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Diesmal mit dabei:
Der alltägliche Kampf 3: Kostbarkeiten, Die Saga vom Dunkelelf 2: Exil, Die kleinen Mutterficker 5: Life @ St. Qentin, Tomb Raider: The greatest treasure of all, Marvel Exklusiv 62: Daredevil - Black Widow , Der Zauberer von Oz, Mister i , Samurai: Heaven & Earth (US), Oldboy 1 (US), Damn Nation (US)
Besprochen von Frauke Pfeiffer (fp), Bastian Richelshagen (br), Benjamin Vogt (bv) und Björn Wederhake (bw).
DER ALLTÄGLICHE KAMPF 3: KOSTBARKEITEN
Reprodukt
Manu Larcenet hat mit Der Alltägliche Kampf
eine wunderbare Serie um den Fotografen Marco geschaffen, der sich
durch allerlei Irrungen und Wirrungen des Alltags kämpfen muss. Im
dritten Band versuchen er und seine Familie, den Selbstmord des Vaters
zu verarbeiten. Seine Mutter will alles Materielle, was mit ihm in
Zusammenhang stand, entsorgen, sein Bruder lässt niemanden an sich ran,
und Marco macht das Tagebuch seines Vaters zu schaffen, das anscheinend
nur Banalitäten zu bieten hat - selbst die Geburt seiner beiden Söhne
erwähnt er darin mit keiner Silbe. Dazu kommt noch der Kinderwunsch
seiner Freundin Emilie, die ihn vor die Wahl stellt - entweder
entscheidet er sich für ein Kind, oder sie ist weg. Aber auch Positives
gibt es zu berichten: Marcos Fotografien über die alte Werft, in der
sein Vater gearbeitet hat, sollen in einem Kunstband veröffentlicht
werden ...
Der knuffige, reduzierte Zeichenstil darf nicht zu der Annahme
verführen, dass diese Reihe ein Funny sei. Sauber seziert Larcenet, was
das Leben an Hochs und Tiefs mit sich bringen kann, ohne seine
Protagonisten vorzuführen. Der Leser fühlt sich den Figuren verbunden,
aber trotz aller Schwere schafft es der Autor immer wieder durch Marcos
und Emilies sarkastische Art, ihm genügend Abstand zu gewähren.
Eine famose, zudem handgeletterte Serie, die einem gerade durch die unaufdringlichen, kleinen Wahrheiten sehr nahe geht. fp


VERGESSENE REICHE - DIE SAGA VOM DUNKELELF 2: EXIL 
Panini
Die Figur des Dunkelelfen Drizzt Do'Urden ist eigentlich der Rollenspiele von Dungeons & Dragons,
genauer der Fantasie von R.A. Salvatore, entsprungen. Sie wurde so
beliebt, dass es mittlerweile Bücher und sogar eine Comicreihe über den
Abtrünnigen ist.
In der Fortsetzung des 1. Bandes ("Heimatland"),
in dem sich Drizzt trotz sorgfältiger Erziehung durch seine Mutter und
Schwestern nicht zu einem skrupellosen Mitglied ihres Clans formen
ließ, dreht sich alles um sein Überleben in den dunklen Höhlensystemen,
die er seit seiner Flucht ohne den Schutz seiner Familie durchwandert.
Als Begleitung dient ihm nur der magische Panther Guenhwyvar, den (oder
besser gesagt: die) er im 1. Band aus dem Bann ihres Schöpfers befreien
konnte. Im Laufe der Geschichte erlangt er die Freundschaft des
Zwergen, dem er im 1. Band das Leben gerettet hat. Während ihrer Reise
gelangen sie in die Fänge eines merkwürdigen Volkes, das anderen ihren
Willen aufdrücken und sie zugrunde richten kann - eine erstaunliche
Analogie zum 1. Band der neuen Conan-Serie,
die etwa zeitgleich erschien. Dummerweise tut dieser Vergleich der
Dunkelelfengeschichte nicht gut. Während bei Conan das Verhalten des
fremden Volkes hinterfragt wird, dient es hier nur als Aufhänger für
eine Schlachtplatte und offenbart die doch recht oberflächliche
Handlung des 2. Bandes.
