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von Benjamin Vogt Samstag, 28. August 2010


 Eben erst von einer seiner großen Expeditionen zurückgekehrt, genießt der draufgängerische Forscher Richard Drake die Vorzüge, die London zu Ende des 19. Jahrhunderts für die vornehmere Gesellschaft bereithält. Ob in noblen Zigarrenclubs, beim elitären Fechttraining oder in pompösen Ballsälen, Drake ist der unternehmerische Antiheld der viktorianischen Dekadenz.

Die Liebe zu Catherine Lacombe, die Captain Drake nach seiner Rückkehr bei einem Tanz kennenlernt, positioniert ihn in einer Konkurrenzsituation zum gleichfalls verührerischen wie geheimnisumwitternden Frauenschwarm Lord Faureston. Der bleiche Casanova buhlt nämlich ebenfalls um die Gunst von Miss Lacombe.

Wenig ist bekannt über Faureston, lediglich der harmlose Bankangestellte Mister Jones glaubt dessen wahre Identität zu kennen. Jones ist nachts im Geheimen als Vampirjäger unterwegs und ist sich sicher, dass Lacombe eine untote Gefahr darstellt. Aber ist Jones tatsächlich vertrauenswürdig? Kann man seinen unglaublichen Behauptungen Glauben schenken? Zum Wohle seiner Angebeteten versucht Richard Drake schließlich die ganze Wahrheit aufzudecken.

Ab diesem Zeitpunkt wird dieses erste Album der mit dem schlichten Titel D ausgestatteten Serie auch erst richtig interessant. Drake ist äußerlich ein grober Mann, der auf seinen Reisen spürbar viel erlebt hat, aber erst jetzt, in der europäischen Heimat, seine spektakulärste Erfahrung macht. Doch wie soll er nun damit umgehen, dass sein gutaussehender Nebenbuhler ein echter Vampir sein soll?

 Alain Ayroles und Bruno Maiorana, das kreative Duo hinter dem Comic Garulfo, erzählen eine geradlininige Horrormär, die ihre Besonderheit dadurch gewinnt, dass sie elementar an den Zeitgeist des ausklingenden 19. Jahrhunderts in Europa gebunden ist. Impressionen der Straßen und Lokalitäten sind detailiert ausgestaltet und grafisch verspielt. Der Abend im Ballsaal zu Beginn des Bandes wurde einprägsam ausgestaltet und gipfelt in Drakes Ausbruch aus der noblen Gesellschaft, indem er einen falschen Pagen in den Garten verfolgt und seinen Heldenmut unter Beweis stellen darf. Das sind Momente innerhalb des Plots, die die innere Zerrissenheit der Figur sehr gut widerspiegeln.

Überhaupt ist es der Authentizität der Personen vorbehalten, dem viktorianischen Zeitalter erst so richtig Leben einzuhauchen. Drake ist Mitglied der feinen Gesellschaft und angesehener Abenteurer, Jones, der als ängstlich und unglaubwürdig vorverurteilt wird, arbeitet immerhin seriös bei einer Bank und sogar Lord Faureston trägt gerne Frack und Zylinder.

D verleiht dem oft herangezogenen Vampirmythos Stil. Und das Album ist zudem gerade aufs Ende zu recht spannend. Die beiden weiteren Ausgaben dieser dreiteilgen Serie werden sich augenscheinlich noch stärker auf das Duell der beiden Hauptprotagonisten konzentrieren. Und das macht neugierig genug.

Wer sich einen speziellen Eindruck von diesem empfehlenswerten Comic verschaffen will, dem sei der entsprechende, von Splitter erstellte Trailer in deren You Tube-Channel empfohlen.

D 1 - Lord Faureston
Splitter-Verlag, Juni 2010
Text: Alain Ayroles
Zeichnungen: Bruno Maiorana
64 Seiten, farbig, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-152-8

Spannende Vampirkost von den Garulfo-Machern

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Abbildungen: © Splitter Verlag


 



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