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von Bastian Richelshagen Donnerstag, 28. September 2006
Scott McCloud hat mit seinen Büchern Comics richtig lesen und Comics neu erfinden zwei moderne Klassiker über das Verständnis und die Grundprinzipien von Comics geschrieben.
Seit kurzem ist sein neues Werk, Making Comics - Storytelling Secrets of Comics, Manga and Graphic Novels, erhältlich, in dem er Künstlern Tipps für die gute Darstellung ihrer Geschichten gibt. So behandelt er u.a. die richtige Auswahl von Szenen für die einzelnen Panels, die Beinflussung der Leserichtung und gute Körpersprache, aber auch, wie man überzeugende Protagonisten und gute Dialoge schreibt.
Auf den Anfangsseiten beschreibt er, was ihn selbst von der Masse der anderen „Wie zeichne ich dies und das“ oder „Zeichne deinen eigenen Comic“-Bücher heraushebt. Es geht ihm in diesem Buch nämlich nicht darum, wie man ganz bestimmte Dinge zeichnet, sondern er zeigt, welche Faktoren die Idee und Durchführung eines Comics bestimmen können. Dabei geht er detailliert auf das Zeichnen, Erzählen und Arrangieren ein, denn um einen überzeugenden, fesselnden Comic hinzubekommen braucht es nun mal mehr, als einfach irgendwas hinzuzeichnen, was halbwegs zu dem Skript passt.
Er verfolgt damit ein Ziel: Man soll zum Zeichenstift greifen und loslegen. Und dieses Buch schafft es wirklich. Nachdem ich damit fertig war, erfasste mich die kreative Zeichnerwut, obwohl ich kein Stück zeichnen kann. Das Durcharbeiten macht einfach Lust auf Comics. So wie in seinen vorherigen Werken betrachtet McCloud alles aus einer geeigneten Distanz, um dem Leser Techniken und Prinzipien beizubringen. Die hier besprochene englischsprachige Ausgabe (eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht erschienen) ist allerdings mit vielen Fachwörtern bestückt, so dass man als Normalleser manche Passagen zweimal lesen muss. Die Bilder helfen, auch bei Nichtverstehen des Textes, dabei - wie es sich für die Thematik gehört.
Da viel erklärt werden muss, sind die Panels größtenteils wortlastig, was aber nicht problematisch ist, da es ja nicht darum geht, eine Geschichte zu erzählen, sondern den Gegenstand "Comic" differenziert auszuleuchten.
In seinem dritten Sekundärwerk löst der Autor das Problem der Fußnoten, die in „Comics neu erfinden“ schon mal störten, indem er nach jedem Kapitel ein paar Seiten mit erweiterten Notizen einfügt. Zudem folgen nach diesen Notizen Anregungen zu praktischen Übungen, die das Geschriebene weiter vertiefen soll.
Er selbst macht keinen Hehl daraus, dass er im realistischen Zeichnen nicht perfekt ist und dass er dieses Buch dazu nützt, um seine eigene Zeichenkünste zu verbessern. Dies stellt ihn clevererweise auf eine Stufe mit dem Leser, denn der will ja ebenfalls dazu lernen, und macht Scott McCloud umso sympathischer. Seine Erklärungen sind präzise und gut strukturiert, so dass sich das Beigebrachte schnell einprägt.
Auch wenn der Zeichenstil des Comics nicht ganz so wichtig ist, da die Botschaft klar im Vordergrund steht, soll erwähnt werden, dass er deutlich besser ist als in Comics neu erfinden, der teilweise ein wenig hingeschludert aussah. In diesem Comic tendiert er wieder zum Stil seines ersten Buches Comics richtig lesen, der diesem Werk angemessen ist. Im inhaltlichen Teil lassen sich ein paar Anlehnungen an Comics richtig lesen finden, diese sind aber selten und wenn, dann werden die damaligen Erkenntnisse erweitert und vertieft.
