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von Daniel Wüllner
Sonntag, 14. Februar 2010

Graphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint
ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics
für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht
gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics
Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der
Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen
Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien
und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der
gerade bei Panini erschienene Comic
Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von
Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash.
.

Im Jahr 1928, drei Jahre vor der ersten Veröffentlichung von
Conan, erschuf der Autor Robert E. Howard für das Pulp-Magazin
Wierd Tales
die Figur des Solomon Kane, eines düsteren Puritaners. Statt in einer
getexten Welt auf dem billigen Papier der Pulps erscheint Gottes
dunkler Vollstrecker nun in farbigen Hochglanzbildern. Geblieben sind
aber die herrlich skurrilen Geschichten über Helden, Dämonen und
fernöstliche Prinzessinnen. Bereits in den 1970ern und 1980er
veröffentlichte Marvel Comics mit dem Puritaner. Doch erst
Solomon Kane: Schloss des Teufels, auf Englisch bei Dark Horse erschienen, führt den in Vergessenheit geraten Helden wieder in unsere Populärkultur ein.

Nicht
so bekannt und muskelbepackt wie Howards schwertschwingender Barbar
Conan kommt Solomon Kane inklusive reichhaltigem Arsenal an Waffen und
festen Glauben daher. Mit Schwertern und Pistolen predigt der
Einzelgänger den Menschen des 16. Jahrhunderts äußerst überzeugend
eine gottesfürchtige Lebensweise. Ebenso zielgerichtet wie sein Protagonist
präsentiert Autor Scott Allie (
The Devil’s Footprints) die Comicadaption der ersten
Solomon Kane-Geschichte.
Doch nicht nur die Pulp-Tradition mit ihren Monstern und Dämonen findet
sich im Comic wieder: Die Verwendung von vielen Textbalken mag auf den
ersten Blick nervig wirken, doch erinnern diese Texte bei näherem
Hinsehen an das Voice-Over aus Filmen des Film Noir. Diese Beschreibungen aus der dritten Person heraus geben dem Comic diesen gewissen Touch von Hard-Boiled-Fiction.

Lässig wie
eine gläubige Planierraupe wütet Solomon Kane unter den intrigierenden
Dämonen, den skrupellosen Dieben und den hörigen Gefolgsleuten. Die
Zeichnungen des Mexikaners Mario Guevara (
The Lone Ranger and Tonto)
sind nicht unbedingt großartig, doch sie unterstreichen gut die düstere
Stimmung des Comics. Die starken Schraffuren in den Gesichtern der
Figuren und die vielen Faltenwürfe ihrer Gewänder verschleiern perfekt
ihre böse Machenschaften. Was aber den grafischen Schund ausmacht, ist
die maßlose Übertreibung: Wie mit einem Stock durch Zuckerwatte fährt
der Stahl des Puritaners durch Dämonen und Diebe, einfach gnadenlos
durch jeden, der gesündigt hat. Guevara lässt an den richtigen Stellen
gezielt Blut und Gedärme durch die Luft fliegen. Auch wenn die
Kampfszenen im Mittelteil etwas statisch wirken und erst gegen Ende
wieder mehr Dynamik aufnehmen, so ist die Darstellung im Comic auf eine
perfide Weise unterhaltsam. Schund eben.
Solomon Kane ist sicherlich keine Graphic Novel.
Solomon Kane
bietet auch nicht viel Tiefgründiges oder gar überraschende Wendungen
in der Handlung. Howards gläubiger Held wird aber durch diese
Veröffentlichung aus dem Reich der Toten, der
Wierd Tales,
zurückgeholt, um uns zu unterhalten. Diese Aufgabe erfüllt er sehr
gewissenhaft. Man muss sich sicherlich nicht schämen, wenn man die Graphic
Novel bei Seite legt und sich etwas derben Schund zu Gemüte führt.
Solomon Kane: Schloss des Teufels
Panini Comics, Januar 2010
Text: Scott Allie
Zeichnungen: Mario Guevara
Softcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN: 978-3866078901
Gelungene Wiederbelebung eines Pulp-Helden
Abbildungen © Mario Guevara/Panini Comics
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Salutes From Southamerica Venezuela