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11.02.2012
(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 04. Oktober 2007
Nach einer Geschäftsreise steigt Hiroshi Nakahara versehentlich in
einen falschen Zug. Dieser bringt den Familienvater zufälligerweise in
seine Geburtsstadt Kurayoshi. Beim Besuch des Grabes seiner Mutter
verliert er das Bewusstsein und wacht schließlich als sein eigenes
14-jähriges Ich wieder auf.
Er befindet sich wieder in den 60ern, für
Hiroshi wiederholt sich damit nicht nur die Geschichte, längst
vergangene Geschehnisse um Familie, Freunde, Schule, sondern er erlebt
sie nunmehr mit dem distanzierten Blick und Wissensstand eines
48-jährigen. Die ungewöhnliche Zeitreise entwickelt sich für ihn zudem
zur einmaligen Gelegenheit, nämlich ab dem Zeitpunkt, ab dem er
realisiert, dass er dem plötzlichen Verschwinden seines Vaters in jenem
Sommer 1963 endlich auf die Spur kommen kann. Von zentraler Bedeutung
ist dabei die Frage, was passiert, wenn es Hiroshi diesmal gelingt,
seinen Vater davon abzuhalten, die eigentlich harmonische Umgebung der
Familie zurückzulassen.
Mit über 400 Seiten ist Vertraute Fremde sicherlich als ein Werk zu bezeichnen, auf das man sich bereits aufgrund des Umfangs längere Zeit einlassen sollte. Jiro Taniguchi nimmt sich viel Zeit für die Einführung der wichtigsten Personen, insbesondere natürlich des Hauptcharakters, dessen tiefer gehende Konfrontation mit dem Motiv des Vaters ihn, je mehr er herausfindet, an sein eigenes, zukünftiges Erwachsenendasein erinnert.
Taniguchi reflektiert gekonnt die Erfahrungswerte der Kindheit und bringt sie dem Leser aus unverklärtem Blickwinkel näher. Dadurch entsteht eine neue Perspektive, die nachdenklich macht, leicht amüsiert und spielerisch mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung umgeht. Dabei bleibt die vermittelte Moral stets subtil, die Rückführung des Protagonisten wird zu dessen Spiegel, die Aufarbeitung des mysteriösen Verschwinden des Vaters entpuppt sich plausibler und damit leider auch ernüchternder als erwartet, wie eben so vieles im Leben. Aber auch abseits von alledem ist es wundervoll, den quasi reinkarnierten 14-jährigen Jungen zu verfolgen, wie er sein neues altes Leben entdeckt.
Für einen Manga ist Taniguchis Zeichenstil erfrischend zurückhaltend,
die Bebilderung des alltäglichen Lebens ruhig und präzise
dargestellt. Vertraute Fremde besitzt eine anrührende Story, die auf
vielen Seiten an Sympathie gewinnt und einen schlichtweg in den Bann
ziehen kann. Zwar ist die Erzählung im asiatischen soziokulturellen
Raum beheimatet, orientiert sich aber durchaus auch an westlichem
Storytelling, alles in allem sind Taniguchis einfühlsame Schilderungen
dadurch noch zielgerichteter und machen den Comic inhaltlich und
optisch zu einen runden Sache.
Vertraute Fremde
Carlsen; August 2007
Text/Zeichnungen: Jiro Taniguchi
409 Seiten; 19,90€
ISBN: 3551777799















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Träume von Glück stammt aus der
Schaffenszeit, in der Jiro Taniguchi hauptsächlich alltägliche Themen aufgreift
und sie in einem ruhigen Erzählstil darbietet. Inhaltlich fasst Träume von Glück fünf recht unterschiedliche
Kurzgeschichten zusammen.
Die ersten vier Kurzgeschichten handeln von einer
Familie und ihrem Umgang zuerst mit einem Hund, dann mit Katzen und später einer Verwandten, wobei in
dieser letzten Geschichte die Katzen kaum noch eine Rolle spielen.
- 15.12.2008
Der japanische Comickünstler Jiro Taniguchi kann mittlerweile auf eine wahre Fülle an Publikationen zurückblicken, von denen in den vergangen Jahren auch recht viele ins Deutsche übersetzt wurden. Jüngst hinzugekommen ist das sich über zwei Bände erstreckende Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß, eine getreue Adaption des Romans der ebenfalls aus Japan stammenden Schriftstellerin Hiromi Kawakami.
Der unermüdliche Pionier Jiro Taniguchi dringt erneut in schwer zugängliche Gefilde des Erzählens vor und erweitert wieder die Grenzen der Comicliteratur – im Buch Der spazierende Mann überaus gelungen.
Der Mangawestern war ja bislang
ein eher unerforschtes Gebiet. Mangaka Jiro Taniguchi, von jeher ein Bewunderer
frankobelgischer Westerncomics (z.B Jean Girauds Blueberry), erfüllte sich mit
seinem Buch Sky Hawk einen lange gehegten Traum: Er versetzt zwei
Samuraikrieger mitten in den Konflikt zwischen Indianern und US-Armee.
- 16.09.2010
Im Jahr 1966 kündigt der junge
Künstler Hamaguchi seinen Job in einer Textilfabrik, zieht nach Tokio und und
wird einer der Assistenten des renommierten Mangakas Kondo. Doch auch im
Atelier des Sensei ist die Arbeit für einen Mangaverlag nicht unbedingt der
große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er
lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu
kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen.
- 13.07.2010