| Comic-Salon 2006: Messebericht |
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| Geschrieben von Frauke | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Donnerstag, 29. Juni 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Seite 2 von 3 Donnerstag, 15. Juni 2006 - Tag X Mit Andreas Mergenthaler von Cross Cult verbindet der Großteil der anwesenden CG-Mannschaft mehr als nur Interesse an den Comics - wir arbeiten bei ihrer Zombie-Serie The Walking Dead mit. Björn interviewte Tony Moore für den 1. TWD-Sammelband, Chris schrieb den Großteil des Artikels über "Zombies in Videospiele", der im aktuellen 2. Sammelband zu lesen ist, und ich bin verantwortlich für das Lektorat und diskutiere auch gerne mal Einzelheiten mit Übersetzer Marc-Oliver Frisch (der auch ein Teil des CG-Teams ist, aber leider nicht in Erlangen anwesend war) aus. Klar, dass Andreas und ich uns endlich mal persönlich kennen lernen wollten, um ein bisschen zu plaudern. Uns fiel kein vernünftiger Abend ein, an dem das möglich gewesen wäre, und so lud Andreas zum Frühstücksbuffet in ihr Hotel, das sich direkt neben der Heinrich-Lades-Halle befindet, ein. Auf die Idee, dass die Einladung vielleicht nur selektiv ausgesprochen wurde, kam ich gar nicht, und so fragte ich fröhlich ungeniert, ob er was dagegen habe, wenn ich die drei Jungs mitbringen würde (erst das Nachfragen von Thomas in Erlangen, ob das wirklich okay ginge, schließlich würde das ganz gut was kosten, brachte mich im Nachhinein ins Grübeln, ob ich das alles richtig verstanden hatte). Klar, mailte Andreas, und so stolpern wir am Donnerstag Morgen von unserem Hotel Delphi (ohne Frühstück, dafür billig) in das noble NH-Hotel. Vermutlich sieht Andreas sämtliche Gewinne, die Cross Cult mit Sin City eingefahren hat, just in unseren hungrigen Mägen verschwinden. Das Geld ist allerdings gut angelegt, liebe SC-Käufer: das Essen schmeckt hervorragend, das Geplauder ist sehr nett und die CG-Mannschaft bis zum Abend essenstechnisch versorgt. Herzlichen Dank Euch - und natürlich Andreas! Auf unserer Stand-Rückseite machen sich die Leute von der Alligator-Farm an die Verschönerung ihrer 4m². Wir stellen fest: Kindertapeten sind erstaunlich vielseitig einsetzbar. An dieser Stelle übrigens einen schönen Gruß an Kai Hirdt und Till Felix; leider die einzigen Alligatoren, mit denen ich ein wenig zu tun hatte (die waren aber sehr nett). Vielleicht habe ich mich von der gehäuften Masse an Damen und Herren abschrecken lassen, je ne sais pas. Pardon also für einen Kommunikationsstau meinerseits. Ihr hättet aber auch mal einzeln vorbei kommen können, dann wäre ich bestimmt nicht so gehemmt gewesen. Demnächst also bitte hintereinander Schlange stehen bei uns zum Hallo sagen und Rapport erstatten. Danke.
Während die Krokos noch tapezieren, ist Comicgates Kreativ-Mastermind Thomas schon am Schnippeln und Kleben. Er hat sich das Magazincover ein paarmal ausgedruckt und bastelt uns nun dekorative Aufsteller. Auch die Idee, die Postkarten einmal quer oben aufzuhängen, stammt von ihm. Wir finden das Ergebnis ziemlich schnieke.
Zwischendurch ist auch Blotch-Mastermind Gabor Racsmany eingetroffen, nachdem er seine Büttel am Vortag den Stand hat aufbauen lassen. Der Mann hat begriffen, wie man's macht. Gabor habe ich bereits in München auf dem Comicfest 2005 in persona kennen gelernt und wir haben uns direkt gut verstanden. Freut mich also um so mehr, dass er und seine Mannschaft nun unsere Nachbarn auf der anderen Straßenseite sind. Diese Position eignet sich auch hervorragend zur Beobachtung von Blotch. Folgende Szenen ereigneten sich zwar erst später, aber sie passen hier sehr gut hinein:
Okay, nun ist es also gleich soweit. Das Gerücht geht um, dass draußen ziemlich viele Leute in der Schlange anstehen und darauf warten, reinzukommen. Wow! Die wollen echt zu uns (na ja, quasi uns)? Cooles Gefühl. Der legendäre berühmt-berüchtigte Rogue-Skizzensammler Tilman "Roguemann" wurde bereits als Vierter gesichtet. Jetzt ist alles komplett; eine Comicmesse, wie sie sein sollte.
