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(Signierstunde)
von Marco Behringer Dienstag, 04. Mai 2010
Die Sandkorntheorie spielt zunächst einmal in einer utopisch-fantastischen Parallelwelt: in Brusel (kein Schreibfehler!) im Jahr 784. Das Stadtbild ist geprägt durch fliegende Zeppelintaxis, futuristische Autos sowie durch das Nebeneinander von futuristischen und historischen Bauten. Auf diese Weise entsteht eine Atmosphäre, die man sonst nur aus dem Steam-Punk oder Retro-Futurismus kennt. Dort geschehen neben den bereits erwähnten rätselhaften Vorkommnissen noch mehr außergewöhnliche Ereignisse. Deshalb wird Mary von Rathen, Expertin für unerklärliche Phänomene, beauftragt, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wodurch das utopisch-fantastische Szenario mit einer Kriminalerzählung verschmilzt.
Die Geschichte ist atmosphärisch sehr dicht und durch die verschiedenen Protagonisten komplex erzählt. Doch das Ganze wird nie unübersichtlich oder konfus. Bei der Lektüre denkt man schnell an die frühen Arbeiten von Enki Bilal/Pierre Christin (Die Stadt, die es nicht gab, Ehapa), nur unpolitischer, oder an Moebius (Die Hermetische Garage, Cross Cult), nur weniger bizarr und satirisch. Aber die größte Verwandtschaft dürfte wohl mit Daniel Hulets Trilogien Immondys und Extra Muros (beide Ehapa) vorliegen, weil auch Die Sandkorntheorie durch graustufige Charakterskizzen und trotz utopisch-fantastischer Elemente in Punkto Szenario einen realistischen Bezug aufweist - zum Beispiel ein Jugendstil-Haus.
Daneben besticht Die Sandkorntheorie durch ein augenfälliges Spiel mit dem Ornament, das hier eindeutig mehr als bloße Dekoration ist, sondern vielmehr - wie im Film Noir - auch die psychologische und philosophische Entwicklung kommentiert. So verweisen die spiralförmigen Ornamente auf die in der Populärkultur oft zitierte "Downward Spiral", die im Film (Noir) oft durch eine Wendeltreppe dargestellt wird. Außerdem muss das Licht-Schatten-Spiel als herausragende Meisterleistung genannt werden, was nicht nur darin liegt, dass auch hier eindeutig cineastische "Vor-Bilder" in die Comicwelt übertragen worden sind. So werden beispielsweise Überblendungen durch schemenhafte Zeichnungen angedeutet oder eine unheimliche Atmosphäre à la Alfred Hichtcock durch ein "Beleuchtungslicht" von unten erreicht.
Die Komplexitätstheorie geht davon aus, dass ein einzelnes Sandkorn eine ganze Lawine auslösen kann. Der Titel findet in der Geschichte dementsprechend eine Auflösung. Auch deshalb ist Die Sandkorntheorie als Meisterwerk einzustufen. Die spannend erzählte, verschachtelte Geschichte ist geist- und kenntnisreich. Sie wird aber auch durch phänomenale und handwerklich lupenreine Bilder ergänzt, die eine ganz eigene Welt erschaffen. Das ist unterhaltsame und ganz große Comickunst. Und nach rund zwei Jahren - und unzähligen Coverentwürfen später - liegt die deutsche Ausgabe nun auch bei Schreiber & Leser vor. Danke!
Die Sandkorntheorie
Schreiber & Leser, April 2010
Text: Benoît Peeters
Zeichnungen: François Schuiten
Klappenbroschur, 112 Seiten, schwarz-weiß; 24,80€
ISBN: 9783937102962
Linktipp: Auf der Verlagsseite wird ein Video gezeigt, in dem die Künstler den Comic vorstellen
Einzigartige Zeichnungen und dicht erzählte, fantastisch-utopische Geschichte
Abbildungen der dt. Ausgabe © Schreiber und Leser
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Es passiert nicht mehr oft, dass junge deutschsprachige
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veröffentlichen. Jetzt haben zwei Österreicher diesen Schritt gewagt: Frank (oder, wie es in der Originalschreibweise heißt:
Steve Cuzor ist wahrlich kein Unbekannter mehr. Vor allem seine Serie O'Boys vermochte zu überzeugen. Entstand die moderne Huckleberry-Finn-Saga 2009, handelt es sich bei Blackjack allerdings um eine frühere Serie, die Cuzor bereits 1999 geschaffen hatte. Hier hat er auch das Storytelling komplett übernommen.
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- 30.07.2010
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