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von Daniel Wüllner Sonntag, 28. März 2010
Wieder einmal hat die Rotation der Künstler der grafischen Qualität der Comicserie keinen Abbruch getan. Christophe Gaultier reiht sich mühelos in die Liste der Donjon-Zeichner ein. Zwar gelingt ihm nicht die lustvolle Körperlichkeit im Stile seines Namensvetters Blain, aber dafür weisen sein Strich und seine Schattierungen die Qualitäten auf, die das dunkle "Morgengrauen"-Kapitel deutlich von den beiden anderen Donjon-Zeitsträngen abhebt. Zwielichtige Kerker, düstere Gassen und verfallende Gemäuer schaffen eine atmosphärische Grundlage für die Erzählung.
Erst gegen Mitte des Comics haben sich Sfar und Trondheim daran erinnert, dass die "Morgengrauen"-Reihe ja die mit der ganzen Brutalität und der Fleischeslust ist. Also wird kurzerhand mal eine Hand abgehackt: Ein Akt, der in der Handlung ebenso unnötig ist wie für das Konzept, das hinter dieser Körperlichkeit steht. Wie in den Filmen von Quentin Tarantino wird die übermäßige Verwendung von Gewalt zu einer Form der Kommunikation. Von rotem Saft und fliegenden Fäusten überladene Seiten führen zu einer Übersättigung, die zur Reflexion über dieses Stilmittel anregt. Abgetrennt von dem eigentlichen Sinn und Zweck verhalllen die Stimmen des Einhändigen und seiner abgetrennten Hand irgendwo in einem abgelegenen Teil des Schlosses, wie ein schlechter Witz.
Einziger Hoffnungsschimmer ist die Figur der Alexandra, die mit ihrer kaltblütigen Art und ihrer unerbittlichen Fürsorge für Hyazinths Vater dem Comic eine wohltuende Ambiguität verleiht, die sonst an allen anderen Stellen fehlt. Vielleicht wäre es angebracht, nicht nur bei den Zeichnern zu rotieren, um mal ein wenig frischen Wind durchs Gemäuer wehen zu lassen.
Donjon -83 - Der letzte Ritter
Reprodukt, März 2010
Text: Lewis Trondheim und Joann Sfar
Zeichnungen: Christophe Gaultier
Softcover; 48 Seiten; 12,00 Euro
ISBN: 978-3-941099-34-0Reprodukt, März 2010
Text: Lewis Trondheim und Joann Sfar
Zeichnungen: Christophe Gaultier
Softcover; 48 Seiten; 12,00 Euro
Grafisch: ohne Furcht und Tadel; Erzählerisch: unbefriedigend.
Abbildungen: © Reprodukt
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Neben den drei Hauptreihen der Donjon-Serie schufen Joann Sfar und Lewis Trondheim auch noch die Nebenserien Parade und Monster. Von letzterer sind die ersten beiden Bände frisch auf deutsch erschienen. Donjon Monster hat
keinen Stammzeichner - hier wird jeder Band von einem anderen Künstler
umgesetzt, und so bekommt jedes Album seinen ganz eigenen Charakter.
Band 1 und 2, die gleichzeitig erschienen sind, machen dies sehr
deutlich, denn die beiden Geschichten sind so verschieden wie Tag und
Nacht.
- 01.01.2007
In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.
Aufzeichnungen aus Birma ist der dritte Teil der Trilogie von Guy Delisle, die mit
autobiografischen Berichten aus dem chinesischen Shenzhen und dem
nordkoreanischen Pjöngjang begann. Und es scheint mir das Dickste und Beste der Drei zu sein! Von daher meine empfohlene Lesereihenfolge 1. Birma,
2. Pjöngjang, 3. Shenzhen.
Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen
jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine
zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie
Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben
koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen
fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher
Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine
Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens
gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu
den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese.
- 17.12.2009