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Interview mit Tony Moore (OmU) Drucken E-Mail
Geschrieben von Björn Wederhake   
Dienstag, 10. Januar 2006
Beitragsinhalt
Interview mit Tony Moore (OmU)
Interview with Tony Moore (English)



Please click here for the English version.

Tony Moore ist, wie er sich selbst beschreibt, ein Kleinstadtjunge aus Kentucky, der schon immer davon geträumt hat, einmal Comiczeichner zu werden.
Seit 1999 ist sein Traum wahr geworden. Sein Erstlingsprojekt war, gemeinsam mit Robert Kirkman, die Serie Battle Pope. Seitdem zeichnete er unter anderem an Titeln wie Masters of the Universe, Brit und natürlich den ersten Storyzyklus der Hit-Serie The Walking Dead, für die er 2004 zusammen mit dem Autor Robert Kirkman für den Eisner-Award in der Kategorie "Best New Series" und 2005 alleine als "Best Cover Artist" nominiert war.
Tony Moores aktuelle Projekte sind Fear Agent bei Image und The Exterminators (mit Autor Simon Oliver) bei DC/Vertigo.
Bis zur Ausgabe 25 der The Walking Dead-Heftreihe war er auch für die Gestaltung der eindrucksvollen Cover zuständig.




TWD_logo_klein.jpgAnlässlich des 1. Sammelbands von The Walking Dead, der in wenigen Tagen auf deutsch erscheint und von Cross Cult veröffentlicht wird, führten wir per E-Mail ein Interview mit Tony. Einen Teil dieses Interviews findet man in gedruckter Form im Sammelband, hier an dieser Stelle kann man die komplette Unterhaltung nachlesen.








Comicgate: Welche Künstler sind deine Idole oder hatten einen großen Einfluss auf dich? Dein Zeichenstil erinnert mich, zumindest was die Gesichter betrifft, ein wenig an eine besser ausgearbeitete Version des ’klassischen’ Image-Stils.
Tony Moore: Ich würde sagen, dass meine größten Einflüsse John Romita Jr, Geoff Darrow, Jack Davis und John Severin waren. Davis und Severin sind meine frühesten Einflüsse, weil ich schon auf das gestanden habe, was sie in Mad und Cracked gemacht haben, als ich gerade lesen gelernt habe. Romita kam dazu, als ich ein wenig älter wurde, und ist seitdem mein Vorbild für gradliniges Storytelling geworden. Darrow hat mich gepackt, als ich so etwa 13 war und hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Tatsächlich versuche ich noch immer all die Details und Linien seines ersten Buchs, das ich von ihm gekauft habe, haargenau zu betrachten.

Ich bin mit den Geschichten der frühen Image-Jungs aufgewachsen, damals, als sie diese großartigen Sachen für Marvel gemacht haben, und ich bin ihnen dann zu ihren neuen Titeln gefolgt. Ich habe viele Kniffe in Sachen Storytelling von Erik Larsen übernommen und ich strebe wirklich an, dass das, was ich tue, bei den Lesern so zündet, wie es die Comics dieser Jungs bei mir geschafft haben. Wenn Leute in meinem Alter oder auch älter auf Messen zu mir kommen, um sich einen Comic signieren zu lassen, dann ist das toll... aber wenn es ein Kind ist, das da zu dir kommt, Mann, das ist erfüllend.


CG: Was ist mit europäischen Künstlern? Kennst du dich da aus? Irgendwelche Einflüsse aus dieser Richtung?

TM: Ich liebe Moebius. Ich habe seine Arbeit bei Blueberry wirklich genossen und ich besitze noch ein paar andere seiner Werke, inklusiver verschiedener Art Books. Bruno Gazzottis Arbeit an Soda mag ich wirklich, aber ich konnte keine Übersetzung davon finden, die ich hier drüben hätte kaufen können. Ich liebe auch Milo Maranas Arbeiten in Heavy Metal. Insgesamt bin ich den europäischen Sachen nur sehr begrenzt ausgesetzt gewesen, obwohl ich versuche, mehr und mehr davon zu finden, weil mich die amerikanischen Superhelden in ihrer jetzigen Form immer weniger interessieren.


CG: Was denkst du, wo zeichnerisch deine größten Stärken und Schwächen liegen? Gibt es irgendwas, mit dem du wirklich zu kämpfen hast, wenn du es zeichnen musst?

