| Comic 2.0 - Die bunte Welt der digitalen Bildergeschichten |
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| Geschrieben von Frauke | |||||||||||
| Freitag, 8. Januar 2010 | |||||||||||
Zum Beginn des neuen Jahres ist die 106. Ausgabe des Fachmagazins Comixene an Bahnhofskiosken und im Fachhandel erhältlich. Das Titelthema lautet "Comics 2.0 - Die digitale Revolution". Thomas Kögel und Frauke Pfeiffer haben den Großteil des Leitartikels geschrieben. Neben einem umfassenden Überblick über die Entwicklung und das aktuelle Geschehen der digitalen Bilderwelten (zum Beispiel selber publizieren im Internet, Finanzierung, Präsentationsportale, Blick in die USA, Auszeichnungen, Bezahlmodelle, Lesegeräte) haben wir einige Macher befragt und stellen Euch acht Webcomics vor. Wir präsentieren Euch hier als Leseprobe die ersten vier Seiten des 13-seitigen Artikels.UPDATE 14.01.2010: Leseprobe mehr als verdoppelt Comic 2.0 - Die bunte Welt der digitalen Bildergeschichten Als im Jahr 2000 Scott McClouds Buch Reinventing Comics (dt. Comics neu erfinden) auf den Markt kam, erlebte das Internet seinen ersten großen Boom (der wenig später unter dem Namen „DotCom-Blase" sein unrühmliches Ende fand). Es herrschte Goldgräberstimmung im Web, unzählige neue Unternehmen wollten online Geld verdienen, Börsenkurse von Webfirmen stiegen in den Himmel. Es war also naheliegend, dass McCloud dem Internet ein umfangreiches Kapitel widmete. Unter den von ihm postulierten „Zwölf Revolutionen", die den Comic verändern würden, waren „Digital Delivery" und „Digital Comics" zwei zentrale Punkte. Die unbeantwortete Frage, wie ein problemlos funktionierendes Bezahlsystem für digitale Inhalte aussehen könnte, war ihm dabei durchaus bewusst, er zeigte sich aber sehr optimistisch, dass sich hier bald ein guter Weg finden würde. Und wenn dies dann eingetreten sei, man also als Comic-Schaffender von Online-Comics leben könne, wäre der nächste Schritt ein kreativer: Comics könnten sich vom traditionellen Trägermedium Papier lösen und völlig neue Wege gehen. Comic-Geschichten müssten nicht mehr in einzelnen Seiten erzählt werden, zwischen denen der Leser blättert, sondern hätten praktisch eine „unendliche Leinwand" zur Verfügung. Auch das Prinzip des „Links", der den Leser von einem Punkt zum nächsten trägt, könnte auf kreative Weise genutzt werden. McCloud selbst versuchte sich auf seiner Website an digitalen Comics, war damit aber nicht sehr erfolgreich.
Inzwischen ist die DotCom-Blase zwar längst geplatzt, doch heute ist das Internet mehr denn je ein selbstverständlicher Lebensbestandteil für viele Menschen. Die meisten Anwender haben mittlerweile einen breitbandigen, pauschal bezahlten Zugang (Flatrate) und können dadurch ohne zusätzliche Verbindungskosten beliebige Inhalte schnell abrufen. Das macht den Computer zur Medienzentrale, mit dem man Radio hören, fernsehen, telefonieren und Zeitung lesen kann.
Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit
Auffällig ist, dass viele der erfolgreicheren amerikanischen Web-Comics aus einem Szeneumfeld kommen, für das der Computer beziehungsweise das Internet ein zentraler Lebensbestandteil ist. Eisner-Award-Gewinner PvP - Player vs. Player von Scott Kurtz (www.pvponline.com) spielt in der Redaktion einer Computerspiel-Zeitschrift. In Ctrl+Alt+Del von Tim Buckley (www.ctrlaltdel-online.com) sind die Hauptfiguren exzessive Videospieler, ebenso wie in Penny Arcade von Jerry Holkins und Mike Krahulik (www.penny-arcade.com) oder Fred Gallaghers Megatokyo (www.megatokyo.com). Und der Strichmännchen-Comic xkcd von Randall Munroe (www.xkcd.com), einem studierten Physiker, ist thematisch eng mit der Onlinekultur und ihren Phänomenen verknüpft. Diese Comics treffen ihre Zielgruppe dort, wo sie sich ohnehin aufhält. Die genannten Serien gehören zu der kleinen Gruppe von Web-Comics, deren Schöpfer von ihnen leben können - wobei die Comics selbst kostenlos angeboten werden. Beispiel Penny Arcade: Wurden zunächst auf der Website Spenden gesammelt, finanziert sich die Serie mittlerweile durch Werbung und Merchandise (zum Beispiel T-Shirts, Poster und gedruckte Sammelbände). Außerdem werden Holkins und Krahulik von Spiele-Herstellern immer wieder um Promo-Comics zu ihren Spielen gebeten, was natürlich gut bezahlt wird. Mit den vielen Besuchern auf der Penny-Arcade-Website erreichen die Macher eine große Aufmerksamkeit, die sie auf vielerlei Art zu nutzen wissen: Seit 2004 veranstalten sie ein jährliches Festival für Videospielfans namens Penny Arcade Expo (PAX), zu dem 2008 über 58.000 Besucher strömten. Und jedes Jahr zu Weihnachten gibt es die große Spendenaktion Child's Play zu Gunsten von Kinderkrankenhäusern. Hier kamen im letzten Jahr über 1,4 Millionen US-Dollar zusammen.
