Aktuelle Rezensionen


Der Wald der Jungfrauen 1 - Verrat


Bouncer 7 - Doppelherz


Tamara Drewe


Prototype


Spirit Archive, Band 16


Leroy & Dexter


Witchblade 1 und Darkness 1


Sukkubus 1 - Camilla


Animal'z


Cosa Nostra 4 - Die Hetzjagd
Anzeige
Advertisement
 
Home arrow Rezensionen arrow ausführlich arrow Sleeper 4: Das lange Erwachen  
Sleeper 4: Das lange Erwachen Drucken E-Mail
Geschrieben von Benjamin Vogt   
Montag, 4. Januar 2010

 Mit dem jetzt vorliegenden vierten Band ist die Wildstorm-Serie Sleeper vom Kreativteam Ed Brubaker und Sean Phillips auch in Deutschland an ihr Ende gelangt. Insgesamt 24 Kapitel umfasst das Werk, aufgeteilt in zwei Volumes. Nebenbei bemerkt gibt Brubaker in dem von ihm verfassten Nachwort am Ende des vierten Teils eine kurze Erläuterung, wie die eigentliche Konzeption für den Titel aussah und mit welcher Intention Sleeper um zwölf weitere US-Hefte (= Vol. 2) aufgestockt wurde. Aber kann der Abschluss dieser zu Recht viel gelobten Reihe halten, was die bisherigen Bände versprachen?

Aus meiner Sicht nicht ausnahmslos. Aber dazu muss die Handlung erstmal knapp rekapituliert werden: Sleeper erzählt die Geschichte des Agenten Holden Carver, der undercover das Verbrechersyndikat des genialen Schurken Tao infiltriert, aber dann, als sein einziger Kontaktmann John Lynch im Koma liegt, in seiner Rolle feststeckt. Carver wird zwischen den beiden Mächtigen, Lynch und Tao, und ihrem tödlichen Spiel zunehmend aufgerieben, was dazu führt, dass man als Leser dem von beiden Seiten benutzten Agenten schließlich alles zutraut. Wechselte er bereits die Seiten, fand er Gefallen am Verbrechertum? Ist er gegenüber seinem ursprünglichen Auftraggeber doch noch loyal? Oder verfolgt er gar seine eigenen Ziele und spielt beide Parteien gegeneinander aus? Das sind Fragen, die Brubaker in aller Spannung sehr lange aufrechterhält erhält, bilden sie doch den roten Faden dieser düsteren Krimiserie.

 Umso bedauerlicher ist, dass das Ende etwas zu simpel wirkt. Nicht für einen normalen Comic, für einen auf so hohem Niveau wie hier allerdings schon. Grifter taucht wieder auf, was zwar ganz nett ist, da er ja seit Point Blank, dem inoffiziellen Vorgänger zu Sleeper, in die Verwicklungen zwischen Lynch, Tao und Carver involviert ist, aber man wird das Gefühl nicht los, dass er einfach nur für etwas Action sorgen soll.

Das endgültige Schicksal des psychisch angeknacksten Carver wird rasch abgehandelt, was aufgrund des Twists am Ende verständlich ist. Mehr Zeit bzw. mehr Tiefe  hätte man sich bei der finalen Konfrontation der Hauptakteure gewünscht. Da wirken die Geschehnisse im letzten Kapitel für meine Begriffe zu überhastet. Das trübt den hervorragenden Gesamteindruck der Serie ein wenig, alles in allem erreicht aber auch der vierte Band größtenteils die gewohnte Qualität.

 Brubaker und Phillips sind erwiesenermaßen ein eingespieltes Duo, das perfekt zusammen passt. Selten sind düstere, harte Crime-Stories so überzeugend wie bei der Zusammenarbeit dieser beiden. Wer auf Comics mit Agenten, gebrochenen Helden und einer Prise Superschurken  steht, der kommt an Sleeper auf lange Sicht jedenfalls nicht vorbei.

