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von Jons Marek Schiemann Dienstag, 30. März 2010


 Das Cover gibt das Programm vor: oben ein grimmiger, behelmter Kopf und unten eine Kutsche in wilder Fahrt durch einen Canyon. Dort ein Zwerg und hier eine Westernkulisse. Beim Lesen entpuppt sich der Band auch als eine Mischung der zwei Filme Herr der Ringe und Zwei glorreiche Halunken. Aus Herr der Ringe ist die äußerliche Ahnlehnung des Zwerges an seinen „Kollegen“ Gimli und der klassische Western von Sergio Leone mit Clint Eastwood wird nicht nur auf den Handlungsebenen zitiert, sondern auch in  den Dialogen.

Dass die Halbelfe Laam den Oger Frozen, den letzten seiner Art, in Dörfern verkauft, damit die Bewohner ihn dort für magische Rituale töten können, findet im Western seine Übereinstimmung. Dort wird Eli Wallach von Kopfgeldjäger Clint Eastwood gegen Bezahlung an den Sheriff ausgeliefert und wieder befreit, worauf sich beide das Geld teilen. Ebenso wird es im Comic gehandhabt. Auch die Kleidung der Halbelfe erinnert an einen Western (und an den Comic Dead Hunter).

 Im Laufe des Bandes bildet sich folgende Konstellation heraus: Verschiedene Parteien, die sich alle nicht leiden können, sind auf der Suche nach einem Schatz. Dieser besteht aus den Knochen eines einst  sehr mächtigen Zauberers, welche ihren Besitzern unvorstellbare Macht geben sollen. Der Zwerg, Sadwin, ist ein abgesetzter König seines Volkes und will die Gebeine, um seine Macht wiederherzustellen. Ihn begleitet, teilweise unfreiwillig, ein Zauberer. Die Halbelfe hat hingegen nur Geld im Sinn und der Oger mit  seinen suizidalen Neigungen sieht es eventuell als Chance, endlich zu sterben.

Wem diese Mischung etwas krude vorkommt, sei beruhigt: es funktioniert. Großen Anteil daran hat die Verbindung von Gewalt und (schwarzem) Humor, wie sie ähnlich auch in Lanfeust von Troy zu finden ist. Aus dieser Anlehnung wird kein Hehl gemacht: Wer genau hinschaut, kann in einem Panel sogar Lanfeust entdecken und wenig später auch dessen Freundin Cixi.

 Vor allem die liebevollen Details erinnern nicht nur an den Autor Arleston, sondern lassen auch manche Ungelenkheiten der Zeichnungen vergessen. Die Füße mancher Protagonisten sind etwas klobig geraten. Aber die Details, wie zum Beispiel die herunterhängenden Hutkrempen, die Vogelscheiße auffangen, sind klasse und machen das Lesen des Bandes zu einem Genuss. Allein der glücklich vollgefressene Gesichtsausdruck einer Katze ziemlich zu Beginn ist hinreißend. Ungewöhnlich auch, dass (zumindest in diesem Band) ausgerechnet die Frau die „Schurkin“ ist. Was aber kein Nachteil ist, denn durch die Verwendung von Klischees zweier Genres, eben Fantasy und Western, werden ebendiese Klischees ausgehebelt.


Das Reich Sienn 1 - Yarligs Erbe
Splitter Verlag, Februar 2010
Text: Jean-Luc Istin/ Nicolas Pona
Zeichnungen: Francois Gomes
Hardcover, 56 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-094-1


Gut

Eine funktionierende Vermischung von Fantasy und Western. Fans von Lanfeust von Troy sollten zugreifen.

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Abbildungen © Splitter Verlag



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