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11.02.2012
(Signierstunde)
Mittwoch, 29. März 2006
Die Berliner Comic-Posse um Mastermind Andreas AHA Hartung konnte in den letzten Jahren immer mit meiner Unterstützung rechnen, haben mir die Jungs doch seinerzeit den Einstieg ins Comic-Biz ermöglicht und sich damit meine bedingungslose Loyalität gesichert. So dürfte es kaum verwundern, dass mich selbst zeitliche Engpässe nicht daran hindern können, ihre neueste Publikation zu supporten - wenn ausnahmsweise schon keine Zeichnung drin ist, dann wenigstens eine konsequent und hemmungslos subjektive Lobhudelei auf die neueste Wundertüte!
Band 12 von Epidermophytie festigt erneut den Anspruch, weitaus mehr als "nur" ein Comic-Magazin zu sein. Bei der Umschreibung "Artzine" dürften sich bei den Epis wohl die Zehennägel kräuseln, aber angesichts der liebevollen Aufmachungen und dem konsequenten Willen zur Originalität der jüngsten Ausgaben kommt man um solche Definitionen kaum umhin, auch wenn sich jegliche verkopfte Kunstansprüche dem Punk unterordnen müssen! Strapazin gibt's auch woanders...
Unter dem Motto "Kannibalismus" gab es beispielweise neben Comics im Pizzakarton Plastikbesteck als Gimmick und lancierte ominöse Websites. Der legendären Porno-Ausgabe wurde ein praktisches Taschentuch beigefügt und wenn mich nicht alles täuscht, war die #10 "Extrafett" eines der ersten Comic-Telefonbücher mit vielen illustren Gastzeichnern, dessen Prinzip nun beim Schwarzen Turm unter Panik Elektro quasi fortgeführt wird. Von den ganzen Austellungen, Filmprojekten etc. mal ganz zu schweigen...
Ausgabe 11 hatte als Bonus "nur" noch ein Relief-Druck-Cover - der Umschlag für Blinde sozusagen -, aber die Gestaltung des detaillierten Covers machte AHA soviel Laune, dass er den Spaß mit anderen Zeichnern teilen wollte. So entstand nun für die 12. Ausgabe die "Wimmelbild"-Thematik in bester Seyfried- bzw. Geof Darrow-Tradition und im gebührenden XXXL-Format (33 x 23,5 cm)!
Neben dem harten Kern namens Rolf Nölte, Usi und Jakob gesellt sich auch diesmal wieder etwas Berliner Comic-Prominenz dazu wie Gründungsmitglied Mawil, der den feuchten Traum seiner männlichen Anhängerschaft bebildert und wie alle anderen Zeichner die Doppelseiten weidlich ausnutzt. Auch FIL bedient sich der Erotik und geht dabei einen Tick mehr ins Detail - sehr schön, um damit zum Copyshop zu dackeln und sich die Seiten auf A3 zum Über's-Bett-pinnen kopieren zu lassen ...wie auch die restlichen Seiten!
Levin "Weissblech" Kurio bringt uns die Dorfdisco näher und erinnert damit an bessere KOMA- bzw. MAD-Zeiten. AHA höchstpersönlich arbeitet mit "Ringelpietz im Mauerpark" seine Streetfighter-Vergangenheit und Kriegsfilm-Regisseur-Ambitionen auf, während Usi seinen "Gaijin"-Killer in ein "Hard Boiled"-Szenario versteckt. Geschickt fummelt er nebenbei einen kleinen Pseudo-Comic ins Gewühl und es ist nett zu verfolgen, wie der Gaijin seinen Job erledigt - gefällt mir ausgesprochen gut!
Die restlichen Beiträge wissen ebenfalls ausnahmslos zu überzeugen und heben diese Ansammlung durch ihre Skurrilität und Abwechslung weit über schnödes PinUp-Heftchen- oder Bilderbuch-Niveau.
Das hier ist kein Verlegenheits-Comic oder'ne banale Eierschaukel-Aktion für Comiczeichner, denen richtige Comics zu aufwändig wären - man sieht dem Ding definitiv die Arbeit und seine schwere Geburt an. So mancher Künstler dürfte an einem Bild länger gebastelt haben als an einem Comic, was wohl auch unter Umständen auch die zweimonatige Verspätung erklärt...
Das hier ist kein Verlegenheits-Comic oder'ne banale Eierschaukel-Aktion für Comiczeichner, denen richtige Comics zu aufwändig wären - man sieht dem Ding definitiv die Arbeit und seine schwere Geburt an. So mancher Künstler dürfte an einem Bild länger gebastelt haben als an einem Comic, was wohl auch unter Umständen auch die zweimonatige Verspätung erklärt...
Für lumpige 5,- Euro gibt's also massig Gegenwert in Form von 24 Vollfarb-Postersize-Seiten im Schutzumschlag mit Beiträgen, die man am liebsten alle rausreißen und an die Wand pappen möchte. Da verdient ganz offensichtlich mal wieder kein Mensch was dran - und der Rezensent ärgert sich
über seine ausgesetzte Runde.
Kompliment!
Kompliment!
Epidermophytie 12 – die große Comic-Wimmelbildausgabe
mit doppelseitigen Wimmelbildern von Mawil, Justine Göhrke, Levin Kurio, aha, Fil, Marcus Schäfer, Kenichi Kusano, Jakob Mebes, Alex Gellner und Hannes T. Berneis
24 Seiten, vollfarbig, 33 x 23,5 cm, Schutzumschlag; 5,- Euro
Epidermophytie - Das Berliner Comiczine

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Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
- 17.03.2009
Stellt Euch einfach mal vor, Ihr bekämt die Zusammenfassung der Handlung (!) eines Pornofilms (hier: deutscher
Erotikfilm, auch als Lederhosenfilm bekannt) vorgesetzt, ohne diesen zu kennen. Könnte ja sein. Und nun sollt Ihr auf maximal sechs Seiten zeichnerisch umschreiben, was Ihr glaubt, worum es in dem Film geht. Verspricht spaßig zu werden, oder? Genau das haben sich die Jungs des Berliner Comicmagazins auch gedacht und ihr zweijähriges Epidermophytie-Zölibat pünktlich zum Comic-Salon 2008 gebrochen.
- 15.06.2008
Mit Gregory hat Marc Hempel sicherlich eine der skurrilsten Comicfiguren geschaffen. An diesem Insassen einer Irrenanstalt, der sich am glücklichsten in seiner sicheren Zelle fühlt, scheiden sich die geschmacklichen Geister. Für Andreas Mergenthaler, Mit-Herausgeber des Verlags Cross Cult, war es eine Herzensangelegenheit, die Gesamtausgabe in zwei Bänden um Gregory, die oberschlaue Ratte Herman Vermin und die käsesüchtige Maus Wendell auf Deutsch herauszugeben.
Annies Leben sieht ganz schön beschissen aus. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater irgendwo auf Reisen und ihre große Schwester ein fieses Biest der Extraklasse. Gelebt wird in einem Trailer, was die Sache nicht eben besser macht. Auf so engem Raum ist Rückzug beinahe unmöglich. Hausherr Großpapa versucht mit Ruhe und Geduld die zerrissenen Geschwister daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen. So sollte die Welt eines kleinen Mädchens nicht aussehen. 