So bietet Sarah Burrini (www.sarahburrini.com) gegen einen geringen
Obolus Zugang zu Premium-Inhalten wie Desktop-Wallpaper oder den
Entstehungsprozess ihres Hauptprojekts, dem Comic Das Leben ist kein
Ponyhof. Um sich keiner Leserschaft zu verschließen, veröffentlicht sie
ihre Serie gleichzeitig auf Deutsch und Englisch - genauso wie Oliver
Knörzer und Zeichnerin Powree mit ihrer Geschichte über Sandra und
ihren sprechenden Waschbären Woo, die seit etwa einem Jahr online ist
und zweimal pro Woche ein Update erfährt. Nach eigener Aussage hat die
deutschsprachige Version sandraundwoo.de nur drei Prozent der Zugriffe
der englischsprachigen Seite www.sandraandwoo.com. Dies bestätigt die
Vermutung, dass die deutschsprachigen (Web-)Comics in Dingen wie
Bekanntheit und Akzeptanz Jahre hinter der Entwicklung ihrer
US-Äquivalente hinterherhinken.
Die Nadeln im Heuhaufen Den Lesern, die auf die Haptik von Papierseiten verzichten können, erschließt sich indes nicht nur eine günstige Wunderwelt an allen Stilrichtungen und Genres, sondern auch qualitative Berg- und Talfahrten. Neben beeindruckend professionellen Arbeiten findet man auch Anfänger, die ihre ersten Schritte bezüglich Zeichnungen und schriftstellerischen Fähigkeiten ins Internet stellen. Eine Vorauswahl durch Verlage findet nicht statt. Trotzdem ist man nicht ganz schutzlos dem Sturm ausgeliefert. Beispielsweise stellte die Website The Webcomics Examiner (www.webcomicsreview.com/examiner) mehrmals am Jahresende ihre Auswahl der besten Web-Comics des Jahres vor. 2005 wurde diese Seite eingestellt, weil den Betreibern bei negativen Besprechungen mitunter ein solch enormer Druck durch Künstler und Fans entgegenschlug, dass sie die Lust am Magazin verloren. Ein aktuelles Blog, das sich mit US-Web-Comics beschäftigt, findet man unter www.webcomicoverlook.com. Bei www.webcomicsnation.com gibt es neben der normalen Rückmeldung durch Leser auch Peer-Reviews, also Begutachtungen durch "Ebenbürtige", in denen Künstler andere Web-Comics besprechen beziehungsweise empfehlen. Die bereits erwähnte Podcast-Seite The Webcomic Beacon vergibt den jährlichen Beaky Award in mehreren Kategorien, wie zukünftig auch The Webcomic List.Diese Sekundärseiten können dem interessierten und des Englisch mächtigen Leser also gute Startpunkte und Tipps liefern. Seit 2005 hat der Bildschirm-Comic auch beim renommierten Eisner-Award Einzug gehalten - von 2005 bis 2008 als „Best Digital Comic" (Mom's Cancer, PvP, Sam & Max: The Big Sleep und Sugarshock!), seit 2009 als „Best Webcomic". Dieser ging an Finder von Carla Speed McNeil. Auch für deutschsprachige Web-Comics gibt es seit kurzem für Interessierte eine bündelnde Link-Sammlung als Anlaufpunkt. Unter www.webcomic-verzeichnis.de können Künstler ihre deutschsprachigen Web-Comics eintragen und die Leser finden spezielle Comics oder lassen sich bestimmte Genres anzeigen. Auf der Startseite gibt es zudem Informationen, welche Comics vor kurzem aktualisiert wurden. Dieses private Projekt entstand aus dem Künstlerbereich des Comicforums hinaus. Der Verantwortliche und Programmierer für das Verzeichnis, Manfred Kooistra, plant für die Zukunft eine erweiterte redaktionelle Betreuung der Seite mit Rezensionen und Artikeln, was sich aber nur mit einer ausreichenden Anzahl an Mitstreitern realisieren lässt. Das könnte ein großer Schritt für die deutschsprachigen Web-Comics werden, zu denen man sich in der Vergangenheit meist per Suchmaschine von privater Künstlerseite zu privater Künstlerseite entlanghangeln musste oder bestenfalls mal auf die Präsenz kleinerer Zeichner-Kollektive traf. Hierzu zählt auch das oben erwähnte Zampano, das David Boller inzwischen zwei weiteren Künstlern geöffnet hat. So findet man in dem Online-Magazin jetzt Bollers eigene Werke wie Ewiger Himmel oder Bakuba, aber auch Don Caneloni von René Lehner oder Katastropolis von Rudolph