| Interview mit Dirk Wood von Dark Horse Comics (OmU) |
|
| Geschrieben von Marc-Oliver und Björn | ||||
| Freitag, 16. November 2007 | ||||
Seite 1 von 2 Das Verlagshaus Dark Horse Comics, ansässig in Milwaukee im US-Bundesstaat Oregon, wurde 1986 von dem Comichändler Mike Richardson aus der Taufe gehoben. Heute zählt Dark Horse zu den größten und bedeutendsten Independent-Comic-Verlagen der Vereinigten Staaten, dessen Veröffentlichungsstrategie im wesentlichen auf zwei Standbeinen beruht: Zum einen bietet Richardson begnadeten Schöpfern wie Frank Miller (Sin City, 300), Mike Mignola (Hellboy), John Byrne (Next Men), Paul Chadwick (Concrete), Stan Sakai (Usagi Yojimbo), Eric Powell (The Goon) oder Matt Wagner (Grendel) eine Plattform für deren prestigeträchtige Eigenschöpfungen. Zum anderen kauft man gerne die Comic-Lizenzen beliebter Science-Fiction- und Fantasy-Franchises ein, wie etwa Aliens (seit 1988 bei Dark Horse), Predator (seit 1989), Star Wars (seit 1991), Buffy (seit 1998), Conan (seit 2003), Romanautor Michael Chabons The Escapist (seit 2004), oder Serenity (seit 2005).Aber auch in anderen Bereichen ist Dark Horse präsent. Der im letzten Jahrzehnt explosionsartig gewachsene Manga-Markt wird mit Importen wie u.a. Akira, Oh My Goddess! oder Lone Wolf & Cub bedient. Die hauseigene Film-Produktionsfirma Dark Horse Entertainment hat Streifen wie The Mask, Mystery Men und Hellboy hervorgebracht und ist zur Zeit mit Hellboy II beschäftigt. Und seit kurzem gibt es Dark Horse Presents, eine Comicreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Internet-Portal MySpace exklusiv und kostenlos im Netz erscheint. Wir bieten Euch das Interview im Original auf Englisch und übersetzt auf Deutsch an. Für das Originalinterview bitte hier klicken - please click here for the English version. BW: Erzähl uns mal ein bißchen über dich und deine Aufgaben bei Dark Horse. DW: Ich heiße Dirk Wood, und ich bin Vertriebsleiter bei Dark Horse Comics. Das bedeutet, dass ich im wesentlichen für unsere Marketing-Aktivitäten verantwortlich bin - Messen, Werbung, Websites und so weiter. Ich bin sowas wie das öffentliche Gesicht des Verlags, das dafür zuständig ist, unsere Sachen unter die Leute zu bringen. MOF: Ich glaube, Marketing ist ein gutes Schlagwort. Wir haben kürzlich mit David Lloyd gesprochen [u.a. Zeichner von V for Vendetta -die Red.], und er zeigte sich etwas enttäuscht mit eurer Öffentlichkeitsarbeit für seine letzte Graphic Novel, Kickback. DW: Nun... Das ist ja mal ein interessanter Einstieg. Wir lieben das Buch. Kickback läuft klasse für uns. Wenn man 400 Bücher und Hefte im Jahr rausbringt, ist es sehr schwierig, allen die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen; man muß auch Budgets und solche Sachen beachten. Aber wir haben für David unser Bestes versucht. Wir mögen David sehr, und hoffentlich können wir noch öfter mit ihm zusammenarbeiten. BW: Im Interview sagte er uns... er dachte wohl, ihr habt damals geschlafen, weil gerade der V-for-Vendetta-Film lief und sein Bekanntheitsgrad höher als je zuvor gewesen sei. DW: Ich sage einfach mal, dass ich das anders sehe und belasse es dabei. BW: Okay, verstehe. Sind bei euch noch mehr Buffy- oder Firefly-Comics in Planung? DW: Nach Staffel