JoomCategories for JoomGallery
- Kategorie: 6. Akt: Der letzte Akt
- Kategorie: 5. Akt: Der Akt ohne Namen
- Kategorie: Chili oder Essen, das zweimal brennt
JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA
- 1287
Aktuelle Rezensionen
Comicgate-Tweets
Comic-Kalender
- Winterthur (CH): Vernissage 'Feindgebiet'
10.02.2012
(Ausstellung) - Berlin: Signierstunde mit Anke Feuchtenberger, Birgit Weyhe u. Jul Gordon
11.02.2012
(Signierstunde) - Köln: Daniel Schreiber signiert
15.02.2012
(Signierstunde)
von Thomas Kögel Sonntag, 18. Juli 2010
Die Bielefeld Verschwörung dreht den Spieß um: hier wird nicht behauptet, Bielefeld existiere nicht. Stattdessen haben fiese Finsterlinge in Bielefeld ihr Hauptquartier errichtet, von dem aus sie die Weltherrschaft oder ähnliches anstreben. Die Stadt wird mehr und mehr von der Außenwelt abgeschottet, was die Bielefelder aber nicht mitbekommen. Nur ein misstrauischer Professor namens Wanstohn riecht den Braten und stellt Nachforschungen an. Dabei helfen ihm drei Studenten, denen keine Mission zu gefährlich ist.
Aus dieser Prämisse macht Autor Thomas Walden, der als Medienwissenschaftler an der Uni Bielefeld lehrt, eine wilde Farce, bei der die titelgebende Verschwörung gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Sein Film, beziehungsweise sein Roman und sein Comic sind eher eine Parodie auf Agentenfilme à la James Bond, nur dass er an die Stelle des Superspions ein studentisches Kumpeltrio setzt, das ein wenig an die Drei Fragezeichen erinnert. Ansonsten findet man die üblichen Zutaten: fiese Superschurken und skrupellose Handlanger, attraktive Damen und falsch spielende Verräter, umotivierte Handlungssprünge von einem Land zum anderen und wieder zurück. Allzu originell ist das alles nicht geraten, wenn man mal vom Handlungsort Bielefeld absieht. Für einen guten Thriller ist Die Bielefeld Verschwörung nicht spannend genug, für eine gelungene Satire nicht witzig genug.
Der Plot ist arg holprig geraten, leidet unter allerlei Logiklöchern und Sprüngen in der Handlung, die es dem Leser schwer machen, der Geschichte zu folgen. Möglicherweise funktioniert das im Film und im Roman besser – falls ja, ist die Adaption zum Comic nicht gut gelungen. Hier wird nie so richtig klar, wer warum welche Ziele verfolgt, wieso die Handlung plötzlich nach Griechenland verlagert wird, nur um wenig später abrupt wieder zurück nach Deutschland zu springen, und was das eigentlich alles mit Bielefeld zu tun hat.
Zeichnerisch hat diese Adaption durchaus ihren Reiz: Im Gegensatz zu den überflüssigen Comicvarianten großer Hollywood-Filme, die meist versuchen, möglichst realistisch den Look des Films nachzuahmen, bringt Zeichner Embe (der aus der Nähe von Bielefeld stammt) seine ganz eigene Note in das Projekt. Sein Zeichenstil geht eher in Richtung Cartoon und fällt vor allem dadurch aus dem Rahmen, dass alle seine Protagonisten zwei unterschiedlich große Augen haben (ein Merkmal, das auch auf seine anderen Comic, wie z.B. seine Beiträge in Perry - Unser Mann im All) zutrifft. Lediglich die immer wieder eingestreuten Ansichten von lokalen Gebäuden oder Plätzen sind realistisch und wirklichkeitsnah, ansonsten reagiert Zeichentrick-hafte Vereinfachung, die in ihren besten Momenten an die Simpsons erinnert.
Die Bielefeld Verschwörung hat einen interessanten Ansatz und eine originelle grafische Umsetzung, kann aber als Geschichte nicht überzeugen. Zu holprig ist die Story, zu schablonenhaft die Figuren, zu lahm die Gags (Nur ein Beispiel: Die Frauen im Comic heißen Luci Fair und Rita Lihn. Wirklich.). Für Menschen in und um Bielefeld (sollte die Stadt denn tatsächlich existieren) hat dieses multimediale Paket sicher seinen Reiz, was vor allem am Lokalkolorit liegt. Der Nicht-Bielefelder dagegen bleibt eher unbeeindruckt.
