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von Benjamin Vogt Donnerstag, 28. Juni 2007

 Thomas Tennant ist 7 Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Als selbsternannter Hüter des Reiches (verlassene Orte, die ihn an die Mutter erinnern) sieht er sich in der Pflicht, mit Umhang und Löwenmaske ihr Andenken zu wahren. Thomas will stark sein, auch für seinen Vater, den der Tod in emotionale Starre versetzt hat und der den Verlust einfach nicht verarbeiten kann. Er entfernt sich vom normalen Leben und bürdet Thomas damit unwissentlich große Verantwortung auf. Zu große für einen 7-jährigen Jungen.

Schließlich übernehmen Thomas' Tante und Onkel seine Vormundschaft, während der Vater aufgrund seiner Verfassung in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird. Doch auch wenn Thomas seine Mutter nie mehr wieder sehen wird, hat er schon einen Plan, um zumindest seinen Vater zu retten...

Paul Hornschemeier gelang mit der Graphic Novel Komm zurück, Mutter eine ungemein gut gemachte Comicerzählung. Dabei fängt deren erstes Kapitel auf der allerletzten Seite an. Ein besonderer Kunstgriff, den Hornschemeier vollbringt, indem er in seinem kompletten Buch lediglich die Einführung der fiktiven Hauptfigur Thomas Tennant abdruckt. Durch seine Augen lässt der US-Künstler quasi die Vorgeschichte zu einem Werk berichten, das es nie gab. Durchaus eine innovative Idee, aber kurz gesagt nichts anderes als eine biografische Ich-Erzählung in ungewöhnlicherem Rahmen als gewohnt.

Die Geschichte berührt und es ist faszinierend, inwiefern Vater und Sohn sich nach dem Tod verändern, respektive wie sie es schaffen, mit dem Verlust in ihrem Leben umzugehen. Thomas wird schnell erwachsener als er sein sollte, kümmert sich um seinen Vater, weil er spürt, dass er ihm, ob mit oder ohne Held mit Löwenmaske, helfen muss. Und tatsächlich verfällt der Vater in tiefe Depression und lebt teilnahmslos vor sich hin.

Beide Zustände werden hier sehr eindringlich und gut geschildert. Der Plot hebt sich mit seiner Betrüblichkeit und ruhigen Bebilderung klar ab und lässt den Leser tieftraurig die letzte Seite umblättern.

Hornschemeiers Zeichnungen weisen eine simple, reine Struktur auf, seine Farben und Symboliken sind bewusst einfach gehalten und halten sich dezent zurück. Immer weiter gibt sich der Band auch der naiven, kindlichen Bildsprache hin, z.B. dann, wenn Onkel und Tante als Vogel und Katze erscheinen, Thomas selbst natürlich als Löwe.

Die einzelnen Panels für sich genommen, ist der Comic weder auf grafischer noch inhaltlicher Ebene sonderlich spektakulär, aber die Übergänge zwischen den Bildern, die kleinen Momente oder die Reproduktion einer ganz spezifischen Gefühlslage sind hingegen atemberaubend. Dabei sieht man letztlich, wie professionell der Künstler mit einem schwierigen, gefühlsechten Thema zurecht kommt und auf das Medium Comic zu übertragen weiß.

Komm zurück, Mutter ist ein geniales Debüt von Paul Hornschemeier in deutscher Sprache, und der Comic, der mich seit Mutter hat Krebs von Brian Fies (auch dabei geht es um Tod und Krankheit eines Familienmitglieds) am nachdenklichsten zurückgelassen hat.


Komm zurück, Mutter
Text und Zeichnungen: Paul Hornschemeier
Carlsen; 128 Seiten; Hardcover; 16,- Euro
ISBN 978-3-551-74877-5


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