Acht [von Buffy -die Red.] - ich glaube, momentan sind um die 30 Hefte davon geplant - werden wir auch Staffel Neun machen. Es wird also eine neunte Staffel geben. Was Serenity angeht, wird eine neue Serie rauskommen, die, glaube ich, im Januar startet. Es wird eine Fortsetzung der ersten sein. Wir freuen uns natürlich sehr darauf - Serenity läuft fantastisch für uns. DW: Ja, absolut. Es läuft großartig. Es ist einer unserer größten Hits der letzten zehn Jahre. MOF: Die Serie ist bisher im sogenannten Direktmarkt erschienen. [Über den Direktmarkt vertreiben US-amerikanische Verlage ihre Produkte an Comicläden in den USA und in aller Welt. -die Red.] Und ihr bringt auch Conan heraus, das ebenfalls sehr erfolgreich läuft in diesem Markt. Und dann wäre da noch Hellboy, welches scheinbar selbst im Direktmarkt von den Filmen profitiert hat, was ungewöhnlich ist. Wie bedeutsam ist dieses Marktsegment für euch, wenn man bedenkt, dass das Material letztlich auf den Verkauf in Buchhandlungen zugeschnitten ist? DW: Nun, für mich macht der Direktmarkt den wichtigsten Anteil unseres Geschäfts aus. Gewissermaßen ist er für die Existenz von Dark Horse Comics verantwortlich. Natürlich wollen wir unsere Sachen jedem Einzelnen verkaufen. Das ist unser Ziel. Ob's nun ein zehnjähriges Mädchen ist oder ein 40-jähriger Mann, die in einen Comicladen oder ein Spielzeuggeschäft gehen. Was mich angeht, ist es am wichtigsten, dass man alle Marktsegmente mit der gleichen Fairness behandelt. Ich sehe das so: Wenn wir in einer Buchhandlung jemandem einen Hellboy-Band verkaufen, der normalerweise keinen Comicladen betreten würde... naja, vielleicht kauft er dann ja den nächsten in einem Comicladen. Ich glaube, wenn unsere Bücher und Hefte in allen möglichen Läden stehen und wir unsere Anhängerschaft in allen Marktsegmenten vergrößern, dann profitieren im Endeffekt alle davon - wir, die Buchhändler, die Comicläden... alle. MOF: Glaubst du, dass der Direktmarkt noch Potential hat? Die gängige Meinung ist ja, dass er am Austrocknen ist und die Zukunft des Comics in Buchhandlungen und anderswo liegt. Die Leute scheinen überzeugt zu sein, dass der Direktmarkt keine Zukunft hat, um's mal zugespitzt zu sagen. DW: Nun ja, ich sehe das anders. Ich habe diesbezüglich eine andere Meinung. Ich glaube, dass der Direktmarkt ein paar schwierige Jahre hinter sich hat, aber dieses Jahr war für uns ein sehr gutes im Direktmarkt - womöglich besser als irgendein anderes in den letzten zehn Jahren. Und soweit ich das sehe, ist der Markt sogar gerade am Wachsen. Ich glaube schon, dass die traditionellen Comicläden schwere Zeiten durchgemacht haben. Aber wenn sie ihr Geschäftsmodell etwas anpassen, dann besteht eine reelle Chance, dass es richtig gut läuft für sie. Also, ich glaube eigentlich, dass wir gerade eine wirklich spannende Wachstumsperiode erleben, und dass es im Direktmarkt so viel Potential gibt wie schon seit Jahren nicht mehr. Ich persönlich finde das gut. Ich find's gut, dass es da eine Trendwende gibt. Es mag den Anschein haben, dass bloß der Buchhandel was davon hat, aber ich glaube, dass langfristig alle davon profitieren werden - auch der Direktmarkt. MOF: Ich schreibe Artikel über Comicverkäufe, und worauf ich mich hauptsächlich verlassen