Für die ordentlichen Zeichnungen zeichnet sich, wie auch schon im 1.
Band, komplett Tim Seeley verantwortlich, was sehr lobenswert ist. Die
Panini-Aufmachung ist, wie eigentlich immer bei den Trades, sehr gut.
Insgesamt also solide Unterhaltung für Rollenspielfans; wer es von der
Handlung etwas solider haben und trotzdem beim Fantasy-Genre bleiben
möchte, sollte den o.a. Conan-Band, ebenfalls von Panini, ausprobieren. fp


DIE KLEINEN MUTTERFICKER 5: LIFE @ ST. QUENTIN
Zwerchfell
Die kleinen Mutterficker, liebevoll Mufis abgekürzt, wurden von den
Dinter-Brüdern Stefan, Matthias und Jan für die Zeitschrift YAM!
entwickelt und laufen dort als Stripserie unter dem Namen "Hangin'
out". Nach zwei Jahren Pause ist nun endlich der 5. Band mit dem
Gangster-Wannabes Kevin, Heiko und Dennis aus Stuttgart-Heslach ("weiße
Mittelstandkids aus'm Ghetto, was für'n Witz..." - wer kann sich noch
dran erinnern?) erschienen, und zwar mit einer durchgehenden
Geschichte. Die drei Jungs wurden beim (versuchten) Besprühen einer
Wand erwischt und sind nun stolz wie Oskar, gangstamäßig in den Knast
zu wandern. Dummerweise geht's aber nur für drei Wochen auf den
Jugendhof Sankt Quentin, so ganz ohne Handschellen, dafür mit eigenem
Sozialarbeiter. Eine Schande. Aufregend wird's dann doch noch, als sich
das scheinbar harmlose Personal als fiese Bootlegger herausstellt, die
sämtliche Hippeldihopp-Musik zerstören könnten. Zum Glück sind die
Ischen Impossible, eine real existierende Combo, auf Benefiztour durch
die schwäbischen Jugendbesserungsanstalten. Gemeinsam versuchen sie,
die Bösewichter zu stoppen... In einer zweiten, kürzeren Geschichte
erfahren wir, wie Lilith (eigentlich Geli), die Goth-Schwester von
Heiko, unterdessen versucht, mit ein paar Freunden
dunklen Geschöpfen ihren kleinen Bruder zu befreien (damit sie ihn, wie
bereits ausgemacht, zur Walpurgisnacht opfern können). Natürlich klappt
das auch alles nicht wirklich wie geplant.
Es gibt wohl kaum eine Veröffentlichung, die derart extrem und treffend
Jugendkulturen karikiert; sei es in ihrer Sprache ("Dein Plan saugt
tiefe Kehle!"), ihren Wertevorstellungen oder ihrem Mitläufertum.
Aufgrund ihre völligen Abstrusität wirkt die Knast-Geschichte mitunter
etwas zäh, was aber ausgeglichen wird durch die scheins unendliche
Vielfalt an kleinen Gags und Insiderwitzen, die es in fast jedem Panel
zu entdecken gilt. Liliths Part ist da schon etwas zügiger unterwegs
(Messieurs Dintères et Monsieur Clavél, welche wunderbare
Aquarellzeichnungen Ihr da zwischengeschoben habt!). Wie auch schon bei
Der Kosmopolit
gibt es noch eine CD, natürlich von Ischen Impossible (drei Stücke,
davon zwei exklusiv, sowie ein Video) dazu. Die CD würde übrigens
falsch bedruckt mit "not to be sold seperately", was korrekt
"separately" heißen müsste. Selbstironisch wurde diese Tatsache dann
direkt in dem Neudruck (der zusätzlich Liliths Geschichte enthält)
verwurstet. Daumen hoch! Aber, Jungs, dann müsstet Ihr das nächste Mal
auch noch Euer "writed, drawed,... by the Dinter Bros" und "who also
done drawed the poster thing" mit reinnehmen - ich alter Streber, ich.