TM: Meine Stärken lassen sich wohl da finden, wo ich die Figuren im Comic Emotionen zeigen lasse und wo ich den Dingen eine spürbare Härte hinzufügen kann. Ich versuche die Szenen so zu gestalten, dass es leicht ist, sich selbst darin wiederzufinden, und ich fühle mich wohl mit dem, was ich in diese Richtung habe machen können.
Ich glaube nicht, dass der massive Einsatz von Schwärze eine meiner Stärken ist. Ich wünschte mir oft, ich würde mir in der Richtung mehr zutrauen. Und ich bin nicht sehr gut im technischen Design. Ich versuche bei solchen Dingen so viele erfolgreiche Elemente wie möglich von anderen Künstlern, von denen ich denke, dass sie da begabter sind als ich es bin, zu übernehmen und füge hoffentlich noch genug Eigenes hinzu, damit das keiner bemerkt.

CG: Du und Robert Kirkman haben ja schon vor The Walking Dead zusammengearbeitet. Wie seid ihr zwei das Kreativteam für Battle Pope geworden?

TM: Wir haben uns im Alter von zwölf Jahren kennen gelernt, im Geschichtskurs der siebten Klasse. Wir sind auf dieselbe Schule gegangen und haben im selben Jahr unseren Abschluss gemacht. Insofern haben wir eine ganz schöne gemeinsame Geschichte hinter uns, wenn man bedenkt, wie jung wir sind.
Als ich in meinem ersten Jahr auf dem College war, erhielt ich einen Anruf von Robert, den ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Robert fragte, ob ich daran interessiert sei, mich an einem Comic zu versuchen. Wir haben nicht gewusst, wie man das macht, aber wir wussten, wie so ein Comic aussehen sollte, und wir sind davon ausgehend Schritt für Schritt zurückgegangen und haben es ausgeknobelt.


CG: Wie haben du und Robert für The Walking Dead zusammengearbeitet? Habt ihr euch persönlich getroffen und Dinge ausdiskutiert, oder hat der ganze Kreativprozess über das Telefon, die Schneckenpost und das Internet stattgefunden?

TM: Nachdem ich vom College abgegangen bin, habe ich tatsächlich ein Haus gefunden, das nur ein paar Meilen von seinem Wohnort entfernt lag. Manchmal haben wir telefoniert, aber meistens bin ich einfach rüber in sein Studio gegangen und wir haben uns gegenseitig Ideen zugeworfen, während wir arbeiteten.


CG: Wie groß war dein Einfluss auf das Charakterdesign? Hatte Robert klare Vorstellungen davon, wie die Figuren aussehen sollten, oder hattest du da etwas Spielraum?

TM: Bei den Hauptfiguren hatte Robert Ideen, welcher bestimmte Schauspieler sie spielen könnte, also habe ich die Figuren auf diesen generellen Beschreibungen basieren lassen und dann versucht, ihnen währenddessen noch meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Andere Charaktere hatten lockerere Beschreibungen und manche waren einfach nur Namen, die ich dann in Personen verwandelt habe, basierend darauf, wie sie sich in den Skripts verhielten und ziemlich oft an Leute angelehnt, die ich im echten Leben kenne oder gesehen habe.

CG: Von wem kam die Idee, die Serie monochrom zu halten und was war der entscheidende Faktor dafür? Immerhin ist ja nur ein wichtiger Zombie-Film (Romeros Night of the Living Dead) in schwarz-weiß gefilmt worden.

TM: Ich weiß nicht mehr, wessen Idee es war, den Comic so zu gestalten, aber Robert und ich mochten die Idee beide sehr, besonders weil Night of the Living Dead so gefilmt worden war. Ich hatte zuvor schon ein paar kürzere Dinge in diesem Stil gemacht und war begierig, das bei einem ganzen Comic auszuprobieren. Und die Tatsache, dass Schwarz-Weiß-Titel entscheidend billiger zu drucken sind, hat sicher auch nicht geschadet bei der Entscheidung.

CG: Hattest du Einfluss darauf, wer die Ausgaben “koloriert” hat? Immerhin ändert sich die Qualität der Monochromfarben ziemlich stark, je nachdem, wer dafür verantwortlich war.