muss, sind die von Diamond [dem US-amerikanischen Vertriebsmonopolist für den Direktmarkt -die Red.] zur Verfügung gestellten Indexzahlen und die daraus resultierenden Schätzwerte. Nun wird die Zuverlässigkeit dieser Zahlen kontrovers diskutiert, aber sie sind leider so ziemlich die einzige Informationsquelle, die es gibt. Wie denkst du darüber? DW: Du meinst die Top-100-Charts und so weiter? MOF: Genau. DW: Ich glaube, die sind recht zuverlässig. Natürlich ist es schwierig, solche Aufzeichnungen zu führen, wenn man auf der ganzen Welt Comics verkauft. Aber ich glaube, die sind ziemlich zuverlässig. Ein Beweis dafür ist zum Beispiel, dass wir den Eindruck hatten, dass unser Marktanteil zunimmt, und die Diamond-Berichte haben das bestätigt. Unser Marktanteil hat dieses Jahr zugenommen. Also, ich wäre wohl skeptischer, wenn unser Marktanteil zunehmen und die Diamond-Zahlen das nicht reflektieren würden. Aber das tun sie. Also glaube ich, dass sie die Sache ziemlich genau treffen. MOF: Digitale Comics sind offensichtlich im Begriff, ein sehr großer Faktor zu werden, der mit der Zeit wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen wird. Ihr habt da z.B. Dark Horse Presents, eine Anthologie-Reihe, die nur im Internet zu finden ist. Wie denkst du über digitale Comics und über Raubkopien? Welche Auswirkungen haben diese Themen für euch? DW: Das ist wirklich ein sehr interessantes Thema für mich, weil es eine völlig unbekannte Größe ist, was die wahren Auswirkungen angeht. Für mich persönlich kommt es bei Comics auf dieses Gefühl an: einen Comic nach Hause zu bringen, ihn zu lesen und in eine Longbox zu stecken... selbst bei Graphic Novels. Nun gibt es natürlich offenbar eine neue Generation von Leuten, die es viel eher gewohnt sind, Dinge online zu konsumieren, und die nicht unbedingt alles auf Papier gedruckt brauchen. Aber Comics sind etwas anders als Prosa-Texte, das hat für mich einfach etwas mit der Kunstform zu tun... Sie ist gedruckt so viel greifbarer, als wenn man sie bloß auf einem Bildschirm betrachtet. Allerdings werden gerade sehr große Fortschritte darin gemacht, das Leseerlebnis auch online aufzuwerten. Bei Dark Horse Presents auf MySpace haben wir ein neues, stark verbessertes Format. Wenn man die Seiten auf dem Bildschirm blättern sehen kann, dann kommt das dem virtuellen Erlebnis, einen Comic zu lesen, schon näher, als wenn man einfach nur ein PDF anschaut. Ich glaube, es steht außer Frage, dass digitale Comics großen Anteil an der Zukunft haben werden. Ich selbst glaube aber nicht, dass sie das bestehende Geschäftsmodell ablösen werden. Es sind interessante Zeiten für uns. Dark Horse Presents ist eine Idee, die wir zusammen mit MySpace ausgetüftelt haben. Selbstverständlich ist es ein großartiges Marketing-Instrument für uns, die Aufmerksamkeit von Tausenden und Abertausenden von MySpace-Nutzern zu erlangen. Aber was wir im Grunde genommen damit erreichen wollen, ist, Bücher und Hefte zu verkaufen. Wenn jemand Joss Whedons "Sugar-Shock"-Comic online liest, dann hoffen wir, dass ihn das dazu bewegt, einen Buffy-Comic oder irgendwas anderes aus dem Angebot von Dark Horse zu kaufen. BW: Meinst du, dass eine Alternative wie iTunes möglich wäre? Etwas online zu stellen, wofür die Leute