Ein insgesamt sehr liebevoll gemachter Comic, bei dem einem der Spaß,
den die Jungs beim Zusammenstellen hatten, auf jeder Seite
entgegenkommt und in dem man auch beim dritten Durchblättern noch neue,
und vor allem gute, Seitenhiebe entdeckt! fp
Die kleinen Mutterficker bei Zwerchfell bestellen
TOMB RAIDER: THE GREATEST TREASURE OF ALL
Infinity
Ich gebe zu, von diesem Comic habe ich nicht viel erwartet. Allerdings
hat mich das Heft in meiner Erwartungshaltung getäuscht. Wenn ich an
frühere Tomb-Raider-Comics denke, dann hatten die ein einfaches
Handlungsschema: Lara Croft will ein bestimmtes Artefakt haben und muss
dafür bestimmte Situation ertragen, bei der zufällig die Kleidung
zerreißt/nass wird/verschwindet. Fazit aus diesen abenteuerlichen
Erlebnissen war, dass man erkannt hatte, dass Lara wohl einen hohen
Verschleiß an Kleidung haben musste und in einem Softporno auch gut
aufgehoben wäre. Jetzt bin ich also doch noch zu einem Kritikpunkt
gekommen. Aber als ich am Kiosk dieses Tomb-Raider-Heft aufschlug,
wurden meine Augen ziemlich groß, denn ich hatte gedacht, dies sei ein
Fotoroman. In einem Splashpanel springt mich ein geifernder Tiger an,
zusammen mit Lara, die ein Messer in meine Richtung hält und die klare
Botschaft verlauten lässt: „Töte!“ Für dieses Riesenbild brauchte ich
nicht mal eine 3-D-Brille, denn es war so realistisch, dass ich zu
Anfang wirklich zusammengezuckt bin. Und hier fiel meine
Kaufentscheidung.
Das Schöne ist, dass dieser Realismus den ganzen Comic durch
weiterverfolgt wird. Jedes Panel wirkt wie ein gemaltes Bild. Man
könnte bemängeln, dass gerade dieser realistische Stil das Tempo des
Comics herunterschraubt, aber dem Zeichner ist die Balance zwischen
realistischer Präzision und Bild-Erzählung gut gelungen. Ganz ohne die
typische Lara-Croft-Oberweite und die üblichen Posereien kommt zwar
dieses Werk auch nicht aus, aber hier fallen diese Szenen nicht zu sehr
ins Gewicht, weil die Zeichnungen so detailliert und realistisch sind.
Die Story ist zwar eine typische Lara-sucht-Schatz-Handlung, weiß aber
durch verschiedene Zeitebenen und eine schöne Erzählstruktur zu
überzeugen. So sind zahlreiche Flashbacks gelungen eingesetzt. Die
Geschichte ist trotzdem relativ simpel, hat aber eine sehr
überraschende und witzige Wendung. Auch witzig ist der Assistent von
Lara, der sich immer wieder darum bemüht, Laras Herz zu erobern, aber
meist zurückgewiesen wird. Einen Augenschmaus und Unterhaltung für
zwischendurch bietet dieses Heft auf jeden Fall. Pluspunkte gibt es für
das Zusatzmaterial, dem Making Of des Comics, indem gut gezeigt wird,
wie der Zeichner Joe Jusko
bei diesem Comic vorgegangen ist.
Alles in allem lohnt sich die Investition in diesen Band, der mal eine
angenehme Abwechslung ist zu den vorherigen Tomb-Raiderheften.
