| Gregory 1 und 2 |
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| Geschrieben von Christopher und Benjamin | |||||||
| Dienstag, 25. März 2008 | |||||||
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Benjamin: Wenn ich ehrlich bin, nein. Aber das macht auch gar nichts, Gregory zielt in meinen Augen nicht darauf hin, dass der Leser laut loslacht. Aber "Anarcho-Komiker", der Begriff gefällt mir, und Marc Hempel würde ich zu dieser seltenen Spezies zählen. Zum Schmunzeln bringt er mich damit allemal. Gut, worum geht es? Ich würde sagen, wir erleben durch Gregorys Augen eine völlig neue, unaufgeregte Sichtweise auf die Welt. Er selbst bewegt sich zwar in einem einem recht verrückten und vor allen Dingen sehr eingeschränkten Universum, sozusagen in einem Mikrokosmos, ist aber sensibilisiert für kleine Veränderungen, Entdeckungen des Alltags. Und wenn meine Beschreibung recht ernsthaft klingt, so zeigt dies bereits die Vielschichtigkeit der Serie, denn im Grunde handelt es sich ja um humoristisch angelegte Geschichten. Insofern, Widerspruch, Intellekt, Anarchie, kann ich so unterschreiben ... Christopher: Sämtliche Sozialkontakte wirken befremdlich! Das kann man wohl sagen! Die Episode, in der sich die Zellenausstattung miteinander unterhält, hat mir übrigens gar nicht gefallen. Und die, in der sich Herman mit Gott unterhält, auch nicht. Dafür mochte ich die lange Episode, in der Gregory bei einer Pflegefamilie unterkommt. Der ganz normale Familienwahnsinn! "Obenei!" Und mir gefiel die Gesprächsrunde mit dem Typen, der immer lauter behauptet, ganz normal zu sein, bis er abgeführt wird. Da wird die Realität einem Vernunftscheck unterzogen, das mag ich. (Irgendwie musste ich dabei an Eddy Current denken, auch so eine Geschichte, die dem Wahnsinn ein Plätzchen einräumt.) Im Großen und Ganzen hat mich an Gregory gefreut, dass man nie wusste, wie der Hase läuft bzw. was als Nächstes passiert. Der Humor ist speziell und nicht alle Kapitel funktionieren gleich gut, aber der Comic leistet für mich mehr als so manch andere oberflächliche Comedy. Denn es ist immer auch ein tragischer Beigeschmack dabei. Wie hast Du das empfunden? Christopher: Was sind denn Deine Favoriten? Benjamin: Richtig nett finde ich die "Die Therapeutin". Da wird Gregory analysiert und einigen Tests unterzogen, um seinen aktuellen Geistes- und Leistungsstand festzuhalten. Der Leser bekommt dabei die Persepektive der Therapeutin und darf praktisch in die Aufzeichnungen linsen. Das ist einfach urkomisch. Ähnlich wird man bei der Story mit "Gregory-Vision" eingebunden, die in der Egoperspektive spielt. Überhaupt werden viele künstlerische Grenzen aufgebrochen, da hat mir auch die Idee von "Gregorys neue Zelle" sehr gut gefallen, wo das Geschehen von zwei unbekannten Zuschauern kommentiert wird, der Leser des Buches wird so ein Teil davon. Aber im Grunde gibt für mich gerade die Unterschiedlichkeit der einzelnen Episoden den Ausschlag, um Gregory als richtig einzigartig einzustufen. Benjamin: Im Endefekt, das hat Marc Hempel ja auch selbst gesagt (s. Interview), ist Gregory mit keinem anderen Comic so richtig zu vergleichen. Klar, irgendwie ist die Serie humorig, aber zumindest mir ging es so, dass ich nicht lachen musste, vielmehr war ich fasziniert. Manche Parts sind auf den ersten Blick völlig stumpfsinnig, andere wiederum fallen sofort durch ihre hintergründige Herangehensweise auf. Das ist wirklich bemerkenswert und lässt sicherlich viele Leser verdutzt zurück. Aber obwohl es uns offenbar beiden recht gut gefallen hat, muss man fairerweise sagen, dass viele Menschen mit derartiger Lektüre so ihre Probleme haben dürften, Gregory ist wohl einfach zu krank, als dass er allen Lesern gefallen wird. Leider, denn aus meiner Sicht ist