weniger bezahlen als für einen physischen Comic, weil man sich den Druck sparen kann? DW: Ja, davon bin ich überzeugt. Ich glaube, dass es darauf hinauslaufen wird. Ich glaube nicht, dass dadurch das existierende Geschäft je verdrängt werden wird, aber ich glaube schon, dass daraus ein zusätzlicher Markt entstehen könnte. Und natürlich ist die Vorstellung, einen Haufen Comics zu verkaufen, ohne für den Druck bezahlen zu müssen, reizvoll. Also glaube ich, dass das etwas ist, das wir in der Zukunft definitiv ausprobieren werden. BW: Mal angenommen, digitale Comics setzen sich durch: Meinst du, das wird einen Einbruch der Verkäufe im Ausland bzw. der Verkäufe von Lizenzen mit sich bringen, wenn alle Original-Versionen online verfügbar sind? DW: Schwer zu sagen. Ich glaube nicht. Ich denke eher, dass die Auswirkungen dieselben sein werden wie in Amerika. Das ist jetzt meine persönliche Ansicht, aber ich glaube nicht, dass Sachen wie, sagen wir, iTunes, letztendlich wirklich dem Verkauf von Tonträgern schaden. Wer einen Song oder zwei kauft, der wird rausgehen und sich die ganze CD kaufen wollen. Das kann ich nicht beweisen, und mir ist klar, dass es natürlich Leute gibt, die anders darüber denken. Aber ich glaube, der Einfluss des Internets generell auf die Verkäufe liegt eher darin begründet, dass es ein eigenes Unterhaltungsmedium ist. Vor Jahren habe ich als Verkäufer in einem Comicladen gearbeitet. Da kam einer meiner besten Kunden in den Laden und sagte, "Weißt du, ich muss langsam mal anfangen, meinen Comic-Konsum etwas einzuschränken." Und ich fragte, "Warum?" Und er sagte, "Na ja, ich verbringe meine ganze Zeit im Internet." Ich dachte erst, der kauft halt Sachen im Internet. Aber Tatsache ist, dass er so viel Zeit im Netz verbrachte, dass er einfach keine Zeit mehr hatte, seine Comics zu lesen. Ich glaube, das ist ganz ähnlich mit iTunes oder mit Musik. Das Problem ist nicht, dass die Leute keine CDs mehr wollen, sondern dass sie eh ihre ganze Zeit vorm Computer verbringen - also können sie da genausogut auch ihre Musik hören. Also, ich weiß nicht. Das ist wohl eher eine philosophische Frage. Was unsere Ausgaben im Ausland angeht, glaube ich, dass eher unsere englischsprachigen Produkte in Übersee davon betroffen sein würden als anderssprachige. Ich glaube, es wird immer einen Markt für griechische Hellboy-Comics in Griechenland geben. Und anderswo ist es genauso. Letzten Endes ist das vielleicht eine Frage für jemanden, der cleverer ist als ich. Aber es wird auf jeden Fall interessant werden. BW: Dann wäre da noch die Sache mit den Raubkopien. Denn heutzutage sieht das ja so aus: Etwas kommt auf den Markt, und es dauert zehn Minuten, bis es jemand gescannt hat und man es bei P2P-Netzwerken und Rapidshare bekommen kann. Inwiefern werden eure Absatzzahlen momentan davon beeinflusst? DW: Ich glaube nicht, dass wir davon momentan besonders betroffen sind, aber wir haben das natürlich im Hinterkopf. Es gibt wohl keine Branche, die es gut findet, wenn sich Leute einfach Dinge nehmen, an denen man normalerweise verdienen würde. Es ist jedenfalls nicht gut für die Zeichner, soviel ist sicher. Die müssen auch ihre Tantiemen bekommen. Wir beobachten die Sache, aber ich denke nicht, dass unser Absatz momentan