| Interview mit Charlie Adlard (OmU) |
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| Geschrieben von Björn Wederhake | ||||||
| Freitag, 25. August 2006 | ||||||
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Zuvor hat er bereits an The X-Files, Astronauts in Trouble, Batman: Gotham Knights, Green Lantern/Green Arrow, White Death, Judge Dredd und an vielen weiteren Comics mitgewirkt. Der Verlag Cross Cult , der The Walking Dead in Deutschland verlegt, lud den Briten im Juni auf den Comic-Salon 2006 in Erlangen ein. Wir erhielten die Gelegenheit, uns mit ihm zu unterhalten. Obwohl das Gespräch an einem Sonntagmorgen stattfand, war Charlie blendend gelaunt und sehr redefreudig. Das Gespräch führten Björn Wederhake und Frauke Pfeiffer (gekennzeichnet mit [FP]).
Charlie Adlard: Das hier? Nein, überhaupt nicht. Ich bin in Großbritannien viel kleinere Messen gewöhnt. Unsere große Convention – die, die in Bristol stattfindet – zieht ungefähr 2.000 Besucher an. Und, was habt ihr hier? Um die 20.000?
CG [FP]: Keine Ahnung.
CA: Das hat Andi [Andreas Mergenthaler von Cross Cult - d. Red.] mir erzählt, dass ihr um die 20.000 Besucher habt. Natürlich auf alle vier Tage verteilt.
CG [FP]: Wir wissen es wirklich nicht. Es ist halt einfach eine so kleine Gemeinschaft.
CG: Warst du denn in San Diego?
CA: Ja, ich gehe da seit Jahren hin.
CG: Darum fühlt sich das hier so klein an. Verglichen mit San Diego, was ja quasi die Mutter aller Conventions ist.
CA: Angoulême ist sogar noch größer.
CG [FP]: Gefällt dir sowas?
CA: Angoulême? Oh ja, ich liebe Angoulême. Ich gehe da nur nicht mehr so oft hin, weil ich nicht in der französischen Comicszene arbeite. Aber ich mag es trotzdem dorthin zu fahren, einfach nur, weil ich da so viel Geld ausgebe. Und die meisten Comics dort – aus Frankreich, Belgien, woher auch immer – sind offensichtlich [noch] nicht übersetzt worden. Ich drehe dann einfach durch und kaufe das ganze Zeug, das ich nicht einmal lesen kann.
CG: Du magst frankobelgische Sachen?
Ironischerweise habe ich ein paar französische Verlage letztes Jahr in San Diego getroffen. Bamboo Productions und Dargaud. Besonders Dargaud habe ich besser kennen gelernt. Schließlich wollte ich schon immer mal für Europäer arbeiten. Ich liebe das Format, dieses Buchformat, den Respekt, den Comics dort erhalten und das alles.
Also habe ich angefangen, mich mit ihnen zu unterhalten. Und in Angoulême habe ich außerdem mit Soleil geredet, das ist einer der großen Verlage in Frankreich. Also, hoffentlich zeichnet sich nächstes Jahr ein wenig europäische Arbeit am Horizont ab.
CG: Ist dein Zeichenstil von europäischen Künstlern beeinflusst worden?
CA: Ja, das wage ich doch zu hoffen. Ich habe gestern mit diesen Jungs geredet, diesen Manga-Jungs [Charlie gab der MangaSzene ein Interview – d. Red.] – keine Ahnung, warum die mit mir reden wollten – und der Interviewer hat meine Zeichnungen mehr analysiert, als ich selbst das je getan habe. Er meinte, wie europäisch meine Sachen aussehen.
Gut, er hat das nicht direkt gesagt, aber so wie er mein Artwork beschrieben hat, so sehe ich europäische Comics. Du weißt schon, die Art, wie sie ein großartiges Gefühl für Räumlichkeiten haben, die Art, wie sie die Hintergründe und alles in jedem Panel ausarbeiten. Ich kann mich nicht dazu durchringen, in jedem Panel Hintergründe zu zeichnen, aber das hat eher Zeitgründe.
Und dann ist da die Art, wie sie die Seiten einteilen: Das ist kein verrücktes Layout, das ist alles sehr formelhaft und statisch. Manchmal nur ein simples Panelgitter. Und so was mache ich auch. Meine Zeichnungen haben einen sehr – welches Wort passt? – eleganten, leichten Stil. Anders als die wuchtigen Zeichnungen, die man normalerweise in Superheldencomics findet.
CG [FP]: So etwas hat Humberto Ramos auch auf seiner Pressekonferenz gesagt. Er macht auch gerade einen Comic für einen französischen Verlag...
CA: Er macht das für Soleil.
CG [FP]: Ja, genau. Und er hat erzählt, Dark Horse sei daran interessiert und er habe ihnen gesagt: „Tut das nicht. Veröffentlicht das nicht in den USA, die US-Leser werden es nicht mögen. Es hat keine Splashseiten und man muss viel lesen. Das ist nichts für den US-Markt.“
CA: Richtig, sehr richtig. Aber trotzdem, ich verstehe nicht, warum er aktiv versucht, sie davon abzuhalten. [lacht]
Ich weiß ganz sicher dass, wenn ich ein europäisches Projekt fertigstellen würde, ich es ganz leicht von Larry [Young, Chef von AIT/Planet Lar - d. Red.] nachgedruckt bekäme.
