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Diesmal mit dabei:
Der letzte Henker vor der Autobahn, Black Hole #6, Alter Ego, Queen & Country #4 - Operation: Blackwall, Pascin, Lin_c #2, Grimms Märchen, Baobab #2, Hyde, Extra Muros #1-3, Die kleine Welt des Golem, Sin City #6: Bräute, Bier & blaue Bohnen und Die Offenbarung.
Besprochen von Frauke Pfeiffer (fp), Benjamin Vogt (bv) und Thomas Kögel (tk).
DER LETZTE HENKER VOR DER AUTOBAHN
Achterbahn
Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte, traute ich meinen Augen
kaum. Denn demnach sollte ein gewisser Timo Würz hauptverantwortlich
für diesen querformatigen Hardcover-Band sein. Und nach kurzer Recherche war
mir klar: Es handelt sich tatsächlich um den selben Timo Würz, der
früher so malerische Comics wie Black Metal (Infinity) oder XCT
(Carlsen) fabrizierte. Prinzipiell ist es einem Künstler ja hoch
anzurechnen, wenn er seinen Stil zwischendurch ändert und neue Projekte
in Angriff nimmt, im Falle von Würz und seiner neuen Cartoonsammlung
Der letzte Henker vor der Autobahn ging die Rechnung letztlich nicht so
auf, wie ich es mir vorgestellt hätte. Der letzte Henker, also der
grimmig drein guckende Mann auf dem Cover, betätigt sich als Leitfigur
der meist sehr knappen Strips oder Onepager. Schlechte Angewohnheiten,
Dreistigkeit und die gnadenlos machohaften Züge dieses Charakters,
sowie die ironische Grundtendenz der Texte zielen auf die Lachmuskeln
der Leser ab. Leider zu oft mit den Vorschlaghammer und mit zu flachen
Witzen, bei denen beim Betrachter zwischen „kenne Witzigeres“ und
„witzig, ist aber uralt“ wohl nur selten wirklich ein Schmunzeln
aufkommen dürfte. Natürlich entstammen manche Szenen auch einer tollen
Idee und man sympathisiert am Ende doch ein wenig mit dem eigentlich
extrem unsympathischen Henker, aber letztlich ist der Gesamteindruck
neben aktuellen Cartoon-Publikation, etwa von Flix, Ruthe oder Sauer
einfach als inhaltlich zu seicht zu bezeichnen. bv


BLACK HOLE #6

Reprodukt
Mit der sechsten deutschen Ausgabe ist die brillante Serie von Charles
Burns endlich abgeschlossen. Die Geschichte um eine wachsende Epidemie,
die Jugendliche befällt und teils gravierende Mutationen und
Missbildungen nach sich zieht, steuert auf ein dramatisches Ende zu.
Die Gemeinschaft der "Aussätzigen", darunter die Hauptprotagonisten von
Black Hole, Chris, Dave und Keith, wird von Burns noch einmal in
erschreckender Manier in Szene gesetzt, wobei eine Liebesbeziehung und
ein Mörder die finalen Knackpunkte darstellen. Schlussendlich ist Black
Hole mehr als nur ein simples Jugenddrama, wahrscheinlich sogar weit
mehr als die metaphorische Verdeutlichung der isolierten Gefühlsebene
einer heranwachsenden Generation. Es scheint, als skizzierte Burns im
Nachhinein gesehen ein psychologisches Abbild zwischenmenschlicher
Probleme und Außenseitertum, eingebettet in die von ihm kreierte
schwarz/weiß-Welt, in der es unmöglich ist, zwischen überzeichneter
Realität und verspielter Fiktion zu unterscheiden. Am Ende steht ein
Gesamtwerk, das man auf vielerlei Weise versuchen kann zu deuten. Und
wer jetzt beschließt, sich dieses nun komplett vorliegende
Comicerlebnis zu besorgen, der sollte auch schauen, dass er noch einen
passenden, von Reprodukt eigens produzierten Schuber ergattern kann. bv


