| Interview mit Tony Moore (OmU) |
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| Geschrieben von Björn | ||||
| Dienstag, 10. Januar 2006 | ||||
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Seit 1999 ist sein Traum wahr geworden. Sein Erstlingsprojekt war, gemeinsam mit Robert Kirkman, die Serie Battle Pope. Seitdem zeichnete er unter anderem an Titeln wie Masters of the Universe, Brit und natürlich den ersten Storyzyklus der Hit-Serie The Walking Dead, für die er 2004 zusammen mit dem Autor Robert Kirkman für den Eisner-Award in der Kategorie "Best New Series" und 2005 alleine als "Best Cover Artist" nominiert war.
Tony Moores aktuelle Projekte sind Fear Agent bei Image und The Exterminators (mit Autor Simon Oliver) bei DC/Vertigo.
Bis zur Ausgabe 25 der The Walking Dead-Heftreihe war er auch für die Gestaltung der eindrucksvollen Cover zuständig. Anlässlich des 1. Sammelbands von The Walking Dead, der in wenigen Tagen auf deutsch erscheint und von Cross Cult
veröffentlicht wird, führten wir per E-Mail ein Interview mit Tony.
Einen Teil dieses Interviews findet man in gedruckter Form im
Sammelband, hier an dieser Stelle kann man die komplette Unterhaltung
nachlesen. Comicgate: Welche Künstler sind deine Idole oder hatten einen großen Einfluss auf dich? Dein Zeichenstil erinnert mich, zumindest was die Gesichter betrifft, ein wenig an eine besser ausgearbeitete Version des ’klassischen’ Image-Stils.
Ich bin mit den Geschichten der frühen Image-Jungs
aufgewachsen, damals, als sie diese großartigen Sachen für Marvel
gemacht haben, und ich bin ihnen dann zu ihren neuen Titeln gefolgt.
Ich habe viele Kniffe in Sachen Storytelling von Erik Larsen übernommen
und ich strebe wirklich an, dass das, was ich tue, bei den Lesern so
zündet, wie es die Comics dieser Jungs bei mir geschafft haben. Wenn
Leute in meinem Alter oder auch älter auf Messen zu mir kommen, um sich
einen Comic signieren zu lassen, dann ist das toll... aber wenn es ein
Kind ist, das da zu dir kommt, Mann, das ist erfüllend.
CG: Was ist mit europäischen Künstlern? Kennst du dich da aus? Irgendwelche Einflüsse aus dieser Richtung?
TM: Ich liebe Moebius. Ich habe seine Arbeit bei Blueberry
wirklich genossen und ich besitze noch ein paar andere seiner Werke,
inklusiver verschiedener Art Books. Bruno Gazzottis Arbeit an Soda
mag ich wirklich, aber ich konnte keine Übersetzung davon finden, die
ich hier drüben hätte kaufen können. Ich liebe auch Milo Maranas
Arbeiten in Heavy Metal. Insgesamt bin ich den
europäischen Sachen nur sehr begrenzt ausgesetzt gewesen, obwohl ich
versuche, mehr und mehr davon zu finden, weil mich die amerikanischen
Superhelden in ihrer jetzigen Form immer weniger interessieren.
CG:
Was denkst du, wo zeichnerisch deine größten Stärken und Schwächen
liegen? Gibt es irgendwas, mit dem du wirklich zu kämpfen hast, wenn du
es zeichnen musst?
TM: Meine Stärken lassen sich
wohl da finden, wo ich die Figuren im Comic Emotionen zeigen lasse und
wo ich den Dingen eine spürbare Härte hinzufügen kann. Ich versuche die
Szenen so zu gestalten, dass es leicht ist, sich selbst darin
wiederzufinden, und ich fühle mich wohl mit dem, was ich in diese
Richtung habe machen können.
Ich glaube nicht, dass der massive Einsatz von Schwärze eine meiner Stärken ist. Ich wünschte mir oft, ich würde mir in der Richtung mehr zutrauen. Und ich bin nicht sehr gut im technischen Design. Ich versuche bei solchen Dingen so viele erfolgreiche Elemente wie möglich von anderen Künstlern, von denen ich denke, dass sie da begabter sind als ich es bin, zu übernehmen und füge hoffentlich noch genug Eigenes hinzu, damit das keiner bemerkt.
CG: Du und Robert Kirkman haben ja schon vor The Walking Dead zusammengearbeitet. Wie seid ihr zwei das Kreativteam für Battle Pope geworden?
