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15.02.2012
(Signierstunde)
von der Comicgate-Redaktion Mittwoch, 14. Juli 2010
Vom Comic-Salon 2010 berichten an dieser Stelle Andi (av), Christopher (cb), Daniel (dw), Frauke (fp) und Thomas (tk).
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
A
Armdrücken
Hella von Sinnen vs. Erlangens Oberbürgermeister
Harald Havas vs. aha
Und natürlich:
Eckart Sackmann vs. die Jury des Max & Moritz-Preises (av)
(Foto: Maikel Das)
B
Banner
D
Demonstration
F
Fotolovestory
H
Hahn, die Sache mit
Während die anderen Gäste sich sehr verwundert zeigten, hatte Moderatorin Brigtte Helbling - nach einem anfänglichen Fauxpas, bei dem sie, noch nicht den Nachnamenwitz begreifend, Robi als "im Huhnkostüm" vorstellte - die Ruhe weg, lenkte die Unterhaltung und fragte nach der Zusammenarbeit von Autor und Zeichner. Obwohl die Frage, wie man für den Comic schreibt, nicht beantwortet wurde, stellte diese Diskussion wieder einmal heraus, wie subversiv der Comic und seine Akteure wirklich sind. Denn auch für die Autoren gilt: Der Comic ist eine Form, die sich nicht in ein Museum hängen lässt, die keine fixen Vorgaben hat, sondern gelebt werden muss. Einhellig einigte sich die Runde darauf, dass einen hervorragenden Comic weder guter Text noch gute Zeichnungen ausmacht, sondern die textliche und zeichnerische Kunst des Erzählens. Was gekonnt sein will. (dw & fp)
I
ICOM Independent-Comic-Preis
Bester Independent-Comic: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust
Bester Kurzcomic: "Die Schande von Rahlstedt" von aha, in: Epidermophytie 15 - A tribute to Koma-Comix
Herausragendes Artwork: Ein Mann geht an die Decke von Katharina Greve
Herausragendes Szenario: drüben! von Simon Schwartz
Sonderpreis für eine bemerkenswerte Comicpublikation: SPRING 6: "Verbrechen"
Sonderpreis für eine besondere Leistung oder Publikation: Vicky Danko, Beatrice Beckmann, Olivia Vieweg für das Engagement beim Independent Manga
Lobende Erwähnungen:
Dave Grigger von Mamei und Ivo Kircheis
Die Anthologie Jazam!
Kleiner Vogel rot von Christopher Bünte und Veronika Mischitz
Leroy & Dexter von Thomas Gilke
Und wie das so bei Preisverleihungen ist, gab es am Ende einige zufriedene oder immer noch freudig überraschte Gesichter, Schulterklopfen und Händeschütteln und lange Mienen - sei es aus Enttäuschung, dass man (wieder mal) übergangen wurde oder aus Solidarität mit geschätzten Comickünstlern, die leer ausgingen.
Ein Kritikpunkt ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen: Wenn Verlage wie Reprodukt und avant sowohl beim ICOM Independent-Comic-Preis als auch beim Max-und-Moritz-Preis (siehe M) mit Nominierungen vertreten sind, muss man die Frage stellen, wofür denn eigentlich das "Independent" noch steht bzw. wo sich diese Verlage mittlerweile selbst verorten. Dass in diesem Fall Ulli Lust nicht nur den ICOM-Preis in der Hauptkategorie "Bester Independent-Comic" abräumte, sondern auch noch den Publikumspreis des Max-und-Moritz-Preises mit ihrem von avant verlegten Comic gewann, stieß bei manchem Anwesenden auf leichtes Unverständnis. Die doppelt prämierte Künstlerin löste das Dilemma jedoch sehr diplomatisch: Als sie auf der Bühne des Markgrafentheaters von Moderator Denis Scheck gefragt wurde, ob sie stolz sei, den Max und Moritz-Preis gewonnen zu haben, antwortete sie: "Ich freue mich vor allem, dass ich den ICOM-Preis gewonnen habe." Das dürfte einige Gemüter wieder besänftigt haben. (av)
J
Jamiri
War zwar im Programm als anwesender Künstler aufgelistet, aber hat sich offenbar vor dem Trubel gedrückt. Oder hat der notorisch publikumsscheue Zeichner etwa seine Ankündigung aus dem Interview im Comicgate-Magazin 4 wahr gemacht und war incognito mit falschem Bart auf dem Salon unterwegs? (av)
Jubiläum
K
Kaffeeautomat
Kitzmann Bräu
M
Mahler, Nicolas
(Abbildung: Screenshots von comicforum.de)
Max-und-Moritz-Preis
Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Pierre Christin
Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Nicolas Mahler
Bester Comic-Strip: Prototyp / Archetyp von Ralf König
Bester deutschsprachiger Comic: Alpha. Directions von Jens Harder
Bester internationaler Comic: Pinocchio von Winshluss
Bester Comic für Kinder: Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln von Nadia Budde
Spezialpreis der Jury: Salleck Publications und Carlsen Comics für ihre Will Eisner-Ausgaben
Die Spirit Archive und Ein Vertrag mit Gott. Mietshausgeschichten
Sonderpreis für eine studentische Comic-Publikation: Strichnin von der Hochschule Augsburg / Fakultät für Gestaltung
Publikumspreis: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust
In Comickreisen wird gerne gelästert, die Preisverleihung sei immer wieder die ödeste, drögste und langweiligste Veranstaltung des gesamten Salon-Programms. In diesem Jahr war das nicht der Fall, auch dank Co-Moderatorin Hella von Sinnen, die der Gala den dringend benötigten Schwung verschaffte (siehe auch V wie "von Sinnen, Hella"). Leider konnte auch sie nicht verhindern, dass der Abend zwischendurch einige Längen bekam und mit zweieinhalb Stunden Dauer einfach zu lang wurde. Es war warm, es war spät, die Leute hatten Durst und wollten nur noch raus. Kein Wunder, dass sich das Publikum nicht lange bitten ließ, als Nicolas Mahler, zum Schluss des Abends als Bester deutschsprachiger Comic-Künstler ausgezeichnet, anstelle einer Dankesrede nur einen Satz sagte: "Können wir Schluss machen?" Wenn sich 2012 ein Regisseur finden sollte, der den Abend straff auf 90 Minuten Laufzeit verknappen kann, wäre das ein mindestens ebenso großer Gewinn wie die unterhaltsame Frau von Sinnen.
