| Rex Mundi 1 - Der Wächter des Tempels |
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| Geschrieben von Frauke und Christopher | |||||||||||||||||
| Freitag, 13. April 2007 | |||||||||||||||||
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Christopher: Ich muss zugeben, dass ich zunächst zurückhaltend reagiert habe, als ich das erste Mal von Rex Mundi hörte. Ein Verschwörungsthriller mit christlich-religiösem Hintergrund, dann noch in einer alternativen Welt ... Puh! Irgendwie denke ich da sofort an den DaVinci-Code oder an Die Offenbarung. Da hat jemand einen Trend erkannt und möchte mitmischen. Seit ich aber den ersten Band "Der Wächter des Tempels" gelesen habe, ist meine Meinung deutlich besser. Mir hat der erste Teil überraschend viel Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf den zweiten. Frauke: Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von der Verwendung religöser Aspekte in Comics, auch wenn es nur Mittel zum Zweck ist wie in Magdalena oder Trinity Blood. Das kann ja mal schnell ins Pathetische oder Peinliche abrutschen - als jemand, der Religionen sowieso nichts abgewinnen kann, sitzt man dann nach dem Lesen solcher Werke irgendwo zwischen ratlos und enttäuscht herum. Deswegen bin ich sehr skeptisch an Rex Mundi gegangen. Und ich wurde, wie Du, positiv überrascht. Hier geht es nicht um irgendwelche blutenden Madonnen, Jungfrauen oder tapfere Inquisitoren gegen das Böse in der Welt, sondern um einfache Menschen in einer von der christlichen Kirche dominierten Welt. Die Kirche ist in diesem Comic nichts anderes als eine recht rigide agierende Regierung, die nicht vor Unterdrückung kritischer Meinungen zurückschreckt. Jemand, der sich den Comic wegen des religösen Bezugs kauft, dürfte sogar enttäuscht sein. Was hast Du denn vorher erwartet, und wie hat Dich der Comic überzeugt? Christopher: Erwartet hatte ich ein Produkt von der Stange. Irgendwas Aalglattes ohne Innenleben. Ich meine, bei DER Aufmachung! Hardcover, dicke 200 Seiten, gute Bindung. Macht sich recht anständig im Regal. Überzeugt hat mich am Ende die Atmosphäre. Der Zeichenstil von Eric Johnson ist realistisch, düster und nicht überzogen. Dazu Zeitungsseiten zwischen den Kapiteln, die etwas mehr über die Ereignisse, die politische Lage und die staatliche Ideologie verraten. Die ganze Sache wird dann auch nicht holprig, sondern ruhig und fließend erzählt. Bei mir entwickelte sich ein leicht paranoides Gefühl im Nacken, ähnlich wie bei 100 Bullets. Und dann alles vor dieser herrlich morbid-gotischen Kulisse - Paris 1933! Da fällt mir ein: Wollen wir eigentlich etwas über die Handlung verraten? Frauke: Wäre bei einer Rezension vielleicht ganz angebracht, das haben wir bis jetzt vor lauter Überraschtsein ganz verschlafen. Protagonist ist der Arzt Dr. Julien Saunière, der von dem befreundeten Pater Gérard Marin in ein Geheimnis eingeweiht wird: Marin ist der Wächter eines Archivs von Schriftrollen über den Orden der Tempelritter und über die Merowinger, welches sich unterhalb seiner Kirche ("L'église de la Madeleine") befindet. Vor kurzem wurde eine Schriftrolle gestohlen, obwohl nur er und der Erzbischof von dem Archiv wussten. Die schützende Gittertür ist erstaunlicherweise unversehrt. Dies und der Geruch von Sandelholz