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Comic-Salon 2006: Messebericht Drucken E-Mail
Geschrieben von Frauke   
Donnerstag, 29. Juni 2006
Beitragsinhalt
Comic-Salon 2006: Messebericht
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Freitag, 16. Juni 2006

Ab heute müssen wir uns unser Frühstück selber besorgen. Zum Glück gibt es quasi direkt um die Ecke einen Bäcker mit einem kleinen Café-Bereich in einem denkmalgeschützten Haus. Sehr schön hergerichtet und ideal, um den Tag zu beginnen.
Wie das so ist verlieren wir uns beim Schwatzen und überhaupt wird der Weg zum Salon deutlich unterschätzt, so dass wir eine gute Viertelstunde zu spät kommen. Was wir in dieser Zeit schon alles verkauft hätten können! Eieiei... 
Unsere Technik durften wir netterweise in dem Büro unterstellen, das Splashcomics zur Verfügung gestellt wurde. Boah, das ist sogar klimatisiert! Ein bisschen Neid kommt da schon auf aufgrund der Bullenhitze draußen und der stickigen Luft in unserer Ecke der Halle.
Na egal, frisch ans Werk.

Zwei Interviewtermine stehen bald an. Björn hatte schon vor einiger Zeit angefangen, sich mit Frank Neubauer, freier Übersetzer und Redakteur (u.a. für Dino, Infinity, Ehapa), per mail zu unterhalten und möchte nun die Gelegenheit nutzen, das Ganze live fortzusetzen. Und Chris fand den Manga Losing Neverland der deutschen Nachwuchszeichnerin Fahr Sindram hochinteressant, so dass er ebenfalls an dem Morgen ein Interview führt. Das Gespräch mit Fahr, in dem es hauptsächlich um ihre Intention geht, auf so genannte Shotacons (Manga, die von einer sexuellen Beziehung eines Erwachsenen und eines minderjährigen Jungen handeln) aufmerksam zu machen und mit Losing Neverland um den Stricherjungen Laurie deutlich dagegen Stellung zu beziehen, ist bereits bei uns online gegangen.

Das Interview mit Frank, bei dem ich die meiste Zeit vor Ort war (schließlich verbinden mich mit seinem Namen meine ersten "neueren" Comicerfahrungen; als langjähriger Betreuer der Leserbriefe bei Spawn stand sein Name früher für mich immer für "die Comicmacher" schlechthin) steht kurz vor der Fertigstellung und wird in den nächsten Tagen hochgeladen. Mit ihm probieren wir zum ersten Mal unser Mikrofon aus, das es erlaubt, das Gespräch direkt auf Festplatte zu speichern. Feine Sache! Per Hand Notizen mitschreiben ist nicht gerade bequem, und ein Diktiergerät ist ja immer mal gerne an genau der wichtigsten Stelle voll. Die Quasi-Generalprobe besteht unser Mikrofon und die entsprechende Software ausgezeichnet, so dass wir uns gewappnet fühlen für die noch folgenden Interviews mit Humberto Ramos und Charlie Adlard.

   
 Frank Neubauer (links) lässt sich von Björn ausquetschen Fahr Sindram beim Interview mit ChrisWas man so alles auf seinem Fotoapparat findet! Ein zufriedener Chris kurz nach dem Gespräch mit Fahr



Das Interview mit Ramos, durch Crimson und Out There einer der Zeichner, der mich schon seit mehreren Jahren interessiert, lasse ich mir bei Carlsen bestätigen. Wir könnten entweder an einer "allgemeinen" Presserunde am Freitag teilnehmen oder aber am Samstag um 15 Uhr eine Stunde lang mit ihm reden. Da ist zwar eigentlich noch unser Kickerturnier im Gange, da ich aber nicht damit rechne, so weit zu kommen, dass das Comicgate-Team zu dieser Zeit noch spielt, sage ich den Samstag-Termin zu in der Hoffnung, dass Thomas es mir nicht übel nehmen wird, das Kickerturnier organisatorisch alleine zu Ende zu bringen. Ich freu mich schon!
Bei Carlsen treffe ich auch Flix und Ralph Ruthe. Ralph drücke ich schon mal zwei Exemplare unseres Printmagazins in die Hand als Beleg für das Interview mit ihm und als Dankeschön, dass er sich so viel Arbeit für uns macht und 25 vorbestellte Exemplare signieren wird. Mit Flix, der ja seine Cartoons "VerFLIXt!" schon seit mehren Jahren bei uns veröffentlicht, kann ich leider wie immer nur ein paar kurze Worte wechseln.
Irgendwann klappt's mal, Flix!

