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von Thomas Kögel Dienstag, 12. Dezember 2006

 Der Selbstmordclub von Usumaru Furuya gehört zum Label Shodoku, in dem der Verlag Schreiber & Leser Mangastoffe für erwachsene Leser präsentiert. Augsgangspunkt der Geschichte, die in Japan parallel zum Film Suicide Circle erschien, aber keine strikte Adaption des Films darstellt, ist ein kollektiver Selbstmord von fünfzig Schülerinnen, die sich im größten Bahnhof Tokios vor einen Zug werfen. Nur ein Mädchen überlebt.


In Rückblenden erfahren wir mehr über die Gruppe verzagter Schülerinnen, die allesamt Mitglied einer Gruppe unter der Führung der charismatischen Mitsuko waren, in der sie sich gegenseitig tätowierten oder rituelle Selbstverstümmelungen verübten. Saya, die Überlebende des Massenselbstmords, schickt sich schon bald an, die Nachfolgerin Mitsukos zu werden und ebenfalls eine Reihe von Mädchen um sich zu scharen. Ein neuer Selbstmordclub? Erzählt wird die Geschichte vorwiegend aus der Perspektive von Kyoko, die bis vor kurzem Sayas beste Freundin war und nun voller Skepsis und Sorge die Veränderung ihres Charakters beobachtet. Wir erleben aber auch die Ermittlungen der Polizei und die Nachforschungen eines Lehrers, der bald auf ein mysteriöses Forum im Internet stößt.

Furuya erzählt auf sehr einfühlsame Weise von verletzlichen und verzweifelten Teenagermädchen, die sich nur in einer eingeschworenen Gemeinschaft verstanden fühlen und letztlich so weit gehen, sich kollektiv umzubringen. Dabei läuft er durchaus Gefahr, den Suizid als mögliche Problemlösung tatsächlich in Betracht zu ziehen oder gar zu glorifizieren, schafft es aber letztlich ganz gut, dass dies nicht der Fall ist. Der Selbstmordclub ist ein psychologischer Thriller, der sehr spannend und vor allem sehr intelligent erzählt ist. Durch den Wechsel von Erzählperspektiven und diverse Sprünge in der Zeitachse wird der Manga zu einem komplexen und interessanten Werk. Die Zeichnungen sind auf den ersten Blick als "typisch japanisch" erkennbar, wirken aber, vor allem durch den klassisch strengen Seitenaufbau, viel nüchterner und ruhiger als das, was man von populären aktuellen Mangas kennt.

Der Selbstmordclub ist über weite Strecken eine sehr atmosphärische, moderne Horrorfabel, die es durchaus in einigen Momenten schafft, dem Leser eine Gänsehaut zu verpassen. Doch leider will Furuya obendrein auch schockieren und provozieren. Da wird dann mit Kinderpornographie kokettiert und eine weibliche Version des gekreuzigten Jesus gezeigt. Ziemlich billige Schockeffekte, die gar nicht nötig gewesen wären und beim Leser einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Schade, denn dies ist ohne Zweifel ein außergewöhnlicher Manga, der auch Leser anspricht, die sonst einen Bogen um japanische Comics machen. Beinhahe ein kleines, düsteres Meisterwerk, aber eben nur beinahe.


Der Selbstmordclub
shodoku bei Schreiber & Leser, 2006  
Text und Zeichnungen: Usumaru Furuya
176 Seiten, s/w, broschiertes Softcover; 12,95 Euro
ISBN: 3-937102-53-1

 

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