CG: Kommst du gut mit Larry Young aus?
CA: Ja, er ist ein großartiger Freund. Immerhin hat er all meine Projekte, die creator owned sind [Comics, dessen Rechte nicht beim Verlag, sondern beim Künstler liegen - d. Red.], nachgedruckt. Ich habe in seinem Verlag mehr Comics im Druck als jeder andere Künstler. Und zwar mit großem Abstand. Ich habe all die Astronauts-in-Trouble-Sachen, White Death, Codeflesh, Nobody und gerade erst habe ich einen weiteren Comic für Larry beendet.
Und er ist so ein toller Kerl. Vor rund sechs Monaten passierte da etwas, das ich nicht glauben konnte ... und er hat mir nicht einmal gesagt, dass er das gemacht hat. Ich habe es nur erfahren, weil mein Comichändler den Previews-Katalog liest und zu mir sagte: „Hey, hast du das schon gesehen?“ – „Was denn?“ Und er sagte: „Schlag mal die Seite hier auf.“
Das war fantastisch. Dabei hatte ich Rock Bottom zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fertiggestellt; also das Projekt, das ich für Larry mache. Und er sagt in der Anzeige: „Demnächst“ und man konnte da ein paar Seiten des Projekts sehen, also wurde mir klar: „Oh Mann, ich sollte das jetzt besser mal zu Ende bringen.“
CG: Du hast mit Larry zuerst bei Astronauts in Trouble zusammengearbeitet. Wie seid ihr in Kontakt getreten? Wie fing das an?
CA: Eigentlich ähnelt die Geschichte der Art, wie ich bei The Walking Dead anfing. Denn ich habe ja ganz offensichtlich die ersten Ausgaben von A.I.T. nicht gezeichnet. Wie auch bei The Walking Dead.
CG: Der erste Zeichner war ... Matt Smith?
Sie haben mich bezahlt. Sie haben mich immer bezahlt, damit ich Astronauts in Trouble mache, denn im Grunde genommen ist es „work for hire“, da Larry ja der Schöpfer ist. Und ich befand mich gerade in einer ... na, sagen wir mal ... etwas schwächeren Phase meiner Karriere. Also habe ich das Angebot angenommen. Und so kam das dann. Ich glaube, Larry war sehr zufrieden mit meiner Geschwindigkeit und der Effizienz; anders als das bei Matt Smith der Fall war. Also habe ich auch weiterhin Astronauts in Trouble gezeichnet.
Ich würde gerne irgendwann mehr Astronauts in Trouble machen. Larry spricht immer davon, aber vorher müssen die Sterne richtig stehen, weil ich jetzt mit all den anderen Projekten so beschäftigt bin.
CG [FP]: Ganz klar, The Walking Dead hält dich beschäftigt. Ist das derzeit dein Hauptprojekt?
CA: Ja, das schon. Aber ich erledige es einigermaßen schnell, so dass mir die Zeit bleibt, andere Dinge wie z.B. Rock Bottom zu machen. Es ist immer noch nett, mit Larry in Verbindung zu stehen. Und dadurch bleibe ich für ein weiteres Jahr in engem Kontakt mit ihm, kann mich aber gleichzeitig um TWD kümmern.
CG: Was glaubst du: Wonach suchte Robert Kirkman, als Tony Moore The Walking Dead verließ?
CG [FP]: Oder rausgeworfen wurde. Tony musste gehen, weil er zu langsam war, stimmt's? CA: Das und viele andere Gründe. Sagen wir einfach nur: Tony ist gegangen.
CG: Okay. Also, als Robert Kirkman dich angesprochen hat, sagte er da: „Hey, ich habe dieses monatliche Projekt am Laufen und ich glaube, du bist der Kerl, der pünktlich seine Arbeit abliefern kann?“
CA: Ich glaube, damals war das einer der Gründe. Ich kannte Robert schon vorher, weil er die letzten drei Ausgaben von Codeflesh auf seinem Indie-Label FunkOtron veröffentlicht hatte. Codeflesh hatte acht Kapitel. Image verlegte die ersten fünf und dann kam die Reihe in Roberts Hände, weil sich Comicanthologien in den USA einfach nicht verkaufen. Ich glaube, das war etwas, das schon von vornherein abzusehen war.
Image hatte es wahrscheinlich weiter veröffentlicht, wenn Codeflesh die „richtige“ Comiclänge von 20 Seiten gehabt hätte. Aber das hatte es nicht: jedes Kapitel war nur 12 Seiten lang. Also mussten wir dieses Ding mit dem seltsamen Format irgendwo anders hintragen und Robert bot an, die letzten Folgen zu veröffentlichen. So habe ich Robert ursprünglich kennen gelernt.
Danach habe ich von Codeflesh bis The Walking Dead nichts mehr von ihm gehört. Ich bekam einfach aus dem Blauen heraus eine E-Mail. Seine Eröffnungssalve war: „Würdest du gerne Geld verdienen?“
CG [FP]: Eine gute Frage.
CA: Ich glaube ich weiß, was Image ist. Ich meine das jetzt nicht böse, aber sofern man nicht jemand ist der gerade erst anfängt oder man nicht aus irgendeinem Grund Geld übrig hat ... dann weißt du, dass du praktisch für lau arbeitest, wenn du zu Image gehst.