Unsere Standrückennachbarn von der Alligatorfarm mischen derweil die beschauliche Comic-Salon-Runde auf. Mit seinen "Comichetzreden" echauffiert sich Kroko-Chef Karl Nagel über teure Kunstcomics, die sich kaum jemand leisten kann, und den schlechten Ruf bzw. das Ausbleiben der billigen Schundcomics, die einfach nur unterhalten wollen. Anfangs noch sehr skeptisch betrachtet bzw. ignoriert von den Salon-Besuchern, mausern sich seine regelmäßig statt findenden Reden im Laufe des Salons zu Veranstaltungen mit immer mehr Zulauf. Kein Wunder, ist doch Karl Nagel als Mitinitiator der Chaos-Tage und der APPD erprobt darin, anderen Leuten eine Reaktion zu entlocken. Nur die Axt, die muss er irgendwann weglassen, da sich ein Standnachbar bei den Salon-Organisatoren beschwerte, dass ihm dadurch die Kundschaft ferngehalten werden würde...

Wir können da ähnlich reden von einem anderen Standnachbarn, der möglicherweise *uns* diverse Interessenten ferngehalten hat. Wer bleibt schon gerne irgendwo stehen, wenn nebenan von morgens bis abends ältere Personen einen Ministand umlagern und sich eifrig Bier und Liköre zuführen? Und immer wenn wir nicht aufpassen, wird unser Tisch direkt mal zur Bierflaschenabstellmöglichkeit umgemodelt. Na dankeschön.
Ganz ernsthaft: falls wir den Salon nochmals als Stand mitmachen sollten, werden wir darum bitten, nicht nochmal in der Nähe dieses Ausstellers zu landen.

Während bald der erste Teil des Kickerturniers beginnt, hat sich Anna-Maria zu ihrer freitäglichen Signierstunde am Comicgate-Stand eingefunden. Und klar, wenn man schon einen Gewinner in den eigenen Reihen hat, dann muss das auch gebührend ausgewiesen werden. Heute ist auch deutlich mehr Zuspruch beim Signieren als am ersten Tag.

  
 Karl Nagel, noch mit Axt Anna-Maria Jung beim Signieren am CG-Stand
 


Nun müssen Thomas und ich aber los zum Kickerturnier, das in Kooperation von Comicgate und dem Comic-Salon stattfindet. Wir haben so weit alles organisiert, was die Anmeldung und die Durchführung angeht, und der Salon kümmerte sich um einen geeigneten Platz und die Tische. Und da muss man loben: die Kickertische sind allererste Sahne, gute Kneipenkicker.

Schon fast beschämend, was für Tische unter dem Label "Offizieller DFB Turnierkicker" verkauft bzw. vermietet werden. Solch ein Teil kann man nämlich bei Panini bestaunen, die sicherlich auch nicht mit so einem Wrack gerechnet haben. Kai von der Alligatorfarm und ich spielten am Donnerstag mal kurz darauf. Davon abgesehen, dass der Tisch ziemlich wacklig war, kam mir andauernd der Griff der Stangen entgegen...