Kritische Gedanken zur Auswahl der nominierten Titel gibt es hier zu lesen. (tk)
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N
Na'vi, der
P
Pink
(Foto: Maikel Das)
PR
Q
Quiz
R
Raumnot
Schmiss im Jahr 2008 Ehapa noch samstags eine exklusive Verlagsparty für geladene Gäste, gab es dieses Mal eine große, für die Allgemeinheit offene Gemeinschaftssause von Carlsen, Panini und Ehapa. Der Ort: ein thailändisches (Bar-)Restaurant names Zen. Schicke Location in einem restaurierten Erlanger Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert – nur für eine derartige Party ziemlich ungeeignet, denn die Fläche verteilt sich dort auf insgesamt drei, für sich genommen eher schmale Etagen. Das hatte folgendes Szenario zur Folge: Im Erdgeschoss staute sich alles hoffnungslos, was die ohnehin warme Frühsommernachtstemperatur noch einmal rasant ansteigen ließ. In der zweiten Etage konnte man sich zwar bewegen, aber dafür hatte das Thermometer noch einmal um mindestens fünf Grad zugelegt. In der dritten Etage herrschte schließlich drückendes Tropenklima, was dazu führte, dass auf der von DJ Christopher „Piwi“ Tauber bestens beschallten Tanzfläche das Bier literweise wieder augeschwitzt wurde und Schweißflecken sich rasant über die gesamte Gaderobe ausdehnten. Wohl denen, die dunkel gekleidet waren.
Während hoch oben trotz der widrigen Umstände ausgelassen getanzt wurde, nahm die Partymeute auf Straßenniveau die Situation gewohnt kreativ in die Hand und verlegte die Feier kurzer Hand nach draußen vor das Zen – was wiederum den Türstehern nicht ins Konzept passte, die das geschäftige Raustragen der Partygetränke schnell wieder stoppten. Nutznießer des Abends: der am nächsten stationierte Budenbesitzer, der somit kurzer Hand zum Open-Air-Party-Caterer aufstieg und die überraschte Wirtin des Schwarzen Ritters, in dem sich einige weniger hitzebeständige Comicmenschen an diesem Abend bereits deutlich früher einfanden als gewohnt. (av)
S
Schalker, Kurt
Wenn man sich in vielen Jahren an die 2010er-Ausgabe des Comic-Salons erinnern wird, wird man mit Sicherheit davon sprechen, dass 2010 das Jahr war, in dem Kurt Schalker wiederentdeckt wurde. Der Doyen, der Pate, der Urvater der Comicblogger. Vor dem Salon kannte niemand diesen Namen, hinterher war er in aller Munde, nachdem er auf der Podiumsdiskussion "Comics 2.0" erstmals gewürdigt wurde. Mehr über Kurt Schalker hat Klaus Schikowski für uns aufgeschrieben. (tk)
Schiebermützen
Schwarz, weiß, tot - Cartoons von Lapinot
Sprechblase, Die
Es ist doch immer eine Freude, auf dem Salon neue Menschen kennen zu lernen; Kollegen, die auch an ihren Comicmagazinen arbeiten. Gerne unterstützt man diese technikversierten Menschen mit Equipment und guten Ratschlägen. Dennoch kann es dabei mal passieren, dass die eigene Gutmütigkeit zu einem Dorn im Auge wird. Da wir dank der Comicforschung wissen, dass fast jede Sprechblase einen solchen Dorn besitzt, verwunderte es nicht, dass er manchmal sticht. Gefühlte fünfhundert Besuche des Redakteurs später sind wir trotz strapazierter Nerven beide zu dem gleichen Schluss wie Mawil gekommen: "Wir können ja Freunde bleiben!" (dw)
Sticker-Album
T
Tierkostüme
V
von Sinnen, Hella
Ihre Affinität zu Comics bewies Hella von Sinnen im letzten Jahr, als sie für die Ehapa Comic Collection einen Band mit Carl-Barks-Geschichten zusammenstellte und diesen auf der Frankfurter Buchmesse promotete. Dass sie in diesem Jahr als Co-Moderatorin bei der Preisverleihung des Max-und-Moritz-Preises auf der Bühne stehen sollte, weckte im Vorfeld eher gemischte Gefühle. Die Frau, die sich einst im Privatfernsehen Torten ins Gesicht schleudern ließ und heute gerne etwas zu laut links außen in einer dieser Panelshows mitgackert, als Conferencier im Markgrafentheater? Noch dazu neben dem eher schwäbisch-behäbigen Dennis Scheck? Die Wahl entpuppte sich jedoch als Glücksgriff: Hella von Sinnen trug entscheidend dazu bei, dass die Preisverleihungs-Gala in vielen Momenten einen gewissen Showcharakter bekam, also unterhaltsam war. Ihr (vermutlich einstudiertes, aber trotzdem sehr charmantes) Eingreifen bei der Rede des Bürgermeisters brachte ihr viele Sympathien. Positive Überraschung: Frau von Sinnen konnte glaubhaft vermitteln, dass sie sich tatsächlich mit den nominierten Comics befasst hatte und die meisten auch richtig gut fand. (tk)