TM: Ich habe das Schattieren in den ersten fünf Ausgaben selbst gemacht. Ich bin ausgestiegen, als ich mit dem Schattieren ein paar Seiten weit in Ausgabe 6 gekommen war, und Kirkman bat Cliff Rathburn, hier auszuhelfen. Ich habe ihn nicht selber ausgewählt, aber er ist derjenige, für den ich mich auch entschieden hätte, wäre ich gefragt worden. Meine Titelbilder habe ich immer selbst koloriert, aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich es als eine Art Therapie empfinde, zu malen, und da ich nicht auf Leinwand malen kann, ist heutzutage meine einzige Möglichkeit, etwas in dieser Richtung zu machen,meine Titelbilder digital zu kolorieren.


CG: Der optische Stil des Serie ist ziemlich beeindruckend: Ich erinnere mich noch, wie ich im ersten Paperback eine Seite umblätterte und dann Rick sah, in der Mitte von dem, was einmal Atlanta war, jetzt komplett von Zombies überrannt und in der Mitte ragte dieser gestrandete Panzer aus der Menge hervor und ich habe mir nur gedacht: ’Yeah, so sollten Zombiegeschichten aussehen.’ Also, wie hast du Ideen bekommen, wie die Welt und die Zombies in The Walking Dead aussehen sollten? Hast du bestimmte Filme geguckt, bestimmte Bücher gelesen, dir bestimmte Fotos angeschaut?

TM: Ich mochte wirklich diesen runtergekommenen Look, den die Settings in George Romeros Day of the Dead und in Lucio Fulcis Zombie hatten. Bei den Zombies selber mochte ich sehr, was Tom Savini in Day of the Dead und im Remake von Night of the Living Dead geschafft hat. Ich mochte es auch, dass in Fulcis Zombie Käfer hinzufügt worden waren, etwas, das ich in meine Zeichnungen habe einfließen lassen, weil ich so etwas größtenteils wirklich nicht allzu oft in Comics gesehen hatte.

Ich habe für die Zombies viele Nachforschungen angestellt, Fotos von Leichen in verschiedenen Verfallsstadien studiert und mir viele Tatort- und Autopsiefotos angesehen. Das war zuerst gar nicht leicht, aber ich habe gelernt, emotionale Aspekte, die mich verunsichern würden, auszublenden und war dann in der Lage, mir das alles objektiv und wissenschaftlich anzusehen, um zu lernen, wie man grausam entstellte, aber glaubwürdige Zombies erschafft, basierend auf echten anatomischen Studien, statt einfach nur die typischen Zombies zu zeichnen, wie ich das bei vielen anderen Reihen gesehen habe. Ich habe versucht es hinzubekommen, dass jeder Zombie sich wie eine echte Person anfühlt, die früher einmal genauso gelacht und geweint und interagiert hätte wie jeder andere Mensch auch, um dem Titel so visuell ein dramatisches Element hinzuzufügen.


CG: Deine weiblichen Charaktere sehen ja tatsächlich aus wie Frauen in der echten Welt, was in der Comicindustrie ja immer noch nicht der Standard ist. Keine Brüste in Red-Monika- oder Power Girl-Größe, keine taktisch günstig zerrissenen Klamotten wie bei Caitlin Fairchild. Wie kommt das?

TM: Tja, hauptsächlich, weil ich nicht glaube, dass die Leser sich auf eine Geschichte über echte Menschen einlassen könnten, wenn keiner davon aussähe wie ein echter Mensch, sondern alle Superhelden oder Models wären. Außerdem bin ich nicht gut darin, Cheesecake-Pinup-Girls zu zeichnen.


CG: Wo wir gerade dabei sind: wie findest du die generelle Tendenz, vor jeder Darstellung von Nacktheit zurückzuschrecken, während exzessive Gewalt absolut okay zu sein scheint?

TM: Ich denke, das ist ein amerikanischer Komplex, der absolut lächerlich ist. Wir sind so verklemmt - ich glaube, wir lassen offene Gewalt zu, weil viele finden, dass das ein akzeptables Ventil für angestaute Spannungen oder so etwas ist. Ich war immer wieder erstaunt, was für Dinge ich auf den Covern der Hefte zeigen und damit davonkommen konnte. Ungeschönt bluttriefende Szenen haben nie zu Problemen welcher Art auch immer geführt. Blut und Gedärme und Gewalt überall. Aber wenn ein Heft ein geschmackvolles Nacktbild auf dem Titel hatte, eine einzelne weibliche Brustwarze, dann würde es schon bei den Pornocomics eingeordnet werden. Wir in der amerikanischen Gesellschaft schämen uns so sehr unserer Anatomie und unserer Geschlechtsmerkmale, dass es auf eine traurige Art schon komisch ist.