TM:
Wir haben uns im Alter von zwölf Jahren kennen gelernt, im
Geschichtskurs der siebten Klasse. Wir sind auf dieselbe Schule
gegangen und haben im selben Jahr unseren Abschluss gemacht. Insofern
haben wir eine ganz schöne gemeinsame Geschichte hinter uns, wenn man
bedenkt, wie jung wir sind.
Als ich in meinem ersten Jahr auf dem College war, erhielt ich einen Anruf von Robert, den ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Robert fragte, ob ich daran interessiert sei, mich an einem Comic zu versuchen. Wir haben nicht gewusst, wie man das macht, aber wir wussten, wie so ein Comic aussehen sollte, und wir sind davon ausgehend Schritt für Schritt zurückgegangen und haben es ausgeknobelt.
CG: Wie haben du und Robert für The Walking Dead
zusammengearbeitet? Habt ihr euch persönlich getroffen und Dinge
ausdiskutiert, oder hat der ganze Kreativprozess über das Telefon, die
Schneckenpost und das Internet stattgefunden?
TM:
Nachdem ich vom College abgegangen bin, habe ich tatsächlich ein Haus
gefunden, das nur ein paar Meilen von seinem Wohnort entfernt lag.
Manchmal haben wir telefoniert, aber meistens bin ich einfach rüber in
sein Studio gegangen und wir haben uns gegenseitig Ideen zugeworfen,
während wir arbeiteten.
CG: Wie groß war
dein Einfluss auf das Charakterdesign? Hatte Robert klare Vorstellungen
davon, wie die Figuren aussehen sollten, oder hattest du da etwas
Spielraum?
TM: Bei den Hauptfiguren hatte Robert
Ideen, welcher bestimmte Schauspieler sie spielen könnte, also habe ich
die Figuren auf diesen generellen Beschreibungen basieren lassen und
dann versucht, ihnen währenddessen noch meinen eigenen Stempel
aufzudrücken. Andere Charaktere hatten lockerere Beschreibungen und
manche waren einfach nur Namen, die ich dann in Personen verwandelt
habe, basierend darauf, wie sie sich in den Skripts verhielten und
ziemlich oft an Leute angelehnt, die ich im echten Leben kenne oder
gesehen habe.
CG: Von wem kam die Idee, die
Serie monochrom zu halten und was war der entscheidende Faktor dafür?
Immerhin ist ja nur ein wichtiger Zombie-Film (Romeros Night of the Living Dead) in schwarz-weiß gefilmt worden.
CG: Hattest du Einfluss darauf,
wer die Ausgaben “koloriert” hat? Immerhin ändert sich die Qualität der
Monochromfarben ziemlich stark, je nachdem, wer dafür verantwortlich
war.
CG: Der
optische Stil des Serie ist ziemlich beeindruckend: Ich erinnere mich
noch, wie ich im ersten Paperback eine Seite umblätterte und dann Rick
sah, in der Mitte von dem, was einmal Atlanta war, jetzt komplett von
Zombies überrannt und in der Mitte ragte dieser gestrandete Panzer aus
der Menge hervor und ich habe mir nur gedacht: ’Yeah, so sollten
Zombiegeschichten aussehen.’ Also, wie hast du Ideen bekommen, wie die
Welt und die Zombies in The Walking Dead aussehen sollten? Hast du bestimmte Filme geguckt, bestimmte Bücher gelesen, dir bestimmte Fotos angeschaut?
TM: Ich mochte wirklich diesen runtergekommenen Look, den die Settings in George Romeros Day of the Dead und in Lucio Fulcis Zombie hatten. Bei den Zombies selber mochte ich sehr, was Tom Savini in Day of the Dead und im Remake von Night of the Living Dead geschafft hat. Ich mochte es auch, dass in Fulcis Zombie
Käfer hinzufügt worden waren, etwas, das ich in meine Zeichnungen habe
einfließen lassen, weil ich so etwas größtenteils wirklich nicht allzu
oft in Comics gesehen hatte.
CG: Deine
weiblichen Charaktere sehen ja tatsächlich aus wie Frauen in der echten
Welt, was in der Comicindustrie ja immer noch nicht der Standard ist.
Keine Brüste in Red-Monika- oder Power Girl-Größe, keine taktisch
günstig zerrissenen Klamotten wie bei Caitlin Fairchild. Wie kommt das?