Wobei Ihre spontan wirkende Art zwar einerseits für Schwung sorgte, andererseits ihre Neigung, anderen Leuten ins Wort zu fallen und sich immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken, mich zwiegespalten zurücklässt, ob sie die richtige Wahl für solch eine Moderatorentätigkeit ist. Dass man es ihr abnahm, dass sie sich tatsächlich auf die Comics und die Moderation vorbereitete, ist aber wirklich ein überraschender Pluspunkt. (fp)
W
Western
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Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Comicgate-Redaktion. Vor Verwendung bitten wir um schriftliche Anfrage.
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Kommentare (2)

geschrieben von Dirk Rehm, am 20. Juli 2010 um 12.36 Uhr
Ein Kritikpunkt ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen: Wenn Verlage wie Reprodukt und avant sowohl beim ICOM Independent-Comic-Preis als auch beim Max-und-Moritz-Preis (siehe M) mit Nominierungen vertreten sind, muss man die Frage stellen, wofür denn eigentlich das "Independent" noch steht bzw. wo sich diese Verlage mittlerweile selbst verorten.
Die Frage, was "Independent" im Zusammenhang mit der Preisverleihung für den ICOM bedeutet, muss natürlich der Verband selbst beantworten.
Was aber Reprodukt angeht, verorte ich den Verlag eindeutig als unabhängig, und damit als Independent Verlag – jedenfalls solange wir keine Deckungsbeiträge an irgendeinen Konzern entrichten. Der Begriff "Independent" ist für mich vor allem ein ökonomisches Kriterium: Als Einzelfirma ist Reprodukt selbstbestimmt, Programmentscheidungen fällen wir auf demokratischer Basis in gemeinsamen Diskussionen, und wir sind niemandem als uns selbst Rechenschaft schuldig. Genau an diesem Punkt sehe ich eine klare Abgrenzung etwa zu Carlsen, Ehapa oder Panini.
Für deutsche Comicschaffende ist der dotierte ICOM Independent Preis eine wertvolle Unterstützung. Natürlich bekommen die Autoren, die bei Reprodukt veröffentlichen, ein Honorar, das auf 8 bis 10 Prozent des Verkaufspreises der Bücher basiert, wie allgemein üblich. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Autoren ihrem Aufwand angemessen entlohnt werden, geschweige denn, dass sie vom Comiczeichnen leben können. Dazu ist der deutsche Comic-Markt nach wie vor viel zu klein.
Um mal ein Rechenbeispiel zu bringen: Wenn ein Buch wie Mawils "Wir können ja Freunde bleiben" in einer Erstauflage von 1.500 Exemplaren zu einem Verkaufspreis von 10 EUR produziert wird, bedeutet das bei einem Autorenhonorar von 8 Prozent pro Buch, dass Mawil bei Verkauf der gesamten Auflage die ungeheure Summe von 1.200 EUR erhält. Und für diesen Betrag hat er ein ganzes Jahr an dem Buch gearbeitet (klar, mittlerweile gibt es auch eine zweite und dritte Auflage). Hoffentlich erklärt dieses Beispiel, dass sich die Zeichner hierzulande völlig zu Recht sehr über den ICOM-Preis freuen, zumal es für den Comic nichts Vergleichbares gibt, während die Kreativen in der Literatur und dem Film mit Förderungen, Stipendien und Auszeichnungen schier überschüttet werden.
Vielleicht basiert das Unverständnis aber auch auf einer schiefen Wahrnehmung des Marktes? Eine Diskussion zum Thema fände ich interessant, daher setze ich den Kommentar auch noch mal ins ICOM-Forum.
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