 

Sleeper 4: Das lange Erwachen
Cross Cult, Dezember 2009
Text: Ed Brubaker
Zeichnungen: Sean Phillips
144 Seiten, farbig, HC, 19,80 Euro
ISBN 978-3-936480-74-0

schwächeres Ende, insgesamt aber bemerkenswert gut

Jetzt bei ComicCombo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Cross Cult

 

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den obenstehenden Code eingeben:


busy
Ähnliche Artikel:
Hell's Kitchen
 Da man auch bei Ehapa feststellen musste, dass man frankobelgische Alben nicht mehr unbedingt so leicht an den Mann bringen kann wie noch vor einigen Jahren und einen erheblichen Einbruch erlitt, versucht man nun, solches Material behutsam wieder lukrativer zu machen. Offenbar geht man aber nicht den Weg von z.B. Carlsen, Comics im verkleinerten Format  unter dem Banner "Graphic Novel" zu veröffentlichen. Ehapa zeigt mit dem Band "Hell's Kitchen" eine weitere Alternative, denn dieser erscheint als so genannte "All in One"-Edition, das heißt, der Leser bekommt die ursprünglich vierteilige Albenreihe im Originalformat am Stück, also in einer abgeschlossenen Gesamtausgabe, präsentiert.


Supreme Power 3
Der Autor J.M. Straczynski (Babylon 5) und der Zeichner Gary Frank hatten mit ihrem zwölfteiligen Mystery-Comic Midnight Nation (dt. im Infinity-Verlag) hervorragende Arbeit geleistet. Frank ist seitdem auf meiner persönlichen Lieblingszeichnerliste ganz weit oben.
Grund genug, mein Misstrauen gegenüber Superheldencomics zurückzudrängen und mich an eine weitere Kooperation von ihnen zu wagen. Und die ist selbst für Superman-Skeptiker so gut gelungen, dass ich auch bei Sammelband 3 immer noch dabei bin.
Wanted (US)
teaser_wanted.jpgMark Millar legt in Wanted einen wirklich netten Start hin. Zugegeben, da schwingt ein große Prise Fight Club mit, wenn Wesley Gibson uns seine erbärmliche White-Collar-Existenz mit all den Schwierigkeiten und Problemen des täglichen Lebens vorstellt, ehe er in die Welt der Superschurkerei eingeführt wird und sein altes Dasein hinter sich lassen kann. Aber das ist ja nichts Schlimmes, immerhin war Fight Club ein ziemlich guter Film und ein ebenso gutes Buch. Das Problem ist nur, da wo Chuck Palahniuk in Fight Club konstant interessante Ideen mit Gesellschaftskritik und Charakterkonflikten verband, da fällt Millar schnell auf eine altbekannte Geschichte und viel pubertäres Machogehabe zurück.
Sin City 2: Eine Braut, für die man mordet
Frank Miller gilt als Garant für knallharte Action. Daredevil bricht dem Kingpin die Nase, Batman prügelt den Joker durch ein Schaufenster - immer geht es handfest zur Sache. Die Werke aus der Feder des amerikanischen Autoren und Zeichners haben inzwischen Comic-Geschichte geschrieben. Nicht wegen ihrer Brutalität, sondern wegen ihrer Kohärenz und Tiefe. Jetzt legt Cross Cult nach und präsentiert Frank Millers Klassiker Sin City neu, in einer Luxus-Edition.
Vampire Boy 1 - Die Auferstehung
Eduardo Risso, bei uns u.a. bekannt als Zeichner von Vertigos Hit-Serie 100 Bullets, hat zusammen mit dem argentischen Author Carlos Trillo den Comic Boy Vampire - für unsere Ohren von Cross Cult eleganter mit Vampire Boy "übersetzt" - erschaffen. Der Titel macht eigentlich schon alles klar: es geht um einen Vampir im Körper eines Jungen.
Die beiden interpretieren dabei einige typischen Mythen neu: man wird nicht durch einen Biss zum Vampir, Sonnenlicht heilt, anstatt zu töten, Vampire essen in einem durchaus erstaunlichen Ausmaß normales Essen, und sie wollen nicht ewig leben - zumindest nicht der eine der zwei vampirischen Erzfeinde, um die sich dieser Comic dreht.
 
Anzeige