P.S.: Ja, ich habe mir den Band ganz anders vorgestellt. br
MARVEL EXKLUSIV 62: DAREDEVIL - BLACK WIDOW 
Panini
Ein schön düsteres Cover mit einer etwas aufreizenden Black Widow
glänzt mir entgegen und ich greife zu. Marvel Exklusiv widmet sich
schon länger dem Mann ohne Furcht und zurecht: Was da passiert, ist
ziemlich spannend. Matt Murdock, blinder Anwalt, ist nachts ein
rotgehörnter Superheld, der in Hell's Kitchen superheldentypische Dinge
erledigt. Seit längerem nicht mehr ganz: Daredevil hat den Kingpin
besiegt und übernimmt das Viertel. Und seine Geheimidentität ist
aufgeflogen. Matt Murdock hat alle Hände damit voll zu tun, sein
Viertel zu regieren und seine zwei Identitäten klar voneinander
abzutrennen. Die Schwarze Witwe hat ein paar kleinere Probleme, sie
soll einfach nur einen Einsatz abbrechen. Sie merkt aber, dass an
diesem Einsatzabbruch durch Nick Fury was faul ist, und versteckt sich
bei Matt Murdock. Im Zentrum dieses Comics stehen viele Dinge: Alte
Liebe, Beziehungen, Politik, Geheimidentitäten, Macht und vieles mehr,
welche sich sich aber nicht im Weg stehen, sondern von Brian Michael
Bendis gut eingebaut werden. Der Comic ist sehr düster gehalten,
die Farben von Matt Holingsworth und der Strich von Alex Maleev
ergänzen sich hervorragend. Durch die vielen Schatten taucht man leicht
in die dunkle Welt von Hell's Kitchen ein. Einzig die Wortlastigkeit in
manchen Panels stört ein wenig den Lesefluss, diese aber werden
wiederum durch längere stille Actionsequenzen wieder aufgefangen, in
denen die Spannung im Vordergrund steht. Die weiteren Geschichten im
Band drehen sich hauptsächlich um die Veränderung in Daredevils Leben.
Von den Bildern herausragend ist die Geschichte aus der Sicht von
Spider-Man, in der sehr realistisch gemalte Zeichnungen den
Gedankenmonolog des Spinnenhelden untermalen. Desweiteren trifft Matt
auf Captain America, Dr. Strange und den Punisher. Letztere Begegnung
schwächelt ein wenig, weil sie einfach nur dazu dient, dass beide sich
kurz mal bekämpfen.
Alles in allem lohnt sich aber der Kauf dieses Marvel Exklusivbandes,
denn die Geschichten um die neuesten Ereignisse in Hell's Kitchen sind
sowohl realistisch geschrieben als auch gezeichnet. Ein "Who is Who"
der beiden Hauptfiguren und die Coversammlung runden das Bild eines mit
Liebe gemachten Comics ab. Kaufen! br

DER ZAUBERER VON OZ
Ehapa Comic Collection
Die Geschichte an sich mag wohl fast jeder kennen, diese neue
Comicadaption des Klassikers „Der Zauberer von Oz" ist jedoch neu.
Bezaubernd wirkt das Märchen um die kleine Dorothy im wundersamen
fremden Land auch hier erneut. Mit Hilfe der Kreativen David Chauvel
und Enrique Fernandez gelang es, Dorothys abenteuerliche Suche nach
dem weisen Zauberer beeindruckend in Comicform zu inszenieren. In
optischer Hinsicht wirken Fernandez' Zeichnungen zwar zuerst zu
überspitzt, vor allem was die Proportionen der Figuren anbelangt,
schlussendlich ziehen sie jedoch, ganz märchen-like, den Leser in den
Bann. Die Kolorierung ist 1a gelungen und passt sich hervorragend der
mit sonderbaren Wesen bevölkerten Welt an.
Anfangs war ich ja zugegebenermaßen skeptisch, was das Kleinbandformat
der Ehapa-Ausgabe angeht. Wird die expressive Geschichte der
französisch-spanischen Kombo damit nicht zu komprimiert dargestellt?