TM: Tja, hauptsächlich, weil ich nicht glaube, dass
die Leser sich auf eine Geschichte über echte Menschen einlassen
könnten, wenn keiner davon aussähe wie ein echter Mensch, sondern alle
Superhelden oder Models wären. Außerdem bin ich nicht gut darin,
Cheesecake-Pinup-Girls zu zeichnen.
CG: Wo
wir gerade dabei sind: wie findest du die generelle Tendenz, vor
jeder Darstellung von Nacktheit zurückzuschrecken, während exzessive
Gewalt absolut okay zu sein scheint?
TM: Ich denke,
das ist ein amerikanischer Komplex, der absolut lächerlich ist. Wir
sind so verklemmt - ich glaube, wir lassen offene Gewalt zu, weil viele
finden, dass das ein akzeptables Ventil für angestaute Spannungen oder
so etwas ist. Ich war immer wieder erstaunt, was für Dinge ich auf den
Covern der Hefte zeigen und damit davonkommen konnte. Ungeschönt
bluttriefende Szenen haben nie zu Problemen welcher Art auch immer
geführt. Blut und Gedärme und Gewalt überall. Aber wenn ein Heft ein
geschmackvolles Nacktbild auf dem Titel hatte, eine einzelne weibliche
Brustwarze, dann würde es schon bei den Pornocomics eingeordnet werden.
Wir in der amerikanischen Gesellschaft schämen uns so sehr unserer
Anatomie und unserer Geschlechtsmerkmale, dass es auf eine traurige Art
schon komisch ist.
Kirkman hat viele dieser typisch
amerikanischen Komplexe in Sachen Nacktheit, die ich nicht teile, also
hat er Nacktheit für einige Zeit in seinen Skripts besonders vermieden,
obwohl mich das in einigen wenigen Fällen nicht davon abgehalten hat,
sie zu zeigen, wenn die Leichen so verstümmelt waren, dass es
lächerlich gewesen wäre, wären sie vollständig bekleidet gewesen, wo
sie ohnehin kaum noch zu erkennen waren. Ich schätze mal, die Jahre an
der Kunsthochschule, in denen man sich den ganzen Tag nackte Leute
anschaut, lösen dieses alberne Tabu, das mit dem unbekleideten Körper
verbunden ist. Zumindest, soweit es mich betrifft.
CG: Was
ist mit den anderen Leuten, die an der Produktion des Comics beteiligt
waren? Hat irgendwer bei Image je Probleme mit eurem Material gehabt
und euch geraten, bestimmte Dinge zu ändern oder war Image im Großen
und Ganzen einfach nur zufrieden, dass sie The Walking Dead verlegen dürfen und hat sich darauf konzentriert, den Titel zum Drucker und in die Läden zu bringen?
TM:
Image hat uns immer sehr freie Hand bei dem Comic gelassen. Sie haben
nie besonders in den kreativen Prozess eingegriffen. Normalerweise
haben sie sich nur um das eigentliche Verlegen des Titels gekümmert.
CG: Da du vorhin auch deine Coverdesigns erwähnt hast: Wie empfindest du es, dass die einzelnen Cover nicht in den The Walking Dead-Paperbacks zu finden sind, nicht einmal in einer Covergalerie im Anhang?
Davon abgesehen ist der Innenteil des
Paperbacks komplett in schwarz-weiß gehalten. Wenn man die Cover in
Farbe hinzufügen würde, dann würde das die Produktionskosten bedeutend
in die Höhe treiben - und die Cover in schwarz-weiß zu drucken würde
ihnen nicht gerecht werden. Die Cover sind allerdings in der Hardcover
Special Edition zu finden, was ziemlich nett ist. Damit bin ich
zufrieden.
CG: Hast du Easter Eggs in deine
Zeichnungen eingebaut? Beispielsweise, dass Freunde oder
Familienmitglieder als Hintergrundfiguren oder - besser gesagt - als
Zombies auftauchen?
TM: Gott, ja. Die ganze Zeit.
Ich habe mir gedacht, dass Zombies auch mal Menschen waren, also
sollten sie auch wie so jemand aussehen. Es war für mich viel
einfacher, die Massenszenen mit echten Gesichtern, die ich kenne, zu
füllen. Hat mir in Sachen Design eine ganze Menge Arbeit erspart. Warum
auch nicht?
CG: Nach dem ersten
Handlungsbogen [also nach dem ersten Sammelband, Anm. d. Red.] hast du
die Serie verlassen und Charlie Adlard hat den Zeichenstift übernommen.