Perez. Das von der Künstlerin Ulli Lust geleitete Portal Electrocomics (www.electrocomics.com), seit Juni 2005 online, bezeichnet sich selbst als „Verlag für Bildschirmcomics". International ausgerichtet, in englischer und deutscher Sprache, mit Mut zum Experimentellen und Avantgardistischen, aber auch mit klassisch erzählten Geschichten wie zum Beispiel Owls. Neben einigen Stripserien liegt der Schwerpunkt vor allem auf längeren Geschichten - diese werden als PDF in sehr guter Qualität zum Onlinelesen und Herunterladen angeboten, wobei das Seitenformat ausdrücklich für das Lesen am Bildschirm ausgerichtet ist. Die Downloads sind in aller Regel kostenlos, werden aber von einer Spendenaufforderung begleitet: Wem ein Comic gefällt, kann per Mausklick via PayPal einen Beitrag seiner Wahl spenden. Mehrere Comics, die online in Fortsetzungen erschienen sind, gibt es mittlerweile auch in Buchform bei etablierten Verlagen (z. B. Moresukine von Dirk Schwieger, Leroy & Dexter von Thomas Gilke und nicht zuletzt Uli Lusts Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens, siehe ab Seite 42 in dieser COMIXENE), wobei die elektronische Variante weiterhin online verfügbar bleibt. ... Weitere Abschnitte: Große Online-Plattformen, Der professionelle Onlinekünstler, Neue Vertriebsformen, Comic-Schwarzmarkt im Internet, Trial and Error (die großen US-Comicverlage im Internet) und Comics digital machen. Der komplette Artikel ist in Comixene 106 zu finden, für 9,- Euro erhältlich am Bahnhofskiosk und im Fachhandel, übers Internet zum Beispiel beim Freibeutershop.
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Kommentare (5)
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Millus
said:
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... Gefällt mir und das Thema interessiert mich sehr, denn ich will es jetzt auch mit meinem Onlinecomic wagen. Das es Zukunft hat, hat mir auch das Interesse von Verlagen gezeigt, die mir schon Angebote gemacht haben, um mein Onlinecomic exklusiv bei ihnen zu veröffentlichen. Es hat Zukunft und wenn sich die ganzen Ereader (mit besserer Auflösung) und neuen Lesemöglichkeiten verbreiten, dann wird es richtig rocken. Ihr solltet aber den ganzen Artikel aber auch als kostenpflichtige pdf Version anbieten, ich z.B. hätte nämlich jetzt nicht Lust die ganze Comixene zu kaufen, nur um den Artikel zu lesen. Wenn der Artikel irgendwo für 99cent etc. angeboten werden würde, dann würde ich danach greifen. |
Millus
said:
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... Das wäre nett. Kann man heutzutage sehr praktisch mit paypal organisieren. Kleiner Tipp: Vielleicht wäre http://www.xinxii.com/ für einzelne Artikel ideal, weil der Gewinn auch größer ist als bei anderen. (70%) Oder fragt mal bei Comicstars.de nach, vielleicht könnt ihr dort einen Channel für eure Artikel und eine digitale Ausgabe eures Magazins bekommen. Wäre besonders praktisch für Käufer aus dem Ausland. |
Heudi
said:
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... Das wäre ja super. Die Comixscene gibts nämlich leider nicht mehr in meiner Bahnhofsbuchhandlung. Und da sind bestimmt noch ältere Nummern dabei die man noch gerne hätte! |





















Zum Beginn des neuen Jahres ist die 106. Ausgabe des Fachmagazins Comixene an Bahnhofskiosken und im Fachhandel erhältlich. Das Titelthema lautet "Comics 2.0 - Die digitale Revolution". Thomas Kögel und Frauke Pfeiffer haben den Großteil des Leitartikels geschrieben. Neben einem umfassenden Überblick über die Entwicklung und das aktuelle Geschehen der digitalen Bilderwelten (zum Beispiel selber publizieren im Internet, Finanzierung, Präsentationsportale, Blick in die USA, Auszeichnungen, Bezahlmodelle, Lesegeräte) haben wir einige Macher befragt und stellen Euch acht Webcomics vor. Wir präsentieren Euch hier als Leseprobe die ersten vier Seiten des 13-seitigen Artikels.