Kirkman hat viele dieser typisch amerikanischen Komplexe in Sachen Nacktheit, die ich nicht teile, also hat er Nacktheit für einige Zeit in seinen Skripts besonders vermieden, obwohl mich das in einigen wenigen Fällen nicht davon abgehalten hat, sie zu zeigen, wenn die Leichen so verstümmelt waren, dass es lächerlich gewesen wäre, wären sie vollständig bekleidet gewesen, wo sie ohnehin kaum noch zu erkennen waren. Ich schätze mal, die Jahre an der Kunsthochschule, in denen man sich den ganzen Tag nackte Leute anschaut, lösen dieses alberne Tabu, das mit dem unbekleideten Körper verbunden ist. Zumindest, soweit es mich betrifft.


CG: Was ist mit den anderen Leuten, die an der Produktion des Comics beteiligt waren? Hat irgendwer bei Image je Probleme mit eurem Material gehabt und euch geraten, bestimmte Dinge zu ändern oder war Image im Großen und Ganzen einfach nur zufrieden, dass sie The Walking Dead verlegen dürfen und hat sich darauf konzentriert, den Titel zum Drucker und in die Läden zu bringen?

TM: Image hat uns immer sehr freie Hand bei dem Comic gelassen. Sie haben nie besonders in den kreativen Prozess eingegriffen. Normalerweise haben sie sich nur um das eigentliche Verlegen des Titels gekümmert.

CG: Da du vorhin auch deine Coverdesigns erwähnt hast: Wie empfindest du es, dass die einzelnen Cover nicht in den The Walking Dead-Paperbacks zu finden sind, nicht einmal in einer Covergalerie im Anhang?

TM: Mich stört es nicht, dass die Cover nicht im Paperback zu finden sind. Ich glaube, dass der Markt sich momentan in Richtung Paperbacks entwickelt, mit vielen Leuten, die die Einzelhefte auslassen und sofort auf die Veröffentlichung der Sammelbände warten. Für den Markt ist das ein bisschen gefährlich, denn wenn sich die Einzelhefte nicht gut verkaufen, dann kann es ziemlich oft passieren, dass es überhaupt kein Paperback geben wird. Wenn das Paperback zu einem ordentlichen Preis produziert wird, aber die Cover und all die anderen kleinen Extras nur in den Einzelheften zu finden sind, dann macht es die zumindest zu etwas Besonderem und bewegt die Leute hoffentlich dazu, auch diese zu kaufen.

Davon abgesehen ist der Innenteil des Paperbacks komplett in schwarz-weiß gehalten. Wenn man die Cover in Farbe hinzufügen würde, dann würde das die Produktionskosten bedeutend in die Höhe treiben - und die Cover in schwarz-weiß zu drucken würde ihnen nicht gerecht werden. Die Cover sind allerdings in der Hardcover Special Edition zu finden, was ziemlich nett ist. Damit bin ich zufrieden.

CG: Hast du Easter Eggs in deine Zeichnungen eingebaut? Beispielsweise, dass Freunde oder Familienmitglieder als Hintergrundfiguren oder - besser gesagt - als Zombies auftauchen?

TM: Gott, ja. Die ganze Zeit. Ich habe mir gedacht, dass Zombies auch mal Menschen waren, also sollten sie auch wie so jemand aussehen. Es war für mich viel einfacher, die Massenszenen mit echten Gesichtern, die ich kenne, zu füllen. Hat mir in Sachen Design eine ganze Menge Arbeit erspart. Warum auch nicht?


CG: Nach dem ersten Handlungsbogen [also nach dem ersten Sammelband, Anm. d. Red.] hast du die Serie verlassen und Charlie Adlard hat den Zeichenstift übernommen. Wie kam es dazu? Und haben du und Charlie je darüber geredet, wie er die Serie zeichnen sollte, um einen bestimmten Stil zu erhalten?