Wie kam es dazu? Und haben du und Charlie je darüber geredet, wie er
die Serie zeichnen sollte, um einen bestimmten Stil zu erhalten?
TM:
Da gab es viele Gründe, warum ich gegangen bin. Bei den meisten würde
ich mich unwohl fühlen, wenn ich hier ins Detail gehen würde, aber die
Menge an Zeit, die es mich gekostet hat, jeden Monat ein Heft zu
zeichnen, inken und grauzutönen hat dafür gesorgt, dass ich hinter
meinen Zeitplan zurückgefallen bin. Besonders, wenn du bedenkst, dass
ich auch die Cover entworfen und eine 48-seitige Ausgabe von BRIT gezeichnet habe, ebenfalls mit Kirkman zusammen, und das zur gleichen Zeit wie The Walking Dead. Letzten Endes wusste ich einfach, dass ich entweder aufhören musste oder mich selber kaputt machen würde.
Als
ich die Serie verließ, redeten wir nicht darüber, wer kommen und für
mich übernehmen würde. Kirkman hat Charlie wahrscheinlich ausgewählt,
weil er weiß, dass er die Hefte bedeutend schneller als ich
fertigzeichnen kann, besonders da Cliff Rathburn das Schattieren
übernahm.
CG: Zombies sind immer noch ziemlich
groß, in Hollywood ebenso wie im Comicbereich. Was hältst du von dem
Zombieboom? Hast du andere Zombiecomics gelesen, etwa Frank Chos Zombie King oder George Romeros Toe Tags?
TM:
Ich bin dankbar für den Zombieboom. Da war eine Art Vakuum, als wir mit
dem Comic anfingen. Horror im Comicbereich war fast zu einem toten
Genre geworden, mit höchstens ein oder zwei Erfolgen in den letzten
Jahren und im Filmbereich war das Beste, auf das wir hoffen konnten,
dass man sich mit Wohlwollen an Romeros Oldies und Savinis Remake von Night of the Living Dead zurückerinnerte. Das, vermischt mit den gelegentlichen Veröffentlichungen ausländischer Filme wie Cemetery Man und Brain Dead.
Wir haben nicht geahnt, dass wir am Anfang einer neuen Zombieexplosion
standen. Hollywood hat die Tür für uns weit aufgestoßen und dafür werde
ich ewig dankbar sein.
Ich fühle mich ein wenig blöd,
das zugeben zu müssen, aber die Mehrheit der neuen Zombiecomics, die
seitdem erschienen sind, habe ich nicht gelesen und ich habe nur ein
paar der neueren Filme gesehen.
CG: Da du dich ja mit Zombies auszukennen scheinst: Hast du einen Lieblingszombiefilm?
TM: Ich weiß nicht, ob ich da einen Favoriten aussuchen könnte. Ich liebe den originalen Night of the Living Dead.
Das ist ein Klassiker, der wirklich alles richtig gemacht hat. Ich mag
auch Tom Savinis Remake aus den Neunzigern. Es hat eine Zeit lang
gedauert, bis ich damit warm wurde, aber die Special Effects sind
wirklich spitzenklasse, und obwohl die generelle Botschaft des Films
sich geändert hat, weiß ich den neuen Film absolut zu schätzen. Und
alleine für das Gemetzel und die Albernheiten liebe ich noch immer
Peter Jacksons Brain Dead. Der Film heitert mich richtig auf.
CG: Zur Zeit arbeitest du an Fear Agent für Image und The Exterminators für Vertigo. Worum geht es bei diesen beiden Serien und warum sollten die Leute sie sich mal anschauen?
TM: Fear Agent
ist ein Sci-Fi-Titel im Stile der 50er, im Grunde genommen ein
Liebesbrief von Rick Remender und mir an die alten
Sci-Fi-Monster-Kisten von Wally Wood und der alten EC-Comics-Crew. Da
geht es mehr um das große Abenteuer, mit schicken Raketen und
Goldfischglashelmen und Strahlenpistolen und Tentakelmonstern. Wir
beide waren es Leid, dass Science-Fiction sich viel zu sehr darauf
konzentriert, die Technologie und alles zu erklären und es scheinbar
nur noch um Handelsföderationen und bürokratischen Unsinn geht. Uns
fehlten Geschichten über harte Kerle, die in Raketen herumdüsen und
Außerirdischen ohne guten Grund eine reingehauen haben. Also haben wir
uns entschieden, selber sowas zu machen.