und Schwefel wecken den Verdacht, dass Zauberei mit ihm Spiel war. Der verzweifelte Pater wendet sich mit Saunière nun an einen der wenigen Menschen, denen er vertrauen kann. Julien findet durch Gespräche mit ihm heraus, dass doch ein dritter Mensch von dem Archiv wusste - Marie-Christine, mit der sich der Pater in einer Magdalene, einem Haus für ehemalige Prostituierte und in dem er Seelsorge betrieb, anfreundete. Der Arzt macht sich auf, um die Frau zu befragen, findet schlussendlich aber nur ihren durch einen Ritualmord getöteten Körper vor. An diesem Punkt wird ihm bewusst, dass es sich wohl um mehr als nur um einen unerheblichen Diebstahl gehandelt haben muss, und er muss um sein und das Leben des Paters fürchten. Zu allem Überfluss taucht auch noch seine frühere Geliebte auf, an der er immer noch sehr hängt, die aber ein doppeltes Spiel zu treiben scheint ... Mehr möchte ich jetzt nicht verraten. Die Handlung saugt einen immer mehr in das Geschehen hinein. Was am Anfang noch relativ konventionell erscheint, entpuppt sich mehr und mehr als durchtriebene Welt, in der neben der Diktatur der Kirche auch Magie bestehen kann. Geheimbünde im Zusammenhang mit kirchlichen Elementen ist zwar nichts Neues, wird aber hier in einem spannenden Kontext angeboten. Vor allem die von Dir erwähnten Zeitungsausschnitte sind erstaunlich. Wer sich darauf einlässt, der erfährt eine Menge darüber, wie die Kirche in Rex Mundi Nachrichten steuert - einerseits solche, die wir selber als "Zeugen" der Ereignisse ganz anders mitbekommen haben, andererseits für die Handlung erstmal unwichtige Bröckchen, mit deren Hilfe man sich aber ein besseres Bild der heraufbeschworenen Welt machen kann. Man darf schließlich nicht vergessen, dass die Kirche auch in der Realität für eine gewisse Zeit sehr viel Macht hatte, was einen Teil des Reizes dieses Serie ausmacht. Christopher: Vielleicht sollte man noch zwei Details erwähnen, um potenzielle Leser nicht abzuschrecken. Obwohl es sich um einen Thriller voller Verschwörungen und Geheimbünde handelt, ist der Plot nicht verwirrend, sondern übersichtlich und gut zu verfolgen. Ich erkenne im Prinzip zwei Erzählstränge. Zum einen ist da Dr. Saunière, der nach dem Mörder des Paters sucht, zum anderen ist da seine ehemalige Geliebte Genevieve, die hart an ihrem gesellschaftlichen Aufstieg arbeitet. Sie führt den Leser in die höheren Gefilde der Politik, so dass größere Zusammenhänge deutlich werden. Und noch ein Wort zum Thema Magie. Es hat mir gefallen, dass Zauberei sparsam verwendet wird. So bleibt die Geschichte am Boden und wirkt grundsätzlich recht geerdet. Frauke: Stimme Dir voll zu mit dem übersichtlichen Plot. Selten habe ich einen Comic gelesen, dessen Handlung so gut zu verfolgen war wie die von Rex Mundi 1 und die trotzdem die Spannung über die gesamte Länge behält. Ein großes Lob an den Autor Arvid Nelson! So nebenbei: der Name ist mir neu, kennst Du was von ihm? Christopher: Nein, ich kenne von ihm auch nicht mehr. Vielleicht ein Debut? Ein neuer Stern?
Noch einmal zur Story: Hat Dich das Ende
auch so unbefriedigt zurückgelassen? Gut, die Story findet ein Ende,
aber ... Am Ende von "Der Wächter des Tempels" ist quasi überhaupt
nichts geklärt. War ein tolles Gefühl, sich so auf den zweiten Band zu
freuen.
