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von Frauke Dienstag, 04. Juli 2006
Wer jetzt befürchtet, dass er gänzlich auf Tonis wohlgeformte Frauenkörper verzichten müsste, der sei beruhigt: es gibt sie auch hier noch. Nur eben ein wenig sparsamer eingesetzt.
Denn diesmal ruht der Fokus nicht nur auf den Zeichnungen, sondern auch auf der Geschichte. Diese erzählt von Puni Reka-Grün, die auf "Wulff 33", einer Plantagewelt für die so genannte Schreckbohne, mit vielen anderen Frauen für den Anbau und die Ernte zuständig ist. Die gesamten äußeren Umstände vermitteln den Eindruck einer Diktatur, freie Willensentscheidungen scheinen nicht möglich zu sein. Einer der wenigen Männer auf dieser künstlichen Welt verliebt sich in Puni und sucht ihre Nähe, obwohl Männern der Kontakt mit Frauen streng verboten ist. Puni erwidert seine Gefühle und so leben sie ihre Beziehung im Verborgenen, immer mit der Furcht, entdeckt zu werden.
Punis Anbaumethoden für die Schreckbohne sind ungewöhnlich, aber effektiver als die vorgegebenen - die aus ihren Bohnen gewonnene Droge erzielt höhere militärische Erfolge als gewohnt. Die junge Frau soll unverzüglich abreisen, um der Haupt-Agrarsektion auf Andro-Alpha bei der Entwicklung neuer Richtlinien zu helfen. Dies ist natürlich ein Schock für das Paar; außerdem machen sie noch eine konsequenzenreiche Entdeckung...
Tonis Zeichnungen sind wie immer ein Augenschmaus. Vor allem weibliche Hinterteile haben es ihm angetan, die er, wie vieles andere auch, konsequent mit Glanzpunkten in runde Form zu setzen weiß. Mir persönlich ist das manchmal schon zu weichgezeichnet, aber das ist Geschmackssache. Was mir störender auffällt ist der etwas sparsame Einsatz von Hintergrundzeichnungen, welche dem ein oder anderen Panel gut getan hätten. Die reduzierte und wohlweislich eingesetzte Farbpalette transportiert die jeweilige, größtenteils beklemmende Stimmung hervorragend.
Leider kann ich dies nicht über die Geschichte selber sagen. An manchen Stellen wird doch arg schnell über Entwicklungen hinweggefegt, z.B. wie der etwas tumb wirkende Trinar das Herz von Puni nur durch eine Rose erobern konnte - was ja fast schon wieder einen altmodischen Charme besitzt -, so dass man nicht wirklich eine Bindung zu den Akteuren aufbauen kann. Auch über den Hintergrund dieses Systems, der Welten oder der geernteten Droge, die ja anscheinend für Militärzwecke eingesetzt wird, erfährt man rein gar nichts.
An einer Stelle war ich mir sogar eine Zeitlang sicher, dass etwas an der Anordnung der Seiten schief gegangen sein müsste, da ein sehr abrupter Übergang von einem Handlungsstrang zum nächsten erfolgte. Aber das war wohl bewusst so angelegt.
Da Luna auf etwa 200 Seiten angedacht ist, wird wohl noch die ein oder andere Überraschung und Erklärung auf uns warten. Gerade im Hinblick auf eine längere Erzählung hätte ich mir aber am Anfang etwas mehr Zeit für die Einführung der Figuren und Aufbau der Geschichte gewünscht.
Die Aufmachung des Comics ist sehr schön geworden. Das Heft präsentiert sich fast im DIN A4-Format mit einem Glanzeinband und gutem Papier.
Neugierig genug bin ich auf den zweiten Band, und Tonis Zeichnungen kann man eigentlich nicht widerstehen. Ich hoffe aber, die Story wird etwas ausgefeilter.
Luna 1
Schwarzer Turm (Leseprobe)
Text: Robi
Zeichnungen: Toni Greis
28 Seiten, komplett Farbe, Softcover; 6,50 Euro

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