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von Daniel Wüllner Sonntag, 28. März 2010


 Diesen Frühling öffnet der Reprodukt Verlag wieder einmal die Tore des Donjon und lädt deutsche Leser zu den Abenteuern der diversen Zeitstränge von Joann Sfars und Lewis Trondheims Fantasiewelt ein. Leider ist der Ausflug in die Vergangenheit des Donjons mit Der Letzte Ritter keine erzählerische Perle, sondern eher eine Murmel.

Wieder einmal hat die Rotation der Künstler der grafischen Qualität der Comicserie keinen Abbruch getan. Christophe Gaultier reiht sich mühelos in die Liste der Donjon-Zeichner ein. Zwar gelingt ihm nicht die lustvolle Körperlichkeit im Stile seines Namensvetters Blain, aber dafür weisen sein Strich und seine Schattierungen die Qualitäten auf, die das dunkle "Morgengrauen"-Kapitel deutlich von den beiden anderen Donjon-Zeitsträngen abhebt. Zwielichtige Kerker, düstere Gassen und verfallende Gemäuer schaffen eine atmosphärische Grundlage für die Erzählung.

Düsteres SettingWas aber haben sich Sfar und Trondheim bei dieser Geschichte gedacht? Nichts spricht gegen einen kleinen Ausflug, gegen ein Abenteuer abseits des großen Donjons. Genervt von seinem Sohn Hyazinth macht sich dessen Vater Arakou de Cavallèrre auf, um alte Freunde zu treffen und sich zu vergewissern, dass die gute alte Zeit noch nicht vorbei ist. Den beiden Autoren scheint aber nicht ganz klar zu sein, wohin die Reise führen soll. Zeitgleich regt sich die Korruption in den Ruinen der Stadt Antipolis wieder. Am Ende ist es allein dieser mit elf Seiten stiefmütterlich behandelten Parallelhandlung zu Gute zu halten, dass das Abenteuer die Haupthandlung doch noch voranbringt.

Erst gegen Mitte des Comics haben sich Sfar und Trondheim daran erinnert, dass die "Morgengrauen"-Reihe ja die mit der ganzen Brutalität und der Fleischeslust ist. Also wird kurzerhand mal eine Hand abgehackt: Ein Akt, der in der Handlung ebenso unnötig ist wie für das Konzept, das hinter dieser Körperlichkeit steht. Wie in den Filmen von Quentin Tarantino wird die übermäßige Verwendung von Gewalt zu einer Form der Kommunikation. Von rotem Saft und fliegenden Fäusten überladene Seiten führen zu einer Übersättigung, die zur Reflexion über dieses Stilmittel anregt. Abgetrennt von dem eigentlichen Sinn und Zweck verhalllen die Stimmen  des Einhändigen und seiner abgetrennten Hand irgendwo in einem abgelegenen Teil des Schlosses, wie ein schlechter Witz.

Stiefmütterliche behandelte NebenhandlungAuch der restliche Humor des Albums hält sich in  eng gesteckten Grenzen. Wie kann man ernsthaft einen Charakter ins Feld ziehen lassen, der sich Miguel nennt und der dem gegen Windmühlen kämpfenden Ritter Don Quijote aus der Feder von Miguel Cervantes aufs Haar gleicht? Die Verwendung einer literarischen Vorlage als comic relief ist natürlich nicht verboten. Er begleitet die Protagonisten als Nebenfigur und macht brav seine Witze. Aber von Erleichterung durch Komik kann keine Rede sein, wenn die Figur selbst die Anspannung erzeugt. Auf ungefähr jeder vierten Seite wird man mit denselben abgedroschenen Witzen von der unsichtbaren Geliebten gebeutelt.

Einziger Hoffnungsschimmer ist die Figur der Alexandra, die mit ihrer kaltblütigen Art und ihrer unerbittlichen Fürsorge für Hyazinths Vater dem Comic eine wohltuende Ambiguität verleiht, die sonst an allen anderen Stellen fehlt. Vielleicht wäre es angebracht, nicht nur bei den Zeichnern zu rotieren, um mal ein wenig frischen Wind durchs Gemäuer wehen zu lassen.


Donjon -83 - Der letzte Ritter
Reprodukt, März 2010
Text: Lewis Trondheim und Joann Sfar
Zeichnungen: Christophe Gaultier

Softcover; 48 Seiten; 12,00 Euro
ISBN: 978-3-941099-34-0

  
Grafisch: ohne Furcht und Tadel; Erzählerisch: unbefriedigend.


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Abbildungen: © Reprodukt



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