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von Thomas Kögel Freitag, 16. September 2005
"Persepolis" ist eine Autobiographie: Marjane Satrapi erzählt von ihrem Leben, ihrer Kindheit und ihrem Erwachsenwerden. Und doch ist "Persepolis" viel mehr als das.Denn Marjane Satrapi stammt aus einem Land, das die meisten von uns nur aus den TV-Nachrichten kennen: dem Iran. Satrapi, die heute in Frankreich lebt, war irgendwann genervt von der Tatsache, dass die meisten Europäer den Iran einseitig als islamischen Gottesstaat und seine Bewohner entweder als unterdrücktes Volk oder als potenzielle Terroristen verstehen. Also beschloss sie, ihre Geschichte, und damit auch die ihres Landes, zu erzählen.
Im ersten Band von "Persepolis" erleben wir Marjanes Kindheit. Sie ist 10 Jahre alt, als der Schah gestürzt und die Islamische Revolution ausgerufen wird. Aus der Perspektive ihrer Familie erfahren wir, was dieser Umsturz für die einzelnen Menschen bedeutet hat. Es entsteht ein System der Unterdrückung, unter dem besonders Frauen zu leiden haben. Marjanes liberale Eltern schicken ihre Tochter im Alter von 14 Jahren nach Wien, wo sie ein freieres Leben führen soll.
Der zweite Band, "Jugendjahre", handelt zunächst von Marjanes Zeit in Wien - alles andere als eine unbeschwerte Jugend. Hier lässt sich sehr gut nachvollziehen, was es heißt, fremd zu sein und nicht dazuzugehören. Doch auch als Marjane nach ein paar Jahren zu ihrer Familie nach Teheran zurückkehrt, fühlt sie sich nicht wohl - sie ist fremd im eigenen Land.Das besondere an "Persepolis" ist für mich, wie elegant und beiläufig darin Alltag und Politik verknüpft werden. So werden auch komplexere Sachverhalte sehr locker eingebunden, und das Ganze liest sich unglaublich leicht und flüssig. Das mag auch an Satrapis Zeichenstil liegen: dieser ist sehr einfach gehalten, viele Gesichter scheinen nach dem Punkt-Punkt-Komma-Strich-System entstanden zu sein. Eine Bildsprache, die so klar und unmissverständlich ist, dass sie für jedermann sehr leicht zugänglich ist. Zeichnerische Meilensteine können damit nicht gesetzt werden, aber Satrapi kann damit auch ein Publikum erreichen, das sonst um Comics einen Bogen macht.
Obwohl der Inhalt der "Persepolis"-Episoden manchmal alles andere als lustig ist, zieht sich ein humorvoller Ton durch die beiden Bücher, der die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Wie nebenbei lernt der Leser eine Menge über den realen Alltag in einer völlig fremden Kultur. Das viele Lob und die zahlreichen Preise, die Marjane Satrapi dafür eingeheimst hat, sind zweifellos verdient.
Persepolis I: Eine Kindheit im Iran
Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
164 Seiten; 22,00 €
Taschenbuch: Ueberreuter
164 Seiten; 22,- €
(als Softcover von Ueberreuter: 9,95 Euro)
Persepolis II: Jugendjahre
Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
192 Seiten; 26,- €

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Es ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren
Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf
Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will
experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein
langes, rationales Abwägen, "Jetzt oder nie" heißt die Devise. Das gilt
auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt,
man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld,
ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip,
der mit dem Wort "Abenteuer" nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als
20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine
autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher
Hinsicht zum Staunen bringt.
- 24.12.2009
Im Jahr 1966 kündigt der junge
Künstler Hamaguchi seinen Job in einer Textilfabrik, zieht nach Tokio und und
wird einer der Assistenten des renommierten Mangakas Kondo. Doch auch im
Atelier des Sensei ist die Arbeit für einen Mangaverlag nicht unbedingt der
große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er
lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu
kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen.
- 13.07.2010
Eigentlich ist es verwunderlich, dass gerade der autobiografische Comic so starke Popularität erlangt hat. Es scheint ja irgendwie schwer vorstellbar, ein langweiligeres Thema für einen Comic zu finden als einen Comiczeichner. Was tun diese bedauernswürdigen Individuen denn schon Spannendes? Sie sitzen in ihrem Zeichenstudio und füllen weiße Seiten mit schwarzen Strichen. Den ganzen Tag lang. Spät nachts gehen sie schlafen, und morgens stehen sie wieder auf, um die selbe Prozedur des Vortages zu wiederholen. Nichts, worüber sich zu erzählen lohnen würde.
Im März 2004 fasste Lewis Trondheim einen Entschluss: Der französische
Zeichner, der mit 39 Jahren schon auf ein beeindruckend umfangreiches
Werk zurückblicken konnte, wollte nach 14 Jahren des pausenlosen
Zeichnens eine lange Pause einlegen, ohne ein Album zeichnen zu müssen.
Eine Zeitlang wollte er von kleinen Werbeaufträgen, Lizenzeinnahmen und
dem Schreiben von Szenarios leben und als Koordinator für die
Zeichentrick-Version seines Comics Le Roi Catastrophe arbeiten. Doch
daraus wurde nichts. Nach 80 Tagen musste Trondheim wieder zeichnen.
Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den "Renseignements Généraux", kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.
- 29.10.2009