Das liegt daran, dass es ein so genannter „back end deal“ ist, du bekommst keine festgelegte Bezahlung pro Seite. Das ist eine verdammt große Verantwortung, die du als Künstler da übernimmst. Und du riskierst viel. Denn wenn du einen Comic gerade startest, dann weißt du nicht, ob er sich gut verkaufen wird. Zumindest war TWD schon bei Ausgabe 7 angekommen, als Robert mir das Angebot machte. Er wusste, dass der Comic genug Geld einbringt, um mir eine bestimmte Summe bezahlen zu können. Zumindest genug, um mich davon zu überzeugen, an dem Comic mitzuarbeiten.
Meine erste Reaktion war: „Kein Interesse.“ Oder genauer: Das wäre meine erste Reaktion gewesen, weil man mir nicht garantieren kann, dass das Ding Geld machen wird. Und ich habe eine Frau und zwei Kinder, für die ich sorgen muss. Ich hätte es mir nicht leisten können, das zu tun. Ich hätte es mir nicht leisten können, jeden Monat drei Wochen lang unbezahlte Arbeit zu erledigen.
Also war seine Eröffnungszeile natürlich: „Du kannst hiermit auf der Stelle Geld verdienen. Das garantiere ich dir.“
CG [FP]: "Obwohl du für Image arbeiten würdest."
CA: Nun ja, schon, genau. Die meisten Image-Comics verkaufen sich nicht gut genug, damit die Künstler damit Geld machen. Aber schon damals war das bei TWD nicht der Fall.
CG: Wenn ich mich richtig erinnere, dann war TWD einer der Comics, der bei Image unter der Jim-Valentino-Ägide begonnen wurde. Das war eine eher experimentelle Phase, nach der die Leitung an Erik Larsen abgegeben wurde. Hast du eine Änderung bemerkt, als Erik Larsen Chefredakteur wurde?
CA: Eigentlich nicht. Ich denke, jeder Depp würde wissen, dass man einen Comic, der Geld einbringt, laufen lässt. Und TWD ist eindeutig einer der Spitzentitel. Ansonsten ist da noch Spawn und das war’s auch schon so gut wie. Es ist einer der besten Geldbringer für Image. Um eine britische Phrase zu benutzen: Wenn’s nicht kaputt ist, warum solltest du’s reparieren?
Nein, ich habe keinen Unterschied bemerkt. Da mag ein Wandel in der generellen Richtung gewesen sein, in die sich Image entwickelt hat. Obwohl, ich sage das jetzt so, aber auch da habe ich eigentlich keinen Wandel bemerkt. Ich habe halt immer angenommen, dass, sobald Erik das Ruder übernimmt, alles wieder zu den alten Superhelden zurückkehren würde. Und das war offensichtlich nicht der Fall.
Weißt du, Jim hat versucht, die experimentelleren Dinge zu pushen und der Grund, warum Erik wieder an Bord geholt wurde, war, damit sie kommerziellere Sachen machen konnten. Aber ich weiß ganz sicher, dass sie etwas von ein paar Freunden von mir verlegen werden, die ein Artbook zusammen hergestellt haben.
Meine Freunde wollten das erst selbst verlegen, aber dann hat Image zu ihnen gesagt: „Wir verlegen das.“ Und ich dachte mir: Das ist kein sonderlich kommerzieller Schachzug. Das wird schon gehen, aber Artbooks sind nicht gerade große Geldbringer.
Ich nehme an, dass das Tagesgeschäft von Eric Stephenson, dem Editorial Director, geleitet wird, obwohl Erik Larsen eigentlich die Verantwortung hat. Ich kenne Eric ziemlich gut und er ist sicher nicht Mr. Superheld. Er steht mehr auf experimentelle Sachen. Image wird demnächst einen Comic veröffentlichen, der auf den Songs von Belle & Sebastian basiert. Und das ist Eric. Das ist absolut Eric. Er ist nämlich ein riesiger Belle-&-Sebastian-Fan.
Er hat mich sogar gefragt, ob ich Interesse an dem Comic hätte. Und das hatte ich. Ich hatte Interesse, aber nicht ganz die Zeit dafür. Es klang ziemlich spannend. Meine Frau steht mehr auf Belle & Sebastian als ich. Ich mag sie schon, aber ... tja ... das war’s auch. Wenn sie mal so etwas mit Nick Cave machen, da wär ich dabei.
Ich glaube, es liegt an Eric. Er ergreift die Initiative, wenn es um experimentelle Dinge geht. Ich glaube nicht, dass sich Image so sehr geändert hat. Die Namen schon, aber...
CG: Das ist eher Stühle rücken...
CA: Ja, genau. Das ist, als wenn ein Kabinett neu gebildet wird. Die Dinge selber ändern sich nicht.
CG [FP]: Wie schwer ist es eigentlich, Figuren nicht zu entwerfen, sondern mit existierenden Figuren zu arbeiten?
CA: Du meinst, ihr Aussehen und all das?
CA: Das war es ungefähr die ersten zehn Ausgaben, an denen ich arbeitete. Sagen wir mal, ungefähr das erste Jahr. Ich hatte nie das Gefühl, dass das wirklich mir gehört, weil Tony damit angefangen hat und die meisten Figuren seine waren. Auch ihr Aussehen. Und ich war einfach nur an Bord gekommen, es fühlte sich an wie eine Auftragsarbeit.
Weißt du, es gab ein paar Momente, in denen ich fast aufgehört hätte. Nicht, weil ich es nicht genossen habe, an dem Comic zu arbeiten, sondern einfach, weil ich mich nicht sonderlich damit verbunden fühlte.
