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von Benjamin Vogt Dienstag, 16. März 2010
Doch in welche Richtung hat sich Fructus' Geschichte in den beiden Folgebänden „Die Sogromzüchter“ und „Der vertikale Kaiser“ weiterbewegt? Vor allen Dingen dringt man als Leser immer tiefer in die gesellschaftlichen Strukturen von Thorinth ein. Man lernt Herrscher, Intriganten und Gruppierungen kennen und bekommt Ansätze von größeren Zusammenhängen geliefert. In diesem Zuge tritt auch, vor allem in Band 3, der nicht näher benannte Hauptakteur der Reihe und dessen eigentliche Rettungsmission gleich mit ihm in den Hintergrund. Das hat auch damit zu tun, dass er die Frau, die er im Turm suchte, findet. Unnötig zu erwähnen, dass die Geschichte damit nicht so einfach zu einem Happy End kommt. Tatsächlich spielt die Geliebte eine entscheidende Rolle in einem sich anbahnenden Konflikt, der wohl erst in den beiden noch ausstehenden Alben weiter entfaltet wird.
Um aber keine voreiligen Schlüsse zuzulassen: Thorinth ist und bleibt
storytechnisch völlig verwirrend und damit einhergehend aus meiner Sicht auch
mangelhaft. Nicolas Fructus liefert einerseits Antworten, ohne aber präzise zu
werden. Vielmehr sorgen stets neu eingeführte Charaktere und Lokalitäten für
für eine bedenkliche hohe Anhäufung von Fragezeichen beim Lesen. Das sorgt schnell
für Frustration.
Zumindest sagt mir mein Gefühl nach drei von fünf Bänden, dass hier vielleicht etwas weniger mehr gewesen wäre. Fructus überlädt seine grafisch anspruchsvollen Bilder mit zuviel Inhalt. Zugegeben, ein überbordender Plot lässt sich aufgrund der schrägen Thematik, Fantasy als Psychotrip, nicht gänzlich vermeiden, aber wenn man als Leser fast überhaupt keinen Sinn mehr herausdestillieren kann, dann muss man als Künstler seinen Comic schon sehr geschickt gestalten, sonst langweilt er auf Dauer. Und leider hat Thorinth diesen Zustand bei mir mittlerweile erreicht.
Optisch überzeugt die Reihe nach wie vor, die Zeichnungen sind es
schließlich auch, die allein beim Durchblättern relativ klar darauf hin deuten,
dass man ein Fantasywerk vor sich hat. Strukturell wird aber nach meinem
Empfinden auch bei konkreter Beschäftigung mit dem Comic die Chance verpasst,
den letzten Schritt auf eine surreale Ebene zu wagen. Thorinth nähert sich
dieser grundlegend schon, immerhin jongliert es thematisch etwa mit
Seelenfressern, Bewusstseinsforschung oder psychoaktive Drogen. Ein Mix, der
prädestiniert scheint, um in völlig unerwarteter Weise mit dem Fantasygenre zu brechen oder dieses
zumindest ad absurdum zu führen. Schade eigentlich, dass dies nicht geschieht und diesem
ambitionierten Projekt dadurch der entscheidende Kick fehlt.
Optisch brilliert die Serie weiterhin, aber der undurchsichtige Plot sorgt schnell für Überforderung
Thorinth 2: Die Sogromzüchter
Splitter, Dezember 2009
Text/Zeichnungen: Nicolas Fructus
56 Seiten, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-033-0
Thorinth 3: Der vertikale
Kaiser
Splitter, Februar 2010
Text/Zeichnungen: Nicolas Fructus
56 Seiten, Hardcover, 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-034-7
Abbildungen: © Splitter Verlag















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In einer düsteren Zukunftsgesellschaft lebt und arbeitet der
exzentrische Sir Crumpett's in seiner großen Kathedrale. Es ist die vielleicht
letzte Bastion eines kunstfertigen Handwerks, das die ungezügelte und brutale
Welt außerhalb der Kathedrale auch Jahrhunderte nach dem Gelobten Jahr
überdauert. Denn Crumpett's ist ein Automatenbauer, d.h. er fertigt märchenhafte
Wesen, halb Puppe, halb Roboter, an und erweckt sie zum Leben. Seit 60 Jahren
treibt ihn das Bestreben an, der Welt jenen verlorengegangenen, reinen Zustand
der Magie wiederzugeben, den er in den möglichen Feenaugen seiner Automaten vermutet.
- 22.11.2008
Eines muss man sich hier direkt staunend vor Augen halten: Annas Paradies ist die erste Serie von Daniel Schreiber. Ursprünglich war die Geschichte als Film geplant. Als Schreiber aber neue Ideen kamen, arbeitete er das Drehbuch in ein Comicskript um und realisierte so seine erste Serie. Gänzlich unerfahren ist der Autor im graphischen Bereich nicht, da er schließlich schon seit 15 Jahren als Illustrator arbeitet. Aber in dieser engen Text-/Bildkombination, wie es in einem Comic nun mal der Fall ist, hatte er bislang noch nicht gearbeitet.
Als 1992 mit „Enola Gay“ das erste Jessica Blandy-Album in Deutschland erschien, war nach diesem einen Band auch gleich wieder Schluss. Nun unternimmt der Verlag Schreiber & Leser einen zweiten Anlauf, diesen Klassiker des franko-belgischen Comics in einer kompakten Ausgabe herauszubringen. Dabei sammelt jeder Band drei einzelne Alben der Serie. Im nun vorliegenden zweiten Band der Werkausgabe sind die Stories „Blue Nights“, „El Zamuro“ und „The Girl from Ipanema“ enthalten.
In der Werkausgabe von Jean Dufaux' Jessica Blandy bei Schreiber & Leser liegt mittlerweile der dritte Band vor. Diesmal sind sogar gleich vier Abenteuer enthalten, wobei nur zwei inhaltlich eng zusammen gehören. Alle Stories sind dabei deutsche Erstveröffentlichungen.
In der Rezension zum ersten Band der Fantasyserie vom umtriebigen französischen Comicszenaristen Gaudin (u.a. Marlysa und Die Seuche) und Zeichner-Neuling Armand schrieb ich unter anderem, der Comic sei "nett" – sowohl im Sinne von "sympathisch und ansprechend" als auch "mittelmäßig und unoriginell". Im zweiten Band überwiegen leider die letzten beiden Attribute.