Unser Stand ist leider in einer denkbar ungünstigen Ecke der Heinrich-Lades-Halle. Es ist so, dass alle Verlage, die bereits mal auf dem Salon waren, wieder ihren alten Platz bekommen, wenn sie ihn wollen. Heißt, die Haupthalle ist bereits vollgestopft mit den etablierten Ständen, während die neuen in den hinteren Teil (beim Nebeneingang) oder ins Foyer gesteckt werden. Und da ist das Schlenderpublikum deutlich weniger. Etwas merkwürdig erscheint mir deshalb, dass jeder Standmeter dasselbe kostet, egal wo er sich befindet. Im Nachhinein ist der Donnerstag unser schlechtester Tag, was die harten Zahlen angeht. Aber immerhin, elf Leute haben unser Magazin gekauft. Und es macht einfach einen wahnsinnigen Spaß, da rumzusitzen und ein Produkt anzupreisen, hinter dem man steht (im wahrsten Sinne, haha). Ein unbekannter Scherzkeks, vermutlich mit dem Humor eines Mr. Proper, bezieht sich direkt mal auf einige ereignisreiche Minuten des letzten Comic-Salons sowie die Tatsache, dass die drei kleinen Konferenzräume des Comic-Salons Raum Asterix, Raum Obelix und Raum Miraculix genannt werden, und tauft kurzerhand die Herrentoilette Raum Uderzo. So ein Schlingel. Das Schild behält aber nicht allzu lange seinen Platz.
Thomas denkt zum Glück dran (ich hätte es bestimmt vergessen) und gibt direkt mal fünf Exemplare unseres Magazins an Burkhard Ihme vom ICOM, um uns damit für den ICOM Independent Preis 2007 zu bewerben. Bastian "Lapinot" Baier und Anna-Maria Jung, beide im Comicgate-Magazin vertreten, haben ihre ersten Signierstunden bei uns. So ganz will das am Anfang nicht ins Rollen kommen. Wir freuen uns trotzdem total, dass sie bei uns sitzen, denn sie stellen sich als sehr nette Zeitgenossen heraus, und es ist einfach schön, ihnen beim Zeichnen zuzuschauen. Ich gönne mir nachmittags meinen ersten (und leider auch schon letzten) Vortrag: "Die Maus auf dem Tablett - Comics und Computer", gehalten von Eckart Sackmann. Aha, und jetzt, da ich ihn dort stehen sehe, bin ich mir nun 100%ig sicher: der Herr, der gestern abend Tische mit uns tauschen wollte und dem ein Dankeschön für's Mitschleppen etwas schwer über die Lippen kam, das war tatsächlich Herr Sackmann. Aber der Vortrag, der ist recht interessant. Einerseits deckt er die Benutzung von Computern für Comics von den ersten zögerlichen Schritten bis heute ab, wobei er auch einige kritische Dinge anmerkt wie z.B. dass er nicht glaube, dass Jamiri ohne Fotovorlagen arbeiten würde, über Webcomics bis hin zu Computern in Comics. Habe so einiges dazugelernt. Björn äußert am Nachmittag sein Unverständnis über meine Ausdrucksweise. So viel "süß", "knuffig" und "niedlich" gingen ja gar nicht. Auch wenn ich ihn anscheinend bis jetzt täuschen konnte, nun habe ich mich doch geoutet: ich bin ein Mädchen. Ich benutze Wörter im positiven Sinne, die für Männer nur bah sind. Ups! Außerdem entwickelt er eine interessante Theorie: ich hätte einen komischen Humor - weil er meine Sprüche nicht richtig einordnen könne. Oookay... Note to self: wenn ich was ironisch oder witzig meine, sollte ich das in Björns Gegenwart vorher deutlich durch Körper- oder direkte Sprache ankündigen. Da am Abend nach der ICOM Independent-Preisverleihung (der ICOM ist der Interessenverband Comic, Cartoon, Illustration und Trickfilm e.V.) der Goldene Spacken 2006 ausgewählt und verliehen wird (ein Wettbewerb, den wir zusammen mit Schwarzer Turm ausgerichtet haben), versuche ich noch schnell alle eingereichten Spackenbeiträge auf CD zu brennen, damit die nachher per Beamer angezeigt werden können. Sage und schreibe über eine Stunde brauche ich, bis ich das Teil in Händen halte. Irgendwie kommt immer wieder was dazwischen. Eckart Breitschuh, zusammen mit Stefan Dinter Spacken-Juror, vermeldet, dass Fräulein Anni, komplettierende Jurorin, sehr wahrscheinlich in Erlangen nicht anwesend sein kann. Ach du Scheiße! Und jetzt? Wenn ein Juror fehlt, nimmt das einer Live-Ausscheidung doch etwas die Luft. Er versichert mir, dass sie sich was ausdenken würden, und lässt mich dann beunruhigt zurück. Der erste Messetag nähert sich dem Ende. Das großzügige Frühstück ist nun doch im Magen aufgebraucht und wir beschließen, noch schnell einen Döner einzuwerfen, bevor bereits eine halbe Stunde nach Messeschluss um 19:30 Uhr die ICOM Independent-Preisverleihung, bei der bewusst Preise an kleine Verlage und Fanzines gehen, beginnt. Chris seilt sich nach dem Essen ab, um das wirklich interessante, den Salon begleitende Kinoprogramm zu nutzen. Wir stolpern zehn Minuten zu spät ins Rathaus, welches sich zum Glück direkt an die Heinrich-Lades-Halle anschließt. Ebenfalls zum Glück ist Verlass auf solche Veranstaltungen - sie hat noch nicht begonnen.
