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von Benjamin Vogt Sonntag, 04. März 2007

Blaue PillenAuf einer Party begegnet Frederik Peeters zum ersten mal Cati, die Frau, an die er zukünftig öfter denken muss, obwohl er sie höchstens einmal im Jahr wieder sieht. Nach einiger Zeit kommen sich die beiden schließlich doch näher und Cati offenbart ihm, dass sie und ihr Sohn HIV-positiv sind. Frederik rasen tausende Gedanken durch den Kopf, bevor er sich entschließt, weiter an ihrer Seite zu bleiben und die Beziehung zu vertiefen. Ihr gemeinsames Leben wird fortan von der Krankheit überschattet, was Frederik und Cati jedoch wenig Trübsal blasen lässt.

Der Genfer Zeichner Frederik Peeters beweist mit dem Album Blaue Pillen wieder einmal eindrucksvoll, wie kraftvoll und emotional autobiografische Comics sein können. Peeters hat den Comic (immerhin 192 Seiten) in nur drei Monaten fertig gestellt und ist damit seinem Drang nach einer schnellen Nacherzählung seiner Liebe nachgekommen. Natürlich macht die AIDS-Erkrankung das übergreifende Motiv aus und lässt die Geschichte aus der Sicht eines unmittelbar Betroffenen zusätzlich zu etwas Besonderem werden. Aber das Geschick des Autors beweist sich vielmehr in der Darstellung kleiner Begebenheiten, die leicht, humorig und nachdenklich aufs Papier übertragen wurden. Vermehrt finden sich spezielle Kernpunkte, die punktgenau und optisch entsprechend bedacht vor des Lesers Auge thematisiert werden. So erleben wir Peeters durch seine Erinnerung an den Zeitpunkt, an dem Cati ihm zögerlich von der Krankheit berichtet, als für Sekunden paralysierten Mann, der an einem Wende- und Entscheidungspunkt in seinem Leben steht.

 Auch weitere bestimmte Situationen werden zum Symbol eines spezifischen Gefühls, oder besser gesagt einer neu definierten Beziehungsebene. Die Beziehung zu Cati, zu ihrem Schuldgefühl oder der Angst beim Sex ist stetig in der Entwicklung. Vertrauen verdrängt Unsicherheit, Aufklärung räumt Befürchtungen aus. Als eines Nachts das Kondom platzt, wenden sie sich panisch an ihren Arzt. Wundervoll wird diese und die nächsten Passagen, in denen das Verhältnis Arzt-Patient vorkommt, dargestellt, indem ein Nashorn die Figuren als metaphorischer Restzweifel begleitet. Auch Frederiks Beziehung zu Catis Kind durchläuft verschiedene Phasen und lässt schlussendlich erkennen, dass Frederik zu einer festen, emotionalen Bezugsperson, wenn nicht gar neuer Vater geworden ist.

Am Ende ist der Autor dann sogar auf einem sich selbst hinterfragenden Erkundungstrip zu sehen, bei dem er sich imaginär mit einem Mammut unterhält. Wie gesagt finden in diesem Band viele Symbole ihre Anwendung, die bestimmte Situationen verdeutlichen sollen. Was Blaue Pillen letztlich so bezaubernd macht, ist die lockere Art, die zwischen den vielen ernsten Szenen durchscheint. Der Comic ist sehr hinterfragend und aus der subjektiven Sicht des Machers sehr offenherzig, geht aber spielend mit Krankheit und Problemen des Alltags um, indem er immer die positive Seite, die Liebe, die Hoffnung aufrechterhält. Auch dadurch konnte der Genfer Künstler seiner hauptsächliche Intention, die Liebesgeschichte zu Cati zu erzählen, vorzüglich nachkommen.


Blaue Pillen
Reprodukt; Dezember 2006
Text und Zeichnungen:
Frederik Peeters
192 Seiten, s/w, 24 x 17 cm, Klappenbroschur; 20,- Euro
ISBN 978-3-938511-62-6

herrlich gefühlvoll, unbedingt reinschauen


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Kommentare (1)Add Comment
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geschrieben von felix, am 27. März 2007 um 09.38 Uhr
eine tolle geschichte, die von peeters handwerklich gut umgesetzt und realisiert wurde. philosophische gedanken und expressive zeichnungen ergänzen sich gut, aber manchmal ist mir persönlich sein stil ein bisschen zu altbekannt, erinnert mich zu fest an craig thompson.

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