| Kiesel, Reinhard |
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| Geschrieben von Frauke | |
| Mittwoch, 9. Februar 2005 | |
Am 14. Februar 2005 erschien der erste Zwerchfell-Comic
in diesem Jahr - und klotzt direkt mit großen Namen. "Total Fred - Mars
und Venus auf dem Holzweg" ist eine Sammlung von klassischen
Drei-Panel-Strips über den Mittdreißiger Fred und seine Freunde,
erdacht von Harald Havas und umgesetzt von Reinhard Kiesel, zwei alten
Hasen im Comicgeschäft. Die Profesionalität springt einem
dementsprechend entgegen in diesem von Zwerchfell liebevoll und üppig
umgesetzten, 82-seitigen Gagfeuerwerk.Seit fast fünf Jahren kann man bereits Freds Gedanken und Erlebnisse, die sich meist um Stadtneurosen, sexuelle Frustration oder das Scheitern an sich drehen, auf dem Comic-Portal des ORF mitverfolgen. Die meisten Pointen der nun gesammelten ersten 150 Strips zünden richtig gut, und das will was heißen bei einem Genre, das sicherlich nicht von den beiden neu erfunden wurde. Abgerundet wird das Ganze durch ein herrlich selbstironisches Vorwort von Peter Puck und der Möglichkeit, sich kurze Trickfilme über Fred auf der Zwerchfell-Seite anzuschauen.
Doch nun sollten Harald und Reinhard besser selber was zu Fred erzählen. ![]() Comicgate: Hallo Harald, Hallo Reinhard, am Valentinstag habt Ihr zusammen mit dem ORF "Fred" als Printcomic der Öffentlichkeit vorgestellt. War das mit dem Datum ein eher (glücklicher) Zufall oder doch seit längerem geplant?
Reinhard Kiesel: Reiner Zufall!
HH: Als ich FRED für den Comic-Channel präsentierte, habe ich schon mit Reinhard an einigen anderen, eher für Kinder gedachten Projekten gearbeitet. Da ich wußte, dass er der "Mann der 1000" Stile ist - seine Bandbreite zwischen Cartoon und extrem realistisch ist, was jetzt in Fred nicht immer so zur Geltung kommt, wirklich enorm - dachte ich mir, dass er sicher eine passende Umsetzung meiner Ideen liefern würde. Und so war's auch. Seit damals sind wir gleichberechtigte Eltern von Fred und allen anderen!
RK: Getrennt, Harald schickt das Manuskript sehr detailiert, manchmal auch
mit Skizzen, und ich liefere den fertigen Strip an den ORF. Das geht aber
nur, wenn man sich so gut kennt.
RK: Meine Arbeitszeit: ca. ein Tag, aber halt aufgeteilt!
RK: Nicht bewusst, aber gewünscht. Wahrscheinlich verändert er sich weiter.
CG: In den Strips geht es oft um sexuellen Frust und alltägliche Pleiten, Pech und Pannen, wobei eine Analogie zum Woody-Allen-Humor nicht von der Hand zu weisen ist. Sind die Strips von der Realität, nennen wir es mal, "inspiriert", oder ist alles erfunden? HH: Teils, teils ;-) Aber es muß ja nicht alles MIR passiert sein...
HH: Passiert mir dauernd. Aber ich kontere dann immer, dass ich jetzt seit zwölf Jahren in einer fixen Beziehung - sogar mit derselben Frau! - bin und obendrein seit 1 1/2 Jahren stolzer Vater einer Tocher. Nein, nein... ich bin, gottseidank, nicht Fred. Aber sollte mal der Ruhm und Rummel Überhand nehmen (ja, klar...), rasier' ich mir einfach den Bart ab und setz mir Kontaktlinsen ein, dann erkennt mich sicher keiner mehr in der Figur wieder ;-)
RK:Pläne immer.
HH: Die Frau ist absichtlich so - geradezu "allegorisch" (Mann und Frau 180 Grad verkehrt und so...)
RK: Es gab ein paar Abstimmungsprobleme zwischen der
Software und der Druckerei, die sich erst im Druck gezeigt
haben: manchmal ist z.B. Schwarz die Druckfarbe Schwarz, manchmal eine
Mischung aus den drei anderen Druckfarben, außerdem kommt der Hintergrund
hinter den Strips manchmal etwas zu stark durch. Nichts, was einem
durchschnittlichen Leser auffallen würde, aber wenn man ein
"Fehlersuchspiel" beginnen würde, könnte man dies und das entdecken. Wie
übrigens bei fast jedem Druckwerk.
RK: Der Hintergrund ist eine Collage aus Skizzen und Manusseiten. Und das Männchen ist aus Plastilin und ein Geschenk von meinem Sohn Calvin.
HH: Hm, das war irgendwann in einem Gespräch zwischen Jan [Dinter,
zuständiger Zwerchfell-Redakteur - Anm. d. Red.] und mir... wer's
genau war, weiß ich jetzt nicht mehr. Peter Puck kenne ich von vielen
Jahren Comic Salon Erlangen, und wir haben eine gute, freundschaftliche
Beziehung - die aus ca. einer Stunde Gespräch alle zwei Jahre besteht.
Außerdem liebe ich seine Sachen! Peter Puck ist sicher einer der
genialsten Comic-Schaffenden (Text UND Bild) im deutschen Sprachraum.
Inhaltlich ist Fred übrigens gar nicht so weit weg von Peters
Geschichten...
HH: Natürlich geht's weiter - wir brauchen ja noch ca. 50 neue Strips für Band 2! ;-) Fred ist nur eine von mehreren Strip-Serien die ich texte, sowohl für Kinder wie Erwachsene. Mittlerweile müßten an die 1000 Strips erschienen sein. Irgendwie ist der Comic-Strip mein ideales Medium, darin kann ich mich am besten ausdrücken. Von MIR aus könnte Fred auch täglich erscheinen!
