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Batman: Schwarz-Weiß Collection 1 |
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Geschrieben von Christopher
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Samstag, 1. März 2008 |
Viel macht das Cover nicht her. Unter dem Titel der Batman: Schwarz-Weiß Collection,
die diese Tage bei Panini erschienen ist, steht Gothams
Crime-Fighter-Nummer 1 einfach nur da. Er blickt ruhig und ernst. Die
in diesem Band versammelten Kurzgeschichten sind aber alles andere als
das. Das wilde Spiel ohne Farbe hat begonnen. Der Dunkle Ritter wandelt
auf ungewohnten Wegen.
Batmans schwarzweiße Abenteuer kommen ausgesprochen kurzweilig daher.
Kein langer Handlungsaufbau, keine endlosen Spannungsbögen, sondern
Momentaufnahmen von Gotham und dem dunklen Ritter, unterhaltsam,
actionreich und manchmal sogar witzig. Das liest sich nicht nur daheim
auf dem Sofa gut, das geht auch Zwischendurch. Denn jede der 25
Episoden ist acht Seiten lang und kann problemlos zwischen zwei
Bus-Stationen, während der Mittagspause oder auf dem Bürgeramt gelesen
werden.
Doch ein Bündel kurzer Geschichten muss noch nicht zwangsläufig für
Lesespaß sorgen. Gut geschrieben müssen sie außerdem sein, reich an
Ideen und pfiffig erzählt, sonst kommt Langeweile auf. Zum Glück halten
die meisten Episoden diesem Anspruch stand. Oder umgekehrt ausgedrückt:
In diesem Band stecken viele gute Ideen und raffinierte Tricksereien.
Die Episode Schwarz-Weiß-Banditen von Dave Gibbons ist dafür ein gutes
Beispiel. Die recht klassische Handlung rankt sich um einen Dieb, der
sich vornehmlich Kunstgegenstände unter den Nagel reißt. Der Clou an
der Sache: Er steht auf alles, was Schwarzweiß ist. Er ist ein
Collector mit einem Tick und sammelt Dalmatiner, Zebras, Schachbretter
sowie Yin-und-Yang-Symbole. Ein weiterer Kniff an der Story: Immer
wieder kommen Wortspiele vor, die eine Farbe verwenden. „Bei diesem
bunten Kitsch sehe ich einfach nur Rot!“ So entwirft Gibbons eine
ziemlich einfache Crime-Fighter-Story, in der er immer wieder zwischen
Sprach- und Farbwitz hin- und hertänzelt.
Das Spiel mit Worten mögen auch Michael Golden und Jason Pearson. In
Die Pointe geht es eigentlich nur um eine simple Verfolgungsjagd.
Jokers geschminkte Häscher werden von Batman über die Hochhausdächer
der Stadt gejagt. Zwischendurch kommt es zu einer Schlägerei zwischen
dem Maskierten und den Clowns. Ungewöhnlich: Der Blick nimmt Abstand
und zeigt das Geschehen aus großer Entfernung. So richtig mittendrin in
dieser Action-Szene ist der Leser nicht mehr. Bis er die Werbeschilder
der umliegenden Hochhäuser bemerkt. Sie liefern die altbekannten
Soundwords zur Prügellei: Kick! Bam! Crack! Bonk! Das bei der
Leuchtreklame "Power" die Buchstaben -er kaputt sind, ist natürlich kein
Zufall.
Bisher klingt das nur nach Spielereien an der Oberfläche. Hinzu kommen
aber auch inhaltliche Perlen, wie beispielsweise die Episode Fette
Stadt, sowohl optisch als auch inhaltlich das gewagteste Experiment in
diesem Batman-Band. Darin geht es um ein Ungeheuer, das dem Blob ähnelt
und in der Kanalisation haust. Und um fette Leute. In Der Ruf, einem
Batman-Superman-Crossover, nutzen Mark Schultz und Claudio Castellini
die Gelegenheit, das Verhältnis zwischen den beiden Helden-Ikonen ins
rechte Licht zu rücken. Und in Fallstudie wird die Frage aufgeworfen,
ob der Joker ein kriminelles Genie oder nur ein einfacher Wahnsinniger
ist. Dabei erhält der Leser ganz nebenbei Einblicke in die Zeit vor
seiner Karriere als Superschurke.
Das sind nur einige wenige Beispiele aus der Batman: Schwarz-Weiß Collection,
die dem Leser nicht mehr als einen Eindruck davon vermitteln können,
was ihn erwartet. Der große Facettenreichtum des Bandes braucht schon
fast nicht mehr erwähnt zu werden. Sowohl der klassische Batman kommt
vor, freundlich und höflich, ein Vorbild ganz im Sinne des
Establishments, als auch der moderne Batman, dunkel, düster und
unheimlich. Es gibt realistische Episoden und humorvolle Episoden. Mal
nähern sich die Zeichnungen der Fotographie, mal dem Cartoon.
Qualitativ ist der Großteil der Episoden prima. Nur ein paar Abschnitte
sind Mist, bei einem so dicken Sammelband nicht anders zu erwarten.
In erster Linie ist der Band der Batman: Schwarz-Weiß Collection
ein toller Lesespaß. Auf den zweiten Blick leistet er jedoch noch mehr.
Das wird augenfällig, wenn man einen Blick auf die laufenden Serien um
den dunklen Ritter aus Gotham wirft. Batman ist eine Figur des
Mainstreams. Er belegt auf der Liste der beliebtesten Superhelden einen
der ersten Plätze. Die Leser lieben Batman, und so verwundert es nicht,
dass sich hinter seinem Umhang eine gewaltige Geld- und Zeichenmaschine
verbirgt. Um diese Maschine am Laufen zu halten, werden große
Experimente selten gewagt. Batman muss Mainstream bleiben. Eben hier
liegt eine Leistung des vorliegenden Bandes. Denn das Rudel an
Zeichnern und Autoren hat es sich nicht nehmen lassen, die Tiefen der
Figur neu auszuloten. Oft funktioniert das sehr gut, manchmal auch sehr
schlecht, aber es ist nie ein Batman aus der Retorte, der da über die
Seiten tobt. Batman ist in diesem Band weniger glattes Industrieprodukt
als sonst, sondern versprüht einen Hauch von Independent-Comic. Der
dunkle Ritter als Experiment.
Batman: Schwarz-Weiß Collection 1
Panini Februar 2008
Text: Warren Ellis, Dave Gibbons, Brian Azzarello u.a.
Zeichnungen: Ronnie del Carmen, Jordi Bernet, Aron Wiesenfeld u.a.
220 Seiten; Softcover; schwarzweiß; 19,95 Euro
ISBN 9783866075788
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