CG [FP]: Was hat dich gehalten?
CA: Tja, mir gefielen die Geschichten. Und, ganz offen gesagt: Es kam kein ernstzunehmendes Angebot, das mich hätte weglocken können.
Also, ich wäre fast direkt am Anfang gegangen, nachdem ich eine Ausgabe oder so gemacht hatte. Da wurde mir Warlock von Marvel angeboten und ich erinnere mich, dass ich ein paar Tage, nachdem ich das Angebot angenommen hatte, eine E-Mail an Image schrieb, in der stand: „Okay, ich mache die ersten sechs Ausgaben für euch und danach ziehe ich weiter, um an Warlock zu arbeiten.“ Den bezahlten Auftrag. Oder genauer: Den besser bezahlten Auftrag.
Geblieben bin ich nur, weil mir Robert und Eric Stephenson beide E-Mails schrieben, in denen so etwas stand wie „Bitte, bitte geh nicht“. Besonders Erics E-Mail verteidigte TWD sehr stark und ging Marvel heftigst an.
Er sagte, dass TWD groß rauskommen und bald abheben würde. „Du hast all die kreativen Möglichkeiten, du wirst letzten Endes mehr Geld hiermit verdienen. Warum willst du für Marvel arbeiten? Deren Serie wird wahrscheinlich eh relativ schnell begraben und nicht lange laufen und blablabla.“
Ich glaube, das war die beste Entscheidung die je für mich gefällt wurde, denn ich hätte mich fast falsch entschieden. Stell dir mal vor, wie ich mich fühlen würde, hätte ich TWD aufgegeben und dann hätten sie Warlock eingestellt. Ich bin froh, dass ich geblieben bin.
Inzwischen habe ich so viele weitere Ausgaben von TWD gezeichnet. Das müssten inzwischen rund 24 Ausgaben sein. Und ich glaube, ich habe die Reihe stärker beeinflusst als Tony. Jetzt fühlt es sich auch für mich selber wie eine „creator owned“-Serie an, auch weil Robert mir diese ungeheuer großzügige 30%-Beteilung an den Rechten gegeben hat.
CG [FP]: Das ist nicht normal so?
CA: Nein. Er hätte auch alles für sich selbst behalten können und ich hätte nichts dagegen gesagt. Das ist immerhin sein Recht als Schöpfer der Serie. Hätte er mich engagiert und mir ein festes Gehalt pro Seite bezahlt, dann hätte ich nichts dagegen gesagt.
Das geht in die gleiche Richtung wie Larry, der immer gesagt hat, sollte Astronauts in Trouble mal ein Film oder eine Fernsehserie oder was auch immer werden, dann würde ich immer etwas davon abbekommen. Obwohl es eine Auftragsarbeit war. Aber ich bin inzwischen so grundlegend damit verbunden, dass ich fast schon als Schöpfer wahrgenommen werde. Auch wenn im Impressum steht, dass es von nur einer Person geschaffen wurde.
CG: Denkst du, dass du TWD verlassen würdest, wenn Marvel oder DC je ankämen und sagten: „Hey, wir haben diesen anderen Comic für dich?“
CA: Was könnten die mir anbieten, das so attraktiv ist wie TWD? Nichts. Denn wenn Marvel mir einen Exklusivvertrag anbieten würde, zehn Jahre mit einem festen Gehalt pro Seite, dann würde ich zehn Jahre lang mit den Figuren von jemand anderem arbeiten.
Egal, wie sehr es auch gekribbelt hat, an Spider-Man zu arbeiten... und das habe ich ewig nicht mehr getan. Trotzdem, ich habe eine Spider-Man-Ausgabe gemacht, habe Batman gemacht, Superman, ich habe die meisten großen Comichelden irgendwann gezeichnet.
CG [FP]: Weißt du, Humberto Ramos hat in unserem Interview gesagt: „Sobald du Spider-Man gemacht hast, wohin kannst du von da noch gehen?“
CA: Richtig, er ist dann zu den Dingen übergegangen, die ihm selbst gehören und das ist die einzige Richtung, die du einschlagen kannst. Sobald du an Marvels und DCs großen Helden für einige Zeit gearbeitet hast, war es das. Das ist sicher der Höhepunkt an Auftragsarbeiten.
Ich persönlich arbeite lieber für DC. Nicht weil ich ihre Figuren bevorzuge, aber ich glaube, ihr Programm ist abwechslungsreicher. Marvel ist sehr stark... im Grunde genommen gibt es nur Superhelden. Alles muss mit Superhelden zu tun haben. Sie haben das ICON-Label, aber da findet man ja kaum Comics.
CG: Eigentlich ist es doch so: Du machst unsere Superhelden und du kannst deine „creator owned“-Sachen via ICON verlegen.
CA: Eigentlich, ja. Es ist ein Anreiz für die größeren Namen, Exklusivverträge mit Marvel zu unterschreiben. Du arbeitest für uns, du kannst dein „creator owned“-Zeug machen.
Ich hatte Angebote von Marvel. Keine Exklusivverträge, aber sie haben mir verschiedene Serien angeboten. Punisher war darunter. Ich kenne Garth Ennis und ich mag Garth und in letzter Zeit wollte er wirklich gerne mit mir zusammenarbeiten. Ich habe das zwei Mal abgelehnt in den letzten paar Jahren.