CG: Erzählt doch mal bitte ein bisschen über die Trickfilmumsetzung von Fred. Was und wann erwartet den Fred-Fan? Und wer ist der Sprecher von Fred? HH: Auf der Homepage von Zwerchfell gibt es bereits drei kurze Spots, jeweils nach einem der Strips im Buch. Eine längere Episode (5 Minuten) ist auch schon fertig. An sich planen wir eine erste Staffel von 26 je 5minütigen Episoden. Das klingt nicht nach viel, ist aber langwierig und teuer! Landläufig geht man von 10.000 Euro pro TrickMINUTE aus! Dh. man braucht bereits mehrere Käufer und internationales Vorausinteresse, bevor man überhaupt anfangen kann. Aber wir sind da absolut am Ball. Ob's noch dieses Jahr was wird, mal sehen... News dazu jedenfalls immer auf der HP der Trickfirma Spectrum Trickfilm. Der Sprecher ist der in Wien lebende amerikanische Schauspieler Jim Libby. Denn Fred wird aus gerade genannten Gründen in Englisch produziert
HH: Alexander Noelle von Spectrum Trickfilm suchte im Jahr 2000 nach neuen Figuren bzw. Lizenzen, um daraus Trickfilmserien machen zu können. Er hatte zu dem Zeitpunkt schon Figuren von u.a. Haderer und Deix (für eine ORF-Comedy) animiert. Bei dieser Suche stieß er auf die Comics auf ORF.at und fragte bei mehreren Zeichnern und Rechteinhabern an. Wir trafen uns dann persönlich, kamen bald zu einem Verständnis - und los ging's! Schon 2001 wurden die ersten 45 Sekunden Fred beim europäischen "Cartoon Forum" in Garmisch-Partenkirchen präsentiert. Reinhard Kiesel liefert die "character sheets" der Figuren und Entwürfe der Hintergründe. Alexander Noelle und Team modellieren die Figuren in 3D, er zeichnet die Storyboards nach meinem Drehbuch und Spectrum animiert das ganze dann im Computer. Die Schauspieler sprechen ihre Texte vorab unter meiner Regie im Tonstudio, dann kommt noch Musik dazu... Zeichentrick dauert echt lange. Siehe auch diesen Fred-Strip dazu und die folgenden. ;-)
HH: Nein, sowohl als auch. Es gibt Skripts nach den Strips und eigens geschriebene. In einem Fall hab ich aus einem Skript dann auch erst nachträglich Strips gemacht.
HH: Immer eine durchgehende Story - so ähnlich wie die auch im Strip auftauchenden Fortsetzungen einer Handlung. Die "Shorts" wie im Web sind nur Teaser.
HH: Viel! Einerseits sind wir "Rechteinhaber" und "Lizenzgeber" - aber was noch viel wichtiger ist, dass wir als Layouter, Figurenentwickler, Drehbuchautor und Mit-Regisseur eigentlich immer hautnah dabei sind.
HH: Ja und Nein. Wir haben bereits einen Vertrieb gefunden, was schon recht viel bedeutet in dem Business. Die EU hält uns auch für förderungswürdig. Was wir jetzt noch brauchen sind mindestens zwei TV-Anstalten, die einen Vorvertrag unterzeichnen. Denn Trickfilm ist sauteuer! Da muß man das Produkt verkaufen BEVOR es gemacht ist! Aber momentan spielen die alle "wer sich zuerst bewegt, hat verloren". Da Alexander Noelle jetzt aber mit der deutschen Trickfilm-Legende Hahnfilm an Ralph Ruthes "Frühreifen" arbeitet, und mit Reinhard und mir an der Umsetzung eines weiteren (diesmal Kinder-)Strips namens "Maxie Maximal - das Mädchen aus der Zukunft", hoffen wir mittelfristig genug Kontakte zu knüpfen, damit da bald was geht!
RK: Ich hab von anderer Seite oft gehört, dass die Deutschen viel
konservativer
sind.
RK: Es gibt eine eigenständige Szene, aber keine ordentliche Möglichkeit
zur Veröffentlichung (keine Verlage, etc.).
HH: Nicolas Mahler ist ja schon recht - und zu Recht! - bekannt (mahlermuseum.at), einen richtigen Mini-Kult-Status (teilweise auch schon in Deutschland) hat z.B. Nina Ruzicka (cartoontomb.de), und auch Ronald Putzker (putzker.com), früher bekannt vor allem durch seine Sachen für comicplus+, ist noch nicht abgeschrieben. So publiziert er etwa die realistisch gezeichnete, aber humoristische Erotik-Comic-Serie "Dämonia" für das deutsche Fetisch-Magazin "Schlagzeilen".
HH: Danke! Bestellen könnt Ihr "Total Fred" direkt hier bei Zwerchfell für zwölf Euro plus zwei Euro Versandgebühren.
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Am 14. Februar 2005 erschien der erste 


HH: Da gibt's doch die ganzen "Mars und Venus"-Bücher, in denen es um die
Unterschiede in der Psyche von Männern und Frauen geht. Angefangen von
"Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus" über "M, V und Eros", "M, V
und Partnerschaft", "M und V neu verliebt", "M und V im siebenten Himmel"
etc. pipapo *gähn*. Bei Fred geht's oft um das Scheitern jeglicher
Kommunikation zwischen Mann und Frau, deswegen sind bei uns Mars und Venus
leider meistens auf dem Holzweg...

CG: Könnt Ihr uns zum Schluss noch einen Geheimtipp für einen
österreichischen Zeichner oder Cartoonisten geben, der noch nicht nach
Deutschland vorgedrungen ist?
