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Mittwoch, 20. Juli 2005
Alles was ich bisher über den Erpel Howard wusste, war, dass er der
Star eines eher öden Films war, und dass ich die "Howard the
Duck"-Anspielungen in "Lobo the Duck" (Amalgam) allesamt nicht
verstanden habe. Insofern bietet das "Essential"-Paperback eine ideale
Gelegenheit, Bildungslücken zu schließen. Und siehe da, der Comic-Howard hat mit dem Filmenterich wenig gemein.
Steve Gerber nutzt seinen Comic, um Religion, Philosophie, Moral
Values, Präsidentschaftspolitik, die Comicszene, Pornographie und
Gewalt im Kino zu diskutieren. Dabei setzt er Howard als Stellvertreter
seiner selbst ein. Howard wurde aus seiner Entenwelt auf die Marvelerde
katapultiert, allerdings hat die Marvelerde hier viele Züge unserer
realen Welt an sich. Gebrochene Herzen und vom Leben gebrochene
Menschen lassen sich regelmäßig finden, wobei überzogene Comicparodien
wie der Erzschurke Dr. Bong oder der amerikahassende kanadische
Superheld "Le Beaver" (der nie Mitglied von Alpha Flight war, wie ich
glaube) trotzdem immer wieder für Humor und Albernheiten sorgen und
verhindern, dass der Comic zu depressiv wird. Trotzdem hat vor allem
die gefiederte Hauptfigur durchaus Tiefe vorzuweisen. Howard hat mit
psychischen Problemen und konstanter Unsicherheit zu kämpfen. Die
Außenseiterrolle, die eine Ente in der Menschenwelt einnimmt, nutzt
Gerber, um seine eigene Sicht der Dinge zu reflektieren und seine
Entfremdung vom Lebensgefühl der Siebziger und sein Unverständnis über
viele Aspekte urbanen Lebens wiederzugeben. Dabei merkt man oft, dass
er den Dingen nicht weniger ratlos gegenübersteht als Howard. Natürlich ist die Gesellschaftskritik und die politische Satire vergleichsweise brav und harmlos, oft wünscht man sich, dass Gerber dem jeweiligen Thema mehr Platz eingeräumt hätte und insgesamt ist das auch kein Vergleich zu dem, was man in den U-Comix oder später in Dave Sims frühen "Cerebus"-Comics finden konnte. Aber wenn man bedenkt, dass das hier kein Indie-Comic ist, sondern aus dem Mainstreamverlag schlechthin stammt, dann ist "Howard the Duck" mit seinen Aussagen und seinen Andeutungen dafür schon recht bissig und gewagt. Besonders Heft 16 zeigt, dass "Howard" aus dem Rahmen fällt. Als Gerber eine Story nicht rechtzeitig fertigstellen konnte, entschloss er sich dazu, aus dem Heft einen langen Essay über das Schreiben von Comics und über das Leben an sich zu machen, den er als Zwiegespräch zwischen dem Comicmacher Gerber und seiner Kreatur Howard präsentiert. Hier erfährt man auch, wie sehr Howard Teil von Gerbers Persönlichkeit ist, insofern ist es nicht verwunderlich, dass "Howard the Duck" ohne Gerber erfolglos blieb und dass Gerber so lange um die Rechte an seiner Figur gekämpft hat. Was nach dem Lesen bleibt, ist eine gewisse Enttäuschung, dass diese Geschichten im Kontext dessen, was Marvel in den letzten zwei Dekaden veröffentlicht hat, immer noch radikaler und erwachsener wirken als alles, was die MAX-Schiene so zu bieten hat. Dabei erscheint "Howard" im Gesamtkontext so radikal nicht mehr. Dennoch scheint es heute unmöglicher als jemals zuvor, dass sich Marvel wieder an so ein Projekt trauen würde, was wirklich schade ist. So bleibt ein durchaus lesenswertes Comicexperiment, das - und hier muss ich Marvel dann doch loben - vorallem wegen dem kleinen Preis für insgesamt fast 30 US-Ausgaben für Leser mit Interesse an Comichistorie immer noch einen Blick wert ist.
The Essential Howard the Duck
Marvel Comics
Text und Zeichnungen: Steve Gerber
Zeichnungen: Val Mayerik, Frank Brunner, Gene Colan u.a.
592 Seiten, $ 14,95


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