The Exterminators
ist schon ein schwieriger zu verkaufendes Konzept. Es geht da um Henry
James, einen ehemaligen Sträfling, der versucht, sein Leben wieder auf
die Reihe zu kriegen, damit angefangen, dass er einen Job im Geschäft
seines Stiefvaters übernimmt. Er arbeitet mit einigen der seltsamsten
und abscheulichsten Typen, die die Menschheit zu bieten hat, und ihm
wird bald klar, dass dieser zusammengewürfelte Haufen an Ausgestoßenen
die einzige Verteidigungslinie der Menschheit gegen die Natur ist, die
uns alle in einem kurzen Moment verschlingen könnte, die wir aber
einfach als gegeben akzeptiert oder im besten Falle als nervtötend
wahrgenommen haben. Henry hat dann eine fast "zenhafte" Enthüllung über
die Reinheit seiner Stellung im Leben und es passieren dabei ein paar
ziemlich erschütternde Wendungen.
Und warum die Leute
sich mal an die Serien wagen sollten, da kann ich nur sagen, sie
sollten es tun, weil das gute Comics sind, die in Sachen Genre ein paar
bisher selten beschrittene Wege ausprobieren. Und bei beiden Serien bin
ich Mitschöpfer und Mitbesitzer, darum sind sie so etwas wie meine
Babies.
CG: Etwas das ich immer frage:
Welcher Comic ist gerade dein Favorit? Ist da draußen irgendein Comic,
bei dem du sagst: „Das hier ist großartig. Jeder sollte das lesen.“
TM:
Jesses. Der Großteil der Comics, die ich momentan lese, sind ältere
Titel. EC drucken all ihre Kriegscomics, die Horror- und Sci-Fi-Serien
nach. Ich habe hier auch eine große Sammlung an alten Jonah Hex-Titeln,
die ich langsam durcharbeite. Ich liebe alles, was Garth Ennis macht.
Ich lege mir auch alles zu, das [Mike] Mignola angepackt hat. Ich stehe
tierisch auf Shaolin Cowboy, wenn es erscheint. Ich liebe auch The Goon und Ex Machina. Und Hawaiian Dick, Battle Hymn, The Expatriate und alles andere, dass B. Clay Moore schreibt.
CG: Okay, wenn ich mir die Titel angucke und bedenke, was du über Fear Agent
gesagt hast und dass du vorhin erwähntest, dass du unzufrieden bist mit
Superheldencomics in ihrer derzeitigen Form: Denkst du, dass der
US-Mainstream, also Marvel und DC, heutzutage zu wenig Spaß machen?
Immerhin, Hellboy, The Goon, Hawaiian Dick und die meisten Comics, die Ennis schreibt, nehmen sich selbst ja nicht allzu ernst.
TM:
Das tue ich. Ich persönlich finde, dass es am wichtigsten ist, Spaß zu
haben. Ernsthafte Comics haben ihren Platz und ich mag sie wirklich
sehr, aber ich kaufe mir keine Superheldencomics für so etwas. Ich bin
es Leid, darüber zu lesen, welcher neue Superheldensidekick jetzt von
Crack abhängig ist oder AIDS hat.
CG: Wie schwer
ist es, als Comiczeichner sein Geld zu verdienen? Besonders am Anfang,
wenn man noch nicht an einer aufmerksamkeitswirksamen Serie gearbeitet
hast. Musstest du zusätzliche Zeichnungen (zum Beispiel für die
Werbungbranche) anfertigen, um über die Runden zu kommen?
TM:
Am Anfang ist es nicht leicht, besonders wenn du einen neuen, eigenen
Comic beginnst. Ich habe tagsüber bei UPS gearbeitet, Kartons
herumgeworfen, während ich in der Schule war und meine ersten Comics
gezeichnet habe. Glücklicherweise habe ich einen guten Job erhalten,
als ich eine BeastMan-Einzelgeschichte für die Masters of the Universe-Lizenznehmer
zeichnen durfte. Ich habe da genug Geld gemacht, um davon ein paar
Monate leben zu können, während ich mich tiefer hineingekniet habe, ein
Profi zu werden, der von seiner Kunst leben kann. Kirkman war da in
einer etwas besseren Position, da er mehrere Projekte gleichzeitig am
Laufen hatte, weil er pro Projekt weniger Zeit investieren musste, als
das beim Zeichner der Fall ist und weil er eine Ehefrau hat, die damals
auch arbeitete.