besonders dadurch beeinflusst wird. Es gab schon ein paar Situationen, wo Material im Netz auftauchte... und man will ja keinen Ärger mit den Lizenzgebern kriegen. Solche Sachen. Für uns ist es momentan vor allem wichtig, die Sache im Auge zu behalten, sorgfältig damit umzugehen und Schritte zu vermeiden, die man besser sein lässt. MOF: Ein Thema, das auch ungefähr in diese Richtung geht: Marvel hat in letzter Zeit große Strecken seiner Serien auf DVD veröffentlicht, wie z.B. 500 Ausgaben von Amazing Spider-Man. Nun gibt's Dark Horse jetzt auch schon eine ganze Weile, in der sich jede Menge Material in euren Archiven angesammelt hat. Wird bei euch auch über sowas nachgedacht? DW: Ich bin nicht sicher, ob wir speziell an DVDs gedacht haben, aber angedacht haben wir das definitiv. Wir wollten was ähnliches mit dem ganzen "Comics'-Greatest-World"-Material machen. Keine Ahnung. Wir haben drüber nachgedacht... Ich kann jetzt nicht behaupten, wir hätten keinerlei Pläne dafür. Ich weiß, dass der Playboy was Ähnliches gemacht hat - die haben ihre sämtlichen Ausgaben auf DVD rausgebracht. Keine Ahnung, schauen wir mal. Die Idee ist interessant. Da werd' ich wohl mal rumfragen müssen zuhause im Büro. Marvel hat natürlich tonnenweise Material in der Hinterhand, gerade von dem Zeug aus ihrer Frühzeit. Was Dark Horse angeht... Ich bin jetzt nicht mal sicher, ob das relevant ist... aber da ist man sehr stolz auf die Firma - auf die Geschichte und auf das, was wir erreicht haben. Und daher vermute ich, dass man eher zögerlich sein könnte, ein Format zu verwenden, von dem wir glauben, dass es dem Material nicht gerecht wird. Und man bedenke auch, dass Marvel die kompletten Rechte an ihrem ganzen Zeug haben, während wir sehr viel lizensiertes Material haben, und sehr viel Material, dessen Rechte bei seinen Schöpfern liegen. Das sind nicht nur unsere Comics - das sind auch deren Comics. Was die Sachen angeht, die komplett der Firma gehören, vermute ich allerdings, dass wir sowas in der Zukunft vielleicht mal machen. BW: Womit ihr - wie immer - sehr erfolgreich gewesen seid in letzter Zeit sind Filmlizenzen und die Comics, auf denen sie basieren. Da wäre nun diese Sache mit Hellboy und Sin City, über die wir schon letztes Jahr gesprochen hatten - dass Direktmarkt-Händler sich darüber beschwerten, nicht genügend Comics zur Verfügung zu haben als die Filme rauskamen. Und dieses Jahr, mit 300, gab's nun wieder die gleichen Beschwerden. Wir hatten zu jedem Zeitpunkt 80.000 Ausgaben im Umlauf. Die Sache ist die: Wir dürfen uns nicht übernehmen. Das ist das Wichtigste. Ich glaube - die Zahlen sind jetzt vielleicht nicht genau, aber sie kommen ungefähr hin - wenn wir etwa 180.000 Ausgaben oder so um den Dreh von 300 abgesetzt haben, haben aber noch zusätzliche 100.000 Ausgaben im Umlauf, dann ist das ein ganz beträchtliches Risiko, so viele Ausgaben gleichzeitig auf dem Markt zu haben, wenn man den Faktor der Remittenden im Buchhandel bedenkt. Wir hatten ein, zwei Durstrecken. Es gab hier und da mal 'ne Woche, wo Ausgaben nicht sofort verfügbar, aber unterwegs waren. Aber Tatsache ist, dass wir in den zwölf Monaten vor Anlauf des Films überzeugt waren, eine gewaltige Menge an 300-Ausgaben verfügbar zu haben. Fast schon zu