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von Karen Neff Montag, 24. April 2006

Heyne, der Neueinsteiger auf dem deutschen Manga-Markt, hat sich mit Samurai Deeper Kyo einen in Japan bereits seit 1999 bewährten Manga ins Boot geholt. Die Geschichte verbindet historisch angehauchte Samurai-Action, wie man sie bereits aus Rurouni Kenshin kennt, mit einer deftigen Portion Humor. Samurai Deeper Kyo wurde bereits 2002 zu einer recht erfolgreichen Anime-Serie umgesetzt, die allerdings in Deutschland bisher noch nicht erhältlich ist.

Japan, Ende der Sengoku-Ära: Der lange währende Bürgerkrieg endete mit einer gewaltigen Schlacht, der Schlacht von Sekigahara. In dieser Schlacht gab es eine Reihe von Kriegern, die weder für die eine noch die andere Seite, sondern nur für die Vervollkommung ihrer Schwertkunst kämpften. Der Berüchtigste und Grausamste von ihnen war der Legende nach Dämonenauge Kyo, der Mann, der 1000 Krieger erschlug…

Die eigentliche Geschichte beginnt vier Jahre nach der Schlacht von Sekigahara. Yuya Shiina, ihres Zeichens Kopfgeldjägerin, glaubt, endlich dem Fang ihres Lebens auf der Spur zu sein: Dem berüchtigten Dämonenauge Kyo. Blutrote Augen und ein fünf Shaku (ca. 1,5 m) langes Schwert sind seine Kennzeichen - und diese Beschreibung scheint genau auf den Wanderer zuzutreffen, dem Yuya bereits seit einer ganzen Weile auf der Spur ist. Die hübsche Kopfgeldjägerin greift zu einer List und spielt ihre weiblichen Reize voll aus. Die List wirkt ein wenig zu gut und Yuya traut ihren Augen kaum: dieser lüsterne Feigling soll der große Dämonenauge Kyo sein? Wohl eher nicht. Der Wanderer stellt sich als Kyoshiro Mibu vor, wandernder Arzt und Botschafter des Friedens. Dumm gelaufen, aber die zähe Yuya weiß sich zu helfen – auch auf den Kopf des selbsternannten Arzneihändlers der Liebe ist nämlich eine kleine Belohnung ausgesetzt und daher wird Kyoshiro einfach resolut zwangsrekrutiert und fortan mitgeschleppt.  

Bald schon begegnen die beiden unfreiwilligen Weggefährten dem nächsten Abenteuer in Gestalt zweier Brüder, die ein ganzes Dorf terrorisieren. Yuya wittert eine saftige Belohnung und beschließt, dem Treiben ein Ende zu machen. Doch sie hat ihre Fähigkeiten etwas überschätzt und alsbald geraten nicht nur die Kopfgeldjägerin, sondern auch die Dorfbewohner in äußerste Gefahr. Kyoshiro findet sich mitten zwischen den Fronten wieder und als die Situation ausweglos scheint, offenbart sich plötzlich ein düsteres Geheimnis… 

Mit Samurai Deeper Kyo hat Akimine Kamijyo das Rad sicher nicht neu erfunden. Dafür erinnert das semi-historische Samurai-Setting sowie die Auswahl der Charaktere – friedfertiger Typ mit Schwert und geheimnisvoller Vergangenheit, willensstarke und temperamentvolle Frau – ein wenig zu sehr an Rurouni Kenshin. Doch der Manga-ka versteht sein Handwerk, die Zeichnungen sind sehr solide ausgearbeitet und bestechen durch wohlgeratene Proportionen und ein ansprechendes Charakterdesign. Wie in diesem Genre üblich gestalten sich die Kampfszenen detailliert und sparen auch nicht mit relativ blutigen Details, insgesamt liegt der Fokus des ersten Bandes aber nicht übermäßig auf Gewalt.
Die Story wechselt stetig zwischen dramatischer Action und Humor, wobei beide Elemente gut ausgewogen sind. Die Kernthemen sind Yuyas Suche nach dem „Mann mit der Narbe“ sowie natürlich die geheimnisvolle Vergangenheit Kyoshiros. Die Geschehnisse des ersten Bandes sind allerdings leider ein wenig vorhersehbar; man wird abwarten müssen, ob es die nachfolgenden Bände schaffen, durch unerwartete Wendungen mehr Spannung aufzubauen. Die historische Genauigkeit kommt gegenüber der zeichnerischen Freiheit eher kurz. Einige der in späteren Bänden auftretenden Figuren wurden realen Personen vage nachempfunden und die den Geschehnissen zugrundeliegende Schlacht von Sekighara gab es wirklich, damit erschöpfen sich die historischen Zusammenhänge aber auch so ziemlich. Potentiellen Lesern, die sich für ernsthaftere Manga mit historischem Hintergrund interessieren, sei an dieser Stelle Vagabond von Takehiko Inoue empfohlen, in Deutschland erschienen beim Ehapa-Verlag.

Alles in allem ist Samurai Deeper Kyo solide Manga-Kost, die mehr oder minder ohne große Einschränkungen den Fans der witzigen Action und der Samurai-Ära empfohlen werden kann. Die Umsetzung von Heyne ist gelungen, die Übersetzung scheint stimmig und besonders das kleine ABC am Ende mit der Erklärung von im Manga erwähnten japanischen Begriffen fällt sehr positiv auf.                          
      

Samurai Deeper Kyo
Text und Zeichnungen: Akimine Kamijyo
Heyne-Verlag
198 Seiten, Softcover; 6,- Euro
ISBN: 3-453-59504-1





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