TM: Da gab es viele Gründe, warum ich gegangen bin. Bei den meisten würde ich mich unwohl fühlen, wenn ich hier ins Detail gehen würde, aber die Menge an Zeit, die es mich gekostet hat, jeden Monat ein Heft zu zeichnen, inken und grauzutönen hat dafür gesorgt, dass ich hinter meinen Zeitplan zurückgefallen bin. Besonders, wenn du bedenkst, dass ich auch die Cover entworfen und eine 48-seitige Ausgabe von BRIT gezeichnet habe, ebenfalls mit Kirkman zusammen, und das zur gleichen Zeit wie The Walking Dead. Letzten Endes wusste ich einfach, dass ich entweder aufhören musste oder mich selber kaputt machen würde.

Als ich die Serie verließ, redeten wir nicht darüber, wer kommen und für mich übernehmen würde. Kirkman hat Charlie wahrscheinlich ausgewählt, weil er weiß, dass er die Hefte bedeutend schneller als ich fertigzeichnen kann, besonders da Cliff Rathburn das Schattieren übernahm.


CG: Zombies sind immer noch ziemlich groß, in Hollywood ebenso wie im Comicbereich. Was hältst du von dem Zombieboom? Hast du andere Zombiecomics gelesen, etwa Frank Chos Zombie King oder George Romeros Toe Tags?

TM: Ich bin dankbar für den Zombieboom. Da war eine Art Vakuum, als wir mit dem Comic anfingen. Horror im Comicbereich war fast zu einem toten Genre geworden, mit höchstens ein oder zwei Erfolgen in den letzten Jahren und im Filmbereich war das Beste, auf das wir hoffen konnten, dass man sich mit Wohlwollen an Romeros Oldies und Savinis Remake von Night of the Living Dead zurückerinnerte. Das, vermischt mit den gelegentlichen Veröffentlichungen ausländischer Filme wie Cemetery Man und Brain Dead. Wir haben nicht geahnt, dass wir am Anfang einer neuen Zombieexplosion standen. Hollywood hat die Tür für uns weit aufgestoßen und dafür werde ich ewig dankbar sein.

Ich fühle mich ein wenig blöd, das zugeben zu müssen, aber die Mehrheit der neuen Zombiecomics, die seitdem erschienen sind, habe ich nicht gelesen und ich habe nur ein paar der neueren Filme gesehen.

CG: Da du dich ja mit Zombies auszukennen scheinst: Hast du einen Lieblingszombiefilm?

TM: Ich weiß nicht, ob ich da einen Favoriten aussuchen könnte. Ich liebe den originalen Night of the Living Dead. Das ist ein Klassiker, der wirklich alles richtig gemacht hat. Ich mag auch Tom Savinis Remake aus den Neunzigern. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich damit warm wurde, aber die Special Effects sind wirklich spitzenklasse, und obwohl die generelle Botschaft des Films sich geändert hat, weiß ich den neuen Film absolut zu schätzen. Und alleine für das Gemetzel und die Albernheiten liebe ich noch immer Peter Jacksons Brain Dead. Der Film heitert mich richtig auf.


CG: Zur Zeit arbeitest du an Fear Agent für Image und The Exterminators für Vertigo. Worum geht es bei diesen beiden Serien und warum sollten die Leute sie sich mal anschauen?

TM: Fear Agent ist ein Sci-Fi-Titel im Stile der 50er, im Grunde genommen ein Liebesbrief von Rick Remender und mir an die alten Sci-Fi-Monster-Kisten von Wally Wood und der alten EC-Comics-Crew. Da geht es mehr um das große Abenteuer, mit schicken Raketen und Goldfischglashelmen und Strahlenpistolen und Tentakelmonstern. Wir beide waren es Leid, dass Science-Fiction sich viel zu sehr darauf konzentriert, die Technologie und alles zu erklären und es scheinbar nur noch um Handelsföderationen und bürokratischen Unsinn geht. Uns fehlten Geschichten über harte Kerle, die in Raketen herumdüsen und Außerirdischen ohne guten Grund eine reingehauen haben. Also haben wir uns entschieden, selber sowas zu machen.

The Exterminators ist schon ein schwieriger zu verkaufendes Konzept. Es geht da um Henry James, einen ehemaligen Sträfling, der versucht, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, damit angefangen, dass er einen Job im Geschäft seines Stiefvaters übernimmt. Er arbeitet mit einigen der seltsamsten und abscheulichsten Typen, die die Menschheit zu bieten hat, und ihm wird bald klar, dass dieser zusammengewürfelte Haufen an Ausgestoßenen die einzige Verteidigungslinie der Menschheit gegen die Natur ist, die uns alle in einem kurzen Moment verschlingen könnte, die wir aber einfach als gegeben akzeptiert oder im besten Falle als nervtötend wahrgenommen haben. Henry hat dann eine fast "zenhafte" Enthüllung über die Reinheit seiner Stellung im Leben und es passieren dabei ein paar ziemlich erschütternde Wendungen.