Wie gesagt, die Kickertische für den Wettbewerb, die sonst dem Publikum zur freien Verfügung stehen, sind prima und die zur Verfügung gestellten drahtlosen Mikros eignen sich hervorragend für diesen Einsatz. Leider ist das Turnier aber unserer Meinung nach zu wenig beworben worden. Auf der offiziellen Salon-Seite konnte ich keinen Hinweis dazu finden, dabei hatte ich eine Grafik gebastelt und den Organisatoren geschickt zur Ankündigung, es wäre also keine Mühe gewesen. Zu dieser unserer Missstimmung kam dann noch der Fakt, dass das Turnier aus heiterem Himmel "The Winner Takes It All" genannt wurde, was in keinerlei Absprache mit uns geschah; wir hatten schon über einen Monat vorher Namensvorschläge gemacht, auf die aber nicht eingegangen wurde.
Was soll sich denn ein Besucher unter solch einem nichtssagenden Programmpunkt vorstellen können?

 
 Zwischenstand
Dementsprechend mau ist das Publikumsinteresse. Wir haben das Gefühl, dass unsere ganzen Bemühungen im Sande verlaufen sind und fühlen uns etwas im Stich gelassen. Dabei ist der Veranstaltungort mit dem "Aktionsplatz" durchaus gut gewählt (ansteigende Stufen erlauben den Zuschauern einen guten Blick auf die Tische) und die Moderatoren Eckart Breitschuh und Stefan Dinter, die hier immerhin zwei mal zwei Stunden ihrer Zeit opfern, sowie die Teilnehmer sind blendend gelaunt.

Naomi Fearn spielt Glücksfee und lost die Gruppenspiele aus.
Das Comicgate-Team, bestehend aus Thomas und mir, schafft es durch einen Sieg über Blotch (Gabor und Walter) immerhin, den Freitag zu überleben und wir ziehen in das Viertelfinale am Samstag ein.
Das Team "Witt-Säue" beschließt kurzerhand, dass Wittek sich einen Finger gebrochen hat (der erstaunlich schnell wieder geheilt ist) und sagt mit dieser Begründung ab, was uns in eine ziemliche Bredouille bringt in der Organisation. Das gegnerische Team INKplosion II ist grummelig deswegen. Nicht böse sein, wir können doch nix dafür... Und Team Reprodukt II ist plötzlich nicht mehr auffindbar und tritt deshalb nicht an.
Der Rest geht gut über die Bühne, und es werden acht Teams ermittelt, die am Samstag gegeneinander antreten werden bis zum letzten Kampf im Finale.

   
Auch dem Nachwuchs wird eine Chance gegeben gegen "Flyarts".
Eckart und Stefan parlieren im Hintergrund, dass es eine Pracht ist.
 comic.de gegen das Panini-Team... ... welches wenig später eine interessante neue Grifftechnik einführt, die das Team richtig g

   
Links Toonlight gegen Carlsen,
rechts Bunte Dimensionen gegen Alligatorfarm
INKplosion I, im Hintergrund das Team vom Comic-Salon.Katrin und Sascha, die für Zwerchfell spielen.



Als wir, zufrieden über unseren Sieg, zu unserem Stand zurückkehren, finde ich die links abgebildete Nachricht vor. Wie praktisch! So einen Björn sollte jeder am Stand haben, dann klappt's auch mit der Informationsweitergabe.

Um 18 Uhr gibt es noch ein öffentliches Pressegespräch mit Humberto Ramos, an dem deutlich weniger Interessenten teilnehmen als gedacht. Eingeladen wurder der Zeichner übrigens von Carlsen, die vor kurzem seinen Comic "Die Offenbarung" herausgebracht haben. Der kleine Raum ist zwar voll, aber ich war mir vorher sicher, dass wir uns irgendwo in einen Ecke quetschen müssen. Pustekuchen - fünf Minuten vor offiziellem Beginn bekommen wir noch bequem Plätze. Chris, Björn und ich hören uns in Anbetracht des morgen anstehenden Interviews das Ganze an - bzw. wir wollen uns das Ganze anhören. Chris verabschiedet sich schon nach fünf Minuten; Björn gibt nach etwa weiteren zehn Minuten seinen Müdigkeitsattacken nach und seilt sich ebenfalls ab.