Und das ist nicht gegen Garth gerichtet. Ich würde wirklich gerne mit ihm arbeiten, habe es aber nie getan. Ich habe Punisher und The Authority: Kev abgelehnt. Aber, wie man so schön sagt: Aller guten Dinge sind drei.
Vom kreativen Standpunkt pfuscht uns bei TWD niemand ins Handwerk. Wir können machen, was wir wollen. Für manche Künstler ist das schlecht. Manchmal ist es nett, jemanden zu haben, der sagt: "Nein, kommt schon, ihr verliert da den Faden." Es ist also nicht immer etwas Gutes. Aber im Moment fühlt es sich einfach gut an, dass uns niemand beeinflusst.
Und um ehrlich zu sein: Wenn du all die Tantiemen einrechnest, dann mache ich mehr Geld als Marvel mir je als Gehalt pro Seite anbieten könnte. Und das haben sie mir bei den Jobs angeboten, ein festes Gehalt pro Seite. Daraufhin habe ich gesagt: „Ich habe ein offizielles Gehalt pro Seite. Verdoppelt das mal, Jungs.“ Und das wollten sie nicht tun.
CG [FP]: Bei TWD ist Dein Gehalt abhängig vom Verkauf?
CA: Da habe ich kein festes Seitengehalt, genau. Ich bekomme einen Vorschuss von Image, was ursprünglich ein weiterer kleiner Anreiz war, um mich für die Serie zu gewinnen. Weil ich diese Einstellung „Oh, ich bin mir nicht sicher wegen der ganzen Gehalt-pro-Seite-Kiste“ hatte.
Also hat Image gesagt: Wir bezahlen dir eine feste Summe. Jedesmal, wenn du einen Comic einreichst, schicken wir dir einen Scheck. Das ist nicht viel, aber es ist das Geld, von dem sie wissen, das der Comic es auf jeden Fall erwirtschaftet. Also konnten sie es sich leisten, mir das anzubieten. Und jeden Monat, oder grob jeden Monat, erhalte ich einen weiteren Scheck, der mit den richtigen Verkaufszahlen zusammenhängt.
Und dann ist da noch etwas, was alle sechs Monate kommt und die Einkünfte ein bisschen sammelt. Das ist der richtig dicke Scheck. Der ist einfach nur stratosphärisch, weil TWD jeden Monat an Nummer 2 oder 3 unter den meistverkauften Graphic Novels zu finden ist.
Hättest du eine Graphic Novel von Spider-Man, die sich so gut verkaufen würde wie TWD, dann würdest du trotzdem nur eine winzig kleine Menge Geld verdienen, weil du nur 3 oder 4 Prozent der Einnahmen erhälst. Den Löwenanteil nimmt sich Marvel. Hier sieht es so aus: Wenn Image sich seinen Anteil genommen hat – was nicht viel ist – dann bekommen Rob und ich die übrigen sechzig oder siebzig Prozent der Einnahmen. Das ist der Unterschied.
CG: Ich merke schon, du bist wirklich glücklich mit der creator ownership bei AiT und Image.
CA: Ja, ich bin sehr glücklich darüber. Das Problem ist nur: Es ist nett, in diesem Elfenbeinturm zu sitzen, auf all die anderen herunterzuschauen und zu sagen: „Creator owned, so sollte das sein.“ Ich erinnere mich noch, als ich vor ein paar Jahren Mike Oeming [der Zeichner von Powers - d. Red.] traf und er nur sagte: „Charlie, creator owned ist der richtige Weg. Es ist der einzige Weg.“
Und ich dachte mir: Das ist leicht für dich zu sagen, Mike. Du machst es richtig. Du verkaufst regelmäßig 30.000 Hefte im Monat. Und du verdienst gutes Geld. Du hast leicht reden. Du hast die Lizenzoptionen für viel Geld verkauft. Blablabla. Du kannst dich zurücklehnen, dich entspannen und einfach deinen Comic machen. Und du kannst dich ganz frei entscheiden, was du sonst noch machen willst.
Aber wenn du ein Zeichner bist und besonders wenn du Verantwortung trägst – und, wie gesagt, ich habe eine Frau und zwei Kinder –, dann kannst du dir das nicht leisten. Wenn du ein Autor bist, dann schon. Dann kannst du zwei oder drei Titel pro Monat schreiben. Als Autor ist es leichter, etwas creator owned zu machen.
Das nimmt dann nur einen Teil deines Arbeitstages in Anspruch. Aber es gibt nur wenig Zeichner, die an mehr als einer Serie pro Monat arbeiten können. Du bist da also quasi in der Pflicht. Und wenn es creator owned ist, dann bekommst du kein Geld im Voraus? Wie sollst du da überleben?
Ich sehe die Fallstricke genau so, wie ich die Vorteile sehe.
Allerdings, wenn es klappt, dann ist es einfach am besten. Jobmäßig geht es mir so gut wie noch nie. Ich kann TWD machen, was einfach fantastisch ist, und dann kann ich noch Dinge wie Rock Bottom machen. Naja, das mache ich für Larry, also ist es auch creator owned. Und das Skript ist so gut. Joe Casey hat es geschrieben. Es ist so gut, die Serie musste ich einfach zeichnen.