Dann geht's los, Burkhard Ihme vom ICOM hält ein paar einleitende Worte, bevor er das Wort an den Moderator der diesjährigen Preisverleihung abgibt. Das macht diesmal Harald Havas, der mir eher als Moderator des Max-und-Moritz-Preises der letzten Jahre bekannt ist. Harald führt gewohnt locker-flockig durch's Programm, was im Gegensatz zu den eher künstlerisch orientierten und dadurch recht steifen Laudatien steht. Allerdings wäre es wohl mal gut gewesen, wenn sich jemand vorher die Texte durchgelesen hätte; Harald stolpert bei so manchen Schreibfehlern und stoppt auch schon mal mitten in einer Laudatio, um das mit Burkhard auszudiskutieren. Manche stören sich daran, wie man später mitbekommt, ich fand's nicht tragisch. Kommt drauf an, wie ernst man diese Veranstaltung aufziehen möchte.
Schön ist die Tradition, dass der jeweils letztjährige Preisträger die Urkunde an die diesjährigen Gewinner übergibt. Christian Heesch, Zwerchfell-Chef, wird dabei spontan als Joker bestimmt. Wenn einer der Preisträger nicht da ist, muss er halt ran. Nette Aktion.
BESTER INDEPENDENT COMIC: Acht, neun, zehn von Arne Bellstorf (Reprodukt) BESTER KURZCOMIC: Katze von Klaus Cornfield (Schwarzer Turm) HERAUSRAGENDES SZENARIO: Menschen am Sonntag von Manuele Fior (Avant-Verlag) HERAUSRAGENDES ARTWORK: Borderland von MOKI in Panik Elektro 3 (Schwarzer Turm) SONDERPREIS (COMICPUBLIKATION): www.electrocomics.com (Ulli Lust) SONDERPREIS (LEISTUNG ODER PUBLIKATION): www.comiczeichenkurs.de (Kim Schmidt u.a.) Alle Preisträger, Laudatien, lobende Erwähnungen und Jury-Mitglieder finden sich hier .
Aus den Wochengewinnern und den Jokerspacken (jeder Juror durfte einen Beitrag nennen, der ihm besonders gut gefallen, aber nicht die Woche gewonnen hat) soll nun live die Entscheidung um den Goldenen 2006 fallen. Wie es nun die Eigenschaft des Wettbewerbs ist, geht das alles verdammt unfair zu. Ivo Kircheis' Beiträge - er hatte gleich zweimal je eine Woche für sich entscheiden können - werden erstmal auf einen Beitrag reduziert, nur um dann komplett ausgesiebt zu werden, da er kürzlich Vater geworden ist und deshalb nicht anwesend sein kann. Dann geht es noch munter weiter mit den Beiträgen von Ans de Bruin, Groobert, Andreas Eikenroth und Anna-Maria Jung, die sich allesamt im Publikum befanden. Sehr schön war der Dialog zwischen der Jury und Anna-Maria: Jury zum Beitrag: "Die Lichtverhältnisse sind da aber überhaupt nicht stimmig." Aus dem Publikum: "Da ist ja auch 'ne Straßenlaterne, die ist nur nicht im Bild." Ganz kurz hielten die Juroren inne, denn so aufmüpfige Teilnehmer waren sie offensichtlich nicht gewohnt, ehe sie weiterdiskutierten. Am Ende gewann dann tatsächlich Anna-Marias Nussverkäufer knapp vor Andreas Eikenroths WM-Beitrag, der seine Niederlage mit den Worten "Ich scheiß auf eure Comics, ich mach jetzt Filme!" kommentierte. Der Saal lag nieder vor Lachen, und Anna-Maria nahm man ihre Freude über den Gewinn absolut ab.
Der Veranstaltungsort, auch wenn er sehr modern und nicht besonders kuschelig ist, hat mir persönlich sehr gut gefallen; besonders, dass wirklich jeder was sehen kann und sich nicht, wie oft in der Stripbar, mit dem Ton zufrieden geben muss. Während die anderen noch zum Mexikaner essen gehen, genehmigen Björn, Thomas und ich uns alkoholische Getränke auf dem Platz vor dem Comic-Salon und genießen den warmen Abend. Bis halb eins nachts lässt das Café seine Gäste draußen sitzen, was sehr genial ist. Danach verabschiede ich mich von den beiden. Ich bin so müde, dass mir beinahe im Gehen die Augen zufallen. Und so schiebe ich ab zum Hotel, während die Jungs noch den Schwarzen Ritter aufsuchen, "aber auch nicht mehr so lange bleiben wollen". Ja ja... [Zum Freitag auf "Vor" klicken.] |
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