Vielleicht
lastet ihn seine Arbeit an The Walking Dead auch einfach nicht genug
aus, wer weiß? Panini hat einen Band von ihm im Programm, dessen Cover
irgendwie bizarr anmutet – oder einfach nur trashig, um vielleicht ein
treffenderes Wort zu verwenden. Zu sehen sind Captain America,
Spider-Man und Hulk, populäre Superhelden also, zusammengestellt als
ein zombiefiziertes Gruppenbild. Wer in Marvel Zombies (Panini, Juli
2007) hineinliest, erfährt beispielsweise, dass der Netzschwinger seine
Tante gefressen hat und dass Captain America auch ohne Schädeldecke
noch aufrecht laufen kann. Viel mehr Handlung gibt’s nicht. Vor der
Entstehung der Mini-Serie wurde Robert Kirkman von Marvel-Redakteur
Ralph Macchio zugesichert, er habe freie Hand. Das hat er genutzt.
Superhelden als Zombies in einer Paralleldimension – wer da nicht
lacht, ist selber schuld. Inzwischen geht der Marvel-Zombie-Spaß
übrigens in die zweite Auflage. Und zwei Fortsetzungen der bizarren
Serie sind auch schon am Start: der One-Shot Marvel Zombies: Massaker (Panini,
erschienen im Oktober 2007 als Messe-Special) und, gerade frisch erschienen, Marvel Zombies vs. Armee der Finsternis (Panini, März
2008).
Auf
der Checkliste der Zombie-Variationen können wir jetzt zwei Häkchen
machen: Soap-Opera und Superhelden-Trash. Kommt noch schräge Comedy
hinzu. Und zwar mit Als die Zombies die Welt auffraßen von Jerry
Frissen und Guy Davis (Cross Cult, Februar 2008). In dem dicken
Hardcover-Album sind die Zombies weder bösartig noch blutrünstig,
sondern eher passiv und gelassen. Die Welt ist mächtig durcheinander.
Sich darin noch zurecht zu finden, ist gar nicht so einfach, finden
Carl der Cowboy, seine Schwester Maggie und Freddy der Belgier. Die
drei Freunde leben irgendwo am Grund des Hochhausdschungels und
versuchen, über die Runden zu kommen. Illegal entsorgen sie unliebsam
gewordene Untote. Ein kurzer Anruf genügt und Großpapa wird abgeholt,
natürlich diskret und ohne Aufsehen. Die Regierungen haben Gesetze
gemacht, mit denen Zombies geschützt und in die Gesellschaft integriert
werden sollen. Vielmehr, als vor der Glotze hängen oder ein bisschen
Unsinn treiben, wollen die Leichname ohnehin nicht. Oder? Allmählich
beginnen auch die Zombies, sich politisch zu organisieren und
Machtgedanken zu entwickeln. Die Grenze zwischen Leben und Tot
verwischt mehr und mehr. Und irgendwann steht jeder wieder auf. Sogar
Jesus...
Auch wenn nicht jedes Kind ab sofort heimlich Zombie-Comics unter der
Schulbank lesen wird, ist doch festzuhalten, dass bei den deutschen
Comic-Fans offensichtlich eine kleine Lesergemeinde exitiert, die sich
für die lebenden Untoten begeistert. Wie lange diese Begeisterung
anhält, bleibt abzuwarten. Vielleicht ebbt sie hierzulande wieder ab,
wenn die Veröffentlichungen qualitativ schlechter werden. Das ist schon
so manchem Trend passiert. Davon kann bisher aber nicht die Rede sein.
Besser also, man verbarrikadiert die Türen und lädt die Schrotflinte
durch. Denn die Zombies werden uns wahrscheinlich noch eine Weile ans
Leder wollen.
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