Das hat zwei Jahre gedauert, weil ich daran gearbeitet habe, während ich auch TWD zeichnete. Aber es ist einfach ein tolles Gefühl, sich so frei aussuchen zu können, woran man arbeitet. Und es ist so schön, denken zu können: Naja, ich verdiene mit TWD so viel Geld, ich kann es mir leisten, mal etwas zu machen, an dem ich nichts verdiene. Das ist brilliant. Ich muss mir nicht immer sagen: Das muss jetzt ein bezahlter Job sein, weil ich sonst nicht über die Runden komme.
Beispielseiten aus Rock Bottom:
Ich arbeite gerade an etwas für 2000AD [britisches Comicmagazin - d. Red.]. Dafür werde ich bezahlt. Aber im Vergleich ist die Bezahlung bei 2000AD natürlich nicht überwältigend. Das ist eben auch etwas, das ich mache, weil es mir gefallen hat. Ist eine Geschichte von Pat Mills, eine seiner besten.
CG [FP]: Wir haben uns schon etwas gewundert wegen der britischen Comicszene ...
CA: Dem Mangel an selbiger, ja. [grinst]
CG [FP]: Genau, dem Mangel daran. Das stimmt. Warum schreiben so viele britische Autoren amerikanische Comics?
CA: Das liegt daran, dass es im Königreich keine vernünftige Comicszene gibt.
CG [FP]: Warum denn, es gibt so viele talentierte...
CA: Na ja, aber es gibt keinen wirklichen Markt, nur 2000AD.
CG [FP]: Liegt das am Lesermangel?
CA: Das glaube ich nicht. Es herrscht besonders in Großbritannien die Wahrnehmung, dass Comics etwas für Kinder sind. Ich meine, nicht mal für Kinder, sondern für...
CG [FP]: Neugeborene?
CA: So scheint es, ja. Die Mehrheit der Comics in Großbritannien sind einfach nur Vorschulcomics: Thomas, the Tank Engine und solche Sachen. Obwohl es einen Thunderbirds-Comic gibt, aber selbst der ist für kleine Kinder gemacht.
CG [FP]: Aber das ist so seltsam, weil so viele britische Comicschaffende in den USA wichtig und berühmt sind.
CA: Naja, wir alle arbeiten in Amerika oder Europa oder an Orten, wo wir Geld verdienen können. Du kannst ja immer noch für 2000AD arbeiten. Da hast du immer mal wieder einen bekannteren Künstler der etwas macht – so wie ich – aber ... puh ...
In Großbritannien hat die BBC gerade damit begonnen, einen Dr.-Who-Comic zu verlegen. Es gibt da also neben 2000AD auch diesen Comic. Und dann ist da das Judge Dredd Megazine. Aber die Sachen sind nicht gigantisch. Und das war’s schon.
CA: Als er Chefredakteur war?
CG: Ja, als er Chefredakteur war. Als Revolution 2000AD erworben hat.
CA: Tja, das Lustige an Andy ist, dass er eigentlich der Chefredakteur mit der kürzesten Laufzeit bei 2000AD war. Das ist nicht gegen Andy gerichtet, ich kann sogar respektieren, was er da gemacht hat: Er ist offensichtlich ein sehr guter Geschäftsmann. Er hat seinen Redakteursposten bei 2000AD genutzt, um den Kontakt mit den USA herzustellen, um dann da seine Karriere als Freischaffender zu starten. Und er hält sich ja jetzt nicht schlecht.
CG: Was ein weiterer Punkt für 2000AD als Jugendmannschaft wäre.
CA: Ja, er hat sich quasi selbst ins Spiel gebracht. Guck dir doch mal irgendeinen Künstler an, der einiges für 2000AD gemacht hat. Die letzten beiden großen Talente, die in die Staaten gegangen sind, das waren Jock und Frazer Irving. Und beide arbeiten jetzt eigentlich nur noch für amerikanische Verlage.
CG [FP]: Aber es ist bedauerlich, dass so viele talentierte Künstler weggehen...
CA: Ja, das ist schade. Aber ich vermute, dass letzten Endes die Möglichkeiten in den USA nun einmal auch größer sind.
CG [FP]: Eine Frage, mit der wir wieder zu TWD zurückkommen: Da dein Zeichenstil ja deutlich anders ist als der von Tony, hast du da Reaktionen von den Fans bekommen?
CA: Oh ja, aber das war abzusehen. Die Fans neigen in diesen Fällen dazu, sehr ... konservativ zu sein.
Ich glaube, es ist momentan hochgradig frustrierend, ein Fan von amerikanischen Comics zu sein, einfach weil kein Künstler länger bei einer Serie bleibt. Es kommt sehr selten vor, dass ein Kreativteam für mehr als, tja, sechs bis zwölf Ausgaben zusammen an einem Comic arbeitet.
Denk doch mal an die langen Runs, die amerikanische Künstler bei bestimmten Serien in den Sechzigern, den Siebzigern und sogar den Achtzigern hatten. Und heute denkst du, wenn mal jemand für zwölf Ausgaben einem Comic treu bleibt: Der ist aber schon lange dabei. Scheiße, nein. Aber, äh, wie war nochmal die Frage? [lacht]
CG [FP]: Die Reaktion der Fans ...
CA: Oh! Ja, ja, ja! Ich wusste halt, dass Tony, weil er es ja angefangen hat...
CG [FP]: Seine Zeichnungen und seine Zombies waren sehr detailliert. Und er sagte, er habe sich vorher ausgiebig einiges über Anatomie angelesen ...