CG: Wenn
du dir die Probleme anguckst, die du als Künstler hast, der gerade am
Anfang seiner Karriere steht: Welche Lektionen, die du auf die harte
Tour gelernt hast, würdest du an diejenigen weitergeben, die versuchen,
ins Comicgeschäft einzusteigen?
TM: Ein paar
Dinge. Hab keine Angst davor, ein Risiko einzugehen. Das Leben ist zu
kurz, um rumzusitzen und sich zu fragen, ob man etwas geschafft hätte.
Du versagst zu 100 Prozent bei solchen Dingen, die du nie versuchst.
Wenn du glaubst, dass du das nächste Jahr damit verbringst, dein
Portfolio aufzubauen, aber sich in der Zwischenzeit ein Job im kleinen
Rahmen anbietet, der dir wahrscheinlich kein Geld einbringt, dann nimm
den Job trotzdem an. Du würdest die Zeit sowieso damit verbringen zu
üben, ohne Geld dafür zubekommen, aber so wird dabei vielleicht sogar
noch etwas von dir veröffentlicht. Und du weißt nie, vielleicht hast du
damit Erfolg und hast es dann auf deine eigene Art geschafft.
Aber
jetzt, wo das gesagt ist, sei außerdem vorsichtig und pass auf dich
selber auf. Dinge passieren, und nur weil du jemanden kennst und als
Freund betrachtest, heißt das nicht, dass diese Person auch immer nur
dein Bestes will. Das bedeutet nicht, dass die Person schlecht ist. Du
solltest nie vor etwas zurückschrecken, das nach einem sinnvollen
Projekt klingt, aber stell sicher, dass du dich selbst schützt, Dinge
von Anfang an schriftlich hast, denn eine Menge Dinge könnten passieren
und alles bisher Gewesene auf den Kopf stellen.
CG:
Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass du den Witz inzwischen
schon zu oft gehört hast, aber hast du es je bereut, Iron Maiden
verlassen und eine Karriere als Comickünstler verfolgt zu haben?
TM:
Ich erinnere mich gern an jene Tage zurück, aber zwischen meiner
Gospelgruppe, dem Kickboxen und meinem Job als erfolgreichster
Subaru-Händler in Decatur, Alabama, habe ich es geschafft, einfach
vorwärts zu blicken und nur wenig zu bedauern.
CG: Und als Rausschmeißer: Was sind deine Ziele für die Zukunft? Was möchtest du noch erreichen?
TM:
Ich würde gerne in der Lage sein, mich von dem monatlichen Trott
loszureißen, in dem man steckt, wenn man einen amerikanischen Comic
macht, und würde mir gerne ein Jahr lang oder so Zeit nehmen können,
um einen einzelnen Band zu produzieren, den zu verkaufen und das dann
noch einmal zu machen. In etwa so, wie das Romanautoren machen können.
Ich würde gerne ein paar Western- und Wikinger-Stories machen und ich
weiß nicht was sonst noch.
Aber auf lange Sicht möchte
einfach nicht verschwinden. Ich hatte neulich einen Hallo-Wach-Moment,
als ich mir die Arbeiten von ein paar Weltklasse-Illustratoren
angesehen habe und da ist mir klar geworden, dass ich noch eine Schüppe
zulegen muss. Es hat mich fast gelähmt, mir das Material
dieser Zeichner anzusehen, aber hauptsächlich hat es in mir ein kleines
Feuer entfacht, etwas wirklich Bedeutsames und Inspiriertes zu
erschaffen. Ich möchte einen Eindruck hinterlassen, möchte, dass sich
die Leute wirklich an mich erinnern. Ich schätze, das ist mein
wirkliches Ziel, so eingebildet das jetzt auch klingt. Ich weiß nicht
einmal, ob das überhaupt möglich ist, aber das wird mich nicht davon
abhalten, es zu versuchen.
CG: Damit wäre das dann auch erledigt. Danke, dass du dir die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet hast, Tony.
TM: Nein, ich danke dir! Das hat echt Spaß gemacht!
Bildquellen: Tony Moore, Cross Cult |
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Anlässlich des 1. Sammelbands von The Walking Dead, der in wenigen Tagen auf deutsch erscheint und von Cross Cult
veröffentlicht wird, führten wir per E-Mail ein Interview mit Tony.
Einen Teil dieses Interviews findet man in gedruckter Form im
Sammelband, hier an dieser Stelle kann man die komplette Unterhaltung
nachlesen. 