viele, um ehrlich zu sein. Es ist schwierig, das immer richtig einzuschätzen. Aber ich glaube, wir haben dazugelernt. Ich glaube, wir werden besser. BW: Welche Filme stehen als nächstes an für euch? Hellboy Animated, und danach...? DW: Hellboy II ist unterwegs, und wir freuen uns wirklich sehr drauf. Der Film ist nun bei Universal, und wegen Guillermo del Toros verstärkter Präsenz nach Pans Labyrinth haben die das Budget im Vergleich zum ersten verdoppelt, glaube ich. Bei uns wird ein ganzer Batzen von Hellboy-Sachen erscheinen, vieles davon lange vor dem Film, und es wird auch reichlich Exemplare geben. So jedenfalls sieht unser Plan aus. MOF: Gerüchten zufolge soll Baltimore, der Roman von Mike Mignola, auch als Comic erscheinen. Kannst du sagen, ob da irgendwas dran ist? DW: Das ist ja ein Zufall, dass du danach fragst. Baltimore, wie ihr sicher wisst, ist ein Roman von Christopher Golden und Mike Mignola. Ich weiß, dass sie gerade einen Vertrag über eine Film-Adaption unterzeichnet haben. Mir ist nicht bekannt, ob wir mit den Jungs schon darüber gesprochen haben, aber gestern erst, hier auf der Buchmesse, haben wir miteinander geplaudert und festgestellt, dass wir dringend mal mit den Jungs reden sollten, um zu sehen, ob sie an sowas interessiert sind. Ich würde schon vermuten, dass wir ein Stück vom Baltimore-Kuchen haben wollen. Wir arbeiten sehr gut mit Mike und mit Christopher zusammen. Ich hoffe es also auf jeden Fall, aber ich habe nichts darüber zu berichten - nichts Konkretes. BW: Habt ihr hier auf der Buchmesse irgendwas gesehen, vielleicht einen deutschen Comic, wo ihr gesagt habt, "Das ist echt interessant"? Oder sonstiges ausländisches Material, das ihr vielleicht veröffentlichen wollt? DW: Leider hatten wir am Stand so viel zu tun, dass ich wünschte, wir hätten mehr Zeit gehabt, rumzulaufen und uns die Sachen anzuschauen. Aber ab und zu hatten wir die Gelegenheit. Wir haben da ein paar Sachen gesehen, speziell von französischen Verlagen, die echt interessant sind. Wir haben klasse Partner in Frankreich, wie Dargaud, Delcourt oder Soleil, mit denen wir in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet haben. Manchmal ist das schon schwierig, weil die Akzente auf all den verschiedenen Märkten so unterschiedlich sind. Bloß weil etwas, sagen wir mal, in Spanien oder Deutschland beliebt ist, muss das noch lange nicht heißen, dass es auch in Amerika beliebt sein wird, und umgekehrt. Aber wir haben schon einigen Erfolg mit bestimmten Sachen gehabt, und wir halten immer die Augen offen. Wir haben dieses Jahr ein paar Dinge gesehen, die ich für sehr spannend hielt. Wir schicken jede Menge Päckchen an unsere Redakteure, damit die sich das Zeug mal angucken können. DW: Sehr gut, sehr gut. MOF: Kannst du was dazu sagen, wie lange eure Lizenz läuft? Es gibt da nämlich Gerüchte, dass andere Parteien Interesse bekundet haben, und... DW: Mir fällt gerade nicht ein, für wie lange unser Vertrag läuft, aber, wie ich das sehe, hoffen wir, die Lizenz ewig zu behalten. Wir arbeiten sehr gerne mit Lucas zusammen, und Star Wars ist ein großer Hit für uns dieses Jahr - vor allem im Direktmarkt, aber auch die Buchhandelsverkäufe sind geradezu explodiert. Legacy ist ein großer Erfolg für uns. Ich glaube, es