Frauke: Du meinst "unbefriedigt" in einem positiven Sinne? Natürlich, der Cliffhanger ist hervorragend angelegt. Man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht und was es jetzt mit der Verschwörung auf sich hat. Vor allem, da das Ganze richtig ernst wird und Julien nur knapp seinem Tod entrinnen konnte. Und durch die Parallelhandlung, in der der Leser Genevieve folgt, erhofft man sich für Band 2 (der die Tage erschienen ist), etwas über den Geheimbund von einer anderen Warte aus zu erfahren. Clever angelegt, die Geschichte! Christopher: Was die Fortsetzungen angeht: In den USA liegt die Serie ja in den Händen von zwei Verlagen, Image und Dark Horse. Meinst Du, das könnte Auswirkungen haben auf die Veröffentlichungen hierzulande? Frauke: Das glaube ich weniger. So lange nicht DC oder Marvel ihre Hände im Spiel haben (und damit die Volllizenzen für deutsche Ausgaben bei Panini liegt) und sich Band 1 hier in Deutschland & Co nicht unterirdisch verkauft, sollte es meiner Einschätzung nach keine Probleme für weitere Veröffentlichungen geben. Hoffen wir es! Sind denn Gründe bekannt für den Verlagswechsel in den USA? Und wie viele Bände sind in den USA erschienen, weißt Du da was drüber? Christopher: Meines Wissens nach gibt es in den USA bisher 24 Hefte bzw. entsprechend vier Paperbacks. Die ersten sechs Hefte finden sich ja nun auf Deutsch in Der Wächter des Tempels, was dem ersten US-Paperback entspricht. Laut der offiziellen Website sollen insgesamt etwa 36 Einzelausgaben erscheinen, dementsprechend sind zwei weitere Paperbacks von Rex Mundi bereits angekündigt. Die Gründe für den Wechsel zu Dark Horse kenne ich auch nicht. Übrigens schwirren gerade Gerüchte durchs Netz, dass über eine Verfilmung mit Johnny Depp nachgedacht wird. Frauke: Ah, diese Art von Rollen passt ja zu ihm. Von der Atmosphäre her würde das dann sicher in Richtung seiner Filme wie Die neun Pforten, From Hell oder Sleepy Hollow gehen. Christopher: Habe ich auch gedacht. Warten wir mal ab, was kommt. Das Drehbuch ist noch nicht fertig, alles andere sind Gerüchte, sprich: Es kann noch eine Weile dauern, bis die Geschichte im Kino zu sehen sein wird. Ich habe den Eindruck, wir beide sind uns ziemlich einig, was Rex Mundi angeht. Spannender Verschwörungsthriller, übersichtlich, facettenreich, geheimnisvoll, mit einer schönen Atmosphäre und genug offenen Fragen, die der Beantwortung harren. Und dazu eine tolle Aufmachung inklusive einer Galerie von Gastzeichnern. Die Serie sollte man im Auge behalten. Rex Mundi 1: Der Wächter des Tempels Ehapa Comic Collection, Januar 2007 Text: Arvid Nelson Zeichnungen: Eric Johnson 192 Seiten, Hardcover, farbig; 20,- Euro ISBN: 3770466101 ![]() www.ehapa-comic-collection.de PDF-Leseprobe auf ECC ausführliche, offizielle Rex Mundi-Website (US) © Rex Mundi: Arvid Nelson und Egmont vgs Verlagsgesellschaft mbH
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Kommentare (5)
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Simon
said:
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... Jetzt probier ich die neue Kommentar-Funktion bei Comicgate doch glatt mal aus und senfe ein bisschen mit: Die Skepsis vor religiösen Themen in Comics teile ich mit Euch beiden beinahe uneingeschränkt. Umso erfreulicher ist es, dass es Comics mit religiösen Themen gibt, die einen trotz aller Skepsis zu überzeugen wissen. Mich jedenfalls. Ich denke da ganz spontan an "Blankets" von Craig Thompson und "Die zehn Gebote" von Frank Giroud und diversen Zeichnern. Nur so als Kommentar halt... |
Ben
said:
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... wobei bei Blankets die Religion ja nur eine kleine Komponente darstellt, bzw. sie ist eigentlich das was Thompson mit geprägt hat aber nicht das von dem hauptsächlich im Band erzählt wird "Das geheime Dreieck" behandelt übrigens auch das Christen-Verschwörungsthema und ist, neben anstrengend, auch spannend. Und von "Die offenbarung" von Jenkins und Ramos, das bereits im Text erwähnt wird, war ich echt positiv überrascht. |
