| Epidermophytie 12 |
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| Geschrieben von Karsten | |||||||
| Mittwoch, 29. März 2006 | |||||||
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Die Berliner Comic-Posse um Mastermind Andreas AHA Hartung konnte in den letzten Jahren immer mit meiner Unterstützung rechnen, haben mir die Jungs doch seinerzeit den Einstieg ins Comic-Biz ermöglicht und sich damit meine bedingungslose Loyalität gesichert. So dürfte es kaum verwundern, dass mich selbst zeitliche Engpässe nicht daran hindern können, ihre neueste Publikation zu supporten - wenn ausnahmsweise schon keine Zeichnung drin ist, dann wenigstens eine konsequent und hemmungslos subjektive Lobhudelei auf die neueste Wundertüte!
Band 12 von Epidermophytie festigt erneut den Anspruch, weitaus mehr als "nur" ein Comic-Magazin zu sein. Bei der Umschreibung "Artzine" dürften sich bei den Epis wohl die Zehennägel kräuseln, aber angesichts der liebevollen Aufmachungen und dem konsequenten Willen zur Originalität der jüngsten Ausgaben kommt man um solche Definitionen kaum umhin, auch wenn sich jegliche verkopfte Kunstansprüche dem Punk unterordnen müssen! Strapazin gibt's auch woanders...
Unter dem Motto "Kannibalismus" gab es beispielweise neben Comics im Pizzakarton Plastikbesteck als Gimmick und lancierte ominöse Websites. Der legendären Porno-Ausgabe wurde ein praktisches Taschentuch beigefügt und wenn mich nicht alles täuscht, war die #10 "Extrafett" eines der ersten Comic-Telefonbücher mit vielen illustren Gastzeichnern, dessen Prinzip nun beim Schwarzen Turm unter Panik Elektro quasi fortgeführt wird. Von den ganzen Austellungen, Filmprojekten etc. mal ganz zu schweigen...
Ausgabe 11 hatte als Bonus "nur" noch ein Relief-Druck-Cover - der Umschlag für Blinde sozusagen -, aber die Gestaltung des detaillierten Covers machte AHA soviel Laune, dass er den Spaß mit anderen Zeichnern teilen wollte. So entstand nun für die 12. Ausgabe die "Wimmelbild"-Thematik in bester Seyfried- bzw. Geof Darrow-Tradition und im gebührenden XXXL-Format (33 x 23,5 cm)!
Neben dem harten Kern namens Rolf Nölte, Usi und Jakob gesellt sich auch diesmal wieder etwas Berliner Comic-Prominenz dazu wie Gründungsmitglied Mawil, der den feuchten Traum seiner männlichen Anhängerschaft bebildert und wie alle anderen Zeichner die Doppelseiten weidlich ausnutzt. Auch FIL bedient sich der Erotik und geht dabei einen Tick mehr ins Detail - sehr schön, um damit zum Copyshop zu dackeln und sich die Seiten auf A3 zum Über's-Bett-pinnen kopieren zu lassen ...wie auch die restlichen Seiten!
Levin "Weissblech" Kurio bringt uns die Dorfdisco näher und erinnert damit an bessere KOMA- bzw. MAD-Zeiten. AHA höchstpersönlich arbeitet mit "Ringelpietz im Mauerpark" seine Streetfighter-Vergangenheit und Kriegsfilm-Regisseur-Ambitionen auf, während Usi seinen "Gaijin"-Killer in ein "Hard Boiled"-Szenario versteckt. Geschickt fummelt er nebenbei einen kleinen Pseudo-Comic ins Gewühl und es ist nett zu verfolgen, wie der Gaijin seinen Job erledigt - gefällt mir ausgesprochen gut!
Die restlichen Beiträge wissen ebenfalls ausnahmslos zu überzeugen und heben diese Ansammlung durch ihre Skurrilität und Abwechslung weit über schnödes PinUp-Heftchen- oder Bilderbuch-Niveau.
Das hier ist kein Verlegenheits-Comic oder'ne banale Eierschaukel-Aktion für Comiczeichner, denen richtige Comics zu aufwändig wären - man sieht dem Ding definitiv die Arbeit und seine schwere Geburt an. So mancher Künstler dürfte an einem Bild länger gebastelt haben als an einem Comic, was wohl auch unter Umständen auch die zweimonatige Verspätung erklärt...
Für lumpige 5,- Euro gibt's also massig Gegenwert in Form von 24 Vollfarb-Postersize-Seiten im Schutzumschlag mit Beiträgen, die man am liebsten alle rausreißen und an die Wand pappen möchte. Da verdient ganz offensichtlich mal wieder kein Mensch was dran - und der Rezensent ärgert sich
über seine ausgesetzte Runde.
Kompliment! Epidermophytie 12 – die große Comic-Wimmelbildausgabe
mit doppelseitigen Wimmelbildern von Mawil, Justine Göhrke, Levin Kurio, aha, Fil, Marcus Schäfer, Kenichi Kusano, Jakob Mebes, Alex Gellner und Hannes T. Berneis
24 Seiten, vollfarbig, 33 x 23,5 cm, Schutzumschlag; 5,- Euro
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Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
"Daniel und Oleg sind eine WG", sagt der Klappentext. Und zwar eine im
Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks
und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel
will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen
Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die
Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen
Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.
Eines vorweg: Affentheater ist einer der
unkonventionellsten aber brillantesten Comicbände der jüngsten Vergangenheit.
Und er ist vor allem eines: Geschmackssache. Mir jedenfalls hat er extrem viel
Spaß gemacht, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich unbedingt selbst ein
Bild zu verschaffen.
Das Wortspiel im Titel ist blöd auf eine sympathische Art, der Hund bellt "rabau", und wenn der grave digger Dave Grigger auf Seite 4 in einen Apfel beißt, dann macht es famos "schnurps".
Spätestens an dieser Stelle hat Dave Grigger eigentlich gewonnen.
Nano liegt zwischen Mikro und Piko und steht für den milliardsten Teil
einer Maßeinheit. Mit anderen Worten: Unglaublich winzig. So klein,
dass einem schummerig wird, wenn man länger drüber nachdenkt. Leroy
und Dexter sind Forscher im Nanoformat (Müsste man sie "Nanoben"
nennen?), die sich ihrer Winzigkeit bewusst sind und innerhalb ihres
skurrilen Mikro-, Verzeihung, Nanokosmos den großen und kleinen
Fragen des Daseins auf den Grund gehen. Sie treffen dabei auf drollige
Hormone, betreiben Kernspaltung von Hand, verzocken ihre Kohle bei
Spermarennen und werden von anarchistischen Freien Radikalen heimgesucht.