CG: Sich Polizeifotos von Leichen in verschiedenen Verfallsstadien angeschaut ...
CA: Oh, okay. Nun, ich schätze mein Zeichenstil ist etwas expressionistischer. Weniger Details, dafür mehr Arbeit mit Licht und Schatten, vielleicht mehr Subtilität. Und ich disse Tony Moore nicht, wenn ich das so sage. Aber, weißt du, ich neige eher dazu, Dinge im Schatten zu verstecken, als das bei Tony der Fall war.
Es gab schon eine Reaktion. Die war im Grunde genommen: „Öh, was ist das denn?“ Tony war toll. Aber ich glaube, es lag auch daran, dass die Fans sich an Tonys Stil gewöhnt hatten.
Wenn du eine etablierte Figur wie Batman nimmst, dann bekommst du diese Reaktion nicht. Einfach, weil jeder so daran gewöhnt ist, dass Batman von vielen, verschiedenen Zeichner gezeichnet wird. Es gibt nicht den einen Zeichner, der festgelegt hat, wie Batman oder Superman oder Judge Dredd oder wer auch immer auszusehen hat.
Aber weil Tony den Comic angefangen hat, gab es einen etablierten Look. Und ich komme da an und ich werde sicher nicht Tony kopieren. Ich werde ich selbst sein. Aber, wie gesagt, ich hoffe, dass die Serie nach mittlerweile 24 Ausgaben schon meinen Look hat.
CG [FP]: Wie viele Ausgaben bist du denn jeweils voraus?
CA: Nicht viele, nur ein paar. Nummer 28 ist gerade erschienen und morgen werde ich die 30 fertig stellen.
CG [FP]: Ah, deshalb kannst Du nicht lange hier in Erlangen bleiben.
BW: Wie weit bist du eigentlich in dem Zombieding drin? Warst du schon vor diesem Job ein Zombiefan, also hast du die Romero-Filme gesehen?
CA: Oh, ich mag die Romero-Filme. Und Shaun of the Dead. Ich finde den Film wahnsinnig komisch. Ich habe auch 28 Days Later gesehen. Danny Boyle [der Regisseur - d. Red.] war der erste, der behauptet hat: „Es ist kein Zombiefilm.“ Und du denkst dir: Oh doch, es ist einer, Danny. Es ist ein Zombiefilm.
Ich habe einige italienische Zombiefilme in den Achtzigern gesehen. Aber ich würde nicht behaupten, dass ich ein riesiger Zombiefan wäre. Ich habe die Arbeit an TWD nicht wegen der Zombies übernommen.
CG: Hat dich ein bestimmter Zeichenstil oder so beeinflusst? Die Farm, die im zweiten Sammelband ganz allein in der Wildnis steht hat mich nämlich immer an dieses abgeschottete Haus im originalen Night of the Living Dead erinnert. Hat dich der Stil der Filme beeinflusst?
CA: Nicht wirklich, ich habe NotLD seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Ich würde ihn mir aber gerne mal wieder angucken, besonders weil es ein Schwarz-Weiß-Film ist.
CG: Der Film hat in den USA sein Copyright verloren und ist jetzt in der Public Domain. Du kannst ihn ganz legal runterladen. [Bei Archive.org: http://www.archive.org/details/night_of_the_living_dead]
CA: Oh, wirklich? Gut zu wissen. Aber trotzdem: Schwarz-Weiß-Filme sind sehr interessant, weil ich ja auch in schwarz-weiß arbeite. Darum sind diese Filme oft viel interessanter anzuschauen, weil die Ausleuchtung so viel stärker auf Kontraste setzt.
Also, ich bin schon ein Horrorfan. Kein Riesenfan, aber ein Gelegenheitsfan. Meine Lieblingshorrorfilme sind die eher subtilen Sachen. Ich bin ein riesiger Fan von Filmen wie The Haunting oder Halloween. Solche Dinge.
Ich mag das einfach. Ich mag Horrorfilme, in denen du das Monster nicht siehst. Es ist unheimlicher, wenn du die Dinge nicht siehst, weil dann deine Vorstellungskraft die Kontrolle übernimmt.
Ich glaube, das zeigt sich auch in meinen Zeichnungen. Denn sofern mich Robert nicht explizit um etwas bittet, neige ich dazu, die Kamera vom Schrecken selbst fern zu halten. Ich denke, das ist so effektiver.
BW: Also, du bist nicht wie die meisten Zombiefans, die sagen: Wir müssen sehen, wie Gedärme aus Menschen gerissen werden. Das hatten wir ja immerhin sogar in Shaun of the Dead.
CA: Klar, Zombiefilme müssen von Natur aus blutig sein, weil sie ja mit wandelnden Leichen zu tun haben.
FP: Zwei kurze Fragen zum Schluss. [Andreas Mergenthaler schaut uns schon etwas verzweifelt an.]
CA: Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.
FP: Was hast du in der Comicbranche gelernt seit der Zeit, als du angefangen hast? Was hast du erwartet und wie sahen die Dinge dann wirklich aus?
CA: Das ist eine interessante Frage. Ich sollte mich jetzt ja eigentlich kurz fassen, aber ich müsste mich jetzt erst einmal zurücklehnen und darüber richtig nachdenken.