ALTER EGO: ALLE COMICZEICHNER KOMMEN IN DEN HIMMEL

Ein unscheinbares Heftchen im Querformat, mit einem Umschlag aus
braunem Packpapier, in Mini-Auflage im Selbstverlag erschienen: Das ist
Alter Ego von Alex Gellner (den einige sicher von seinen Arbeiten für
INKplosion kennen, besonders für Versus, zusammen mit Mana). Ähnlich
wie Versus hat Alter Ego eine ziemlich durchgeknallte Geschichte, die
vollkommen "over the top" daherkommt und sich nicht groß um Logik oder
Sinnhaftigkeit schert. Das ist dem Autor und Zeichner aber vollkommen
bewusst, und er weiß sehr schön damit zu spielen. In Alter Ego geht es
um Zeitreisen: Alex steht nach seinem Tod als alter Mann vor dem
Himmelstor und kommt nicht rein, weil Comiczeichner in die Hölle
gehören. Also muss er zurück in die Zeit reisen und den jungen Alex
daran hindern, Comiczeichner zu werden. Das führt zu einigen
kurzweiligen Verstrickungen, bei denen man, wie gesagt, nicht allzu
viel Logik erwarten sollte. Dafür eine Menge witziger Ideen, cooler
Oneliner und hemmungsloser Spinnereien. Außerdem bietet Alter Ego einen
der tollsten Sidekicks seit Langem: einen schwebenden Wombat, der
Kung-Fu kann!
Zeichnerisch verwendet Gellner einen schwarz-weißen Stilmix mit
Elementen aus Manga und Cartoon, ähnlich rasant wie das Erzähltempo des
Heftes. Sicher kein Meilenstein der Comicliteratur, aber eine sehr
unterhaltsame und flüssig erzählte Geschichte für kleines Geld, die
sehr viel Spaß macht. Was für eine deutsche Eigenproduktion nicht
selbstverständlich ist. tk
www.gellnerism.de
QUEEN & COUNTRY #4 - OPERATION: BLACKWALL

Modern Tales
Im vierten Band um Tara Chace wird die britische Geheimagentin
diesmal in Wirtschaftskriminalität hineingezogen. Ein einflussreicher
Geschäftsmann wird von einem französischen Unternehmen erpresst.
Allerdings gestaltet sich die Sache schwieriger als gedacht, denn auf
einmal spielen persönliche Belange von Tara eine Rolle...
Autor Greg
Rucka will nicht einfach einen weiblichen 007-Verschnitt in Comicform
präsentieren, sondern auch die Alltäglichkeiten in diesem Beruf
ausloten. Dabei kommen, wie in diesem Band, mitunter eher stillere
Geschichten heraus, die einem fast schon unheimlich sind, da sie sich
echter anfühlen als das für das Spionagegenre übliche Rumgeballere, bei
dem eine angenehme Distanz vorhanden ist.
Dieser Band wurde übrigens 2004 für den Eisner-Award nominiert.
Eine Leseprobe findet sich hier. fp


PASCIN
Avant-Verlag
Joann Sfar erzählt nicht die Lebensgeschichte des expressionistischen
Malers Julius Mordecai Pinkas, genannt Pascin, der von 1885 bis 1930
lebte. Dieses Buch besteht vielmehr aus einer losen Reihe von
ausdrücklich fiktiven Episoden, die aus dem Leben von Pascin stammen
könnten oder eben auch nicht. Die Szenen, in denen auch berühmtere
Zeitgenossen wie Marc Chagall, Oskar Kokoschka oder Ernest Hemingway
auftauchen, drehen sich um zwei Obsessionen: Malen und Sex. Sfar spielt
mit dem Klischee des ausschweifenden Bohème-Lebens im Paris der 20er
Jahre und übersteigert es bis zur Karikatur. Das Buch spart nicht mit
expliziten Sexszenen -- dass man es trotzdem nicht als pornographisch
bezeichnen kann, dafür sorgt schon der Zeichenstil: skizzenhaft,
krakelig, manchmal absichtlich schlampig und ziemlich uneinheitlich.
Das passt zum Inhalt, der sich auch immer wieder mit dem Wesen der
Schönheit auseinandersetzt: Wann ist ein Bild schön, wann ist ein
Mensch schön, und wer definiert das? Überhaupt enthält Pascin eine
Menge interessanter Gedanken zu Malerei und Zeichenkunst. Wer sich
privat oder beruflich damit beschäftigt, findet hier eine spannende und
ungewöhnliche, zum Teil auch witzige Lektüre. Wer dagegen gute
Unterhaltung oder auch nur eine stringente Handlung sucht, ist mit
anderen Titeln aus Sfars umfangreichem Werk wohl besser bedient. tk