Gregory ein kleines Meisterwerk. Christopher: Ich tue mich mit Worten wie "Meisterwerk" immer etwas schwer. Aber ich finde, dass Gregory ein extrem gut gemachter Comic ist, der sich jenseits des Mainstreams bewegt. Extrem gut gemacht, weil Hempel in keine Routine gerät und man auch beim x-ten Mal Lesen noch Neues entdecken kann. Auch die deutsche Ausgabe ist durch das teilweise angewendete Handlettering sehr liebevoll gestaltet worden. Gregory ist ein Comic für Liebhaber, den man auch nach vielen Jahren gerne wieder zur Hand nimmt. Massenkompatibel ist Gregory nicht. Aber das klingt in meinen Ohren eher wie ein Plus- als wie ein Minuspunkt. Gregory - Ich, Gregory! Cross Cult, Februar 2007 Text und Zeichnungen: Marc Hempel 192 Seiten; schwarzweiß; Hardcover; 19,80 Euro ISBN 9783936480184 Leseprobe bei Cross Cult unter "Spezial" Gregory - Obenei! Cross Cult, November 2007 Text und Zeichnungen: Marc Hempel 144 Seiten; schwarzweiß/vierfarbig; Hardcover; 19,80 Euro ISBN 9783936480191 Leseprobe bei Cross Cult unter "Spezial"
Bildquelle: cross-cult.de
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Es passiert nicht mehr oft, dass junge deutschsprachige
Comic-Enthusiasten ihre eigenen Projekte auf eigene Faust als Heftserie
veröffentlichen. Jetzt haben zwei Österreicher diesen Schritt gewagt: Frank (oder, wie es in der Originalschreibweise heißt:
"Daniel und Oleg sind eine WG", sagt der Klappentext. Und zwar eine im
Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks
und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel
will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen
Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die
Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen
Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.
In der dritten Ausgabe der Anthologie Jazam! geht es diesmal um das Thema "Zeit" - und es ist wirklich kein böser
Rezensentenscherz, dass es mit der Besprechung so lange gedauert hat, denn eines
möchte ich von vornherein klarstellen: Die Comic-Kurzgeschichtensammlung Jazam 3 ist ein Fest des Comics.
Dass man in alten Märchen und Sagen, zum Beispiel in den von den
Gebrüdern Grimm überlieferten, jede Menge sexuelle Untertöne entdecken
kann, ist keine ganz neue Erkenntnis. Ob diese nun bewusst oder
unbewusst dort hineingelangten, man kann sie zweifellos finden. Wer
heute die Grimm'schen Texte liest, braucht nicht besonders viel
Fantasie, um sie als Sex-and-Crime-Geschichten zu interpretieren.
Diesen Ansatz verfolgt Mart Klein in seiner Comic-Version von Rotkäppchen konsequent. Das Ergebnis ist eine mehr oder weniger pornographische Exploitation-Story.
In seinem vierzigsten Film Whatever Works erzählt Woody Allen die Geschichte eines alternden Griesgrams, der ein deutlich jüngeres Mädchen heiratet. Während ein Altersunterschied zwischen den Protagonisten von über vierzig Jahren unter der Regie eines anderen Auteurs zu einer filmischen Tragödie werden würde – man erinnere sich nur an den schrecklichen Film Es begann im September mit Richard Gere und Winona Rider – gelingt es Woody Allen mit seinen Filmen stets zu überzeugen. Auch wenn er ausnahmsweise einmal nicht selbst mitspielt, durchdringen sein Humor, seine Neurosen und seine omnipräsente Existenzangst jeden seiner Filme. Wenn man Allens Filmen die Straßen von New York, Scarlett Johansson und die komplexen Beziehungsgeflechten entziehen würde, könnte man dann eine genuine "Woody Allen"-Formel als Konzentrat extrahieren? Dieser Frage hat sich der Zeichner und Autor Stuart Hample gestellt und zwischen 1976 und 1984 Cartoon Strips mit dem Titel Inside Woody Allen geschrieben und gezeichnet. Die aufwendige Werkschau hat der Knesebeck Verlag nun unter dem Titel Vom Irrsinn des Lebens ins Deutsche übersetzt.