 
 Matthias Wieland (links) im Gespräch mit Humberto Ramos
Bis auf den etwas zähen Anfang, der dem Beginn von Ramos Karriere nachgeht, ist der Rest des Gesprächs, durch das Matthias Wieland führt, hochinteressant. So erzählt der mexikanische Zeichner (im passenden Trikot, schließlich spielt Mexiko an dem Abend - wird aber verlieren) unter anderem von den starken Unterschieden in der Arbeitsweise für amerikanische und französische Verlage. Mitunter liegt man fast auf dem Boden, da man seine Ratlosigkeit und den Kulturschock aufgrund der "entspannten" französischen Versorgung mit Skripten und Vorlagen amüsiert nachvollziehen kann (nebenbei hatte er z.B. immer genug Zeit, um an seinem creator owned Projekt Revelations (Die Offenbarung) weiter zu arbeiten). Eine seiner Anekdoten ist, dass er, nach seinen Vorlieben gefragt, sagte, er mache gerne Personen und er hasse technischen Kram wie Raumschiffe. Okay, wurde ihm vom französischen Verlag geantwortet, Raumschiffe kämen leider vor, aber nur ein paar in der Einleitung. Ramos sagte also zu, staunte aber nicht schlecht, als die "Einleitung" dann etwa 25 oder 30 Seiten und damit über die Hälfte des Bandes ging... Da hat er wohl erstmal geflucht. Auch die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Comic sind für ihn interessant. Bei US-Comics, erzählt er, müssten alle paar Seiten unbedingt Splashpages (also großformatige Aufnahmen mit jeder Menge Action) und generell wenig Gerede rein - bei dem französischen Skript bekam er kaum die Sprechblasen unter, so viel Text war da. Dark Horse sei wohl an dem französichen Titel interessiert, um es auf dem US-Markt erscheinen zu lassen, aber Ramos wehrt ab und sagt, das sei einfach zu viel zu lesen für Amerikaner. Er glaube nicht, dass der Comic dort Erfolg haben werde.
Auch von Marvel weiß er einiges zu berichten. So hatte der Mexikaner Spider-Man übernommen (Bildbeispiel hier), obwohl sein cartooniger Stil vorher klar war. Nachdem es von Fanseite einiges an Beschwerden hagelte, bat Marvel ihn, seinen Stil zu ändern - was für ihn nicht in die Tüte kam; schließlich war es ja nicht so, als ob er sie darüber getäuscht habe, wie sein Spinnenmann aussehen würde. So hörte er also auf mit der Serie und stieg etwas verbittert bei dem Großverlag aus. Interessanterweise fragten sie ihn eine Zeit später, ob er nicht die Serie Wolverine zeichnen wolle. Er sagte "Ja, wenn Ihr mir das Doppelte von dem gebt, was ich für Spider-Man bekommen habe" - und Marvel sagte zu. Seit März dieses Jahres (US Nr. 42) stammen also die Wolverine-Zeichnungen von ihm.
Humberto Ramos macht einen professionellen, dabei aber nicht negativen Eindruck. Obwohl sein Tag sicher lang war, plaudert er frei von der Leber weg und sehr offen und freundlich über den Alltag eines professionellen Comiczeichners. Er scheint genau zu wissen, was er will, wozu er fähig ist und wozu nicht. [Er gilt übrigens als der einzige Cliffhanger-Zeichner, der aufgrund seiner pünktlichen Arbeitsweise kontinuierlich seine Serie (Crimson) vorantreiben konnte, während Joe Madureira (Battle Chasers) and J. Scott Campbell (Danger Girls) doch eher für ihre Unzuverlässigkeit bekannt sind.]

Und damit geht der 2. offizielle Tag des Comic-Salons für uns zu Ende. Abends gehen wir noch mit den Blotchies essen und schauen danach bei der 15-Jahre-Reprodukt Party in der St ip-Bar rein, bei der u.a. Fil auftritt. Es ist noch so warm draußen, dass man ganz bequem bis spät abends draußen schwätzen kann...


Der Samstag folgt... irgendwann.


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