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von Christopher Bünte Dienstag, 12. Juni 2007
Neulich konnte man irgendwo lesen, dass es bei Torpedo keine Moral gäbe. Aber stimmt es wirklich, dass die Serie frei von Moral ist? Man kann Moral als ein Wertesystem verstehen. Das moralische System einer bestimmten Gruppe orientiert sich an gewissen Vorstellungen, was gut und was böse ist. Es fällt leicht, den Killer Torpedo als unmoralisch zu bezeichnen. Man signalisiert damit, dass man sich nicht zu seiner Gruppe rechnet bzw. dass man sich an einem anderen Wertesystem orientiert als er. Kunststück. Denn welcher Leser muss sich schon als harter, gnadenloser Killer auf der Straße durchschlagen?
In Bertolt Brechts Dreigroschenoper wimmelt es von berühmten Zitaten. Eines davon kommt aus dem Mund des Ganoven Mackie Messer, der unserem Torpedo gar nicht so unähnlich ist. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ sagt er an einer Stelle. Die Moral – das sind hier bürgerliche Vorstellungen von Gut und Böse. Aber das Fressen hat eben eine eigene Moral. Es ist die Moral des Gnadenlosen, des Gewalttätigen. Luca Torelli lehnt immer mit dem Rücken an der Wand, wie ein in die Enge getriebenes Tier. Er beißt wild um sich, um zu überleben. Und die Leser? Wir sind bloß Schaulustige mit vollen Bäuchen, die amüsiert zugucken.
Torpedo 2
Cross Cult, Mai 2007
Text: Enrique Sánchez Abuli
Zeichnungen: Jordi Bernet
152 Seiten; schwarzweiß; Hardcover; 18,- Euro
ISBN: 9783936480450

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