LIN_C #2

Mit der rot durchsetzten Silhouette einer Helnwein-Fotografie von
Marilyn Manson auf dem Cover geht das österreichische "Heft für Comics
und Bildliteratur" ins zweite Jahr. Wie das Frontbild bereits andeutet,
legt Initiator Gottfried Gusenbauer die Begrifflichkeiten, die das
Konzept charakterisieren, großzügig aus. Lin_c ist eine Zusammentragung
diverser Medien, die sich bebilderter Elemente bzw. Stilmittel
bedienen. Dabei ist die nunmehr zweite Ausgabe sogar noch vielfältiger als die erste ,
sind die Kategorien doch in ihrer Zahl kaum überschaubar: Zu den Comic-
bzw. die dem Comic ähnelnden Themen (Manga, Karikatur) gesellen sich
Artikel zu Theater, Musik, Streetart, Trickfilm, Musik usw. Gusenbauers
Projekt beweist mithilfe großer Bandbreite eindrucksvoll den aktuellen
Stellenwert wie auch die Möglichkeiten der österreichischen Szene.
Wobei man sich fragen muss, wo diese anfängt, wenn sich zwischen einem
Haderer, Helnwein und Mahler newcomerisches Gekritzel beäugen lässt.
Aber gerade dies ist Teil des Reizes. Die auf der einen Seite
vorherrschende Nichtfestlegung auf eine bestimmte inhaltliche Richtung,
damit einhergehend der freie Überblick über künstlerisches Potential,
Publikationen und Vielfalt, auf der anderen Seite der Versuch als
Schnittstelle variabler Medien zu fungieren, gepaart mit einem
internationalen Part (langes Interview mit der türkischen
Künstlergruppe "Nomad" aus Istanbul) lässt das Projekt Lin_c nicht nur
zu einer wichtigen Plattform der vorrangig österreichischen Szene
erscheinen, sondern macht es auch zum Bestandteil eben dieser. bv
www.lin-c.net
GRIMMS MÄRCHEN

Ehapa Comic Collection
Eigentlich hat sich der Ehapa-Verlag ja von frankobelgischem Material
weitestgehend verabschiedet, trotzdem veröffentlicht er immer mal
wieder kleine Leckerbissen wie diesen, von französischen Künstlern
gestalteten Sammelband mit Grimms Märchen. Philip Petit, Mazan, und
Cecile Chicault überzeugen in ihren vier Geschichten, obwohl es etwas
komisch ist, neben den bekannten "Hänsel und Gretel" und "Das tapfere
Schneiderlein" mit "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" und "Von
einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" zwei Adaptionen weniger
geläufiger Märchen präsentiert zu bekommen. Die drei Künstler passen
sich der Thematik perfekt an, zeichnen nicht zu kindlich und
interpretieren die Handlung ein Stück weit nach ihrer eigenen
Vorstellung.
Da ich persönlich nie ein großer Fan von Märchen war, überwältigt
mich auch dieser Band nicht, bzw. ganz große Überraschungen bleiben
aus. Die Aufmachung im kleinformatigen Hardcover, sowie die
ungezwungene und frische Herangehensweise bei gleichzeitig
respektvollem Umgang mit dem klassischen Stoff ist dennoch als gelungen
zu betrachten. Es lohnt sich also mal reinzuschauen.
bv


BAOBAB #2
Avant-Verlag
Igorts
Handlung macht im zweiten Abschnitt seiner Erzählung (Besprechung des ersten Bandes hier) den erwarteten
Sprung und verlegt das Szenario somit von Japan nach Südamerika. Dabei
erläutert uns der Italiener die Geschichte von Celestino Vilarosa, dem
angehenden Comiczeichner aus Papassinas noch mal genauer. Celestino,
fasziniert von den Möglichkeiten des Mediums Comic, ist zwischen einer
möglichen Karriere in den USA und Heimatbezogenheit und der Liebe zu
seiner Schwester hin- und hergerissen. Igort schildert Celestinos
Begeisterungsfähigkeit und die respektvolle Anlehnung an ihm bekannte
Comicerzähler, vor allem an Little-Nemo-Erfinder Winsor McKay, die sich in
seiner eigenen Arbeit als Comiczeichner widerspiegelt. Außerdem
berichtet Celestinos Geschichte auch von der Schwierigkeit, um das Jahr
1910 eine Veröffentlichungsform für seine Zeichnungen zu finden und mit
ernsten Comics abseits von Karikaturen und Strips wahrgenommen zu
werden. Als Celestino erkrankt, bricht die Handlung schließlich, der
Protagonist begegnet in fiebrigen Visionen seinen eigenen
Comicschöpfungen, versucht die Bilder zu interpretieren und
entschlüsselt am Ende sogar deren Kernbotschaft.
Baobab führt ist eine gezeichnete Charakterstudie, die
Hauptperson leidet unter den eigenen Zweifeln, der fehlenden
künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit, schließlich unter der von Träumen
begleiteten Krankheit, in der er sein Leben aufarbeitet. Igort führt
damit eine Erzählung fort, die erst im weiteren Verlauf alle
Zusammenhänge herstellen wird. Bis dahin ist es auch weiterhin
bemerkenswert, wie uns zwei Künstler hier fesseln: Celestino mit seiner
interessanten Lebensgeschichte, Igort mit der ruhigen und klugen
Darstellung eben jener.
bv


