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Canoe Bay Drucken
Geschrieben von Benjamin Vogt   
Samstag, 9. Januar 2010
Der umfangreiche Einzelband Canoe Bay ist canoe1.jpgein typisches Beispiel für einen Comic, bei dem sich der Leser anschließend wohl noch lange an die faszinierenden Bilder, dafür umso weniger an die seichte Story erinnern wird. Das ist umso bedauerlicher, da dieser Band mit einer entsprechend nachhaltigen Erzählung durchaus das Zeug zu einem der Topalben der letzten Jahre gehabt hätte.

Verantwortlich für die Textarbeit ist Tiburce Oger (u.a. Gorn), der in Canoe Bay die Geschichte eines kleinen Jungen zur Kolonialzeit erzählt. Im 18. Jahrhundert herrscht gerade die Fehde zwischen Franzosen und Briten auf dem nordamerikanischen Kontinent und indianische Stämme bekämpfen oder unterstützen die eine oder die andere Seite. Gefangengenommen und als Schiffsjunge auf einem britischen Schiff eingesetzt, gerät der Waisenjunge Jack unvermittelt in eine vom Piraten John Place angezettelte Meuterei. Fortan auf der Flucht vor den eigenen Landsmännern, begibt sich die abtrünnige Gruppierung auf die Suche nach einem legendären Schatz.

 Die Idee, die sich hinter dieser Handlung verbirgt, ist sicherlich nicht übel. Und auch die Umsetzung funktioniert für eine stringente Piratenstory. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass man das alles irgendwie in ähnlicher Form bereits kennt: die Perspektive durch die Augen eines unschuldigen Kindes, ein kauziger Pirat, das große Abenteuer auf einem Segelschiff. Nicht, dass diese Elemente, auch gerne in Kombination, per se unantastbar für einen guten Comic wären, aber leider gelingt es Tiburce Oger hier nicht wirklich, dem Leser viel zu vermitteln. Vielmehr ebbt die Geschichte so flau ab wie sie begann und weiß keine übermäßige Spannung zu erzeugen. Canoe Bay kratzt an der Oberfläche, an den Gefahren der Neuen Welt Amerika, an einer historischen Thematik, die leicht konfus rübergebracht wird und deren Herausarbeitung  im Zuge der allzu aufgesetzten Schatzsuche stecken bleibt.

Das alles müsste man aber ehrlich gesagt gar nicht mit so kritischem Auge sehen, wenn die zeichnerische Qualität nicht so hervorstechen würde. Im Zusammenspiel mit den aquarellfarbenen Gemälden von Patrick Prugne verblasst die Story schlichtweg. Selten gab es in einem Comic auf diese Weise so spektakuläre Bilder. Wenn scheue Rehe in einer Waldlichtung Nahrung suchen und die Melancholie dieser Szene durch einen heranstürmenden Menschen gebrochen wird, als Kulisse ein unnachahmliches Farbenspiel aus Grün und Braun, das den Wald noch lebendiger erscheinen lässt, dann ist das ganz großes Kino. Und das ist nur die Inhaltsbeschreibung der ersten Seite, man kann sich also vorstellen, in welch euphorischen Zustand man bei weiteren Seiten noch so geraten mag. Prugne versteht es perfekt, Landschaften für sich zu vereinnahmen, aber auch das Leben der Ureinwohner Amerikas hat er prägnant getroffen und porträtiert es auf beeindruckende Weise. Voller Anmut schreiten sie durch die Natur oder erspähen schon von weitem ankommende Schiffe. Die Farbpalette, die hier innerhalb eines Panels zum Einsatz kommt, scheint schier unendlich. Und trotz weiter, offener Kolorierung wurden die agierenden Personen stets mit ganz feinen Konturen gezeichnet und in das Gesamtbild stimmig eingefügt.

 Ganze 25 Bonusseiten in diesem Album sind dann auch der großen Kunst von Patrick Prugne gewidmet, gefüllt mit Skizzenmaterial und Erläuterungen. Dabei bekommt man auch nochmal einen tieferen Einblick in den Entstehungsprozess von Canoe Bay und darf weitere Bilder des Zeichners, teils skizziert, teils fertig koloriert, bestaunen.

Was bleibt, ist ein Album, das optisch ungemein imposant ist, von dem man aber nicht die innovativste oder bestgestrickte Handlung erwarten sollte. Für das Lesen zwischendurch ist Canoe Bay aber allemal gut.

Canoe Bay
Splitter, Dezember 2009

Autor: Tiburce Oger

Zeichner: Patrick Prugne

104 Seiten, farbig, HC, 22,80 Euro

ISBN 978-3-86869-082-8
 

zeichnerisch brillant, inhaltlich harmlos

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Abbildungen: © Splitter Verlag

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