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von Simon Weinert Mittwoch, 25. Oktober 2006
Der neue Splitter-Verlag startet sein Programm gleich mit
zwei ersten Bänden einer Serie. Neben der Fantasy-Abenteuer-Serie Die
Schiffbrüchigen von Ythaq wird mit „Hölle“ die Reihe Das verlorene
Paradies eröffnet. Der Comic ist dem einen oder anderen vielleicht aus dem
Magazin Magic Attack bekannt, und auch sonst sind die Künstler Ange und Varanda bereits durch
diverse Veröffentlichungen in Deutschland eingeführt (Bloodline, Die
Legende der Drachenritter, Elixier).
Das verlorene Paradies basiert auf altbekannten
Horrorklischees: Unsere Welt ist nur eine Ebene von vielen, die durch Portale
verbunden sind. Die Ebenen der Hölle sind im stetigen Konflikt mit denen des
Himmels. Um Übergriffe zu verhindern, gibt es den Wächter Gabriel. Das ist
nicht der Erzengel, sondern ein knallharter, aber romantischer Agent mit ein
paar Spezialfähigkeiten (so kann er bei Bedarf Engelsflügel ausbreiten). Seine
Auftraggeber im Himmel dagegen sind richtige Engel. In der U-Bahn, einem Portal
zur Unterwelt, rauscht ein Höllenzug an ihm vorbei. Darin erblickt er seine
einstige Geliebte (ganz genau weiß man aber nicht, was da lief ...), Anya, die
nun als Dämon in der Hölle haust. Gleichzeitig liest er aber auch noch den
geheimnisvollen Jungen Julien auf, den es zu retten gilt.
Als er später aufbricht, um Anya aus der Hölle wieder rauszuholen, folgt ihm der Junge unversehens nach. Nun muss er sich und den Jungen sicher durch die Kreise der Verdammnis und ihre Dämonenheere bringen. Dabei ahnt er nicht, dass mit Julien etwas nicht stimmt. Oder warum nur haben beide Parteien so ein großes Interesse an ihm?
Was es mit Julien auf sich hat, wird in diesem Band nur teilweise erklärt, aber es gibt reichlich Andeutungen. Schicksal und Vorsehung spielen dabei eine große Rolle und werden von Teufeln wie Engeln häufig als Motivation und Erklärung bemüht. Das ist ein bisschen schade, weil die Handlung dadurch nicht organisch und zwingend, sondern vorgegeben wirkt. Dasselbe trifft auch auf die Figuren zu. So gibt es zum Beispiel gegen Ende eine brenzlige Situation, weil Anya „einem plötzlichen Impuls“ folgt. Andere Gründe für ihr Tun scheint sie (noch) nicht zu haben.
Die Zeichnungen sind dafür mitunter spektakulär. Varanda löst
die Paneleinteilung ähnlich wie amerikanische Actioncomics auf, nutzt das aber
nicht nur für knallige Effekte, sondern meist auch als intelligentes
Erzählmittel. Richtungs- und Perspektivewechsel sind virtuos eingesetzt und an
den teilweise ganzseitigen Panoramen kann man sich ordentlich satt sehen: Höllenlandschaften
mit ihren Dämonenheeren oder überdimensionaler, menschenfeindlicher Technik. Und
dagegen die gotisch gleißende Himmelsarchitektur.
Die Story ist angenehm trashig, bei weitem nicht schlecht,
aber dennoch ist der Comic eindeutig weniger fürs Hirn als fürs Auge. Der
optische Genuss ist allerdings auch ein eher deftiger, denn gesplattert wird in
der Hölle schon auch mal.
Besonders erfreulich ist die Sorgfalt und Aufmachung,
die der neue Splitter-Verlag seinem zweiten Erstling hat angedeihen lassen. Da
freut man sich auf die schon bald angekündigten Folgebände, in denen Schicksal und
Vorsehung uns hoffentlich erneut in Varandas über- bzw. unterirdische Fantasien führen werden.
Das verlorene Paradies 1: Hölle
Splitter, Oktober 2006
Text: Ange
Zeichnungen: Varanda
48 Seiten, Hardcover, farbig; 12,80 Euro
ISBN: 3939823007
















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