HYDE

Infinity
In
diesem One-Shot variiert Autor Steve Niles ein Thema, das in der
Popkultur schon unzählige Male durchdekliniert wurde: die Geschichte
von Doktor Jekyll und Mister Hyde. Hier gibt es den Dr. Jekyll gleich
doppelt: als Paar von Zwillingsbrüdern, die bei einer Pharmafirma an
der Entwicklung einer Lifestyledroge arbeiten und sich selbst als
Versuchskaninchen gebrauchen. Ob zwei Jekylls auch zwei Hydes bedeuten,
soll hier nicht verraten werden...
Niles erzählt routiniert seine Geschichte, die zwar recht spannend ist,
aber dem Mythos Jekyll/Hyde kaum interessante oder überraschende neue
Facetten hinzufügt. Besonders wird Hyde erst durch das Artwork von
Nick Stakal. Dessen Stil erinnert an Vorbilder wie Ted McKeever oder
Bill Sienkiewicz und schafft mit seinen schroffen Strichen und der
schmutzigen Farbgebung eine düstere, fesselnde Atmosphäre. Gleichzeitig
hält dieser Stil den Betrachter auf Distanz: Die Figuren bleiben dem
Leser seltsam fremd, und die teilweise recht exzessiven
Gewaltdarstellungen haben kaum schockierende Wirkung.
Insgesamt kein
Muss, aber eine solide Sache für Thriller-Fans.
Leider hat die deutsche Fassung ein schweres Manko, die das
Lesevergnügen erheblich einschränkt: Für Mister Hydes Dialoge wählte
man eine rote Outline-Schrift auf schwarzem Grund, die je nach
Lichteinfall nur sehr schwer oder überhaupt nicht zu entziffern ist.
Und das ist dann wirklich gruselig.
tk


EXTRA MUROS #1-3

Ehapa Comic Collection
Jetzt
liegt die neue Albenreihe von Daniel Hulet also komplett bei Ehapa vor.
Hulet, dessen zuletzt auf deutsch veröffentlichtes Werk Immondys man
noch als gigantisches Fantasiegebilde erklären konnte, schuf mit Extra
Muros eine Geschichte, die den Leser mit extrem unklaren Verwicklungen
und Handlungsschichten schlicht und einfach überfordern dürfte. Leider
wirkt sich das so aus, dass das zu Beginn vorherrschende Grübeln über
die mysteriösen Vorgänge recht schnell in eine gelangweilte
Betrachtungsweise umschlägt, einfach weil man vor der überladenen Story
kapituliert.
Es dreht sich alles um das kleine französische Dorf Mordange, in
dem seltsame Dinge vor sich gehen und Menschen mit unterschiedlichen
Zielen den jeweils anderen in die Quere kommen wollen: Eine Gruppe
jugendlicher Rollenspieler, der Freak mit der Affinität zur
Knochenfiguren-Bastelei, Geschäftsleute, die einen Freizeitpark bauen
wollen, ein Zauberlehrling, ein Auftragskiller, Außerirdische und
Tempelritter, in deren Zeitebene die Protagonisten auch hin und wieder
abzutauchen scheinen.
Hört sich verrückt an, ist auch so. Und wahrscheinlich wird sich
auch nach dem zweiten oder dritten Lesen noch nicht die komplette
Handlung erklären lassen, zu abgehackt und spontan sind dafür die
einzelnen Szenen. Die Serie ist zwar Hulet-typisch gestaltet und
bekannt konfus, aber in diesem Fall hätte der Künstler doch lieber
etwas weniger Verwirrung einbauen sollen, wenn er die Story schon vor
historischen Hintergrund anlegt.
bv