Und warum die Leute sich mal an die Serien wagen sollten, da kann ich nur sagen, sie sollten es tun, weil das gute Comics sind, die in Sachen Genre ein paar bisher selten beschrittene Wege ausprobieren. Und bei beiden Serien bin ich Mitschöpfer und Mitbesitzer, darum sind sie so etwas wie meine Babies.


CG: Etwas das ich immer frage: Welcher Comic ist gerade dein Favorit? Ist da draußen irgendein Comic, bei dem du sagst: „Das hier ist großartig. Jeder sollte das lesen.“

TM: Jesses. Der Großteil der Comics, die ich momentan lese, sind ältere Titel. EC drucken all ihre Kriegscomics, die Horror- und Sci-Fi-Serien nach. Ich habe hier auch eine große Sammlung an alten Jonah Hex-Titeln, die ich langsam durcharbeite. Ich liebe alles, was Garth Ennis macht. Ich lege mir auch alles zu, das [Mike] Mignola angepackt hat. Ich stehe tierisch auf Shaolin Cowboy, wenn es erscheint. Ich liebe auch The Goon und Ex Machina. Und Hawaiian Dick, Battle Hymn, The Expatriate und alles andere, dass B. Clay Moore schreibt.


CG: Okay, wenn ich mir die Titel angucke und bedenke, was du über Fear Agent gesagt hast und dass du vorhin erwähntest, dass du unzufrieden bist mit Superheldencomics in ihrer derzeitigen Form: Denkst du, dass der US-Mainstream, also Marvel und DC, heutzutage zu wenig Spaß machen? Immerhin, Hellboy, The Goon, Hawaiian Dick und die meisten Comics, die Ennis schreibt, nehmen sich selbst ja nicht allzu ernst.

TM: Das tue ich. Ich persönlich finde, dass es am wichtigsten ist, Spaß zu haben. Ernsthafte Comics haben ihren Platz und ich mag sie wirklich sehr, aber ich kaufe mir keine Superheldencomics für so etwas. Ich bin es Leid, darüber zu lesen, welcher neue Superheldensidekick jetzt von Crack abhängig ist oder AIDS hat.


CG: Wie schwer ist es, als Comiczeichner sein Geld zu verdienen? Besonders am Anfang, wenn man noch nicht an einer aufmerksamkeitswirksamen Serie gearbeitet hast. Musstest du zusätzliche Zeichnungen (zum Beispiel für die Werbungbranche) anfertigen, um über die Runden zu kommen?

TM: Am Anfang ist es nicht leicht, besonders wenn du einen neuen, eigenen Comic beginnst. Ich habe tagsüber bei UPS gearbeitet, Kartons herumgeworfen, während ich in der Schule war und meine ersten Comics gezeichnet habe. Glücklicherweise habe ich einen guten Job erhalten, als ich eine BeastMan-Einzelgeschichte für die Masters of the Universe-Lizenznehmer zeichnen durfte. Ich habe da genug Geld gemacht, um davon ein paar Monate leben zu können, während ich mich tiefer hineingekniet habe, ein Profi zu werden, der von seiner Kunst leben kann. Kirkman war da in einer etwas besseren Position, da er mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hatte, weil er pro Projekt weniger Zeit investieren musste, als das beim Zeichner der Fall ist und weil er eine Ehefrau hat, die damals auch arbeitete.

Ich wiederum musste den Großteil meiner Zeit für ein einzelnes Projekt aufwenden und lebte allein. Während wir an The Walking Dead gearbeitet haben, sahen wir nicht eine müde Mark bis zwei Monate nach der Veröffentlichung der Erstausgabe, also habe ich mehrere Monate mit sehr wenig Einkommen daran mitgearbeitet, den Titel abheben zu lassen. Ich war schon glücklich, dass ich meine Miete wieder reinbekommen habe und habe mich gefragt, wo genau meine nächste Mahlzeit herkommen würde. Ich habe verschiedene Zeichnungen angefertigt, um mich über Wasser zu halten, aber nichts von Bedeutung, wenn man bedenkt, wie zeitaufwändig es sein kann, jeden Monat ein ganzes Heft anzufertigen. Glücklicherweise hat sich die harte Arbeit ausgezahlt und jetzt kann ich auch wie ein echter Mensch leben, besonders weil ich jetzt mit einem größeren Verlag zusammenarbeite.