Eigentlich nicht. Was bei Ehapas „Grimms Märchen " funktionierte,
klappt auch hier. Das Format unterstützt vielmehr sogar noch die
kindlich-malerische Atmosphäre des Bandes. bv

MISTER I
Reprodukt
Ein Phänomen, dieser Trondheim. Auf 48 Seiten lässt er sein kleines,
strichförmiges Figürchen (Mister I) in klitzekleinen Panels 48 mal
durch abstruse und/oder sich immer wieder kehrende zufällige
Situationen voll gegen die sprichwörtliche Wand laufen. Mister I hat
nämlich in vorderster Front erstmal eins: Hunger. Demnach ziehen ihn
sorglos aufs Fensterbrett gestellte Kuchen magisch an oder er versucht
Fische, Vögel oder Beeren zu ergaunern. Doch Trondheim, sein geistiger
Vater, lässt das Pech an seinen Schuhen nur so kleben, weshalb auch
noch so jeder spontane Plan des Mister I ihn letztlich doch nur in
eine verfängliche Lage bringt.
Nach Mister O (auch bei Reprodukt erschienen) liegt Trondheim also
endlich die Geschichten seines Pendants vor. So simpel die völlig aufs
Minimum reduzierten Zeichnungen auch erscheinen, so unfassbar viel
Ausdruck lässt Trondheim doch mit einfließen. Und obwohl man am Ende
jeder einzelnen Seite bereits weiß, was passiert und die Variation
somit einzig und allein im „Wie?" liegt, musste ich mal wieder so viel
schmunzeln. wie das eigentlich nur beim Franzosen der Fall sein kann.
Ein genial minimalistisches Werk. bv
SAMURAI: HEAVEN & EARTH (US)
Dark Horse
Mein erster Gedanke bei diesem Comic war: Ron Marz schreibt Comics?
Also: Eigene Comics? Irgendwie hatte ich den Mann immer nur als einen
dieser Superheldenautoren auf dem Radar, die solide Auftragsarbeiten
erledigen, aber sonst wenig tun. Ein bisschen wie Chuck Dixon oder Dan
Jurgens. Ein kompetenter, aber unauffälliger Autor.
Samurai unterstreicht dieses Gefühl. Wer sich für Samurai und
den fernen Osten oder Musketiere und das absolutistische Frankreich
des 17. Jahrhunderts interessiert, der kann dieser Geschichte über
einen Samurai, der seine entführte Geliebte sucht, mal angucken. Wer
sich für Samurai und den fernen Osten oder Musketiere und das
absolutistische Frankreich des 17. Jahrhunderts interessiert, aber
sich Samurai nicht anguckt, der verpasst allerdings auch nicht
wirklich viel.
Luke Ross Zeichnungen sind zwar sehr nett, um Orte wie das
frühneuzeitliche Frankreich, Japan oder China sehr hübsch in Szene zu
setzen, aber wenn es gilt, die Dramatik eines Schwertkampfes
einzufangen, wirken sie übermäßig hölzern.
Alles in allem ein kompetenter, aber in jeder Hinsicht unspektakulärer
Comic.
bw
OLDBOY 1 (US)
Dark Horse
Der erste Band von Oldboy (auf dem der gleichnamige koreanische
Film basiert) ist eine klassische Einleitung. Die Figuren werden in
Stellung gebracht, Ereignisse werden angedeutet und die
Hintergrundgeschichte (ein Mann wird zehn Jahre seines Lebens in einem
kleinen Raum eingesperrt und versucht nun herauszufinden, wer ihm das
warum angetan hat) wird in groben Zügen skizziert, ohne zu sehr ins
Detail zu gehen. Wirklich dramatische Ereignisse finden noch nicht
statt.