DIE KLEINE WELT DES GOLEM

Avant-Verlag
Joann
Sfar spielt in diesem Comic mit seinen selbst erschaffenen Figuren, er
lässt sie miteinander in Kontakt treten und kleinere Abenteuer
bestehen. Ursprünglich auf mehrere Ausgaben des französischen Magazins
Lapin verteilt, verlegt der Avant-Verlag die kurzen Episoden versammelt
in einem Band. Und was man darin finden kann, liest sich wie ein früher
Testballon des Joann Sfar. Durch die durchgängig schwarz-weißen
Zeichnungen und die auf die Charaktere reduzierten Geschichten entsteht
beim Leser der Eindruck, beim Entwicklungsprozess des Sfar'schen
Figuren-Kosmos teilzuhaben. Inspektor Mazock, Desmodus der Vampir und
andere nehmen hier ihren Anfang, die Stories, in die sie hier
verwickelt werden, reichen aber nicht an die Hintergründigkeit und
ausgeprägte Erzählintelligenz bereits auf deutsch bekannter Comics von
Joann Sfar. Allerdings müssen sie das auch nicht zwingend, denn Die
kleine Welt des Golem macht vor allem Spaß und ist von Seite zu Seite
inhaltlich unberechenbar. Außerdem kann man damit Sfars Ideenreichtum
und damit einhergehend den Grundstein späterer Meisterwerke ein Stück
weit besser nachvollziehen. Auch deshalb ist Die kleine Welt des Golem
eher für Anhänger des Künstlers eine Investition wert. Aber das auf
jeden Fall.
bv


SIN CITY 6: BRÄUTE, BIER & BLAUE BOHNEN
CrossCult
Elf
Kurzgeschichten erzählen von Basin Citys verborgenen Sünden. Frank
Miller inszeniert dabei geschickt die Rückführung bekannter und
beliebter Charaktere wie Marv, Dwight oder Goldie in neue Situationen,
die auf den ersten Blick recht überflüssig erscheinen, aber letztlich
viele kleine Puzzlestücke der Handlungen vorheriger Storylines
ergänzen. Miller experimentiert bei den einzelnen Episoden deutlich:
Marvs fast stumme Wintergeschichte erzählt er in groß angelegten
Splashpages und auffälligen Nahaufnahmen des Charakters, die Damen
bekommen farbige Nuancen und ein paar der Geschichten stellen bisherige
Nebenpersonen in den Vordergrund oder kommen gar gänzlich ohne
altbekannte Gesichter aus. Dabei wird die Intensität der Serie und die
Ausdrucksstärke der Protagonisten zwar erfolgreich aufrechterhalten,
allerdings merkt man auch, dass eine durchgehende Handlung, wie in den
Bänden 1 bis 5 zu finden, genau das letzte Fünkchen bietet, das Bräute,
Bier und blaue Bohnen zuweilen vermissen lässt. Der Schwachpunkt ist
dabei nicht die Qualität der einzelnen Beiträge, sondern das Konzept
der Kurzgeschichten, welches Sin City für zwischendurch zwar auch nicht
schlecht zu Gesicht steht, aber einfach nicht so mitreißend wirkt wie
gewohnt. So bleibt für diese Ausgabe letztlich die Wertung "ganz nett",
Frank Millers künstlerische Höchstleistung der vorhergehenden
Erzählungen erreicht sie jedoch nicht.
bv


DIE OFFENBARUNG
Carlsen Comics
Für
alle Fans von Der Da-Vinci-Code oder Das Geheime Dreieck (Ehapa) ist
dieses Buch ein Muss. Zwar ist die thematisierte konspirative
Verwicklung im Vatikan (es geht um das mysteriöse Ableben eines
hochrangigen Kardinals), die man aus der Sicht des ermittelnden Charlie
Northern erzählt bekommt, nicht sonderlich innovativ, trotzdem ist der
Band von Autor Paul Jenkins und Zeichner Humberto Ramos wunderbar
gelungen. Zu allererst ist dieser Umstand Jenkins' handwerklich
einwandfreiem und äußerst spannendem Handlungsbogen zuzuschreiben,
sowie der gelungen Inszenierung der Hauptperson. Charlie Northern ist
zwar ziemlich archetypisch für einen Ermittler und wandelt deshalb auch
immer zwischen Coolness, detektivischem Gespür und einem Schuss
Sarkasmus, dennoch sind gerade seine Monologe und sein Charme perfekt
gelungen. Das letzte Stückchen zum Must-Read liefert dann neben einer
der besten Arbeiten von Jenkins, Humberto Ramos' Artwork. Obwohl er in
seinen Zeichnungen ja stets einen Touch Manga mit einbringt, was für
manche auch gewöhnungsbedürftig ist, zeigen sie sich hier von ihrer
realistischsten Seite. Sie passen hervorragend zur religiösen
Mordaufklärung mit unbedingtem Drang zur mutmaßlich großen
Verschwörung. So bleibt bei einem tollen Band lediglich das Ende, von
dem man mehr hätte erwarten können, als etwas enttäuschend
festzuhalten.
bv


Bildquellen:comiccombo.de, sammlerecke.de, avant-verlag.de, infinity-verlag.de
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