Partner von Fantastic Zero
Aktuelle Rezensionen


Marvel Noir - Wolverine


Gift


Heiligtum 1 - USS Nebraska


Faust - Der Tragödie erster Teil


Die Bielefeld Verschwörung


R.I.P. Best Of 1985-2004


Ein Zoo im Winter


Bravesland 1 - Constant


Comix 1


Auf dunklen Wegen 1
Anzeige
Home arrow Rezensionen arrow ausführlich arrow Solomon Kane - Schloss des Teufels  
Solomon Kane - Schloss des Teufels Drucken E-Mail
Geschrieben von Daniel Wüllner   
Sonntag, 14. Februar 2010


Solomon Kane: Schloss des TeufelsGraphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash. .

Die zarteste VersuchungIm Jahr 1928, drei Jahre vor der ersten Veröffentlichung von Conan, erschuf der Autor Robert E. Howard für das Pulp-Magazin Wierd Tales die Figur des Solomon Kane, eines düsteren Puritaners. Statt in einer getexten Welt auf dem billigen Papier der Pulps erscheint Gottes dunkler Vollstrecker nun in farbigen Hochglanzbildern. Geblieben sind aber die herrlich skurrilen Geschichten über Helden, Dämonen und fernöstliche Prinzessinnen. Bereits in den 1970ern und 1980er veröffentlichte Marvel Comics mit dem Puritaner. Doch erst Solomon Kane: Schloss des Teufels, auf Englisch bei Dark Horse erschienen, führt den in Vergessenheit geraten Helden wieder in unsere Populärkultur ein.

Jede Menge Voice-OverNicht so bekannt und muskelbepackt wie Howards schwertschwingender Barbar Conan kommt Solomon Kane inklusive reichhaltigem Arsenal an Waffen und festen Glauben daher. Mit Schwertern und Pistolen predigt der Einzelgänger den Menschen des 16. Jahrhunderts äußerst überzeugend eine gottesfürchtige Lebensweise. Ebenso zielgerichtet wie sein Protagonist  präsentiert Autor Scott Allie (The Devil’s Footprints) die Comicadaption der ersten Solomon Kane-Geschichte. Doch nicht nur die Pulp-Tradition mit ihren Monstern und Dämonen findet sich im Comic wieder: Die Verwendung von vielen Textbalken mag auf den ersten Blick nervig wirken, doch erinnern diese Texte bei näherem Hinsehen an das Voice-Over aus Filmen des Film Noir. Diese Beschreibungen aus der dritten Person heraus geben dem Comic  diesen gewissen Touch von Hard-Boiled-Fiction.

Wie ZuckerwatteLässig wie eine gläubige Planierraupe wütet Solomon Kane unter den intrigierenden Dämonen, den skrupellosen Dieben und den hörigen Gefolgsleuten. Die Zeichnungen des Mexikaners Mario Guevara (The Lone Ranger and Tonto) sind nicht unbedingt großartig, doch sie unterstreichen gut die düstere Stimmung des Comics. Die starken Schraffuren in den Gesichtern der Figuren und die vielen Faltenwürfe ihrer Gewänder verschleiern perfekt ihre böse Machenschaften. Was aber den grafischen Schund ausmacht, ist die maßlose Übertreibung: Wie mit einem Stock durch Zuckerwatte fährt der Stahl des Puritaners durch Dämonen und Diebe, einfach gnadenlos durch jeden, der gesündigt hat. Guevara lässt an den richtigen Stellen gezielt Blut und Gedärme durch die Luft fliegen. Auch wenn die Kampfszenen im Mittelteil etwas statisch wirken und erst gegen Ende wieder mehr Dynamik aufnehmen, so ist die Darstellung im Comic auf eine perfide Weise unterhaltsam. Schund eben.

Solomon Kane ist sicherlich keine Graphic Novel. Solomon Kane bietet auch nicht viel Tiefgründiges oder gar überraschende Wendungen in der Handlung. Howards gläubiger Held wird aber durch diese Veröffentlichung aus dem Reich der Toten, der Wierd Tales, zurückgeholt, um uns zu unterhalten. Diese Aufgabe erfüllt er sehr gewissenhaft. Man muss sich sicherlich nicht schämen, wenn man die Graphic Novel bei Seite legt und sich etwas derben Schund zu Gemüte führt.



Solomon Kane: Schloss des Teufels
Panini Comics, Januar 2010
Text: Scott
Allie
Zeichnungen: Mario Guevara
Softcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN: 978-3866078901
Ganz okay
Gelungene Wiederbelebung eines Pulp-Helden


Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen © Mario Guevara/Panini Comics


Kommentare (2)add comment

John Mulder said:

...
Zeichnungen: Michael Guevara Is Mario Guevara Dudes, Fix The Info

Salutes From Southamerica Venezuela
27. Mai 2010, 16:40 | url

Frauke said:

...
Thanks for the comment. Name is fixed.
29. Mai 2010, 12:37 | url

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den obenstehenden Code eingeben:


busy
Ähnliche Artikel:
Miss Endicott 1: Die Vergessenen
 Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds: Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt.
Marvel/Top Cow Crossover 1
 Crossover unterschiedlicher Verlage sind ja schon eine Sache für sich. Denn allzu häufig fällt den verantwortlichen Schreibern nicht viel mehr ein als das klassische Muster, bei dem sich zwei Helden oder Superteams begegnen, sich durch ein Missverständnis einen Kampf liefern, nur um sich dann schlussendlich gegen die echten Bösewichter zu verbünden. Viel anders läuft es auch im vorliegenden ersten Sammelband von Marvel/Top Cow Crossover nicht ab.
Queen & Country 8 - Operation: Red Panda
 Queen & Country spielt im Geheimdienstmilieu. Es ist aber kein James-Bond-Verschnitt, sondern zieht seinen Reiz gerade aus dem Gegenteil davon. Keine Hochglanz-Szenarien und keine technischen Gimmicks; stattdessen desillusionierte Spione, die oftmals in moralischen Zwickmühlen stecken und Figuren auf dem Schachbrett der internationalen Politik sind.
Mit diesem Band endet der erste Handlungsbogen der hochgelobten Serie um Tara Chace, Geheimdienstmitarbeiterin im Dienste ihrer Majestät.
Storm 1 und 23
 Nach längerem Hickhack hinter den Kulissen war Ende des vergangenen Jahres der Weg frei für die deutsche Version einer Gesamtausgabe der Abenteuerserie Storm, die urspünglich aus den Niederlanden stammt. Die Albenreihe lief von den späten 70er Jahren bis weit in die 90er und lebte vor allem vom detailreichen Artwork des englischen Zeichners Don Lawrence. Gute vier Jahre nach dessen Tod erscheint nun eine edle Neuauflage und gleichzeitig ein neues Album mit einem neuen Zeichnerteam.
Der Herr der Finsternis
 Die fantasiereiche Welt von Dyfed steht vor einer unheimlichen Bedrohung: Fedath, der Herr der Finsternis, stürzt mit einer enorm großen Armee von Orks und anderen bösen Gestalten die Länder in den Krieg. Verbündete Menschen, Elfen und Zwerge stellen sich dem übermächtigen Gegner in den Weg und verteidigen ihre Gebiete in großen Schlachten. An ihrer Seite kämpft auch Bran, ein weiser Magier, der  letzte der Ravenfelds. Dieser begibt sich auf die Suche nach einem mysteriösen Buch, das den Schlüssel zum Sieg gegen Fedath beinhalten soll.
 
Anzeige