Die Bielefeld Verschwörung
Pendragon Verlag, Mai 2010
Text: Thomas Walden
Zeichnungen: Embe
88 Seiten, Softcover, schwarz-weiß, 10,95 Euro
ISBN: 978-3-86532-199-2
Nette Idee, durchwachsene Ausführung.
Abbildungen: Embe, Pendragon Verlag















Neue Veranstaltung einsenden



In Retrospektive betrachtet haben die Schweizer im vergangenen Jahr
nicht gerade zur Verbesserung ihres Ansehens in Europa beigetragen.
Nicht nur der Volksentscheid zum Minarett-Verbot, sondern auch die
nicht ganz unumstrittene Festnahme von Roman Polanski, haben die
Eidgenossen und ihre hoch gelobte Neutralität schlecht aussehen lassen.
Anstatt diese Großereignisse aufs Korn zu nehmen, richtet der
Comiczeichner Ruedi Widmer seinen Blick lieber auf den Schweizer Alltag
und seine Individuen. Durch diese Hintertür gelingt es ihm, neben den
Marketingstrategien der Schweizer Post und neuen Handyangeboten zum
Schluss doch noch kritische Themen, wie eben den Minarettbeschluss,
humoristisch zu hinterfragen. Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt erscheint seit 2000 als wöchentliche Comic-Kolumne in der Winterthurer Zeitung Der Landbote
und liegt nun in gebundener Form vor (Sewicky Verlag). Widmer beweist
in dieser Sammlung, dass Selbstreflexivität sehr wohl ein Schweizer Gut
ist.
Vor mehr als zehn Jahren wurde in Frankreich die Idee eines äußerst
ungewöhnlichen und dennoch sehr erfolgreichen Comics geboren, der in
drei unterschiedlichen Epochen spielen sollte, der an seinem Ende über
300 Ausgaben zählen sollte und dessen Figuren als blutrünstige aber
dämliche Monster und (un)heldenhafte Enten konzipiert waren. Seit
diesem ursprünglichen Grundgedanken hat sich der Comic zu einer
regelrechten Hydra entwickelt, der mit jeder neuen Veröffentlichung ein
weiterer, grotesker Kopf wächst und so jeglicher Konzeption der Serie
trotzt. Die Väter dieser Idee waren die französischen Comic-Künstler
Lewis Trondheim und Joann Sfar und ihr Titel lautete Donjon. Im Hause Reprodukt erschien nun mit Donjon 6: "Der verlorene Sohn" der neuste Spross in der Donjon-Familie.
- 26.06.2009
Was wäre, wenn Gott wirklich existierte? Und wenn er sich auf der Erde blicken lassen würde, nicht wie beim ersten Mal in Jesus Christus, sondern höchstpersönlich? Welchen Medienrummel würde er auslösen? Welche Zweifel an seiner Authentizität wecken, welchen Zuspruch hervorrufen, welche Gegnerschaft auslösen? Marc-Antoine Mathieu wirft diese Fragen auf und zeichnet einen genauso kurzweiligen wie intelligenten Comic. Auf höchst raffinierte Weise kultiviert Mathieu einen feinen ironischen Humor, der die Lektüre durchgängig zum Vergnügen macht. Und mich mit Spannung warten ließ, wie diese Geschichte wohl enden soll ...
Es ist zweifellos eine sehr ungewöhnliche Geschichte: Ein junger deutscher Comicleser ist vernarrt in die Werke von Hermann (Comanche, Jeremiah, Die Türme von Bois-Maury) und schreibt ihm jahrelang Briefe. Bis dieser eines Tages zurückruft und aus einigen Telefonaten eine Freundschaft entsteht. Viele Jahre später darf jener Leser schließlich ein Comic-Szenario für sein Idol schreiben. Ein wahrgewordener Fanboy-Traum.
Noch bevor Flix mit Held und dessen Nachfolgebänden seinen
Durchbruch als Comiczeichner schaffte, hatte er bereits einen Comic bei
Eichborn veröffentlicht, der mittlerweile längst vergriffen ist: Who the Fuck is Faust?,
seine parodistische Version des großen deutschen Literaturklassikers.
Im letzten Jahr kehrte Flix zurück zu diesen Wurzeln und widmte sich
noch einmal dem Faust. Für die FAZ entstand ein
80-teiliger Fortsetzungscomic, der von Juli bis Dezember 2009 lief und
nun als leicht überarbeitete Buchausgabe bei Carlsen vorliegt.
- 21.07.2010