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von Thomas Kögel Mittwoch, 06. Januar 2010
Paranormale Phänomene stehen im Mittelpunkt dieses Mystery-Thrillers, der seinen Ausgang bei einem Terroranschlag auf ein Einkaufszentrum in einer amerikanischen Stadt nimmt. Ein kleines Mädchen namens Margaret wird bewusstlos, aber äußerlich völlig unverletzt unter den Trümmern gefunden und soll deshalb in einem Institut für paranormale medizinische Forschung untersucht werden. Die Ärztin, die die Untersuchung leitet, verfügt über telepathische Fähigkeiten. Doch noch viel talentierter auf diesem Gebiet ist ihr Ex-Freund, der Russe Sascha Iablokov. Während die beiden sich mit dem Geheimnis von Margaret beschäftigen, ist die Polizei auf der Suche nach dem Attentäter. Dabei ermittelt sie auch im Milieu der jugendlichen Streetgangs, die kurz nach dem Anschlag Zulauf bekommen: Wie aus dem Nichts taucht bei diesen Straßenkids ein blondes Mädchen auf, dass kein Wort spricht, aber scheinbar Lucie heißt. Und dann interessiert sich auch noch die Religionsgemeinschaft "Church of God" für die Vorfälle.
A propos Format: Im Original erschien Le Monde de Lucie zunächst in einer für Frankreich recht ungewöhnlichen Form, nämlich als Heft im Viertel-Jahres-Takt in der "Collection 32" beim Verlag Futuropolis. Diese Verlagsschiene wurde jedoch eingestellt, so dass die Serie später zum Albenformat wechselte. Noch ist die Reihe in Frankreich nicht abgeschlossen, so dass es noch eine Weile dauern wird, bis der zweite und letzte Band bei uns erscheinen kann.
Wie man Die Welt von Lucie letztlich beurteilt, hängt wohl stark davon ab, welches Verhältnis man zur Parapsychologie, zu übernatürlichen Phänomenen wie Telepathie, Levitation oder Poltergeistern hat. Zwar muss man kein beinharter Uri-Geller-Fan sein, um Gefallen an dem Comic zu finden, denn Autor Kris liefert eine handwerklich sehr solide und spannende Geschichte ab. Der Zugang wird jedoch deutlich leichter fallen, wenn man eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber dem Thema mitbringt. Ich persönlich tue mich jedenfalls ziemlich schwer, Figuren ernst zu nehmen, die von Dingen reden, die ich für Hokuspokus und Aberglauben halte.
Was der Welt von Lucie womöglich fehlt, sind klare, sympathische Identifikationsfiguren, die den Leser an die Hand nehmen und ihn auch durch unglaubwürdige Elemente führen können. In etwa so, wie Mulder und Scully das in Akte X getan haben. Hier gibt es stattdessen ein großes Ensemble von Figuren, von denen keine eindeutig im Zentrum steht – und die meisten von ihnen sind eher zwielichtig als sympathisch.
Trotz dieser Schwächen bleibt unterm Strich ein spannender, komplex gewebter Comic-Thriller, bei dem zwar viele Fragen offen bleiben, dem aber durchaus zuzutrauen ist, dass er sie im Abschlussband zufriedenstellend lösen wird.
DIe Welt von Lucie 1: Und warum nicht die Hölle ...
Splitter Verlag, Dezember 2009
Text: Kris
Zeichnungen: Guillaume Martinez
144 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, farbig; 19,80 Euro.
ISBN: 978-3-86869-097-2

Abbildungen: © Splitter Verlag
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