CG: Wenn du dir die Probleme anguckst, die du als Künstler hast, der gerade am Anfang seiner Karriere steht: Welche Lektionen, die du auf die harte Tour gelernt hast, würdest du an diejenigen weitergeben, die versuchen, ins Comicgeschäft einzusteigen?

TM: Ein paar Dinge. Hab keine Angst davor, ein Risiko einzugehen. Das Leben ist zu kurz, um rumzusitzen und sich zu fragen, ob man etwas geschafft hätte. Du versagst zu 100 Prozent bei solchen Dingen, die du nie versuchst. Wenn du glaubst, dass du das nächste Jahr damit verbringst, dein Portfolio aufzubauen, aber sich in der Zwischenzeit ein Job im kleinen Rahmen anbietet, der dir wahrscheinlich kein Geld einbringt, dann nimm den Job trotzdem an. Du würdest die Zeit sowieso damit verbringen zu üben, ohne Geld dafür zubekommen, aber so wird dabei vielleicht sogar noch etwas von dir veröffentlicht. Und du weißt nie, vielleicht hast du damit Erfolg und hast es dann auf deine eigene Art geschafft.

Aber jetzt, wo das gesagt ist, sei außerdem vorsichtig und pass auf dich selber auf. Dinge passieren, und nur weil du jemanden kennst und als Freund betrachtest, heißt das nicht, dass diese Person auch immer nur dein Bestes will. Das bedeutet nicht, dass die Person schlecht ist. Du solltest nie vor etwas zurückschrecken, das nach einem sinnvollen Projekt klingt, aber stell sicher, dass du dich selbst schützt, Dinge von Anfang an schriftlich hast, denn eine Menge Dinge könnten passieren und alles bisher Gewesene auf den Kopf stellen.


CG: Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass du den Witz inzwischen schon zu oft gehört hast, aber hast du es je bereut, Iron Maiden verlassen und eine Karriere als Comickünstler verfolgt zu haben?

TM: Ich erinnere mich gern an jene Tage zurück, aber zwischen meiner Gospelgruppe, dem Kickboxen und meinem Job als erfolgreichster Subaru-Händler in Decatur, Alabama, habe ich es geschafft, einfach vorwärts zu blicken und nur wenig zu bedauern.


CG: Und als Rausschmeißer: Was sind deine Ziele für die Zukunft? Was möchtest du noch erreichen?

TM: Ich würde gerne in der Lage sein, mich von dem monatlichen Trott loszureißen, in dem man steckt, wenn man einen amerikanischen Comic macht, und würde mir gerne ein Jahr lang oder so Zeit nehmen können, um einen einzelnen Band zu produzieren, den zu verkaufen und das dann noch einmal zu machen. In etwa so, wie das Romanautoren machen können. Ich würde gerne ein paar Western- und Wikinger-Stories machen und ich weiß nicht was sonst noch.

Aber auf lange Sicht möchte einfach nicht verschwinden. Ich hatte neulich einen Hallo-Wach-Moment, als ich mir die Arbeiten von ein paar Weltklasse-Illustratoren angesehen habe und da ist mir klar geworden, dass ich noch eine Schüppe zulegen muss. Es hat mich fast gelähmt, mir das Material dieser Zeichner anzusehen, aber hauptsächlich hat es in mir ein kleines Feuer entfacht, etwas wirklich Bedeutsames und Inspiriertes zu erschaffen. Ich möchte einen Eindruck hinterlassen, möchte, dass sich die Leute wirklich an mich erinnern. Ich schätze, das ist mein wirkliches Ziel, so eingebildet das jetzt auch klingt. Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt möglich ist, aber das wird mich nicht davon abhalten, es zu versuchen.


CG: Damit wäre das dann auch erledigt. Danke, dass du dir die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet hast, Tony.

TM: Nein, ich danke dir! Das hat echt Spaß gemacht!



zeitgleiches Interview mit dem TWD-Autor Robert Kirkman

Tonys Website

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Image Comics (US-Verleger von The Walking Dead)

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Bildquellen: Tony Moore, Cross Cult




 
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