Es war gar nicht so anders, als ich es erwartet hatte. Es ist ganz sicher ein Traum. Das ist etwas, was ich immer tun wollte, seitdem ich wusste, dass es Comics gibt. Da dürfte ich so fünf oder sechs gewesen sein. Also von dem Standpunkt aus betrachtet tue ich genau das, was ich auch tun will.
Aber nachdem ich dann eingestiegen war, hat es nicht lange gedauert, bis der „Wow“-Faktor, bis die Magie weg war. Und dann wurde es...
CG [FP]: ... ein Job?
CA: Ja, schon. Es ist kein Job und trotzdem ist es ein Job. Ich liebe jeden Tag, den ich arbeite. Und manchmal ziehe ich Arbeitstage sogar freien Tagen vor, weil es nichts Besseres gibt als einen Tag, an dem man etwas erschafft. Das ist so ein fantastisches Gefühl. Du erschaffst die ganze Zeit Dinge und das ist brilliant.
Es gibt auch Nachteile: Deadlines und sowas ... aber das sind so kleine Nachteile. Daran denke ich gerne, wenn ich mich über irgendwas beklage ... als ich etwa Green Arrow, Green Lantern gemacht habe, da habe ich die ganze Zeit über innerlich heftigst gejammert und geflucht.
Und dann habe ich mir gedacht: Hey, wart’ mal kurz. Was würde ich denn eigentlich lieber tun? Was könnte ich denn sonst tun? Regale im Supermarkt einräumen? Hör auf zu jammern und zeichne. Du erschaffst immer noch etwas. Und selbst in Phasen, in denen ich Arbeit gesucht habe, aber niemand gewillt war, mir wirklich Arbeit anzubieten, selbst da war ich glücklich. Wobei, ich war eigentlich nie wirklich arbeitslos. Irgendwas gab es immer. Tja, klopf auf Holz.
Ich bin dankbar, weil es immer irgendwas zu tun gab, selbst in den schwächeren Phasen.
CG [FP]: Letzte Frage: Welche Serie, welcher Einzeltitel, denkst du, ist der unterschätzteste?
CA: Ich lese ehrlich gesagt gar nicht so viele Comics.
CG [FP]: Oh, tust du nicht? Fehlt Dir die Zeit?
CA: Ja, irgendwie schon. Wie gesagt, ich habe Kinder und so, da hast du einfach nicht die Zeit, dich mal zurückzulehnen und zu lesen.
CG [FP]: Okay, sagen wir mal meistunterschätzter Autor oder Zeichner.
CA: Ich komme auch nicht an all zu viele Comics ran. Weil ich in einer kleinen Stadt lebe. Da gibt es keinen großen Comicladen mit großem Sortiment.
Ich würde mal sagen, dass auf dem kommerziellen amerikanischen Markt ein Mangel an anständigen Superhelden-Serien existiert. Und ich denke, dass Superhelden wieder mehr Spaß machen sollten.
Das Zeug, das ich im Mainstream sehr gerne gelesen habe, war sowas wie She-Hulk [von Dan Slott - d. Red.] oder Darwyns Cookes The New Frontier. Diese Serien haben in erster Linie Spaß gemacht und haben außerdem gute Geschichten erzählt. Obwohl sie aus zwei ganz unterschiedlichen Richtungen an die Sache rangehen.
Dann würden vielleicht auch wieder mehr Kinder Comics lesen. Die nächste Generation und nicht Dreißig- bis Vierzigjährige, die Identity Crisis lesen. „Das ist toll, weil es richtig ernsthaft ist.“ Nein. Es ist Müll. Es ist Müll. Ein Haufen Leute, der in seiner Unterwäsche sitzt auf einer Beerdigung und heult. Und das Gesicht vom Elongated Man schmilzt in seine Hände, wie in einem Robert-Crumb-Cartoon. [lacht]
Egal.
CG: Hast du die Justice-League-Unlimited-Zeichentrickserie gesehen? Ich gehe damit jedem auf die Nerven, aber ich finde, das ist es, wie Superheldengeschichten gemacht werden sollten.
CA: Oh, die habe ich nicht gesehen. Nur ein paar Ausschnitte und Standbilder.
CG: Sie nehmen all den Blödsinn und dann konzentrieren sie sich da drauf. „Klar, wir wissen, dass Gorilla Grodd eigentlich eine total dämliche Idee ist ... aber wir haben Spaß damit.“
CA: Ja, genau. Wenn du Spaß damit hast, dann ist das egal. Aber wenn sie eine Idee wie Gorilla Grodd haben und die richtig ernst nehmen, dann beginnt das Ding Unwucht zu bekommen. Und das ist das Problem, was ich mit so etwas wie Identity Crisis habe.
Letzten Endes haben Frank Miller und Alan Moore ernsthafte Superheldengeschichten schon Mitte der Achtziger geschrieben. Da sollten wir doch sicher inzwischen drüber hinweg sein. Und deren Geschichten waren ohnehin besser.
CG [FP]: Okay, wir danken ganz herzlich für das Gespräch!
CA: Kein Problem!
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Meine erste Reaktion war: „Kein Interesse.“ Oder genauer: Das wäre meine erste Reaktion gewesen, weil man mir nicht garantieren kann, dass das Ding Geld machen wird. Und ich habe eine Frau und zwei Kinder, für die ich sorgen muss. Ich hätte es mir nicht leisten können, das zu tun. Ich hätte es mir nicht leisten können, jeden Monat drei Wochen lang unbezahlte Arbeit zu erledigen.