waren immer schon andere Verlage interessiert, insbesondere, als die Filme liefen. Natürlich wollten alle 'ne Scheibe davon haben. Ich glaube Lucas - na ja, ich kann jetzt nicht für sie sprechen, aber ich glaube, sie sind sehr zufrieden mit der Richtung, die wir gerade eingeschlagen haben. Als die Filme gelaufen waren, machten wir uns berechtigte Sorgen, dass die Verkäufe wegbrechen würden, wenn wir nichts Neues, Interessantes machen würden. Aber was sich rausgestellt hat, ist das genaue Gegenteil: Tatsächlich sind unsere Absatzzahlen seit dem letzten Film bedeutend gestiegen. Und, na ja, ich glaube, dass einer der Gründe dafür darin liegt, dass Lucas uns neuerdings redaktionelle Freiheiten läßt, die wir vorher nicht hatten. Sobald die Filme abgehakt waren, haben sie einfach gesagt, "Hey, jetzt erzählt mal ein paar Geschichten." MOF: Das wäre meine nächste Frage gewesen: Wie viele Einschränkungen oder Grenzen bezüglich dessen, was ihr in den Comics machen könnt, werden euch auferlegt? DW: Nun, es waren mal wesentlich mehr. Das ist also echt klasse. Legacy dreht sich zum Beispiel um Cade Skywalker - die Figur ist ein Nachfahre von Luke Skywalker, drogenabhängig und ein Kopfgeldjäger, der Jedi-Ritter zur Strecke bringt. Ich glaube, vor ein paar Jahren hätten sie uns sowas nicht erlaubt. Trotzdem muss natürlich immer noch alles von ihnen abgesegnet werden. Alles läuft über Lucas. Aber wir kommen sehr gut mit ihnen klar, und ich glaube, dass sie's toll finden, was wir so anstellen. Das ist eine feine Sache. DW: Comic. BW: Kam die Idee dazu von euch oder sind die Lucas-Leute auf euch zugekommen und haben gesagt, "Hey, wir haben da so 'ne Idee..."? DW: Hmm, da bin ich nicht sicher. Aber das war eine Serie namens Star Wars: Chewbacca, die Mitte oder Ende der 90er erschien. Ich bin ziemlich sicher, dass die Idee in unserer Redaktion entstand. Vielleicht war es Randy Stradleys Idee oder sie kam vom Autor selbst oder... ich weiß es nicht genau. Aber egal, wo sie herkam: Es war eine gute Idee. Armer Chewbacca. MOF: Wie wichtig ist eure Website für euer Geschäftsmodell? Verglichen mit den anderen Verlagen auf dem amerikanischen Markt ist sie sehr gut gemacht. DW: Danke. Mann, ich wünschte Matt Parkinson wäre noch hier, aber er musste heute morgen zurückfliegen. Er ist für die Website verantwortlich. Er ist fürs Online-Marketing zuständig, und ich glaube, er macht seine Arbeit fantastisch. Er ist extrem wichtig für uns. Ich glaube - um die Frage nach digitalen Comics nochmal aufzugreifen - dass sich alles irgendwie in diese Richtung entwickelt. Das ist von zentraler Wichtigkeit für uns. Wir haben in der Tat jede Menge Verkäufe, die sich direkt auf diese Website zurückverfolgen lassen. Das ist eine großartige Plattform, um mit den Fans in Kontakt zu treten... und mit Händlern, Vertrieben und Autoren und Zeichnern. Darüberhinaus versuchen wir außerdem, über unsere Website, YouTube, MySpace und so weiter so eine Art virales Basis-Marketing zu betreiben. Einfach... die Leute auf uns aufmerksam zu machen. MOF: Wir haben uns gefragt, wer eure Logos entworfen hat und was es mit dem Namen "Dark Horse Comics" auf sich hat. DW: Das ist mal 'ne gute Frage. Das stammt alles von Mike Richardson, dem Präsidenten und Verlagsleiter. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, woher er die Idee hatte. Aber rückblickend finde ich, dass es ein großartiger, passender Name für die Firma ist. Es hatte viel damit zu tun, dass da Marvel und DC waren und alles in der Hand hatten. Und da tauchen wir auf mit ein paar echt interessanten Alternative-Comics und haben auch noch großen Spaß dabei. Viel Schwarz-Weiß-Material... als wollte man sagen: Hier kommt das schwarze Pferd über die Außenseite. Ich bin nicht sicher, was seine genaue Inspiration war. Kann sein, dass er eines Tages einfach ein Sandwich aß und dachte, "Hey!" Aber ich halt's für einen ganz großartigen Namen. BW: Du hast mal erwähnt, dass euch das Format des deutschen Verlags Cross Cult sehr gefällt [Cross Cult veröffentlicht etliche Dark-Horse-Titel auf deutsch, u.a. Sin City, Hellboy und The Goon - die Red.], und dass ihr in Betracht zieht, auch so etwas zu machen. War das bloß ein Scherz oder denkt ihr tatsächlich drüber nach, kleine Bücher in Schwarzweiß und mit festem Einband zu veröffentlichen? Das ist auch wieder so etwas, wo wir mit Zeichnern und Autoren zusammenarbeiten. Guck dir Kazuo Koikes Lone Wolf & Cub an, zum Beispiel - als wir diese Reihe starteten, war das ein sehr ungewöhnliches Format, und es kam letztlich auf Koikes Wunsch zustande. Wer bin ich, Koike was abzuschlagen, also haben wir gesagt, "okay". Und wie's sich rausgestellt hat, ist es großartig. Das kommt also auf die Zusammenarbeit an. Ich glaube nicht, dass es mittlerweile noch ein Format gibt, das wir noch nicht verwendet haben. Wir sind ständig am experimentieren. BW: Die letzte Frage ist eine, die ich immer stelle, weil ich gerne meinen Horizont erweitere: Gibt's einen Comic, den du in letzter Zeit gelesen hast - nicht mal unbedingt von Dark Horse -, von dem du sagst, "Das ist momentan mein Lieblingscomic, schaut euch den mal an"? Was andere Verlage angeht... Ich würde sagen, dass ich Ed Brubakers Captain-America-Sachen bei Marvel sehr mag. Die find ich echt klasse. Das ist wohl das Beste, was die gerade so rausbringen. BW: Okay, danke für das Gespräch. DW: Danke, Jungs.
darkhorse.com: Offizielle Website mit zahlreichen Leseproben, Downloads, Foren und dem kompletten Verlagsprogramm Dark Horse MySpace Presents: Die neue Online-Comic-Plattform
|
||||

















Das Verlagshaus Dark Horse Comics, ansässig in Milwaukee im US-Bundesstaat Oregon, wurde 1986 von dem Comichändler Mike Richardson aus der Taufe gehoben. Heute zählt Dark Horse zu den größten und bedeutendsten Independent-Comic-Verlagen der Vereinigten Staaten, dessen Veröffentlichungsstrategie im wesentlichen auf zwei Standbeinen beruht: Zum einen bietet Richardson begnadeten Schöpfern wie Frank Miller (Sin City, 300), Mike Mignola (Hellboy), John Byrne (Next Men), Paul Chadwick (Concrete), Stan Sakai (Usagi Yojimbo), Eric Powell (The Goon) oder Matt Wagner (Grendel) eine Plattform für deren prestigeträchtige Eigenschöpfungen. Zum anderen kauft man gerne die Comic-Lizenzen beliebter Science-Fiction- und Fantasy-Franchises ein, wie etwa Aliens (seit 1988 bei Dark Horse), Predator (seit 1989), Star Wars (seit 1991), Buffy (seit 1998), Conan (seit 2003), Romanautor Michael Chabons The Escapist (seit 2004), oder Serenity (seit 2005).