Frauke
said:
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... Ich bin wie Benjamin der Meinung, dass man "Blankets" nicht in diese Kategorie mit reinnehmen kann. An "Die Offenbarung" musste ich beim Lesen auch ein paarmal denken, wobei mir aber "Rex Mundi" besser gefällt. Ist irgendwie bodenständiger und fesselnder. Die anderen von Euch erwähnten Comics habe ich (noch) nicht gelesen. |
Simon
said:
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... Gerade weil man "Blankets" nicht in die Kategorie der Christus-Verschwörungs- oder Vertuschungscomics zählen kann, ist es ein guter Comic mit religiösem Themenbezug. Denn Religion stellt sich nur am Rande die Frage, was damals tatsächlich passiert ist, ob zum Beispiel Jesus Sex mit Magdalena hatte, einen Bruder, Herpes oder einen Klumpfuß. Das machen allenfalls die historisch-kritische Thelogie, die Geschichtswissenschaften etc. Religion ist das, was eine Gruppe von Menschen glaubt, und was sie aufgrund dieser Glaubensannahmen für eine Weltsicht, für eine Moral- oder Heilsvorstellung hat. Historisch gesicherte Fakten haben darauf kaum einen Einfluss, sonst gäbe es keinen Papst, keine Dreieinigkeit, kein Weihnachten und kein Ostern. Und in "Blankets" wird eine Geschichte erzählt, die ohne Prägung durch und die Auseinandersetzung mit einer bestimmten Glaubensvorstellung überhaupt nicht passieren könnte. Nur ein so gearteter, religiös geprägter Mensch stellt sich in seiner Beziehung zu Raina andauernd die Frage nach Lust, Verführung, Reinheit, und lobt den Schöpfer seiner Geliebten, weil sie ihm so gut gefällt. Nur einem Kind, das eingehend mit dem Konzept der Sünde vertraut gemacht worden ist, wird es einfallen, die erste Dusche seines Lebens -- die stattfindet, weil die Brüder sich gegenseitig bepinkelt unf "filthy" gemacht haben -- als reinigende Taufe zu bezeichnen. Bis ins letzte Kapitel dieses Comics wimmelt es von Bibelzitaten, Diskussionen über den Glauben, Hinweisen in den Bildhintergründen und phantastischen Szenen mit Höllentreiben oder Engeln. Gerade Raina wird häufig zum Engel oder zur Heiligen verklärt, was deutlich zeigt, wie sehr Craigs Vorstellungen von Liebe und Schönheit mit religiösen Konzepten wie Reinheit nd Erlösung verquickt sind. Also, wenn es in diesem Comic nicht um Religion geht, und zwar um das Entwachsen aus einer christlichen, moralisch überfordernden Kindheit in ein einigermaßen atheistisches, erwachsenes Künstlertum, dann weiß ich nicht recht. Freilich geht es auch um Liebe, Kunst, Familie und Kindheit, aber doch bitteschön auch ziemlich gehörig um Religion, die nämlich alle anderen Bereiche beeinflusst... So ungefähr jedenfalls, und deshalb hab ich "Blankets" unter den Comics, in denen Religion eine Rolle spielt, ja auch so lobend hervorheben wollen. Dass "Rex Mundi" spannend und gut ist, freut mich trotzdem. |
MisterWoo
said:
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... Wie schön, dass die neue Kommentar-Funktion ihre Anwendung findet. Feines Tool das! "Blankets" und "Rex Mundi" sind für mich zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe. Sicher, beide haben die christliche Religion zum Thema. Und beide Comics sind sehr lesenswert. Der wichtigste Unterschied erscheint mir die Erzählweise. "Blankets" ist autobiographisch, dadurch sehr persönlich. Es geht vornehmlich um die innere Handlung, um Gedanken und Gefühle der Hauptfigur. Bei "Rex Mundi" ist die äußere Handlung vorrangig, ein Kriminalplot mit Actionsequenzen. Außerdem ist die Geschichte rein fiktiv. Die Fortsetzung ist übrigens gerade raus. "Rex Mundi 2 - Der unterirdische Fluss", bei ECC. |
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