So weit wie Einleitungen allerdings gehen, macht Oldboy seine
Sache allerdings ziemlich gut. Die Geschichte hat bisher einen netten
Fluss, die Grundprämisse ist spannend und der Zeichenstil ist sauber
und detailliert. Besonders gefallen hat mir dabei der Umstand, dass
Kleinigkeiten, die sonst zwischen zwei Panels geschehen würden (z.B.
Schuhe werden vor die Tür gestellt) oder einzelne Details der Umgebung
(ein Heizstrahler, eine Blume), mit eigenen Panels bedacht werden. Das
ist eine sehr dezente Art um daran zu erinnern, dass der Protagonist
zum ersten Mal seit 10 Jahren außerhalb des engen Raums ist und darum
jedes noch so kleine Detail für ihn Relevanz gewinnt.
Seinen Job als Einleitung, nämlich mich dazu zu motivieren auch den
nächsten Band zu kaufen, erfüllt Oldboy voll und ganz. bw
DAMN NATION (US)
Dark Horse
Damn Nation ist wie einer dieser Zombiefilme, die offiziell
keine "richtigen" Zombiefilme sein wollen. So wie 28 Days
Later. Was ein ziemlich guter Vergleich ist, da die Zombies, die
hier die USA überlaufen haben, auch das Tageslicht fürchten. Da diese
Idee aber schon in 28 Days Later nicht sonderlich neu war (man
vergleiche das zum Beispiel mit The Omega Man), möchte ich hier
Autor Andrew Cosby keinen direkten Ideendiebstahl unterstellen.
Und, ähnlich wie 28 Days Later, bedient sich Damn Nation
freigiebig bei dem, was das Genre so hergibt, ohne wirlich Neues
hinzuzufügen. Die Story, die Charaktere, der Ablauf der Ereignisse:
Das alles hat man so oder so ähnlich schon mal gesehen.
Gerade bei den Protagonisten würde man sich dabei sogar wünschen, dass
sich Cosby mehr Zeit nehmen würde, um sie uns zu präsentieren. Die
Hauptfigur ist halbwegs ausgearbeitet, drei weitere Personen
sind erkennbare Archetypen, die restlichen Menschen zwischen den
Zombiehorden bleiben leere Flächen. Was es extrem schwierig macht,
diesen Leuten gegenüber Mitgefühl zu entwickeln, wenn es mit
ihnen ein schreckliches Ende nimmt.
That being said: Damn Nation mag kein sonderlich kreativer
Zombiecomic sein, aber das, was er tut, macht er gut. Die größte Stärke
ist dabei eindeutig J. Alexanders (u.a. Queen & Country: Operation Blackwall) Artwork. Sein abendliches Miami mit
dem rot-orangen Himmel sieht schon ungeheuer apokalyptisch aus, bevor
die Zombiepest einsetzt; und auch nach deren Beginn schafft es
Alexander immer wieder, sehr hübsche Panels einzubauen, die die USA
als gottverlassenes Ödland zeigen.
Nur am Ende hatte ich einmal das Problem, dass ich nicht erkannte,
dass eine Figur als Zombie zurückgekehrt war. Das merkte ich erst,
als die Hauptperson dem Zombie ein "This time, you stay dead",
zurief ...
Bei der Story merkt man zwar, dass sie aus unzähligen anderen Horror-
und Science-Fiction-Geschichten zusammengesetzt ist, angenehm lesen
lässt sie sich aber trotzdem. Einfach weil sich diese Art von
Geschichte inzwischen bewährt hat. Ein typischer Fall von "besser gut
geklaut als schlecht selbst gemacht". Damn Nation stellt ganz
bestimmt keine Revolution im Zombie-Bereich dar, aber wer eine kurze
und äußerst stimmungsvolle Genregeschichte sucht, der kann ohne zu
zögern zugreifen.
Womit wir dann schon wieder einen Vergleich mit 28 Days Later
hätten.
bw

Bildquellen:comiccombo.de, zwerchfell.de, ehapa-comic-collection.de, darkhorse.com
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