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15.02.2012
(Signierstunde)
von Jons Marek Schiemann Freitag, 26. März 2010
Einer der Gründe, warum die Steinzeit popkulturell meist ignoriert wird, mag wohl sein, dass aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse erhalten sind, die auch Nicht-Archäologen und Nicht-Paläontologen das Leben dieser Menschen, oder besser Halb-Menschen, näher bringen könnten. Insofern bleibt viel Spielraum, der gefüllt werden muss. Und zwar mit Anleihen aus anderen Kulturkreisen. So erinnern manche Passagen in der Comicserie Neandertal an das Gedankengut der Indianer oder an andere Naturvölker mit ihrem animistischen Glauben und Fetischen, Clanbildung, etc. Diese Übernahme ist zwar sinnvoll und auch glaubhaft, wirkt aber gewissermaßen hilflos. Ein Eklektizismus der Naturvölker, angewandt auf die Steinzeit, weil man sich anders nicht zu helfen weiß. Nach dem ersten Band scheint Roudier Kritik erfahren zu haben, dass er die Protagonisten mit moderner Sprache ausgestattet hat. Diesen Entgegnungen bietet er im Nachwort zum zweiten Band Paroli und entkräftet damit diese Vorwürfe.
Die Story ist in ihren Grundzügen nicht wirklich neu: Ein Außenseiter seines Stammes (der aufgrund einer körperlichen Behinderung nicht in der Lage ist zu jagen, dafür aber eine Begabung für das Handwerkliche besitzt) wird durch Schicksalswendungen zum Helden. Dieser Außenseiter, Laghou, und seine Brüder bekommen von ihrem sterbenden Vater den Auftrag, einen mächtigen Bison, genannt Langbart, zu erlegen. Ansonsten solle sie der Fluch der Geister treffen. Während der Jagd wird einer der Brüder von den anderen ermordet. Laghou, der Zeuge des Mordes wird, verlässt den Stamm, um den sagenumworbenen Jagdkristall zu erwerben, mit dem er Langbart töten und endlich Ansehen erlangen will. Bei dem Stamm des Mondes angekommen, soll er zunächst Prüfungen bestehen, bevor er den Kristall bekommen kann. Mit der jungen Frau Mana begibt er sich zum Stamm des Mooses, um dort ein Mittel gegen eine Seuche zu erlangen. Auf dem Weg finden sie nicht nur neue Freunde, sondern müssen auch gegen eine feindliche Natur und Kannibalen bestehen.
Die Bausteine von Roudiers Geschichte – ein Außenseiter, der über sich hinauswächst, eine gefahrvolle Reise, Exotik, Prüfung, weise Lehrer, zarte Liebe, Schurken – gehören seit alters her zu den Archetypen aller kulturellen Erzeugnisse. Mit dem Hintergrund der Steinzeit werden sie quasi „heimgeholt". In groben Zügen ist das zwar nicht neu, aber dennoch spannend und interessant zu lesen, da man der – mögliche – Gedanken- und Lebenswelt der Neandertaler im Abenteuergewand näher kommen kann. Im Laufe der Reise werden auch Grundsteine für eine wegweisende Zukunft gelegt: die Zivilisation. Wölfe werden domestiziert, Clans tauschen Wissen und Mitglieder aus und verbünden sich gegenüber einen gemeinsamen Feind. Man kann sehr gespannt sein, wie die Serie im dritten Band abgeschlossen wird.

Ein vernachlässigtes Kapitel der Geschichte solide im Abenteuergewand umgesetzt, in der ein gewisses Maß an Hilflosigkeit gegenüber dem Hintergrund zu spüren ist. Dennoch empfehlenswert.
Neandertal 1: Der Jagdkristall
Text / Zeichnungen: Emmanuel Roudier
Splitter Verlag, November 2008
56 Seiten, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-940864-86-4
Neandertal 2: Der Lebenstrank
Text / Zeichnungen: Emmanuel Roudier
Splitter Verlag, Februar 2010
56 Seiten, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-940864-87-1
Abbildungen: © Splitter Verlag















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Schlachtszenen haben David B.
schon immer besonders fasziniert, das weiß man spätestens seit seinem
autobiografischen Werk
„Geboren aus den Wikingersagen und der Musik von Richard Wagner“ verrät der Rücken dieses Albums und man kann sich
bestens vorstellen, wie der Zeichner Alex Alice in stürmischer Nacht in seinem
Atelier saß, die Stereoanlage mit Wagners musikalischer Vertonung des
Nibelungenstoffs voll aufgedreht hatte und sein Zeichenstift Leben in
die alten Sagen brachte. Die Bilder, die der französische Künstler
schuf, sind – ganz dem Stoff angemessen – episch und kraftvoll. Da
stöbern wild die Schneeflocken, wallt und wabert der Nebel und zucken
die Blitze, dass es eine Freude ist.
Was sich in Band 1, „Ruhe vor dem Sturm“, bereits angekündigt hat, wird in den beiden abschließenden Bänden der Jeronimus-Trilogie blutige Gewissheit. Diese spinnen die Verwandlung des titelgebenden Jeronimus Cornelisz weiter, eines Apothekers, der im 17. Jahrhundert als Unterkaufmann auf dem Handelsschiff Batavia anheuert.
- 28.10.2010
Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds:
Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin
Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für
Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder
Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als
Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige
Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim
Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt.
- 06.11.2009
Hier liegt mal wieder ein richtig gelungenes Cover vor. Es ist sehr stimmungsvoll und passend zum Inhalt. Beherrscht wird es von grimmig aussehenden, schwer bewaffneten Männern, welche eine zierliche junge Frau schon fast aus dem Bild drängen. Diese lächelt geheimnisvoll und steht ziemlich unbeeindruckt und entspannt gegenüber diesen waffenstarrenden Machos. Und wer genau hinsieht, kann entdecken, dass sie auf dem Mittelfinger der hinter dem Rücken gehaltenen Hand einen Schmetterling balanciert. Äußerste Zartheit und Zerbrechlichkeit steht einer geballten destruktiven Kraft gegenüber. Ein hervorragendes Titelbild, welches sehr gut die bedrohliche, aber auch zarte und heitere Stimmung des Bandes trifft.