Wenn es dem Leser darum geht, perfekt zeichnen zu können, ist dies sicherlich nicht das richtige Buch. Wenn man aber grundlegende Kenntnisse zur Herangehensweise und kompletten Durchführung eines Comics sucht, ist Making Comics die allererste Wahl.
Scott McCloud ist übrigens mit Sack und Pack (sprich: mit der gesamten Familie) seit diesem Monat bis August 2007 auf einer Tour quer durch alle 50 Staaten der USA, um mit Hilfe seines neuen Werkes den Leuten das Comicmachen näher zu bringen. Die Daten und Termine sind hier auf seiner Website abrufbar, und im Familien-Blog über die Tour kann man dieses Mammutprojekt mitverfolgen.
Making Comics - Storytelling Secrets of Comics, Manga and Graphic Novels
Text und Zeichnungen: Scott McCloud
Verlag: HarperCollins
englisch; 264 Seiten; 17,45 Euro
ISBN: 0060780940
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Man sollte meinen, über manche Dinge sei alles gesagt, was man darüber sagen kann. Zum Beispiel über Tim und Struppi. Hergés berühmte Abenteuerserie gilt gemeinhin als der Beginn der europäischen Comic-Tradition und wurde bereits vielfach untersucht und betrachtet. Dem fügt jetzt der Brite Tom McCarthy eine neue Lesart hinzu.
Daisy
Kutter ist gelangweilt. Früher war sie eine gefürchtete
Wildwest-Verbrecherin wie Calamity Jane, jetzt lebt sie als Besitzerin
eines kleinen Ladens - legal, aber öde. Wenigstens gibt's ab und zu eine
Partie Poker im Saloon - und Daisy ist eine hervorragende Zockerin. Als
ein zwielichtiger Unternehmer Daisy anheuern will, damit sie seine
eigene Eisenbahn überfällt, gerät sie in Gewissensnöte...
- 27.12.2005
Das Schreiben über Comics, die Sekundärliteratur, fristet hierzulande nach wie vor ein Nischendasein. Zwar gibt es mittlerweile eine gesteigerte Aufmerksamkeit der Feuilletons, reichlich Material im Internet und relativ viele wissenschaftliche Publikationen, die sich mit Comics beschäftigen; doch es erscheinen nur ganz wenige Periodika, die sich in regelmäßigen Abständen mit dem Medium in all seinen Facetten beschäftigen. Neben der Comixene und dem Comic!-Jahrbuch des ICOM ist hier vor allem Volker Hamanns Reddition zu nennen, die schon seit 1984 monothematische Dossiers veröffentlicht.
Ja, das ist hier tatsächlich ein Comic über die Crew der Serenity - des Raumschiffs, das die Heimat eines zusammenwürfelten Haufens von eigenwilligen Charakteren aus Joss Whedons (Schöpfer von Buffy) kurzlebiger und nichtsdestotrotz fantastisch guter Fernsehserie Firefly darstellt.
Der amerikanische Journalist Douglas Wolk dürfte den meisten
deutschsprachigen Comic-Liebhabern kaum ein Begriff sein. Auch in
Nordamerika ist Wolk dem Mainstream-Comicleser wohl eher ein
Unbekannter, da seine Rezensionen nicht auf den szene-üblichen
Webseiten veröffentlicht werden, sondern vielmehr in Publikationen wie
der New York Times, dem Rolling Stones Magazin oder auf Salon.com
erscheinen. Dort schreibt Wolk regelmäßig Beiträge zu den Themen Comics
- und Jazz. Seine Rezensionen zeugen von einer genauen Kenntnis des
Stoffes und belegen, dass Douglas Wolk kein eingestaubter Feuilletonist
ist, der notgedrungen das Medium Comics rezensiert, weil dieses immer
mehr zum „ernst zu nehmenden" Kulturgut wird. Wolk arbeitete bereits
als Jugendlicher in den 80er Jahren hinter der Kasse eines Comicladens
und ist ein großer Fan, wodurch er immer wieder voller Begeisterung von
Comics zu berichten weiß.
- 01.08.2009