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von Thomas Kögel Sonntag, 18. Juli 2010


 Es ist ein alter Scherz aus den Urzeiten des Internets, der sich bis heute gehalten hat: Bielefeld gibt es gar nicht. Alles was auf die Existenz dieser Stadt hindeutet, ist ein Gerücht, gestreut von bösen Mächten (wahlweise CIA, Illuminaten oder Außerirdische), die die Bevölkerung einlullen wollen, indem sie so tun, als würde es die Stadt wirklich geben. Mit dieser Satire, die sich weniger über Bielefeld lustig macht als vielmehr über die zahlreichen Verschwörungstheorien, die gar nicht krude genug sein können, beschäftigt man sich natürlich auch in Bielefeld selbst. An der dortigen Hochschule entstand vor kurzem der Film Die Bielefeld Verschwörung, begleitend dazu erschien auch ein Roman und eine Comic-Adaption.

Die Bielefeld Verschwörung dreht den Spieß um: hier wird nicht behauptet, Bielefeld existiere nicht. Stattdessen haben fiese Finsterlinge in Bielefeld ihr Hauptquartier errichtet, von dem aus sie die Weltherrschaft oder ähnliches anstreben. Die Stadt wird mehr und mehr von der Außenwelt abgeschottet, was die Bielefelder aber nicht mitbekommen. Nur ein misstrauischer Professor namens Wanstohn riecht den Braten und stellt Nachforschungen an. Dabei helfen ihm drei Studenten, denen keine Mission zu gefährlich ist.

Aus dieser Prämisse macht Autor Thomas Walden, der als Medienwissenschaftler an der Uni Bielefeld lehrt, eine wilde Farce, bei der die titelgebende Verschwörung gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Sein Film, beziehungsweise sein Roman und sein Comic sind eher eine Parodie auf Agentenfilme à la James Bond, nur dass er an die Stelle des Superspions ein studentisches Kumpeltrio setzt, das ein wenig an die Drei Fragezeichen erinnert. Ansonsten findet man die üblichen Zutaten: fiese Superschurken und skrupellose Handlanger, attraktive Damen und falsch spielende Verräter, umotivierte Handlungssprünge von einem Land zum anderen und wieder zurück. Allzu originell ist das alles nicht geraten, wenn man mal vom Handlungsort Bielefeld absieht. Für einen guten Thriller ist Die Bielefeld Verschwörung nicht spannend genug, für eine gelungene Satire nicht witzig genug.

 Der Plot ist arg holprig geraten, leidet unter allerlei Logiklöchern und Sprüngen in der Handlung, die es dem Leser schwer machen, der Geschichte zu folgen. Möglicherweise funktioniert das im Film und im Roman besser – falls ja, ist die Adaption zum Comic nicht gut gelungen. Hier wird nie so richtig klar, wer warum welche Ziele verfolgt, wieso die Handlung plötzlich nach Griechenland verlagert wird, nur um wenig später abrupt wieder zurück nach Deutschland zu springen, und was das eigentlich alles mit Bielefeld zu tun hat.

Zeichnerisch hat diese Adaption durchaus ihren Reiz: Im Gegensatz zu den überflüssigen Comicvarianten großer Hollywood-Filme, die meist versuchen, möglichst realistisch den Look des Films nachzuahmen, bringt Zeichner Embe (der aus der Nähe von Bielefeld stammt) seine ganz eigene Note in das Projekt. Sein Zeichenstil geht eher in Richtung Cartoon und fällt vor allem dadurch aus dem Rahmen, dass alle seine Protagonisten zwei unterschiedlich große Augen haben (ein Merkmal, das auch auf seine anderen Comic, wie z.B. seine Beiträge in Perry - Unser Mann im All) zutrifft. Lediglich die immer wieder eingestreuten Ansichten von lokalen Gebäuden oder Plätzen sind realistisch und wirklichkeitsnah, ansonsten reagiert Zeichentrick-hafte Vereinfachung, die in ihren besten Momenten an die Simpsons erinnert.

Die Bielefeld Verschwörung hat einen interessanten Ansatz und eine originelle grafische Umsetzung, kann aber als Geschichte nicht überzeugen. Zu holprig ist die Story, zu schablonenhaft die Figuren, zu lahm die Gags (Nur ein Beispiel: Die Frauen im Comic heißen Luci Fair und Rita Lihn. Wirklich.). Für Menschen in und um Bielefeld (sollte die Stadt denn tatsächlich existieren) hat dieses multimediale Paket sicher seinen Reiz, was vor allem am Lokalkolorit liegt. Der Nicht-Bielefelder dagegen bleibt eher unbeeindruckt.


Die Bielefeld Verschwörung
Pendragon Verlag, Mai 2010
Text: Thomas Walden
Zeichnungen: Embe
88 Seiten, Softcover, schwarz-weiß, 10,95 Euro
ISBN: 978-3-86532-199-2

eric4.gif

Nette Idee, durchwachsene Ausführung.


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Abbildungen: Embe, Pendragon Verlag



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